Die Weltwirtschaftskrise, das Scheitern des Kapitalismus und das Eintreten für den Sozialismus

28. Juli 2009

Die folgende Resolution wurde von drei Konferenzen der World Socialist Web Site, der Socialist Equality Party und den International Students for Social Equality diskutiert und einstimmig verabschiedet.

Die Konferenzen fanden in Ann Arbor (Michigan) am 25.April; in New York City am 3. Mai und in Los Angeles (Kalifornien) am 10. Mai statt. Dieses Dokument enthält die auf den Konferenzen vorgeschlagenen Änderungen und Zusätze.

1. Der Kapitalismus ist in die schwerste Krise seit der Großen Depression in den 1930er Jahren eingetreten. Als Antwort auf diese Krise müssen die Arbeiter eine sozialistische Lösung anstreben. Die Krise hat internationalen Charakter, betrifft die arbeitende Bevölkerung in jedem Land der Welt. Es gibt keine nationale Antwort auf den Zusammenbruch des weltweiten Kapitalismus. Die World Socialist Web Site, die Socialist Equality Party und die International Students for Social Equality unterbreiten das folgende Programm als Grundlage für eine neue soziale und politische Bewegung der Arbeiterklasse.

2. Arbeitern die fragen: "Warum ist ein sozialistisches Programm notwendig?" antworten wir: "Weil der Kapitalismus gescheitert ist!" Das gegenwärtige Wirtschaftssystem hat den Arbeitenden außer Ausbeutung, Armut, Repression und Krieg nichts zu bieten. Die Fakten sprechen für sich selbst.

3. Erstmalig seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wird die Weltwirtschaft im Jahre 2009 schrumpfen. Mehr als 50 Millionen Menschen werden durch die Schließung von Unternehmen oder Stellenstreichungen weltweit ihren Arbeitsplatz verlieren. Man erwartet, dass 2009 die Zahl der chronisch Hungernden um 100 Millionen steigt und damit insgesamt über eine Milliarde Menschen davon betroffen sein werden.

4. In den USA werden jeden Monat Hunderttausende Arbeitsplätze gestrichen. Die Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter stieg in einem Jahr um zehn auf 24 Millionen. Die offizielle Arbeitslosenrate liegt bei 8,9 Prozent und übersteigt in vielen Bundesstaaten zehn Prozent. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit liegt weit höher. Millionen Arbeiter sind in derselben Lage: Ohne festen Arbeitsplatz und einen hinreichenden Lohn können sie ihre Häuser nicht abbezahlen, ihren Kreditkartenverbindlichkeiten nicht nachkommen, die Gesundheitsversorgung ihrer Familien nicht sichern, ihren Kindern keine Bildung ermöglichen oder andere grundlegende Dinge des Lebens garantieren. In dem Maße, wie die Krise sich vertieft, drängen die Unternehmen die Arbeiter, weitere Kürzungen ihrer Löhne und Sozialleistungen hinzunehmen.

5. Die Arbeiter sind für ihre schwierige Lage nicht selbst verantwortlich. Die Krise ist vielmehr eine Anklage gegen den Kapitalismus. Sie ist das Ergebnis ökonomischer, sozialer und politischer Entwicklungen der vergangenen vier Jahrzehnte. Seit Mitte der sechziger Jahre hat sich die globale Position des amerikanischen Kapitalismus dramatisch verschlechtert. Seine einst dominanten Industrien sind von den Konkurrenten in Europa und Asien überholt worden. Als Antwort darauf startete die herrschende Elite der USA eine brutale Offensive gegen den Lebensstandard und die soziale Lage der arbeitenden Klasse, um die Ausbeutung zu verschärfen. Ganze Zweige der amerikanischen Wirtschaft - einschließlich der meisten produzierenden Branchen - wurden systematisch abgebaut, weil sie nicht profitabel genug waren. Millionen Arbeitsplätze und ganze Städte sind so zerstört worden. Zur gleichen Zeit suchte amerikanisches Kapital in der Welt nach billigeren Arbeitskräften und höheren Profiten.

6. Der langwierige Niedergang der amerikanischen Industrien und das Aufkommen des Investmentbankings und der Spekulation als Hauptquelle der Unternehmensprofite führten zu einer solchen Machtkonzentration in den Händen der Finanzoligarchie, dass sie im Grunde die wirtschaftliche und politische Linie diktiert. Gestützt auf den Dollar und die privilegierte Position der amerikanischen Märkte ist diese Oligarchie in der Lage, Ressourcen aus der ganzen Welt anzuziehen, um ihr parasitäres Vorgehen, das zunehmend von der Produktion wirklicher Werte losgelöst ist, zu finanzieren. Dieser Prozess hat tiefe strukturelle Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft hervorgebracht, einschließlich eines extremen Anwachsens der Verschuldung in den USA. Mit der Spekulation mit Aktien, Derivaten und mit hypothekenbesicherten Wertpapieren wurden riesige Vermögen verdient. Dieser Prozess war seiner Natur nach unbeständig und ist nun zusammengebrochen.

Die Regierung Obama

7. Die Reaktion der Regierungen der Welt - angeführt von der in den USA - ist es, die Interessen gemau der Leute zu wahren, die für die Krise verantwortlich sind. Hinter den zunehmend waghalsigen Multimilliarden-Dollar-Hilfspaketen steht eine alles überragende Sorge: Der Schutz der Interessen der großen Banken und reichen Investoren.

8. Als die Finanzkrise im September 2008 aufbrach organisierte die Bush-Regierung mit Unterstützung der Demokraten das 700- Milliarden Dollar Hilfsprogramm für die Finanzindustrie (TARP). Diese Summe reichte jedoch nicht aus, um die Banken "gesund" zu machen, das heißt, die durch den Kollaps ihrer spekulativen Investments entstandenen Löcher zu stopfen. Die Regierung Obama setzte eine Reihe weiterer Maßnahmen um, einschließlich einer Billionen Dollar Hilfe des Staates für private Hedge Fonds um ihre Bilanzen von "giftigen Wertpapieren" zu befreien.

9. Obama behauptete, die geretteten Banken würden ihr Kreditgeschäft wieder aufnehmen und damit sei den Kleinunternehmern und Konsumenten geholfen. Das ist jedoch nicht geschehen. Die Banken nutzen die Steuergelder, um ihre Bilanzen zu sanieren, Unternehmensübernahmen zu finanzieren und natürlich um die riesigen Managergehälter und Boni zu zahlen. Die Hilfsprogramme werden letzten Endes durch Angriffe auf die Arbeiterklasse finanziert, durch Kürzungen bei grundlegenden Sozialprogrammen wie der öffentlichen Rentenversicherung und den Gesundheitsprogrammen Medicare und Medicaid.

10. Um die Bonunszahlungen an die Manager der Finanzindustrie zu rechtfertigen beschwor Obama die "Unverletzbarkeit" von Verträgen. Dieses Prinzip gilt aber nicht für Arbeiter. Obama hat von den Autoarbeitern gefordert neue Kürzungen von Löhnen und Sozialleistungen sowie Stellenstreichungen zu akzeptieren, um die Autohersteller "lebensfähig" zu machen, das heißt, sie in die Lage zu versetzen, den Investoren dauerhaft eine zufriedenstellende Profitrate zu bieten. Die Grundlage dieser unverfrorenen Doppelmoral ist die politische Tatsache, dass die Regierung den Interessen der herrschenden Klasse dient. Die Auswirkungen für die Arbeiter sind verheerend. General Motors hat angekündigt, 23.000 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Chrysler hat die Insolvenz beantragt und will zusätzlich zu umfangreichen Kürzungen bei Löhnen und Sozialleistungen mindestens acht Werke schließen.

11. Obama verteidigt auch außenpolitisch und militärpolitisch die Interessen der herrschenden Klasse. Die Besetzung des Irak wird aufrechterhalten. Zehntausende zusätzliche Soldaten hat der neue Präsident nach Afghanistan geschickt, um die Bevölkerung blutig zu unterdrücken. Er forciert die Angriffe in Pakistan, die das Land zu destabilisieren drohen und einen umfassenderen Krieg provozieren. Er besteht darauf, dass Sozialprogramme aller Bereiche gekürzt werden müssen, während er gleichzeitig die Militärausgaben des laufenden Jahres auf 640 Milliarden Dollar aufgestockt hat. Die Regierung unterbindet die strafrechtliche Verfolgung von Regierungsbeamten, die der Verletzung internationalen und amerikanischen Rechts schuldig sind und blockiert die Veröffentlichung von Fotografien, die Kriegsverbrechen dokumentieren, während sie gleichzeitig an den Gesetzen der Bush Regierung zum Angriff auf demokratische Rechte festhält.

12. Obama gewann 2008 die Wahl, indem er an die verbreitete Oppositionshaltung gegen die Bush-Regierung und an den Wunsch nach "Change", den Wandel, anknüpfte. Aber der Klassencharakter der neuen Regierung wird immer deutlicher. Das Handeln der neuen Regierung zeigt, dass sich nichts ändern wird, solange die Arbeiterklasse mit den Demokraten und dem Zweiparteiensystems verbunden bleibt.

Für die Mobilisierung der Arbeiterklasse!

13. Um ihre Interessen zu verteidigen muss die Arbeiterklasse auf ihre eigene Lösung der Krise dringen - mit Massendemonstrationen, Streiks, Fabrikbesetzungen und anderen Formen des Klassenkampfes. Ohne diesen Kampf haben die Arbeiter keine Möglichkeit, sich den endlosen Angriffen auf ihre Arbeitsplätze und ihren Lebensunterhalt entgegenzustellen.

14. Jede Verbesserung ihrer Lage musste die Arbeiterklasse erkämpfen. Angefangen beim Kampf um den Achtstundentag und für Gesetze gegen Kinderarbeit in den 1870er Jahren über die Massenstreiks in den 1930er Jahren für das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, bis hin zu den Kämpfen für Rassengleichheit und demokratische Rechte -musste alles erkämpft werden. Die Große Depression in den 1930er Jahren rief eine Welle von Massenaktionen hervor, so die Bonusmärsche von 1932 (Massendemonstrationen der Kriegsveteranen), die Massenstreiks von 1934 in Minneapolis (Teamsters) und in Toledo (Autoarbeiter), die Streiks der Schauerleute in San Francisco und die großen Sitzstreiks in Flint 1936-1937, die den Aufbau der Automobilarbeitergewerkschaft UAW initiierten. In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren gehörten Arbeitermassenstreiks zum Leben in den USA.

15. In den letzten zwanzig Jahren verschwand der offene Klassenkampf dann nahezu in den USA. Der Grund dafür liegt nicht etwa in geringeren Klassengegensätzen oder im Abbau sozialer Spannungen, denn die soziale Ungleichheit nahm in dieser Zeit sogar beachtlich zu. Zurückzuführen ist diese Entwicklung vor allem auf die Zerrüttung der alten, vorgeblich die Arbeiterklasse repräsentierenden Organisationen. Die heute in der AFL-CIO und der Change to Win Coalition organisierten bürokratischen Apparate, die nur noch dem Namen nach Gewerkschaften sind, sind Komplizen der Unternehmen bei den Angriffen auf die Arbeiter.

16. Diese Organisationen haben vor langer Zeit bereits ihren Frieden mit dem kapitalistischen System gemacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte die Gewerkschaftsbürokratie mit Unterstützung des Staates eine Säuberung der Gewerkschaften von Sozialisten und kämpferischen Arbeitern - von eben den Leuten also, die die Gründung der Gewerkschaften angeführt hatten. Nun hieß es, die Interessen der Arbeiter könnten innerhalb des kapitalistischen Systems vertreten werden, ohne grundlegenden Wandel des Wirtschaftssystems und ohne die Übernahme der Kontrolle und des Managements in den Unternehmen. Ein zentraler Teil der nationalistischen Haltung der Gewerkschaftsbürokratie war ihre Unterstützung für den amerikanischen Militarismus und für die Außenpolitik der herrschenden Klasse.

17. Die Reaktion der Gewerkschaftsbürokratie auf den vor dreißig Jahren beginnenden Angriff der Wirtschaft und des Finanzkapitals auf die Arbeiterklasse war ihre vollständige Integration in die Managementstruktur. Seit Beginn der Achtziger arbeiteten die Gewerkschaftsführungen bewusst daran, jeden größeren Streik zu isolieren und zu verraten. Seither ging die Zahl der Streiks dramatisch zurück, selbst als der Angriff auf die Arbeiterklasse verschärft wurde. Jeder neue, von den Gewerkschaften unterzeichnete Vertrag enthielt weitere Zugeständnisse bei Löhnen, Sozialleistungen und Arbeitsplätzen. Diese Organisationen können nicht länger als "Gewerkschaften" bezeichnet werden. Sie agieren als Teil der Unternehmensleitungen, kontrollieren die Arbeiterklasse, fangen soziale Unzufriedenheit auf und unterstützen Zugeständnisse. Im Zusammenhang mit den derzeitigen Angriffen auf die Autoarbeiter wird die Gewerkschaft UAW zum Haupteigentümer von Chrysler und General Motors und damit direkt an der Ausbeutung der Arbeiter interessiert, die sie angeblich vertritt.

18. Zugleich arbeiten diese Organisationen daran mit, die Arbeiterklasse dem kapitalistischen System und seinen politischen Repräsentanten, insbesondere der Demokratischen Partei, unterzuordnen. Ihre Antwort auf die gegenwärtige Krise, neben ihrer verstärkten Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie, ist die Unterstützung der nationalistischen Lüge, die Interessen der Arbeiter in den USA könnten verteidigt werden, indem sie sich gegen eingewanderte Arbeiter und gegen Arbeiter in anderen Ländern stellen.

19. Die Arbeiter müssen dieser jahrzehntelangen Periode der Zugeständnisse und Niederlagen ein Ende setzen. Die Wiederbelebung des Klassenkampfs erfordert einen entschiedenen Bruch mit den alten Organisationen. Wir rufen zur Bildung neuer Organisationen auf, d.h. unabhängiger Basiskomitees und Jugendkomitees in den Betrieben und Wohngebieten. Diese Organisationen müssen zum Zentrum echter demokratischer Entscheidungsfindung und zur Planung von Massenaktionen werden. Insbesondere rufen wir die Autoarbeiter auf, Komitees zur Koordinierung der Aktionen an der Basis zu gründen, um den Massenwiderstand gegen die Unternehmensleitungen und ihre Kollaborateure in der UAW zu organisieren.

Ein politisches Programm für die Arbeiterklasse

20. Das Wiederaufleben des Klassenkampfs ist unerlässlich und von großer Bedeutung. Dieser Kampf kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn er von einer politischen Strategie geleitet wird. Den Ausgangspunkt muss dabei die Erkenntnis bilden, dass der Kampf sich gegen das kapitalistische System richten muss, das auf die Ausbeutung der Arbeiterklasse im Interesse des privaten Profits gegründet ist.

21. Die Weltwirtschaft muss grundlegend umorganisiert werden. Die ungeheuren Produktivkräfte der Menschheit dürfen nicht länger den Interessen einer dünnen Schicht von Milliardären untergeordnet bleiben. Nur durch die sozialistische Umorganisation des Wirtschaftslebens, ausgerichtet auf die Bedürfnisbefriedigung statt auf den privaten Profit, kann eine Lösung für die drängenden Probleme gefunden werden, vor denen Milliarden arbeitender Menschen stehen.

Für die internationale Vereinigung der Arbeiterklasse

22. Eine Lösung der Krise im Interesse der Arbeiterklasse kann nur auf internationaler Ebene erreicht werden. Die Weltwirtschaft ist heute so stark vernetzt wie nie zuvor in der Geschichte. Diese globale Vereinheitlichung bietet die Grundlage für eine umfangreiche Entwicklung der menschlichen Lebensgrundlagen. Diese weltweite Vernetzung gerät jedoch in Konflikt mit den nationalen Interessen von Teilen der Bourgeoisie. Um ihre Interessen zu verteidigen, versuchen sie den Arbeitern weiszumachen, sie müssten sich gegen die Arbeiter anderer Länder stellen, um ihre Arbeitsplätze zu verteidigen. Dies ist eine Lüge. Es gibt keinen Mangel an zu befriedigenden Bedürfnissen - und somit an Arbeit für jeden, der arbeiten kann.

23. Keines der die amerikanischen Arbeiter drückenden Probleme kann im nationalen Rahmen gelöst werden. Wirtschaftlicher Zusammenbruch, Krieg, der Angriff auf demokratische Rechte, Ausbeutung, Arbeitslosigkeit, Armut und Umweltzerstörung sind nicht einfach amerikanische Probleme. Es sind Weltprobleme die eine weltweite Lösung erfordern. Die Arbeiterklasse ist die einzige wahrhaft internationale Klasse, die einzige Klasse, deren Interessen nicht an nationale Grenzen gebunden sind. Die Arbeiter in den USA können die Macht der Finanzelite und privaten Unternehmen nur besiegen, wenn sie ein festes Bündnis mit den Arbeitern jedes anderen Landes schmieden.

Für ein Dringlichkeitsprogramm sozialer und öffentlicher Arbeit

24. Wir treten für ein Dringlichkeitsprogramm zur Lösung der Krise im Interesse der Arbeiterklasse ein. Dieses Programm beinhaltet auch hunderte Milliarden Dollar zur Bereitstellung von Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Wohnraum für die in verzweifelter Armut Lebenden. In den USA ist ein öffentliches Arbeitsprogramm notwendig, dessen unmittelbare Aufgabe darin besteht, die Industrie wieder aufzubauen, Schulen und Gesundheitseinrichtungen wiederherzustellen, und die lebenswichtige soziale Infrastruktur zu entwickeln.

25. Jedem Arbeiter sollen Arbeit und gute Lebensbedingungen durch eine gleitende Lohnskala garantiert sein, durch die die Löhne mit einem Index der Lebenshaltungskosten verknüpft sind. Zugleich muss die Arbeitszeit reduziert werden. Niemand soll gezwungen sein, mehrere Jobs annehmen zu müssen, nur um sich durchzubringen. Wir fordern umfangreiche Investitionen, um für jeden eine hohe Bildung, garantierte Altersversorgung und umfassende Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, ein öffentliches Wohnungsbauprogramm für komfortable und bezahlbare Wohnungen umzusetzen und umfangreiche Mittel für Wissenschaft, Kunst und Kultur bereitzustellen.

26. Seit Jahrzehnten behauptet die herrschende Klasse Amerikas, dass "kein Geld" da sei, um allen gute Arbeitsplätze und Sozialprogramme zu bieten. Barack Obama beharrt nun darauf, dass jedes Sozialprogramm genau unter die Lupe genommen werden müsse. Diese Kürzungen, nachdem Billionen Dollar an öffentlichen Mitteln an die Banken gegangen sind, werden für die bereits todkranken Sozialsysteme verheerende Auswirkungen haben.

Für die Vergesellschaftung der Banken und großen Unternehmen

27. Die wichtigste Voraussetzung für die Realisierung dieser Programme ist, den Würgegriff der Finanzoligarchie zu brechen, die die Politik in den USA diktiert und deren Agenda die globale Ausplünderung ist. Wir fordern die Vergesellschaftung der großen Finanzinstitutionen unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse. Der durch die Arbeiterklasse geschaffene Reichtum muss für die Befriedigung drängender gesellschaftlicher Aufgaben eingesetzt werden. Das Ende der privaten Kontrolle über die Banken ist die Voraussetzung für die Gewährung unmittelbarer Schuldenerlasse für Arbeiter und kleine Unternehmen.

Für soziale Gleichheit

28. In den zurückliegenden dreißig Jahren ist die soziale Ungleichheit - in Verbindung mit dem Anstieg der Ausbeutung und des Parasitismus - enorm gestiegen. Seit 1979 hat das reichste Prozent der Bevölkerung der USA seinen Anteil am nationalen Reichtum von neunzehn auf über vierzig Prozent mehr als verdoppelt. Im Jahr 2008, inmitten des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, wurden an die 25 Spitzenmanager der Hedgefonds 11,6 Milliarden Dollar gezahlt.

29. Wir fordern soziale Gleichheit, einschließlich einer starken Steuererhöhung für die Reichen, während gleichzeitig die Steuern der Masse der Bevölkerung gesenkt werden. Die auf kriminellen und spekulativen Wegen aufgehäuften Vermögen müssen eingezogen werden. Die Geschäftsunterlagen der großen Unternehmen und Finanzinstitute müssen für die Kontrolle durch die Öffentlichkeit zugänglich werden. Wer sich betrügerischer Aktivitäten schuldig gemacht hat, muss bestraft werden.

Für ein Ende von Militarismus und Krieg

30. Der Irakkrieg dauert bereits seit mehr als sechs Jahren. Dieser Aggressionskrieg hat bereits zum Tod von mehr als einer Million Iraker und mehr als viertausend amerikanischer Soldaten geführt und die gesamte irakische Gesellschaft zerstört. Mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak verfolgt die amerikanische Finanz- und Wirtschaftselite das Ziel, ihre militärische Kontrolle über eine an Öl und anderen Rohstoffen reichen Region durchzusetzen.

31. Mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise wird der Widerspruch zwischen dem lang anhaltenden Niedergang des amerikanischen Kapitalismus und dem unstillbaren Appetit der herrschenden Klasse eine stärkere Hinwendung zu militärischen Eroberungen mit sich bringen und sich zunehmend auch gegen die Rivalen in Europa und Asien richten. Die Welt steht vor der Katastrophe eines neuen Weltkrieges, der dieses Mal mit nuklearen Waffen ausgetragen würde.

32. Wir fordern den unmittelbaren und bedingungslosen Abzug aller US-Truppen und privaten Söldnertruppen aus dem Irak und Afghanistan und ein Ende der militärischen Aggression in der ganzen Welt. Die Militärmaschine der USA muss abgebaut werden und die riesigen Summen, die sie bisher verschlang, müssen als Reparationen an die durch amerikanische Bomben zerstörten Länder fließen und die drängenden sozialen Bedürfnisse in den USA befriedigen.

Für die Verteidigung demokratischer Rechte

33. Die amerikanische Regierung hat unter dem Vorwand, "Krieg gegen den Terror" zu führen, eine Reihe antidemokratischer Maßnahmen umgesetzt, einschließlich von Folter, außerordentlicher Überstellung, unbeschränkter Haft und Bespitzelung. Das wahre Ziel dieser Politik ist die Unterdrückung jedes Widerstandes gegen die Politik der herrschenden Klasse Amerikas, auch des in den USA selbst entstehenden Widerstandes.

34. Wir fordern die unmittelbare Beendigung dieser Programme und die Wiederherstellung der grundlegenden demokratischen und verfassungsmäßigen Rechte. Wir fordern die Verhaftung und Bestrafung aller führenden Regierungsbeamten, die Folter anordneten. Jeder, der von diesen Maßnahmen wusste und sie deckte - einschließlich führender Mitglieder der Demokratischen Partei - muss zur Verantwortung gezogen werden.

Baut die Socialist Equality Party auf!

35. Der politische Mechanismus der Finanz- und Wirtschaftselite zur Kontrolle des politischen Lebens in den USA ist das Zweiparteiensystem. Das Handeln der neuen Regierung zeigt den Bankrott aller so genannten "linken" Tendenzen, die die Illusion pflegten, dass die Regierung Obama die Interessen der einfachen Leute vertreten werde.

36. Um ihre Interessen zu vertreten, benötigt die Arbeiterklasse eine eigene Partei, die Socialist Equality Party, deren Grundlage die internationalistische und sozialistische Strategie ist. Die Socialist Equality Party und ihre Vorläuferorganisation, die Workers League, haben sich von jeher für die politische Unabhängigkeit der internationalen Arbeiterklasse eingesetzt und standen dem Stalinismus, der Gewerkschaftsbürokratie und allen Tendenzen, die versuchten die Arbeiterklasse an das kapitalistische System und seine Repräsentanten zu binden, feindlich gegenüber.

37. Das Ziel der SEP ist nicht die Reform des Kapitalismus, sondern die Schaffung einer sozialistischen, demokratischen und auf Gleichheit gegründeten Gesellschaft durch die Errichtung einer Arbeiterregierung und die grundlegende Umgestaltung der Weltwirtschaft. Wir streben die Vereinigung der Arbeiter der Welt in einem gemeinsamen Kampf für den Sozialismus, d.h für Gleichheit und die vernünftige und demokratische Nutzung des Reichtums der Erde an.

38. Diese Konferenz richtet einen dringenden Appell an die Arbeiter und die Jugend in der Welt und in den USA: Unterstützt das Internationale Komitee der Vierten Internationale, die SEP und ihre Studentenorganisation, die ISSE! Nehmt den Kampf für den Sozialismus auf!

Siehe auch:
Erste Regionalkonferenz der SEP und WSWS
(28. April 2009)

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