Goldmans Mea Culpa

Von Andre Damon
25. November 2009

Wie Lloyd Blankfein, der Vorstandsvorsitzende von Goldman & Sachs, Dienstag letzter Woche zugab, hat seine Bank Dinge getan, die "klar falsch" waren. Er habe "Grund, sich zu entschuldigen", sagte Blankfein. Sein Mea Culpa ist eine Reaktion auf die wachsende Empörung in der Öffentlichkeit, denn die Profite des Bankhauses, das erst vor kurzem satte Steuersubventionen kassiert hat, schießen wieder mächtig in die Höhe. Voraussichtlich wird Goldman im kommenden Monat seine Manager und Spitzenhändler mit Boni in Rekordhöhe beschenken.

Am Mittwoch, einen Tag nach Blankfeins Erklärung, gaben die Investmentbank und ihr größter Aktionär, der Multimilliardär Warren Buffet, bekannt, dass sie in den kommenden fünf Jahren fünfhundert Millionen Dollar bereitstellen wollen, um kleinen Geschäftsinhabern unter die Arme zu greifen.

Sein Geständnis lieferte Blankfein auf einer Versammlung in New York ab, als er eine Frage aus dem Publikum beantwortete. Zur Versammlung hatte das so genannte Directorship Forum, gestiftet vom Wirtschaftsmagazin gleichen Namens, eingeladen, um Blankfein zum "CEO des Jahres 2009" zu küren. Blankfein antwortete auf die Frage eines Teilnehmers, ob die Bank denn wegen ihrer Aktivitäten nicht mit einer schlechten Publicity rechnen müsse.

"Fürchten Sie eigentlich nicht um Ihr Image und Ihren guten Namen?" hatte ein Teilnehmer gefragt. Darauf antwortete Blankfein: "Wir haben Dinge mitgemacht, die klar falsch waren, und haben Grund, dies zu bedauern und uns zu entschuldigen."

Blankfein versucht den schlechten Eindruck zu verwischen, den besonders eine frühere Bemerkung von ihm Anfang des Monats hervorgerufen hatte. Er hatte versucht, die Tatsache, dass Goldman & Sachs Zuwendungen in Millionenhöhe austeilt, damit zu rechtfertigen, dass er selbst und sein Unternehmen "Gottes Werk" vollbrächten.

Ob im Ernst oder halb scherzhaft ausgesprochen, drückt dieser Spruch doch die Haltung der Finanzmagnaten aus, die das wirtschaftliche und politische System Amerikas lenken. Blankfein selbst hat für 2007 Leistungen in Höhe von 67,9 Millionen Dollar kassiert. Sein Unternehmen hat dieses Jahr bisher 16,71 Milliarden für Vergütungsleistungen bereitgestellt. Laut Brad Hintz, einem Analysten von Alliance Bernstein, könnten sich die Manager-Zuwendungen des Konzerns für das ganze Jahr 2009 auf 21,8 Milliarden Dollar belaufen.

Auf besagter Versammlung vom 17. November wurde Blankfein in der ganzen Fragestunde nicht ein einziges Mal auf die gesellschaftliche Krise, auf Arbeitslosigkeit oder sinkende Löhne angesprochen. Dagegen erwähnte er die lange Reihe von Goldman-Managern, die heute hochrangige Regierungsposten besetzen.

Zur Verpflichtung des Bankhauses, 500 Millionen Dollar bereitzustellen, um kleinen Geschäftsinhabern zu helfen, schrieb die Financial Times : "Die jährliche Summe von etwa hundert Millionen Dollar, die für diese Initiative ausgegeben wird, ... entspricht für Goldman einem erfolgreichen Handelstag." Die Zeitung fügte hinzu: "Im dritten Quartal haben die Händler an 36 Tagen der Bank mehr als hundert Millionen Dollar eingebracht." Die Summe, die die Bank in Aussicht gestellt hat, entspricht 2.3 Prozent des Pools, den sie voraussichtlich für Vergütungsleistungen bereitstellt.

Das Wall Street Journal schrieb, der Zeitpunkt und die Art und Weise dieses Schrittes sei dergestalt, das er "als unredlich, ja zutiefst zynisch empfunden" werde.

Abwechselnd Mit Stolz und Arroganz wurde in der Versammlung auf die engen Beziehungen von Goldman & Sachs zur Regierung hingewiesen. Der Moderator sprach über einen Prozess, in dem Goldman-Manager die Dienstgrade des Bankhauses durchlaufen, um dann Regierungsposten zu übernehmen. Blankfeins Vorläufer, Henry Paulson, wurde Finanzminister unter George W. Bush und spielte eine Schlüsselrolle, als es darum ging, Rettungspakete für Goldman und andere große Wall-Street-Banken zu schnüren, die mehrere Billionen Dollar umfassten.

Mark Patterson, Stabschef im Finanzministerium, Gayr Gensler, Chef der Commodity Futures Trading Commission, und viele andere Führungskräfte der Obama-Regierung sind Alumni der Bank.

Am Montag erschien ein Bericht von Neil Barofsky, Sondergeneralinspekteur für das Rettungsprogramm der Regierung für Not leidende Banken, das so genannte Troubled Asset Relief Program. Darin wurde die Art und Weise kritisiert, wie die Regierung dem Versicherungsriesen American International Group (AIG) aus der Klemme half. Barofsky schrieb, die Regierung habe es versäumt, Nutzen aus "ihrem beträchtlichen Einfluss" zu ziehen. Sie hätte von den Gläubigern der AIG in den Banken Konzessionen verlangen müssen, anstatt ihnen ihre Einlagen Dollar für Dollar zurückzuerstatten. Dieses Vorgehen sei eine "Rettung durch die Hintertür" gewesen, und die Gelder der Steuerzahler seien direkt in die Tresore der großen Banken geflossen - allen voran in die Tresore von Goldman & Sachs, deren AIG-bezogene Aktienbestände vollständig ersetzt wurden.

Unterdessen weigern sich Goldman und andere große Finanzhäuser, ihre staatlichen Subventionen zu nutzen, um Unternehmen und anderen Kunden Geld zu leihen. Am Montag berichtete das Finanzministerium, dass sich die Kredite der großen Banken weiter verknappen. Goldman hat dieses Jahr gewaltige Profite erzielt, weil es seine Spekulationsgeschäfte an Aktien, Bonds, Währungen und Waren steigern konnte.

Die Bank hat besonders davon profitiert, dass die Regierung den Bankrott oder Verkauf wichtiger Investmentbank-Rivalen, zum Beispiel Bear Stearns, Lehman Brothers und Merrill Lynch, zugelassen hat. Als Folge davon konnte Goldman seine Kontrolle über die Finanzmärkte ausbauen und die Kreditkosten verringern.

Es fällt Blankfein nicht schwer, sich für die raubgierige Kredit- und Investitionspolitik zu entschuldigen, die in der Tat zur tiefsten Rezession seit den 1930ern beigetragen hat. Schließlich weiß er genau, dass er keine Konsequenzen zu befürchten hat. Weder er selbst, noch einer seiner Mitarbeiter wird zur Verantwortung gezogen. Dabei haben sie eine Wirtschaftskrise ausgelöst, die Millionen arbeitende Menschen in den USA und weltweit in unsagbare Not stürzt.

Ganz im Gegenteil drängt er in seinen Gesprächen mit der Obama-Regierung und dem Kongress vermehrt auf die Durchsetzung von Maßnahmen, die aus der rekordverdächtigen Arbeitslosigkeit den größtmöglichen Nutzen für die Wall Street ziehen und das Lohnniveau und den Lebensstandards der amerikanischen Arbeiter auf Dauer zerstören werden.