Immer mehr Tote in Internierungslagern in Sri Lanka

Von Sarath Kumara
22. Juli 2009

Nach Angaben internationaler Hilfsorganisationen sterben, wie die britische Times letzte Woche bekanntgab, jede Woche in Sri Lankas größtem Internierungslager bei Manik Farm 1.400 Menschen an Seuchen. Dieser Bericht ist ein weiterer Beweis, dass sich die Bedingungen in den vom Militär kontrollierten Lagern, in denen an die 300.000 tamilische Zivilisten festgehalten werden, verschlechtern.

Am 19. Juli sind zwei Monate vergangen, seit die letzte Gruppe tamilischer Flüchtlinge in eines der Lager in der Nähe der im Norden gelegenen Stadt Vavuniya gebracht wurde. Vorher hatte die Regierung am 19. Mai den militärischen Sieg über die separatistischen Befreiungstiger von Tamil Eelam (Liberation Tigers of Tamil Eelam, LTTE) erklärt.

Die Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse nennt die Lager "Wohlfahrtszentren". Überbelegung und unhygienische Bedingungen machen aber deutlich, dass es sich um eine kollektive Bestrafung der tamilischen Bevölkerung handelt. Mitglieder von Hilfsorganisationen warnten davor, das die Lebensbedingungen unzureichend seien. Die meisten Todesfälle werden durch unsauberes Wasser und die daraus resultierenden Krankheiten wie Durchfall verursacht.

In Manik Farm, das knapp dreißig Kilometer von Vavuniya entfernt liegt, werden an die 160.000 Flüchtlinge festgehalten, die aus dem letzten von der LTTE gehaltenen Gebiet flohen, als die Armee das Gelände ununterbrochen bombardierte. An die 130.000 Gefangene befinden sich in 32 anderen Lagern in der Nähe von Vavuniya und weitere 10.000 in Lagern auf der Halbinsel Jaffna.

Die mit Zäunen und Stacheldraht gesicherten Lager werden von bewaffneten Soldaten bewacht. Gruppen des Armeegeheimdienstes verschleppen Jugendliche unter dem Vorwand, Sympathisanten der LTTE zu sein, aus den Lagern, ohne ihre Eltern oder Verwandte zu informieren, wohin sie gebracht werden.

Die Times berichtete weiter, dass Hilfsorganisationen nur eingeschränkten Zugang zu den Lagern hätten. Dem Roten Kreuz, dessen Arbeit am stärksten behindert wird, wurde der Zugang zu den Lagern an einigen Tagen völlig versagt.

Die in Colombo ansässige Sunday Times berichtete gestern, das sechs Ärzte nach Vavuniya reisen wollen, um Berichte um den "angeblichen" Ausbruch der tödlichen Krankheiten Meningitis und Encephalitis zu untersuchen. Den Berichten zufolge sind 65 Erwachsene an einer der Infektionen erkrankt, 35 weitere sind bereits gestorben. Mehrere Flüchtlingskinder, die in das Krankenhaus von Vavuniya eingeliefert wurden, sind vermutlich ebenfalls erkrankt.

Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums bestätigte in einem Interview mit der Zeitung den Ausbruch der beiden Erreger: "Dieses Problem besteht nun schon seit einiger Zeit, doch hat das Krankenhaus nicht die Mittel, die Ursache dieser Krankheiten zu ergründen. Die Todesfälle ereigneten sich während der letzten drei bis vier Monate." Dem Vertreter zufolge, der aus Angst vor staatlichen Repressionen seinen Namen verschweigt, betreuen zwanzig Krankenschwestern sämtliche Lager, sowie achtzig Ärzte, die in den Ambulanzstationen arbeiten.

Bezeichnenderweise haben sich auch die vom Staat angestellten Ärzte, die in den Lagern und Hospitälern arbeiten, geäußert. Die Staatliche Ärztekammer (Government Medical Officers Association, GMOA) beschwerte sich wegen des massiven Fehlens von Schwestern und Apothekern in den Lagern und Krankenhäusern. Die GMOA sagte, dass die Krankheiten wegen des Fehlens von Fachärzten schwer zu diagnostizieren sind.

Der Sprecher der GMOA, Upul Gunasekara sagte zur Sunday Times : "Es gab gestern keine Krankenschwestern. Wir sahen nur eine einzige Krankenschwester und sie kam mit einer Gruppe von Ärzten von außerhalb. Wir brauchen an die 120 Ärzte und wenigstens 300 Krankenschwestern in den Lagern. In der Chettikulam Klinik [ein improvisiertes Krankenhaus nahe Manik Farm] erhalten 130 Kinder medizinische Behandlung. Für sie gibt es nur einen Arzt, aber keine Schwestern. Wie soll ein einziger Arzt sich nur um so viele Patienten kümmern?"

Dr. Gunasekara fügte hinzu: "Das Ministerium hat keine Pläne für den Einsatz von Krankenschwestern in den Lagern, während die Leute nur die Ärzte kritisieren, die dort arbeiten. Die Ärzte sind von der Lage frustriert." Er klagte auch schwerwiegende Mängel in der Gesundheitsverwaltung der Lager an. Die Benzinkosten für Krankenwagen werden nicht bezahlt, die Tankstelle weigere sich bereits, Kredit zu geben, so das nur noch eine Ambulanz von insgesamt dreien fahren kann. Die in den Lagern arbeitenden Ärzte bekommen keine Überstunden bezahlt. Auch werden ihnen keine ausreichenden Unterkünfte gestellt, obwohl die GMOA dieses Problem regelmäßig zur Sprache bringt.

Der Gesundheitsdirektor von Vavuniya, Dr. M. Mahendran, sagte der Zeitung, dass die bereitgestellten Gelder für den Distrikt bereits erschöpft seien. Für andere Ausgaben wie das Benzin für die Ambulanzen, habe er kein Geld mehr.

Letzten Donnerstag gab die Regierung in Colombo bekannt, dass die Tätigkeiten aller internationalen Hilfsorganisationen, darunter des Rote Kreuzes, reduziert würden. Menschenrechts- und Katastrophenschutzminister Mahinda Samarasinghe behauptet, der Grund dafür liege in der Beendigung des Krieges.

Tatsache ist, dass die Regierung bemüht ist, Informationen über die schrecklichen und menschenunwürdigen Bedingungen in den Lagern zu unterdrücken, sowie Augenzeugenberichte zu verhindern, welche die Bombardierung der Zivilbevölkerung in der letzten Phase des Krieges konkretisieren könnten. Unveröffentlichte Berichte der UN deuten an, dass allein bei den Bombardierungen vom Januar bis in die erste Woche des Mai 7.000 Zivilisten getötet wurden.

Entsprechend der letzten Anweisung der Regierung schloss das Rote Kreuz zwei seiner Außenstellen im Osten. Eine davon in Trincomalee stellte die medizinische Versorgung für 13.000 verletzte Menschen sicher, die im letzten Monat über das Meer von Mullaithivu evakuiert worden waren. Die andere Außenstelle in Batticaloa stellte "Personenschutz" für Leute zur Verfügung, die von paramilitärischen Milizen bedroht wurden.

Die Regierung verteidigte kaltschnäuzig die Zustände in den Lagern und bestritt jede Verantwortung für die gesundheitliche Lage. In einem Interview mit der indischen Hindu letzte Woche erklärte Präsident Rajapakse: "Ich möchte sagen, dass die Situation in unseren Lagern bestens ist. Wir versorgen die Leute mit Wasser. Es gibt Probleme mit den sanitären Anlagen. Das ist aber nicht unsere Schuld." Rajapakse behauptete, dass die Gelder für Sanitäranlagen von der Europäischen Union gestellt wurden und an die UN und Nicht-Regierungsorganisationen weitergegeben wurden, die das Geld "sehr langsam" auszahlen.

Rajapakse besteht darauf, dass "Sicherheitsüberlegungen", darunter von der LTTE vermintes Land, es unmöglich mache, die Flüchtlinge sofort freizulassen. Er fügte hinzu, dass die "Mängel" in den Lagern "langsam" überwunden werden. Diese Bemerkung lassen es zweifelhaft erscheinen, dass die Regierung ihr Versprechen hält, die Gefangenen innerhalb von 180 Tagen umzusiedeln.

Neben den Massenverhaftungen, welche die grundlegendsten demokratischen Rechte und die Verfassung des Landes verletzen, hat die Regierung die militärische Kontrolle in den nördlichen Provinzen mit der Einsetzung von Generalstabschef Generalmajor G. A. Chandrasiri als Provinzgouverneur verschärft.

Siehe auch:
Sri Lanka: Präsident will Amtszeit ohne Wahl verlängern
(30. Juni 2009)
Sri Lanka: Die Niederlage der LTTE und die Sackgasse des Nationalismus
( 22. Mai 2009)

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