Das Platzen der Dubai-Blase

Von Alex Messenger
11. Dezember 2009

Die internationalen Finanzmärkte haben sich anscheinend wieder beruhigt, nachdem sie infolge der Schwierigkeiten des staatlichen Fonds Dubai World, seine Auslandskredite zu bedienen, in Panik geraten waren. Die Staatsholding hat sich nun bereit erklärt, mit den Gläubigerbanken in Umschuldungsverhandlungen zu treten, und die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate versprach, dem lokalen Bankensystem weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Schritt soll ein Ansturm auf die Banken der Emirate und der gesamten Golfregion verhindert werden.

Obwohl Dubai entschieden hat, eine kooperativere Haltung gegenüber den Gläubigern einzunehmen, ist die Situation nicht weniger ernst geworden. Ohne die Rettungsaktion des reicheren Nachbaremirats Abu Dhabi wäre Dubais Verschuldungssituation unlösbar.

Am 25. November hatte Dubai World erklärt, Tilgungsraten seiner sich auf 59 Mrd. US-Dollar belaufenden Auslandsschulden auszusetzen, die sie vornehmlich bei europäischen und britischen Banken - einschließlich HSBC und der inzwischen staatseigenen Royal Bank of Scotland - aufgenommen hat. Die Schulden von Dubai World, der die wichtigsten Immobilien- und Tourismusunternehmen des Emirats und über die Tochter DP World ein internationales Hafennetz gehören, machen 40 Prozent der Gesamtverschuldung des Emirats aus.

Der Tilgungsstopp löste einen dreitätigen Kursverfall an den wichtigsten internationalen Finanzmärkten aus. Die Panik resultierte aus der Unklarheit über Dubais Absichten und Schwierigkeiten, gefährdete Gläubiger auszumachen. Darüber hinaus zeigt die Marktreaktion, auf welch tönernen Füßen die so genannte Wirtschaftserholung steht.

Der Anstieg der weltweiten Aktien-, Rohstoff- und Immobilienpreise in den letzten Monaten (mit einigen Ausnahmen, zu denen auch der US-Immobilienmarkt gehört) ist das Ergebnis der Konjunkturpakete, der Politik des billigen Geldes der US-Regierung und der Weigerung der Märkte, bei ihrem Profitstreben die beispielslose Kreditausweitung nach der Finanzkrise beim Preisniveau zu berücksichtigen.

Gary Jenkins, Chef der Londoner Investmentbank Evolution Securities, erklärte gegenüber der Financial Times : "Wir haben eine enorme Erholung auf den Märkten erlebt. Das kann die Investoren täuschen, die von grundlegend verbesserten Bedingungen ausgehen, obwohl das nicht der Fall ist. Alles, was sich verändert hat, sind die Preise." Dubais einseitig erklärtes Schuldenmoratorium hat die geblendeten Märkte daran erinnert, wie schnell die Gewinne wieder verpuffen können (und werden). Dutzende Länder (darunter Griechenland, Ungarn und Argentinien) stecken in einer Schuldenfalle, die bis vor kurzem weit schlimmer als die von Dubai aussah.

Die scheinbare Erholung der Finanzmärkte ist von denselben Gefahren und Widersprüchen bedroht, die die Finanzkrise ausgelöst hatten.

Dubai ist ein gutes Beispiel dafür. Seit den 1990er Jahren ist der Dirham, die Währung der Vereinigten Arabischen Emirate, an den Dollar gekoppelt. Die Niedrigzinspolitik des damaligen US-Zentralbankchefs Alan Greenspan ermöglichte es Dubai und anderen Ländern, deren Währungen an den Dollar gekoppelt waren (vorwiegend Länder ohne Exportindustrie, die von Profiten aus dem Finanzsektor abhängig sind), große Mengen billiger Dollars als Kredit aufzunehmen. Oder anders ausgedrückt: Dubai stieg mit seinen glitzernden Bürotürmen und dem Anspruch, eine globale Finanz- und Handelsdrehscheibe zu sein, nur dank der US-Politik aus seiner früheren Bedeutungslosigkeit auf. Dubais Null-Steuerpolitik - die Grundlage seiner Rolle als Finanz- und Handelsdrehschreibe - machte die billigen Dollars zusammen mit Krediten aus Abu Dhabi zu einer der wenigen Geldquellen (Dubai verfügt kaum über Öl) und aus diesem Grund zu einer Droge, von der Dubai nicht zu entwöhnen war.

Auf jede Finanzkrise der 1990er Jahre (Argentinien, Mexiko, Asien, Russland) reagierte die US-Zentralbank mit einer immer weiteren Senkung der Zinsen und einer stärkeren Ausweitung der Liquidität. Dubai überschuldete sich naturgemäß. Berichte der vergangenen Woche gingen von einer Gesamtverschuldung der Regierung von 80 Mrd. Dollar aus. Die Ratingagentur Moody’s schätzt die Schulden auf mehr als 100 Mrd. Dollar, d. h. auf eine Summe, die die jährliche Wirtschaftsleistung des Emirats übersteigt. Jetzt hat ein Großteil der mit dem billigen Geld gekauften Vermögenswerte gut die Hälfte an Wert verloren. Dubai ist damit ein weiterer Ausdruck desselben globalen Prozesses, der die Hypothekenblase in den USA hervorgebracht hatte.

Obwohl US-amerikanische Politiker und des Zentralbankchef Ben Bernanke behaupten, die Fehler der Greenspan-Ära seien verdaut und beseitigt, ist die US-Reaktion auf die Finanzkrise von 2007-2008 lediglich die Vollendung der Politik von Greenspan: Nullzinsen auf absehbare Zeit plus Schaffung von noch mehr Liquidität.

Warwick McKibbin, Vorstandsmitglied der australischen Notenbank, formulierte es in einer Rede Anfang der Woche folgendermaßen: Unter Bedingungen einer relativen Entwertung des Dollars sei "die Geldpolitik der Entwicklungsländer US-Geldpolitik". McKibbin warnte, die Vermögensblasen, die sich in Ostasien und vor allem in China infolge der Nullzinspolitik gebildet haben (eine Dubai-Blase auf der Basis billiger Dollar im Großformat), könnten eine zweite Phase der Finanzkrise auslösen. Die Krise in Dubai hat derart heftige Reaktionen ausgelöst, weil die hochspekulativen Märkte für die kleinsten Krisenanzeichen hochsensibel geworden sind. Blasen platzen in der Regel in solchen Panikmomenten.

Die Banken- und Immobilienprofite, mit denen der verschwenderische Lebensstil der dort lebenden Vertreter des europäischen und amerikanischen Finanzsektors finanziert wurde, sind allerdings nicht nur das Produkt der US-Geldpolitik oder der Nullzinsen. Unmittelbar entspringen sie der Zusammenarbeit der internationalen Banken mit dem brutalen Regime der Al Maktum-Familie sowie der Ausbeutung von Arbeitssklaven, die aus armen Ländern nach Dubai gebracht wurden.

Fast 80 Prozent der 1,5 Millionen Einwohner Dubais kommen aus anderen Ländern, von denen wiederum 85 Prozent aus Ost- und Südostasien stammen - vor allem aus Indien, Bangladesch, Pakistan und von den Philippinen. Vor der Krise arbeiteten schätzungsweise 500.000 Bauarbeiter in Dubai, von denen die meisten ihre Familien in den Heimatländern zurückgelassen haben. In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es außerdem etwa 300.000 ausländische Haushaltshilfen.

Die Arbeits- und Lebensbedingungen in Dubai gehören zu den schrecklichsten der Welt. Gewerkschaften sind verboten, während Sicherheitskräfte Widerspruch und Verletzungen der Rassentrennungsvorschriften mit Gewalt und Abschiebung bestrafen. Bis vor kurzem wurden durchschnittlich 150 Dollar pro Monat an Arbeiter gezahlt, die Millionen an ihre armen Familien überwiesen. Berichte verschiedener Menschenrechtsorganisation und Gewerkschaften weisen darauf hin, dass Tausenden von Bauarbeitern schon seit Monaten nichts mehr gezahlt wird.

Zusammen mit den anderen Billiglohnzentren in Südostasien zeigt das Beispiel Dubai, dass eine Hauptquelle kapitalistischen Profits - einschließlich seiner nicht industriebasierten und "finanzorientierten" Formen - das Bündnis zwischen Finanzkapital und diktatorischen Feudalherrschern ist, die für die Unterdrückung der Arbeiterklasse sorgen.

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