Eine sozialistische Antwort auf die kapitalistische Krise

Aufruf der Partei für Soziale Gleichheit zur Europawahl 2009

1. Mai 2009

Die Partei für Soziale Gleichheit (PSG) tritt am 7. Juni mit einer eigenen bundesweiten Liste zur Europawahl an. Ziel unserer Wahlteilnahme ist der Aufbau einer neuen Partei, die die arbeitende Bevölkerung Europas in die Lage versetzt, unabhängig von den etablierten Parteien ins politische Geschehen einzugreifen. Wir streben eine sozialistische Gesellschaft an, die den gesellschaftlichen Bedürfnissen Vorrang vor den Profitinteressen der Kapitalbesitzer einräumt. Der Europäischen Union - einem Werkzeug der großen Konzerne und Banken - stellen wir die Vereinigung Europas auf sozialistischer Grundlage entgegen.

Die Europawahl 2009 findet mitten in der größten weltweiten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren statt. Die Industrieproduktion geht dramatisch zurück und die Arbeitslosigkeit steigt im Rekordtempo. Unter der Oberfläche braut sich ein gewaltiger gesellschaftlicher Sturm zusammen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, einen solchen Sturm politisch vorzubereiten und in eine fortschrittliche Richtung zu lenken. Wir wollen die Grundlagen für eine sozialistische Massenbewegung legen, die die Macht des Kapitals bricht und Arbeiterregierungen errichtet.

Wir stützen uns dabei auf eine mächtige historische Tradition. Als deutsche Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale verkörpert die PSG die Kontinuität der trotzkistischen Bewegung, die den Marxismus unter den schwierigsten Umständen gegen den Stalinismus und die Sozialdemokratie verteidigt hat. Wir arbeiten eng mit der britischen Socialist Equality Party sowie Gesinnungsgenossen in ganz Europa, den USA, Asien und Australien zusammen.

Die Krise des Kapitalismus

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise entspringt nicht nur der Gier einzelner Individuen, sie ist das Ergebnis des Bankrotts des gesamten kapitalistischen Systems. Sie bestätigt Karl Marx’ Analyse, dass die inneren Widersprüche des Kapitalismus zwangsläufig zu einer revolutionären Krise führen.

In den vergangenen zwölf Monaten hat die Krise Vermögenswerte im Umfang von 50 Billionen Dollar vernichtet. Das entspricht der weltweiten Wirtschaftsproduktion von einem Jahr. Laut Schätzungen der ILO werden in diesem Jahr als Folge der Krise 50 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Zahl der Armen wird sich um 200 Millionen erhöhen und die Kindersterblichkeit um bis zu 400.000 jährlich steigen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst seit langem. Bereits Mitte der 90er Jahre besaßen laut einem UN-Bericht 358 Milliardäre gleich viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, rund 2,5 Milliarden Menschen. Seither hat sich die Finanzoligarchie in einer beispiellosen Bereicherungsorgie völlig von der realen Wirtschaft abgehoben, während der Lebensstandard der breiten Bevölkerung weiter gesunken ist. Durch waghalsige Finanzoperationen erzielten Banken und Hedgefonds sagenhafte Gewinne. Banker und Manager strichen Jahresgehälter in zweistelliger Millionenhöhe ein. Der Begriff "Heuschrecke" wurde zum geflügelten Wort.

Nun ist die Spekulationsblase geplatzt. Das wahre Gesicht des Kapitalismus ist offen sichtbar. Was beschönigend als "freie" oder "soziale Marktwirtschaft" bezeichnet wird, erweist sich als nackte Diktatur des Finanzkapitals. Seit Jahren fehlt es angeblich an Geld für Bildung, Gesundheit, Renten und Sozialleistungen. Doch die maroden Banken, die für die Krise verantwortlich sind, erhalten Billionen aus den Staatskassen. Die Rechnung wird die arbeitende Bevölkerung bezahlen.

In den USA hat die Regierung Obama die faulen Schulden der Banken übernommen. Sie treibt die Staatsverschuldung in schwindelerregende Höhe und zwingt gleichzeitig die Beschäftigten der Autoindustrie, durch radikale Einschnitte für die Krise aufzukommen. In Europa pumpen die Regierungen öffentliche Gelder in die Tresore der Banken, während Millionen Arbeiter und breite Teile der Mittelschichten Arbeitsplatz, Einkommen, Ersparnisse, Renten und Sozialansprüche verlieren.

Allein in Deutschland hat die Bundesregierung 500 Milliarden Euro in den Bankenrettungsfonds gesteckt und Garantien für faule Schulden übernommen, die sich auf eine weitere Billion Euro belaufen. Nur die im September bevorstehende Bundestagswahl hindert sie derzeit noch daran, diese Gelder durch massiven Sozialabbau wieder einzutreiben. Nach der Wahl wird sich das ändern.

Am Vorabend der französischen Revolution war die feudale Aristokratie bekanntlich nicht bereit, von ihrem Reichtum und ihren Privilegien zu lassen. Ebenso verhält sich heute die Finanzaristokratie. Sie reagiert auf die Krise, indem sie die Angriffe auf die arbeitende Bevölkerung verstärkt und die Konflikte mit ihren internationalen Rivalen verschärft. Staatsaufrüstung und Militarismus sind überall auf dem Vormarsch. Wie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts stellt die Krise die Menschheit vor die Alternative: Sozialismus oder Barbarei. Ohne die Herrschaft des Finanzkapitals zu brechen, kann nicht ein einziges soziales oder politisches Problem gelöst werden. Die Krise kann nicht durch Reparaturmaßnahmen am Kapitalismus überwunden werden, ihre Lösung erfordert eine soziale Umwälzung und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft.

Wofür wir eintreten

Eine sozialistische Umwälzung setzt voraus, dass die Massen bewusst in die Politik eingreifen. Die PSG verfolgt das Ziel, die politischen Voraussetzungen für ein solches Eingreifen zu schaffen.

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Für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse

Die Arbeiterklasse ist nicht für die kapitalistische Krise verantwortlich. Sie hat sich nicht an den riskanten Spekulationsgeschäften beteiligt und keine Millionen in die eigenen Taschen gescheffelt. Wir unterstützen alle Initiativen - Streiks, Betriebsbesetzungen und Massendemonstrationen -, die dazu angetan sind, das Selbstvertrauen der Arbeiter zu stärken und der selbstherrlichen Macht der Absahner in Politik und Wirtschaft Einhalt zu gebieten. Solche Kämpfe können nur Erfolg haben, wenn sie unabhängig von der SPD und den Gewerkschaften stattfinden. Ihre Führung darf nicht den bürokratischen Apparaten überlassen werden. Stattdessen müssen unabhängige, demokratisch gewählte Streikkomitees und Arbeiterräte aufgebaut werden, die den Arbeitern direkt verantwortlich sind.

Je tiefer die Krise, desto offener verteidigen SPD und Gewerkschaften die Interessen des Kapitals. Hatten sie früher den Kapitalismus im Namen sozialer Reformen verteidigt, so predigen sie nun den Verzicht auf Reformen, um den Kapitalismus zu retten. SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Steuern für die Reichen gesenkt und die Schleusen für die Spekulationsgeschäfte geöffnet, die die Krise ausgelöst haben. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering ist für die Rente mit 67 und die Hartz-Gesetze verantwortlich. Die Gewerkschaften und ihre Betriebräte dienen den Unternehmen als Co-Manager. Sie wälzen die Folgen der Krise auf die Arbeiter ab und sorgen dafür, dass sich kein Widerstand regt. Es gibt kaum eine Lohnsenkung, Arbeitszeitverlängerung oder Entlassung, die nicht ihre Unterschrift trägt.

Die Rechtsentwicklung von SPD und Gewerkschaften ist nicht nur ein Ergebnis persönlicher Korruption. Sie ist die logische Konsequenz eines Programms, das den Sturz des Kapitalismus ablehnt und dessen Rettung zum Ziel hat. 1914 hatte die SPD den Ersten Weltkrieg mit dem Argument unterstützt, man müsse erst das Vaterland verteidigen, um hinterher die Lage der Arbeiter verbessern zu können. Heute erklärt sie, man müsse erst die Banken retten und soziale Opfer bringen, bevor der Lebensstandard wieder ansteigen könne. Das führt wie damals in die Katastrophe.

Die herrschende Elite ist sich bewusst, dass die Krise zu heftigen Klassenkämpfen führen wird. DGB-Chef Michael Sommer warnt vor "sozialen Unruhen", während andere fürchten, die bloße Erwähnung dieser Möglichkeit könnte Aufstände provozieren. Die Aufrüstung des staatlichen Polizei- und Überwachungsapparats, die von der Europäischen Union und Innenminister Schäuble unter verschiedenen Vorwänden vorangetrieben wird, richtet sich in erster Linie gegen die wachsende soziale Opposition. Parallel dazu fördert die herrschende Klasse "linke" Parteien, die kämpferische Arbeiter und Jugendliche mit radikalen Phrasen ködern, um sie wieder der Kontrolle der alten bürokratischen Apparate unterzuordnen.

Darin besteht die Rolle der Linkspartei Oskar Lafontaines in Deutschland, der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) Olivier Besancenots in Frankreich und ähnlicher Formationen in ganz Europa. Diese Parteien sind kein Ergebnis der spontanen Linksentwicklung der Arbeiter, sondern Initiativen von oben. Sie haben die Aufgabe, eine Bewegung von unten zu blockieren.

Die Linkspartei ist durch den Zusammenschluss zweier bürokratischer Apparate entstanden - des stalinistischen Apparats der DDR sowie Teilen des westdeutschen SPD- und Gewerkschaftsapparats. Ungeachtet ihrer sozialistischen Phrasen verteidigt sie das kapitalistische Eigentum und hält das Bankenrettungspaket der Bundesregierung für "alternativlos". Wo sie Regierungsverantwortung übernimmt, baut sie - wie im Berliner Senat - ebenso rücksichtslos soziale Leistungen und Arbeitsplätze ab wie SPD und CDU. Die französische NPA hat alle historischen Grundsätze - einschließlich ihrer früheren Lippenbekenntnisse zum Trotzkismus - über Bord geworfen, um für Bündnisse mit Stalinisten und Reformisten und eine zukünftige Regierungsbeteiligung offen zu sein.

Die PSG lehnt eine Zusammenarbeit mit diesen Parteien kategorisch ab. Wir betrachten sie als politische Gegner. Dasselbe gilt für alle Organisationen, die die Vorherrschaft der Gewerkschaften verteidigen, eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei anstreben oder - wie die Kommunistische Plattform, die Sozialistische Alternative (SAV) und Linksruck - darin arbeiten. Sie dienen als linkes Feigenblatt für die Manöver der Bürokratie.

Wir richten jeden Aspekt unserer Arbeit darauf aus, für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse zu kämpfen. Wir bauen eine unabhängige Partei auf, die sich auf die strategischen Erfahrungen der internationalen sozialistischen Bewegung stützt. Ohne Verständnis der Ursachen für die Siege und Niederlagen der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert - wie der deutschen Katastrophe von 1933, als die rechte Politik der SPD und der ultralinke Kurs der KPD Hitlers Sieg ermöglichten - ist heute keine ernsthafte revolutionäre Orientierung möglich. Diese Erfahrungen sind in der Vierten Internationale und der Linken Opposition verkörpert, die seit ihrer Gründung einen unablässigen Kampf zur Verteidigung des revolutionären Marxismus geführt haben.

Jetzt wird die Vierte Internationale von der Geschichte bestätigt. Die Wirtschaftskrise hat eine neue Epoche internationaler Klassenkämpfe eingeleitet. Immer mehr Arbeiter und Jugendliche stellen fest, dass sie nicht darum herum kommen, für ihre Rechte und Interessen zu kämpfen. Die offizielle Ideologie, laut der es keine Alternative zur Marktwirtschaft gibt, hat durch die Krise einen schweren Schlag erlitten. In vielen europäischen Ländern - darunter Griechenland, Ungarn, Bulgarien, Litauen und Island - ist es bereits zu heftigen sozialen Auseinandersetzungen gekommen. In Frankreich haben die Belegschaften in mehreren Betrieben das Management festgesetzt, um Entlassungen zu verhindern oder Abfindungen zu erzwingen.

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Für die internationale Einheit der Arbeiter

Aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte ist das gesellschaftliche Gewicht der Arbeiterklasse international stark gewachsen. Bahnbrechende Fortschritte auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie haben zu einer nie dagewesenen Integration der Weltwirtschaft geführt. Millionen Menschen sind durch Produktion und Handel vernetzt und voneinander abhängig. Während einige klassische Industriearbeitsplätze verschwunden sind, haben sich zahlreiche Angehörige anderer Berufe ins Heer der Lohnabhängigen eingereiht. Länder wie China, die vor hundert Jahren noch rein ländlich geprägt waren, zählen heute zu den wichtigsten Industrieregionen der Welt. Nie zuvor lebte ein derart hoher Prozentsatz der Menschheit in Städten und war direkt in den globalen Produktionsprozess eingebunden.

Die PSG kämpft für die Einheit der internationalen Arbeiterklasse. Um den Angriffen der global operierenden Konzerne zu begegnen, müssen sich die Arbeiter international zusammenschließen. Wir wenden uns entschieden gegen alle Versuche, einen Keil zwischen deutsche und ausländische Arbeiter zu treiben oder deutsche Arbeiter gegen ihre Kollegen in Osteuropa oder Asien aufzuhetzen.

Die Gewerkschaften versuchen dagegen, die internationale Arbeiterklasse zu spalten, indem sie ihre Kämpfe auf den nationalen Rahmen beschränken, einen Standort gegen den anderen ausspielen, protektionistische Maßnahmen unterstützen und Nationalismus schüren.

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Für die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft

Die modernen, globalen Produktivkräfte liefern alle materiellen Voraussetzungen, um Armut und Rückständigkeit weltweit zu überwinden und den Lebensstandard und das Kulturniveau der Menschheit bedeutend zu heben. Das setzt allerdings voraus, dass sie in den Dienst der ganzen Gesellschaft gestellt und von den Fesseln des kapitalistischen Privateigentums befreit werden.

Das erfordert Regierungen, die nicht den Interessen der Wirtschaft, sondern jenen der Arbeiterklasse verpflichtet sind. Nur solche Regierungen wären in der Lage, die radikalen wirtschaftlichen Maßnahmen zu ergreifen, die zur Überwindung der Krise nötig sind.

Eine Arbeiterregierung würde das gesamte wirtschaftliche Leben neu organisieren, um die Bedürfnisse der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung zu befriedigen. Sie würde die Schalthebel der Wirtschaft - die Banken, Versicherungs- und großen Industriekonzerne - in öffentliches Eigentum überführen. Sie würde Entscheidungen, die das Leben von Millionen betreffen, nicht den Gesetzen des Marktes überlassen.

Sie würde die Milliarden, die an die Banken vergeben werden, einsetzen, um ein umfassendes Programm öffentlicher Arbeiten zu finanzieren, Bildung, Gesundheits- und Altersversorgung zu verbessern und Millionen neue, tariflich bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Sie würde niedrige Einkommen entlasten und hohe Einkommen und Vermögen mit hohen Steuersätzen belegen.

Eine Arbeiterregierung wäre ungleich demokratischer als die heutige Regierung. Sie würde sich auf die aktive Unterstützung einer politisch bewussten Bevölkerung stützen und diese in ihre Entscheidungen und deren Durchführung einbeziehen. Unter einer bürgerlichen Regierung verkommen dagegen selbst die vorhandenen demokratischen Einrichtungen zur reinen Fassade. Entscheidungen über Milliardengeschenke an die Banken werden im kleinsten Zirkel getroffen. Die Bevölkerung ist jeder Möglichkeit beraubt, auf die gesellschaftliche Entwicklung Einfluss zu nehmen.

Die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Europa

Die Institutionen der Europäischen Union einschließlich des Europaparlaments treten immer unverblümter als Handlanger der europäischen Großmächte und der einflussreichsten Wirtschaftsgruppen in Erscheinung. Die europäischen Regierungen nutzen die EU, um die Last der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Bevölkerung abzuwälzen. Dazu dienen von Brüssel verordnete Wettbewerbsvorschriften, der systematische Abbau demokratischer Rechte und die Errichtung eines europäischen Polizeistaats. Die EU-Kommission ist zum Synonym für Deregulierung, Liberalisierung und den Abbau von Arbeitnehmerrechten geworden.

Die PSG lehnt die Europäische Union, ihre Institutionen und geplante Verfassung entschieden ab. Eine fortschrittliche Einigung Europas ist nur auf sozialistischer Grundlage möglich. Sie setzt voraus, dass sich die Arbeiterklasse politisch zusammenschließt. Die arbeitende Bevölkerung Osteuropas und der Türkei sind wichtige Verbündete im Kampf gegen die Kapitalinteressen, die den Kurs der EU bestimmen.

Die Überwindung der europäischen Grenzen und die gemeinsame Nutzung der enormen technischen und kulturellen Ressourcen und materiellen Reichtümer des Kontinents würde die Voraussetzungen schaffen, um die Probleme von Armut und Rückständigkeit in kurzer Zeit zu überwinden und das allgemeine Lebensniveau in ganz Europa anzuheben.

Die Verteidigung demokratischer Rechte und von Immigranten

Soziale Ungleichheit verträgt sich nicht mit Demokratie. In Vorbereitung auf kommende Klassenkämpfe werden europaweit elementare demokratische Rechte abgebaut. Allein in Deutschland wurden in mehreren Anti-Terror-Paketen über hundert Gesetze novelliert. Die Befugnisse der Sicherheitsorgane - Geheimdienste, Polizei, Bundesgrenzschutz - wurden ausgeweitet, die finanziellen Mittel aufgestockt. Durch Rasterfahndung, Online-Überwachung und Einschränkung des Datenschutzes werden große Teile der Bevölkerung routinemäßig überwacht.

Eine Vorreiterfunktion beim Abbau demokratischer Rechte spielen die unmenschlichen Angriffe auf Flüchtlinge und Immigranten. Tausende sterben jährlich beim Versuch, die europäischen Grenzen zu überqueren. Abschiebehaft ohne Gerichtsurteil, Internierung in Konzentrationslagern, das Auseinanderreißen von Familien und politische und soziale Rechtlosigkeit gehören zum europäischen Alltag.

Ohne die Verantwortung für die Millionen Flüchtlinge und Immigranten zu übernehmen, die auf dem Kontinent leben, kann die europäische Arbeiter ihre eigenen demokratischen Rechte nicht verteidigen. Die Hetze gegen Immigranten dient dazu, die Arbeiterklasse zu spalten und in Schach zu halten. Flüchtlinge und Immigranten sind ein bedeutender Teil der Arbeiterklasse und werden in kommenden Klassenkämpfen eine wichtige Rolle spielen.

Solange der gesellschaftliche Reichtum in wenigen Händen konzentriert bleibt, das Arbeitsleben von demokratischer Mitsprache ausgeklammert wird, Presse und Medien in der Verfügungsgewalt von großen Konzernen sind und Bildung und Kultur das Privileg einer kleinen Elite bilden, kann von wirklicher Demokratie keine Rede sein. Gerade die Kürzungen im Bereich von Kultur und künstlerischen Ausbildung fügen der Gesellschaft einen unermesslichen Schaden zu. Es besteht ein unbestreitbarer Zusammenhang zwischen der Verherrlichung von Militarismus, Brutalität und Egoismus und der Ablehnung des künstlerischen und kulturellen Erbes früherer Zeiten.

Der Kampf gegen Protektionismus, Militarismus und Krieg

In der Europäischen Union wächst der Protektionismus. Die wachsenden Finanz- und Wirtschaftsprobleme führen dazu, dass in London, Paris und Berlin zunehmend das Eigeninteresse dominiert. Unter diesen Bedingungen melden sich die die Gespenster der Vergangenheit zurück.

Protektionismus und Handelskrieg sind Vorstufen zum militärischen Krieg. Seit Jahren kompensieren die Großmächte, allen voran die USA, ihre wirtschaftliche Schwäche durch den Einsatz militärischer Gewalt. Die ökonomische Schwäche der USA ruft ihrerseits die europäischen Rivalen auf den Plan, die nicht länger bereit sind, ihre wirtschaftlichen und militärischen Ambitionen den USA unterzuordnen. Die anhaltenden Kriege im Irak und in Afghanistan, das Massaker der israelischen Armee in Gaza und das mörderische Vorgehen der srilankischen Regierung gegen die tamilische Minderheit zeigen, mit welcher Brutalität die Herrschenden ihre Macht verteidigen.

Wer glaubt, in Europa könnten sich die blutigen Ereignisse des vergangenen Jahrhunderts nicht wiederholen, gibt sich einer Illusion hin. Es wäre nicht das erste Mal, dass die europäischen Regierungen den Widerstand der Arbeiter ersticken, indem sie die Völker gegeneinander aufhetzen und in einen Krieg treiben. Die Ereignisse auf dem Balkan machen deutlich, wie ernst eine solche Gefahr noch immer ist. Nur eine gemeinsame sozialistische Offensive der europäischen Arbeiterklasse kann ihr wirkungsvoll begegnen.

Wir sind für die sofortige Auflösung der Nato und für die Schließung der amerikanischen Basen auf europäischem Boden. Wir fordern den sofortigen Rückzug der europäischen Truppen aus dem Balkan, Afghanistan und Afrika.

Stalinismus und Sozialismus

Zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Berliner Mauer widerlegt die globale Krise des Kapitalismus die millionenfach verbreitete Mär, dass in der DDR und der Sowjetunion der Sozialismus gescheitert und der Kapitalismus deshalb alternativlos sei. Die verheerende Krise in Osteuropa macht für jedermann sichtbar, dass die Einführung des Kapitalismus ein kolossaler gesellschaftlicher Rückschritt war. Eine kleine Elite, bestehend aus neuen Reichen und alten Stalinisten, hat das gesellschaftliche Eigentum vereinnahmt und schwelgt nun in protzigem Reichtum, während für die Masse der Bevölkerung das blanke Elend herrscht.

In Osteuropa und der Sowjetunion hat nicht der Sozialismus versagt, sondern der Versuch einer privilegierten Bürokratie, mit despotischen Methoden im nationalen Rahmen eine angeblich sozialistische Gesellschaft zu errichten. Arbeiterdemokratie und der Zugang zur Weltwirtschaft sind aber unabdingbare Voraussetzungen für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft.

Die stalinistische Bürokratie verdankte ihre Macht der Unterdrückung und Ermordung einer ganzen Generation revolutionärer Sozialisten. Sie vollendete schließlich, was zuvor weder Weißen Truppen noch deutschen Panzern gelungen war: Sie zerstörte die Errungenschaften der Oktoberrevolution und sicherte ihre Privilegien, indem sie kapitalistisches Eigentum einführte.

Die marxistische Tradition

Die PSG stützt sich auf eine lange marxistische Tradition, in deren Mittelpunkt die politische und kulturelle Emanzipation der Arbeiterklasse steht - auf die frühen Jahre der Sozialdemokratie, die mehrere Generationen von Arbeitern im Geist von Marx und Engels erzog; auf Lenin, Rosa Luxemburg, und Karl Liebknecht, die dem Opportunismus der Sozialdemokratie und ihrer Kapitulation vor dem Ersten Weltkrieg entgegentraten; auf die Linke Opposition und Leo Trotzki, die gegen die Verbrechen des Stalinismus kämpften und 1938 mit der Gründung der Vierten Internationale die Grundlage für die Wiedergeburt der internationalen Arbeiterbewegung legten.

Solange die Sozialdemokratie und die stalinistischen Kommunistischen Parteien die Arbeiterbewegung dominierten, war es möglich, diese marxistische Tradition zu isolieren. Doch ihr politischer Bankrott eröffnet eine neue historische Epoche, in der die Vierte Internationale wachsende Resonanz findet. Mit der World Socialist Web Site verfügt sie heute über ein Organ, dass sich rund um die Welt einer rasch wachsenden Leserschaft erfreut und zunehmend als authentische Stimme des Marxismus anerkannt wird.