Washingtons "guter Krieg":

Todesschwadrone, Folter und verschollene Menschen in Pakistan

Von Bill Van Auken
17. September 2009

Die Obama-Regierung bereitet eine starke Eskalation des so genannten AfPak-Krieges vor. Doch Berichte aus dem pakistanischen Swat-Tal, nahe der Ostgrenze Afghanistans, vermitteln ein grausiges Bild des Krieges, den das Pentagon und seine Verbündeten dort führen.

Obama und seine Anhänger versuchen ihn als "guten Krieg" schön zu reden. Aber es gibt immer mehr Beweise, dass das Pentagon und die CIA Krieg gegen die Bevölkerung der Region führen, wobei Todesschwadronen und Folter eingesetzt werden und Menschen einfach verschwinden.

Die pakistanische Armee schickte im April 20.000 Soldaten in das Swat-Tal, das zur Nordwestgrenzprovinz (NWFP) gehört. Sie führten Krieg gegen die islamistische Bewegung der Paschtunen, die man gemeinhin die pakistanischen Taliban nennt. Diese unterstützen den Widerstand, den ihre paschtunischen Stammesgenossen auf der anderen Seite der Grenze gegen die amerikanische Besetzung Afghanistans leisten.

Die Offensive vom April führte zu einer humanitären Katastrophe. Sie wurde auf starken öffentlichen Druck des amerikanischen Sondergesandten Richard Holbrooke und hoher amerikanischer Offiziere unternommen, die Islamabad mehrmals besuchten. Bei dieser kollektiven Strafaktion wurden viele Zivilisten getötet und verwundet, und 2,5 Millionen Menschen ergriffen die Flucht.

Das pakistanische Militär hält das Gebiet weiterhin besetzt und übt eine Terrorherrschaft aus. Personen, die als Gegner der Regierung und der amerikanischen Besatzung auf der anderen Seite der Grenze gelten, werden ergriffen und zu Tode gefoltert.

Einem Bericht der New York Times vom 15. September zufolge begann mit der militärischen Besetzung des Swat-Tals "eine neue Einschüchterungskampagne. Dutzende, wenn nicht Hunderte Leichen wurden in den Straßen abgeladen. Menschenrechtler und Ortsansässige bezeichnen das als Werk des Militärs."

Die pakistanische Armee lehnt die Verantwortung für diese Welle von Morden ab und macht Zivilisten dafür verantwortlich, die sich an den Islamisten rächen wollten. Aber die Times zitiert Einheimische, Politiker und Menschenrechtler, die der Armee die Schuld geben. Wie es in dem Artikel heißt, weisen diese Menschen auf das schiere Ausmaß der Vergeltung hin. Außerdem hätten die meisten Opfer ähnliche Foltermerkmale, und die Todesfälle und Entführungen kämen vor allem in Gebieten vor, die fest in der Hand des Militärs sind.

Viele der Leichen weisen brutale Folterspuren auf. Man hat den Menschen die Hände auf den Rücken gebunden und sie mit einem Genickschuss getötet. In einigen Fällen wurden die Leichen auch enthauptet.

Am 1. September zitierte die pakistanische Tageszeitung Dawn Informationen von Regierungsvertretern, dass seit Juli im Swat-Tal 251 Leichen am Straßenrand gefunden worden seien. Am 27. August hatte die Zeitung berichtet, innerhalb von nur 24 Stunden seien in der Region 51 Leichen gefunden worden.

Dawn berichtete außerdem über mehrere Massengräber mit Opfern des Militärs, und bezog sich auf örtliche Bewohner, die "Augenzeuge waren, wie Lebende und Tote unmenschlich zusammen begraben waren".

Die Times geht auf den Fall des 28-jährigen Akhtar Ali ein, der am 1. September in seiner Reparaturwerkstatt für elektrische Geräte von der Armee verhaftet wurde. Armeesprecher versicherten der Familie mehrfach, er werde wieder freigelassen, aber vier Tage später wurde ihnen seine Leiche vor die Tür geworfen. Sie wies Brandmale auf, die von brennenden Zigaretten stammten. In seinen Körper waren Nägel getrieben worden. "Es gab keine Stelle seines Körpers, die nicht Folterspuren aufwies", erklärte seine Familie in einer Petition, mit der sie Gerechtigkeit verlangte.

Amerikanische Vertreter haben die pakistanische Armee für ihren Feldzug im Swat-Tal gelobt. US-Botschafterin Anne Patterson besuchte Mingora, die größte Stadt im Swat, um der Armee zu gratulieren.

Jetzt üben amerikanische Vertreter Druck auf die pakistanische Regierung aus, um dieses blutige Vorgehen in Südwasiristan zu wiederholen. Eine ähnliche Offensive findet schon im Khyber-Bezirk statt, in der auch der Khyber-Pass liegt, die wichtigste Nachschubroute für die amerikanischen Besatzungstruppen in Afghanistan. Wie UN-Vertreter berichten, sind durch diesen Angriff schon hunderttausend Menschen vertrieben worden.

Die amerikanische Regierung ist für die Gräueltaten gegen die pakistanische Bevölkerung verantwortlich. Sie finanziert die pakistanischen Militäroperationen in diesem Haushaltsjahr mit 2,5 Milliarden Dollar offener Militärhilfe. Die Angriffe der CIA mit Drohnen gehen ebenfalls weiter, dabei sind im letzten Jahr fast 600 Menschen umgekommen, fast alles Zivilisten.

Es ist davon auszugehen, dass auch die vielen Verschollenen, wie auch Folter und Mord der Todesschwadrone in Pakistan auf das Konto der USA gehen.

Bevor General Stanley McChrystal US-Kommandeur in Afghanistan wurde, leitete er die Einheit für militärische Geheimoperationen, Joint Special Operations Command (JSOC). Der Investigativ-Journalist Seymour Hersh bezeichnete diese Einheit als "Mordabteilung der Exekutive".

So genannte "Ausbilder" der Spezialkräfte arbeiten in Pakistan und bilden pakistanische Einheiten in den Methoden des JSOC aus: Methoden, die ihren Niederschlag in den gefesselten und geschundenen Leichen an den Straßenrändern des Swat finden.

Diese Methoden reihen sich in das bekannte Muster amerikanischer Aufstandsbekämpfung ein. Diese reicht von der Operation Phönix in Vietnam bis zu den Todesschwadronen, die die Bevölkerung von El Salvador in den 1980er Jahren terrorisierten.

Generalstabschef Admiral Mike Mullen forderte am Dienstag vor dem Streitkräfteausschuss des Senats weitere Truppenverstärkungen, über die 70.000 Soldaten und Marines hinaus, die bis Ende des Jahres in Afghanistan stehen werden.

Die Dawn berichtete unter Berufung auf diplomatische Quellen, dass General McChrystal den Focus des Kriegs auf die afghanisch-pakistanische Grenzregion verschieben wolle.

Nach acht Jahren Besatzung hat das Pentagon die Kontrolle über den größten Teil Afghanistans verloren. Jetzt bereitet es eine neue Welle von Blutvergießen und Terror auf beiden Seiten der Grenze vor, um den Widerstand der Bevölkerung zu brechen.

Barack Obama wurde auf einer starken Antikriegsstimmung ins Weiße Haus getragen. Aber seine Regierung ist jetzt schon in Kriegsverbrechen verwickelt, die denen seines Vorgängers in nichts nachstehen. Die Unterstützung für den Krieg ist in den USA auf ein mit dem Irakkrieg vergleichbares Niveau gesunken. Die jüngste CNN-Umfrage ergab eine Ablehnung von 58 Prozent für die amerikanische Besetzung Afghanistans, und nur 39 Prozent befürworteten sie.

Hinter der Eskalation dieses schmutzigen Krieges und den Angriffen auf Arbeitsplätze und Lebensstandard im Innern stehen die Interessen der herrschenden Elite. Diese Entwicklung lässt die Bedingungen für eine politische Massenbewegung der Arbeiterklasse reifen. Sie wird sich nicht nur gegen die Obama-Regierung richten, sondern gegen das Profitsystem, das die Triebkraft des imperialistischen Kriegs ist.

Siehe auch:
Nach den Wahlen in Afghanistan wird der Krieg ausgeweitet
(27. August 2009)
Was haben die USA in Pakistan vor?
( 6. Mai 2009)