Die Tragödie der Chinesischen Revolution von 1925 - 1927

Teil 1

Von John Chan
18. Februar 2009

Dies ist der erste von drei Teilen einer Vorlesung, die während der Sommerschule der Socialist Equality Party in Ann Arbor, Michigan, im August 2007 gehalten wurde.

Der Aufstieg und Niedergang der Zweiten Chinesischen Revolution von 1925 bis 1927 ist eines der bedeutendsten politischen Ereignisse in der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese gescheiterte Revolution endete mit dem Tod Zehntausender kommunistischer Arbeiter und der völligen Zerstörung der Kommunistischen Partei Chinas als Massenorganisation der Arbeiterklasse. Es ist unmöglich, die grundlegenden Probleme der modernen chinesischen Geschichte zu verstehen, insbesondere das Wesen des 1949 errichteten maoistischen Regimes, ohne die Lehren aus den Ereignissen der Jahre 1925 bis 1927 gezogen zu haben.

Im Jahr 1930 erklärte Trotzki: "Das Studium der Chinesischen Revolution ist für jeden Kommunisten und fortschrittlichen Arbeiter eine der wichtigsten und vorrangigsten Aufgaben. Es ist unmöglich, in irgendeinem Land ernsthaft über den Kampf für die Machtergreifung des Proletariats zu reden, ohne dass die proletarische Vorhut die grundlegenden Ereignisse, treibenden Kräfte und strategischen Methoden der Chinesischen Revolution studiert. Man kann nicht verstehen was Tag ist, ohne zu wissen was Nacht ist. Es ist nicht möglich den Sommer zu verstehen, ohne den Winter erlebt zu haben. Im selben Sinne ist es nicht möglich, das Wesen der Methoden des Oktoberaufstandes zu verstehen, ohne die chinesische Katastrophe zu studieren." (Leon Trotsky on China, Monad Press, New York, 1978, p. 475).

Die Perspektive der Chinesischen Revolution stand im Mittelpunkt von Trotzkis Kampf gegen die stalinistische Bürokratie. Seine Theorie der Permanenten Revolution wurde in diesem Kampf - zum zweiten Mal - einer grundlegenden Prüfung unterzogen. Stalin setzte sich mit Unterstützung des bürokratischen Apparates durch, was zum Verrat einer der viel versprechendsten revolutionären Möglichkeiten seit 1917 führte. Die Niederlage in China war ein entscheidender Schlag gegen die Linke Opposition. Ende 1927 wurde Trotzki aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und danach aus der UdSSR ausgewiesen.

Dieser Vortrag wird die entscheidende Rolle der revolutionären Führung in direkter Opposition zu den Standpunkten der postsowjetischen Schule der Fälschung untersuchen und hervorheben. Die Methoden und Argumente zweier Mitglieder dieser Tendenz, der britischen Historiker Ian Thatcher und Geoffrey Swain, wurden bereits in der jüngst veröffentlichten Arbeit David Norths Leon Trotsky & the Post-Soviet School of Historical Falsification (Mehring Books, Detroit, 2007) beleuchtet und widerlegt. Ihre Haltung zur Chinesischen Revolution verdient es hier beachtet zu werden.

Thatcher behauptet, Stalin und Trotzki hätten hinsichtlich der Ereignisse von 1925 bis 1927 denselben Standpunkt der "Notwendigkeit eines sozialistischen Chinas" geteilt.

Damit werden zwei sich diametral gegenüberstehende Perspektiven in einen Topf geworfen. Trotzki repräsentierte die internationalistische Tendenz, die anerkannte, dass die erste sozialistische Revolution im rückständigen Russland nicht in erster Linie durch nationale Bedingungen, sondern durch die Widersprüche des Weltkapitalismus möglich wurde. Die Oktoberrevolution war lediglich der Auftakt der sozialistischen Weltrevolution in den Kolonien und den fortgeschrittenen kapitalistischen Staaten. Trotzki hob hervor, dass es dem chinesischen Proletariat ebenso wie der russischen Arbeiterklasse möglich sei, die Macht zu ergreifen, weil die nationale Bourgeoisie in der Epoche des Imperialismus keine historisch progressive Rolle mehr spielen könne.

Im Gegensatz dazu ignorierte Stalin die Tatsache, dass die Produktivkräfte der imperialistischen Epoche über den historisch veralteten Rahmen der Nationalstaaten hinausgewachsen waren. Er sah die imperialistische Unterdrückung lediglich als ein äußeres Hindernis für den Aufstieg des chinesischen "nationalen" Kapitalismus an. Ohne dieses Hindernis wäre dieser grundsätzlich in der Lage, den klassischen bürgerlichen Revolutionen Nordamerikas und Westeuropas zu folgen. Stalin bestand deshalb darauf, die Arbeiterklasse müsse sich zunächst dem Regime der bürgerlichen Kuomintang (KMT) unterordnen, damit die chinesische Bourgeoisie ihre national-demokratischen Aufgaben erfüllen könne. Die Perspektive der proletarischen Revolution wurde damit auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte verschoben.

Diese gegensätzlichen Konzeptionen brachten sehr unterschiedliches politisches Vorgehen mit sich. Trotzki forderte die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse, Stalin dagegen zwang die chinesischen Kommunisten in die Rolle der "Kulis" der Kuomintang. Trotzki rief zur Bildung von Sowjets [Arbeiterräten] als Machtorgane der Arbeiter und Bauern auf, Stalin betrachtete die Kuomintang als eine Art revolutionär- demokratisches Regime. Trotzki warnte die chinesischen Arbeiter vor der Gefahr, die sowohl vom rechten als auch vom linken Flügel der Kuomintang drohte. Stalin ordnete sich zunächst der gesamten Kuomintang unter. Nach dem Massaker Chiang Kai-sheks an den Shanghaier Arbeitern im April 1927 befahl er den Kommunisten, sich dem "linken" Kuomintang- Führer Wang Ching-Wei in Wuhan zuzuwenden - was drei Monate später auch für sie in einem Blutbad endete.

Nachdem die Revolution in der zweiten Hälfte des Jahres 1927 in eine Niedergangsphase eintrat, rief Trotzki zum systematischen Rückzug auf, um die Partei zu schützen. Stalins kriminelle Forderung an die Chinesische Kommunistische Partei, Putsche durchzuführen, zerstörte die bereits angeschlagene kommunistische Arbeiterorganisation in den großen Zentren gänzlich und kostete tausenden Parteikadern das Leben.

Diese grundsätzlichen Unterschiede haben nach Thatchers Meinung keinerlei Bedeutung für das tragische Ende der Zweiten Chinesischen Revolution. Selbst wenn die Kommunistische Partei sich 1926 von der Kuomintang gelöst hätte, wie es Trotzki forderte, "gibt es kein Anzeichen dafür, dass die Revolution 1927 größeren Erfolg gehabt hätte", behauptet Thatcher. (Trotsky, Ian D. Thatcher, Routledge, 2003, p. 156).

Für Thatcher spielen in den entscheidenden Momenten der menschlichen Geschichte die politische Perspektive, das revolutionäre Programm, die Führung und die Taktik keine Rolle.

Die Ursprünge der Chinesischen Revolution

Die theoretische Vorbereitung der ersten sozialistischen Revolution, die im Oktober 1917 in Russland stattfand, erforderte jahrzehntelange Arbeit in der marxistischen Bewegung. In China gab es keine solche lange, vorbereitende Entwicklung. Ebenso wie die Entstehung der chinesischen Arbeiterklasse das Ergebnis des Eindringens ausländischen Kapitals in das halbkoloniale Land war, war die Entwicklung der chinesischen marxistischen Bewegung das Ergebnis der direkten Ausdehnung der Russischen Revolution und übersprang dadurch Jahrzehnte westlicher sozialdemokratischer Traditionen und sozialwissenschaftlicher Entwicklung. Die Erfahrung der Russischen Revolution war für China, das eine ähnliche soziale und historische Entwicklung wie Russland aufwies, bedeutsam. Beide Länder waren überwiegend agrarisch, hatten ungelöste demokratische Aufgaben und ein kleines, jedoch schnell wachsendes Proletariat.

Die große Tragik der Chinesischen Revolution bestand darin, dass unter der Führung Stalins das monumentale Ansehen der Russischen Revolution missbraucht wurde, um auf der Grundlage der menschewistischen "Zweistufentheorie" eine opportunistische Politik durchzusetzen.

Für ein tieferes Verständnis der drei Konzeptionen der Russischen Revolution, der menschewistischen Zweistufentheorie, Lenins Konzept der Demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft und Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution ist das Studium von David North’s Vortrag "Ein Beitrag zur Neubewertung von Vermächtnis und Stellenwert Leo Trotzkis in der Geschichte des 20. Jahrhunderts" aus dem Jahre 2001 besonders wichtig.

Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution, im positiven Sinne bestätigt durch den Verlauf der Russischen Revolution, wurde im negativen Sinne auf tragische Weise durch die Niederlagen der Revolution in China bestätigt.

Die Grundfragen der Chinesischen Revolution waren denen der Russischen Revolution sehr ähnlich. China stand vor der drängenden Aufgabe, die nationale Einheit zu erreichen und die von den Warlords und den imperialistischen Mächten erzeugte Spaltung zu überwinden. Weiterhin ging es darum, durch eine Agrarreform den Landhunger von Millionen armen Bauern zu stillen und die barbarische, halbfeudale Ausbeutung zu beenden. Die chinesische Bourgeoisie erwies sich jedoch als noch korrumpierter als ihr russisches Pendant, als abhängig vom Imperialismus, unfähig die Nation zu einen, organisch mit den Grundherren und den Wucherern auf dem Land verwachsen und dadurch unfähig die Agrarreform durchzuführen. Vor allem jedoch war sie von tiefer Furcht vor der jungen und kämpferischen chinesischen Arbeiterklasse erfasst.

Wie in Russland war auch in China das Wachsen der Industrie vom Auslandskapital abhängig. Zwischen 1902 und 1914 verdoppelten sich die Auslandsinvestitionen in China. In den folgenden fünfzehn Jahren verdoppelten sich die Auslandsinvestitionen nochmals, stiegen auf 3,3 Milliarden Dollar und dominierten Chinas wichtigste Industrien, insbesondere die Textilindustrie, die Eisenbahn und die Schifffahrt. 1916 gab es eine Million Industriearbeiter in China, 1922 waren es bereits doppelt so viele. Die Arbeiterschaft war in wenigen Industriezentren wie beispielsweise Shanghai und Wuhan konzentriert. Mehrere Zehnmillionen Halbproletarier - Handwerker, Ladenbesitzer, Angestellte und Landarme - teilten ihre sozialen Hoffnungen mit dem Proletariat.

Obwohl zahlenmäßig klein - einige Millionen bei einer Gesamtbevölkerung von über 400 Millionen - war das chinesische Proletariat doch durch die Widersprüche des Weltkapitalismus dazu bestimmt, eine führende Rolle in den revolutionären Kämpfen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zu übernehmen. Das Scheitern der ersten Chinesischen Revolution von 1911 unter der Führung von Sun Yat-sen zeigte, dass die chinesische Bourgeoisie gänzlich außerstande war, ihre eigenen historischen Aufgaben zu erfüllen.

Sun Yat-sen Sun Yat-sen

Sun Yat-sen gewann mit Beginn der 1890er Jahre Unterstützung, nachdem die Mandschu-Dynastie Bestrebungen für eine konstitutionelle Monarchie zurückgewiesen hatte. Inspiriert von den klassischen bürgerlichen Revolutionen in Amerika und Frankreich vertrat Sun-Yat-sen die "Drei Prinzipien des Volkes": Den Sturz des imperialen Systems, die demokratische Republik und die Nationalisierung des Bodens. Sun unternahm jedoch keinen Versuch eine Massenbewegung zu formieren und beschränkte sich weitgehend auf Verschwörungen, Putsche oder terroristische Aktionen gegen einzelne Mandschu-Beamte.

Die so genannte "Revolution" von 1911 versetzte einer bereits vollkommen verrotteten Struktur lediglich den letzten Schlag, denn finanziell stand die Regierung nach jahrzehntelanger Plünderung durch die westlichen Mächte bereits am Rande des Bankrotts. Politisch war die Mandschu-Dynastie völlig diskreditiert, nachdem die imperialistischen Mächte chinesisches Territorium entweder als Kolonie oder - wie im Fall der Hafenstädte, wo ausländische Truppen, Polizei und Justiz herrschten - als "Konzession" annektiert hatten. Im Jahre 1900 musste sich die im Sterben begriffene Mandschu-Dynastie auf ausländische Truppen stützen, um den Boxeraufstand, einen umfassenden antikolonialen Aufstand von Bauern und Landarmen, niederzuschlagen.

Als die Mandschu-Dynastie letztendlich konstitutionelle Reformen versprach, war es bereits zu spät. Große Teile der Bourgeoisie, der Bürokratie und des Militärs standen inzwischen auf der Seite Sun Yat-sens. Am 10. Oktober 1911 wurde nach einem Aufstand tausender Soldaten in Wuhan in der Provinz Hubei eine Republik ausgerufen. Der Aufstand dehnte sich schnell über mehrere chinesische Provinzen aus, aber das Fehlen einer echten Massenbewegung führte dazu, dass die Besitzstände unangetastet blieben. Das Resultat dessen war die lose föderierte "Republik China" mit Sun Yat-sen als provisorischem Präsidenten.

Diese neue Republik war in Wirklichkeit in der Hand der alten Militärbürokratie, die jedem Versuch widerstand, den Bauern Land zu geben. Sun suchte schnell den Kompromiss mit diesen reaktionären Kräften und strebte lediglich die internationale Anerkennung der Republik China an. Die imperialistischen Mächte forderten Sun jedoch auf, die Präsidentschaft an den letzten Mandschu-Premierminister Yuan Shikai zu übergeben, der ihnen als verlässlicherer Herrscher erschien und Chinas halbkolonialen Status nicht in Frage stellen würde. Yuan wurde Präsident, wandte sich von Sun Yat-sen und seiner Kuomintang [Nationale Volkspartei] ab, setzte die Verfassung außer Kraft und löste das Parlament auf. Im Jahre 1915 ernannte sich Yuan mit der Unterstützung Japans selbst zum Kaiser. Sein kurzlebiger Versuch, das imperiale System wiederzubeleben, wurde durch die Revolte südchinesischer, die Republik befürwortender Generale beendet. Yuan wurde zum Rücktritt gezwungen und starb bald darauf.

Obwohl die Republik China dem Namen nach noch existierte, war sie doch unter rivalisierenden, jeweils von anderen imperialistischen Mächten unterstützten Warlords aufgeteilt. Die KMT hielt sich mit Unterstützung lokaler Generale in der südchinesischen Stadt Guangzhou (Kanton). Sun appellierte ohne Erfolg an die kleineren Warlords, die größeren zur Einigung Chinas aufzufordern.

Die Bewegung des Vierten Mai und die Russische Revolution

Chen Dixiu Chen Dixiu

Das Scheitern im Jahr 1911 hatte tief greifende Auswirkungen auf die chinesischen Intellektuellen. Der spätere Gründer der Kommunistischen Partei Chinas und der trotzkistischen Bewegung, Chen Duxiu, bereitete den Weg für neue intellektuelle Horizonte. Eine außergewöhnliche Ära begann, eine Zeit rascher Politisierung vieler Jugendlicher, die sich aktiv an weit reichenden politischen, ideologischen und kulturellen Kämpfen beteiligten, um den Lauf der Geschichte zu beeinflussen. Chens Magazin Neue Jugend wurde später das offizielle Organ der Kommunistischen Partei. Chen zog viele Studenten an, die in ihm den kompromisslosen Kämpfer gegen den reaktionären Einfluss des Konfuzianismus sahen. Er machte den radikalen Schritt und führte die Jugendlichen an westliche Literatur, Philosophie, Sozial- und Naturwissenschaft heran.

Die entscheidenden politischen Impulse kamen aus internationalen Ereignissen. Der Beginn des Ersten Weltkrieges 1914, obwohl vor allem ein europäisches Ereignis, hatte großen Einfluss auf China, gefolgt von den gewaltigen Auswirkungen des Siegs der Russischen Revolution 1917. Li Dazhao, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Chinas, brachte als erster den Marxismus nach China. Einer der ersten marxistischen Essays in China war Der Sieg des Bolschewismus von 1918, weitgehend inspiriert von Trotzkis Arbeit Der Krieg und die Internationale.

Li Dazhao Li Dazhao

Li schrieb, dass der Beginn des Ersten Weltkrieges den Beginn "des Klassenkrieges ... zwischen den Massen des Weltproletariats und den Kapitalisten der Welt" markiert. Die bolschewistische Revolution sei nur der erste Schritt zur Beseitigung des kapitalistischen Monopol-Profitsystems der Produktion und der gegenwärtig existierenden nationalen Grenzen, welche Hindernisse für den Sozialismus sind. Li begrüßte die Oktoberrevolution als "die neue Strömung des zwanzigsten Jahrhunderts", die bald von den Ereignissen in China bestätigt werden sollte. (Li Ta-chao and the Origins of Chinese Marxism, Maurice Meisner, Harvard University Press, 1967, p 68)

Unter dem Druck der Alliierten Mächte erklärte China Deutschland den Krieg und gehörte damit formell zu den Siegermächten. Beim Kuhhandel auf der Versailler Konferenz im Mai 1919 wurde Chinas Unabhängigkeit jedoch erneut mit Füßen getreten, indem die imperialistischen Mächte Deutschlands Kolonialkonzessionen in Shandong an Japan übergaben. Diese Nachricht aus Paris rief Streiks von Arbeitern in ganz China und wütende Proteste der Pekinger Studenten hervor.

Die weit verbreiteten Illusionen in die anglo-amerikanische "Demokratie" waren gründlich erschüttert. Unter Studenten und Arbeitern setzte sich weithin die Erkenntnis durch, dass die rivalisierenden Mächte im Ersten Weltkrieg um die Beherrschung der Welt und für die Interessen ihrer eigenen Bourgeoisie gekämpft hatten. Wer auch immer siegte, die imperialistische Ausbeutung Chinas und anderer Kolonialstaaten würde nicht enden. Der Sieg der russischen Arbeiterklasse eröffnete dagegen eine neue Perspektive für die chinesischen Massen.

Die Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) unter der Führung von Chen Duxiu und Li Dazhao im Juli 1921 erfolgte auf der Grundlage des sozialistischen Internationalismus. Die noch kleine KPCh wuchs auf der Grundlage ihres Programms und des Ansehens der Oktoberrevolution rasch. Sie begrüßte die vom zweiten und dritten Kongress der Kommunistischen Internationale (Komintern) ausgearbeitete Taktik, um die Führung der entstehenden nationalen Befreiungsbewegungen zu kämpfen.

In der Diskussion auf dem Zweiten Komintern-Kongress drängte Lenin die jungen kommunistischen Parteien der Kolonialländer, sich aktiv an den entstehenden nationalen Befreiungsbewegungen zu beteiligen, und hob besonders die Notwendigkeit hervor, "entschieden gegen den Versuch zu kämpfen, den bürgerlich-demokratischen Nationalbewegungen der Kolonien und rückständigen Länder einen kommunistischen Anstrich zu geben. Die Kommunistische Internationale muss die Nationalbewegungen dieser Länder nur unter der Bedingung unterstützen, dass in allen rückständigen Ländern die Elemente zukünftiger proletarischer Parteien, kommunistischer Parteien nicht nur dem Namen nach, zusammengefasst und ausgebildet werden, damit sie ihre besonderen Aufgaben, nämlich die bürgerlich-demokratischen Bewegungen ihrer jeweiligen Nationen zu bekämpfen, wahrnehmen können; die Kommunistische Internationale muss eine zeitweilige Allianz mit der bürgerlichen Demokratie der rückständigen und kolonialen Länder eingehen, darf aber nicht mit ihr verschmelzen und muss unter allen Umständen die Unabhängigkeit der proletarischen Bewegung erhalten, sei es auch in rudimentärster Form ..." (Lenin On the National and Colonial Questions: Three Articles, Foreign Language Press, Peking, 1975, p. 27).

Mit der Niederlage der deutschen Revolution von 1923 und Lenins Tod im Jahre 1924 wurde die grundlegende, von Lenin skizzierte politische Achse aufgegeben. Im Namen des Widerstands gegen den "Trotzkismus" wies der konservative, von Stalin geführte Teil der bolschewistischen Führung die grundlegenden Lehren des Jahres 1917 zurück. Statt den revolutionären Durchbruch in China zu unterstützen, strebte diese Führung Verbindungen zu so genannten "demokratischen" Teilen der chinesischen Bourgeoisie an, um den Druck des japanischen und britischen Imperialismus im Fernen Osten zu verringern.

Der Beitritt zur Kuomintang

Die ursprüngliche KPCh-Politik einer zeitweiligen Allianz mit der KMT beruhte auf dem Grundsatz des unabhängigen Fortbestehens beider Parteien. Im August 1922 ordnete die Kominternführung jedoch an, die Mitglieder der KPCh sollten der KMT beitreten.

Die KPCh widersetzte sich dieser Entscheidung, aber ihre Einwände wurden durch die Komintern-Führung unter Sinowjew unterdrückt. Sinowjew rechtfertigte die Entscheidung damit, dass die KMT die "einzige ernsthafte nationalrevolutionäre Gruppe" in China sei. Die unabhängige Bewegung der Arbeiterklasse sei noch schwach und daher müsse die kleine KPCh der KMT beitreten, um ihren Einfluss zu erweitern.

Viele Jahre später, im November 1937, schrieb Trotzki an Harold Isaacs: "Der Beitritt selbst war 1922 noch kein Verbrechen, möglicherweise nicht einmal ein Fehler, besonders im Süden und unter der Voraussetzung, dass damals etliche Arbeiter in der Kuomintang waren, die junge Kommunistische Partei schwach war und vor allem aus Intellektuellen bestand...Unter diesen Umständen wäre der Beitritt ein vorübergehender Schritt zur Unabhängigkeit [sic] gewesen, bis zu einem gewissen Grad analog zu Eurem Eintritt in die Sozialistische Partei (der USA - Anm. d. Redaktion). Die eigentliche Frage lautet, worin bestand die Absicht des Beitrittes und welcher Art war die anschließende Politik?" (The Bolsheviks and the Chinese Revolution 1919-1927, Alexander Pantrov, Curzon Press 2000, p. 106)

Als Stalin die Leitung der Komintern übernahm, betrachtete er den Eintritt der KPCh in die Kuomintang nicht als Schritt zur Bildung einer unabhängigen Massenpartei, sondern zunehmend als langfristig angelegte Politik mit dem Ziel einer bürgerlich-demokratischen Revolution in China. In seinen Augen war die Bedeutung der KMT weitaus größer als die der chinesischen Sektion der Komintern. Im Jahre 1917 wäre eine solche Haltung von den Bolschewiki als politische Kapitulation vor der Bourgeoisie angeprangert worden. Nun jedoch verordnete Stalin diese Politik China und behauptete, sie repräsentiere die Kontinuität des Leninismus und das Erbe der Oktoberrevolution.

Nach dem Dritten Kongress der Kommunistischen Internationale rief die KPCh alle ihre Mitglieder auf, der KMT beizutreten und gab damit ihre eigene Unabhängigkeit auf. Als die Komintern Michail Borodin als ihren neuen Bevollmächtigten Vertreter für China einsetzte, trat dieser als Berater der KMT auf, die von Kopf bis Fuß gemäß bolschewistischen Organisationsstrukturen rekonstruiert wurde. Zehn führende KPCh- Mitglieder kamen ins Zentralexekutivkomitee der KMT und stellten damit etwa ein Viertel dieses Organs. Kommunistische Kader übernahmen häufig direkt die Aspekte der KMT-Arbeit.

Der KMT-Militärapparat war ein direktes Produkt der Kominternpolitik. Bevor Sun Yat-sen 1924 seine "Nationale Revolutionsarmee" schuf, hatte er nur eine 150 bis 200 Mann starke Garde - im Vergleich zu 200.000 bis 300.000 Soldaten, die jedem Warlord im Norden Chinas unterstanden. Suns Abhängigkeit von den Generalen des Südens wurde 1922 offensichtlich, als er gezwungen war, wegen eines lokalen Putsches nach Shanghai zu fliehen. Erst danach wandte er sich hilfesuchend an Moskau.

Die Whampoa-Militärakademie in Guangzhou - die Basis, von der aus Chiang Kai-shek später zur Macht aufstieg - wurde mit Hilfe sowjetischer Berater errichtet. Ohne die militärische Hilfe der Sowjetunion und die Fähigkeit der KPCh, Arbeiter und Bauern zu mobilisieren, wäre die Schaffung einer Kuomintang-Armee, die fähig war, die mächtigen Warlords zu besiegen, unmöglich gewesen.

Fortsetzung folgt

Siehe auch:
Kein großes Aufhebens zum dreißigsten Jahrestag der kapitalistischen Marktreformen in China
(31. Januar 2009)