Marxismus, Sozialismus und der Klimawandel

Von Nick Beams
31. Dezember 2009

Öffentliche Veranstaltungen, zu denen die WSWS und die Socialist Equality Party (Australien) in der letzten Woche in Sydney und Melbourne eingeladen hatten, entlarvten die wirkliche Agenda hinter dem Emissionshandel und der offiziellen "Debatte" um den Klimawandel.

Vor Studenten, Arbeitern, Freiberuflern und Rentnern hielten Nick Beams, Mitglied der Redaktionsleitung der WSWS und nationaler Sekretär der SEP, und WSWS Korrespondent Patrick O'Connor Vorträge zum Thema "Die wirtschaftliche und politische Bedeutung des Emissionshandel (ETS): Sozialismus und Klimawandel".

Vor dem Hintergrund der nationalen Konflikte und der Rivalitäten, die den Kopenhagener Klimagipfel beherrschten, zeigten die Vorträge anschaulich, dass nur die sozialistische Reorganisation der Wirtschaft in internationalem Maßstab die immensen Ressourcen und Technologien freisetzen kann, die nötig sind, um die herannahende ökologische und soziale Katastrophe abzuwenden.

Wir bringen hier den Vortrag von Nick Beams.

Das Thema, das wir auf dieser Versammlung diskutieren - die Auswirkungen des globalen Klimawandels - betrifft nichts Geringeres als die Zukunft der menschlichen Zivilisation. Die Probleme sind so tief greifend und umfassend, dass sie, wenn sie gelöst werden sollen, die Mobilisierung aller verfügbaren wirtschaftlichen, materiellen, wissenschaftlichen und technischen Ressourcen erforderlich machen.

Falls die gegenwärtige Situation nicht rasch umgekehrt wird, dann steht die Menschheit vor einer Katastrophe. Diese wird nicht irgendein isoliertes Ereignis darstellen, sondern vielmehr eine fortwährende Verschlechterung der sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen bedeuten: Dürren, die Zunahme zerstörerischer Wetterkapriolen, massenhafte Völkerwanderungen, Konflikte um Land und Wasser und Kriege, die sogar den Einsatz von Atomwaffen mit einschließen.

Damit nicht jemand irrtümlich denkt, ich tendiere zu einer Art sozialistischem Katastrophismus, möchte ich aus einem Bericht des einflussreichen amerikanischen Think Tanks, dem Zentrum für Strategische und Internationale Studien (CSIS), zitieren, der im November 2007 ausgearbeitet wurde.

Der Bericht beginnt mit der Feststellung, dass "die Wissenschaft schockiert ist, wie schnell einige Auswirkungen der globalen Erwärmung sich entfalten, was darauf schließen lässt, dass viele der Schätzungen sehr wahrscheinlich zu konservativ gewesen sind." In den letzten zwei Jahren ist nichts passiert, was diese Schlussfolgerung in Frage stellen würde. Tatsächlich ist es so, dass diese vom CSIS festgestellte Tendenz immer augenfälliger wurde. In dem Bericht werden drei Szenarien entwickelt, die auf dem voraussichtlichen, einem besorgniserregenden und einem katastrophalen Klimawandel basieren.

Zu dem erwarteten Szenario, das von einem durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg von 1,3 Grad Celsius bis 2040 ausgeht, zählen folgende Auswirkungen: "Gestiegene interne und grenzüberschreitende Spannungen, die auf ausgedehnte Wanderungsbewegungen zurück gehen; Konflikte, die sich an der Ressourcenknappheit entzünden, insbesondere in den schwachen und scheiternden Staaten Afrikas; erhöhte Verbreitung von Krankheiten, was wirtschaftliche Folgen haben wird; und geopolitische Neuordnungen, weil Nationen sich an die Verschiebungen der Ressourcen und das Überhandnehmen von Erkrankungen anpassen werden."

Man muss sich vor Augen halten, dass dies von einem Think Tank für die nationale Sicherheit geschrieben wurde, der Empfehlungen für die amerikanischen Regierungsbehörden ausarbeitet. Und daher hat er, wenn er über "geopolitische Neuordnung" spricht, Aktionen der Art im Sinn, wie sie im Irak und in Afghanistan durchgeführt wurden.

Das Szenario eines einschneidenden Klimawandels, das keineswegs unwahrscheinlich ist, geht von einem Anstieg der durchschnittlichen globalen Temperatur um 2,6 Grad Celsius bis 2040 aus. Dabei "werden massive ungewöhnliche Ereignisse in der globalen Umwelt massive und ungewöhnliche soziale Ereignisse entstehen lassen." Der Bericht warnt davor, dass Länder weltweit durch das Ausmaß der Veränderungen und gefährliche Herausforderungen, wie z.B. pandemische Krankheiten, überfordert sein werden. Der innere Zusammenhalt von Staaten, einschließlich der USA, wird aufgrund der Wanderungsbewegungen, der Änderungen der landwirtschaftlichen Strukturen und der Verfügbarkeit von Wasser unter größere Belastungen geraten. "Die Überflutung der Küstenregionen auf der ganzen Welt, besonders in den Niederlanden, den USA, Südostasien und China, haben das Potential regionale und sogar nationale Identitäten in Frage zu stellen. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Nationen über Ressourcen, wie dem Nil und seinen Nebenflüssen, sind wahrscheinlich und ein Atomkrieg ist möglich... Bei diesem Szenario löst der Klimawandel eine ständige Verschiebung des Verhältnisses der Menschen zur Natur aus."

Das katastrophale Szenario, bei dem die durchschnittliche globale Temperatur um 5,6 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 ansteigt, würde eine Welt hervorbringen, wie sie in dem Film Mad Max beschrieben wird, "nur heißer und ohne Strände, und wahrscheinlich sogar mit noch mehr Chaos." "Der mit dem Klimawandel verbundene Zusammenbruch und das Chaos würden quasi jeden Aspekt des modernen Lebens in Frage stellen." Das einzige vergleichbare Szenario war, so die Studie, die Situation, zu der ein amerikanisch-sowjetischer Atomkrieg geführt hätte.

Es besteht ein starker Kontrast zwischen dem besorgniserregenden und sich rasch entwickelnden Klimawandel und den Beratungen so genannter "Führer der Welt" auf dem Kopenhagener Klimagipfel. Es würde weit länger dauern, als wir hier Zeit zur Verfügung haben, um auf alle Drehungen, Wendungen und Manöver der Konferenz einzugehen. Aber die wesentlichen Themen sind klar: Bei dem Gipfel geht es nicht um die Bekämpfung des Klimawandels. Es ist eine Zusammenkunft, bei der die Großmächte daran arbeiten, Bedingungen zu schaffen, bei denen sie das Problem auf ihre Konkurrenten schieben können und für sich selbst das beste Ergebnis herauszuholen versuchen.

Ein Bericht von Johann Hari in der Ausgabe der britischen Tageszeitung The Independent vom 11. Dezember fasste die Veranstaltung wie folgt zusammen: "Jeder Delegierte auf dem Gipfel in Kopenhagen wird durch den Anblick eines riesigen, künstlichen Planeten begrüßt, der den Platz im Zentrum der Stadt beherrscht. Dieser herumwirbelnde Planet ist mit Firmenlogos übersät - das Markenzeichen Coca Cola wurde auf Afrika gestempelt, während Carlsberg Asien zu besitzen scheint, und oben drüber verkündet McDonald’s in großen, roten Lettern ’Ich liebe es’. ’Willkommen in Hopenhagen’ schreit er hinaus. Er wird durch einen endlosen Strom heißer Luft in der Schwebe gehalten. Dieser Kunststoff Planet ist das perfekte Symbol für diesen Gipfel. Der Welt wird erzählt, dass dies ein Krisentreffen sei, um die Klimakrise zu lösen - aber hier im Bela Zentrum, wo sich unsere Staats- und Regierungschefs versammeln, werden lediglich betrügerische Phrasen gedroschen, die es den Ländern ermöglichen sollen, sich auch noch aus dem absoluten Minimum herauszuwinden, das nötig wäre, um die Auflösung der Biosphäre zu verhindern."

Eines der krassen Beispiele in diesem korrupten Prozess ist eine Initiative der Rudd Labour Regierung. Sie arbeitet auf ein Abkommen hin, das Australien und andere Länder mit ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere die USA und Kanada, in die Lage versetzen würde, ihren CO2 Ausstoß mit einer erhöhten CO2 Absorption durch die Böden zu kompensieren. Ein Bericht im Sydney Morning Herald bemerkte, weil diese Länder hunderte Millionen Hektar haben "könnte eine geringfügige Erhöhung der Absorbtionsmenge der Böden eine gewaltige Reduzierung ihrer Netto-Emissionen erzeugen". Das könnte sich als sehr wichtig für Australien herausstellen, weil die neuesten Zahlen zeigen, dass die Treibhausgasemissionen seit 1990 um 82 Prozent gestiegen sind. Mit Blick auf diesen und andere ähnliche Berichte, fragt man sich, ob vielleicht ein ironischer Mensch beschloss, Kopenhagen, die Heimatstadt des Märchenautors Hans Christian Andersen, zum Veranstaltungsort für die Konferenz zu machen.

Schaut man sich die Farce von Kopenhagen genau an, stellt sich die folgende Frage: ist die handgreifliche Weigerung der Regierungen, trotz aller Beweise und Warnungen ihrer eigenen Berater mit effektiven Maßnahmen auf diese Krise zu antworten, das Produkt einzelner Regierungen, Individuen, Staats- und Regierungschefs und so weiter, oder ist sie vielmehr in der grundlegenden Struktur der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Ordnung begründet - einer Struktur, die eine Lösung unter den gegebenen Rahmenbedingungen unmöglich macht. Je nachdem, wie man diese Frage beantwortet, ergeben sich sehr unterschiedliche politische Perspektiven.

Johann Hari erkennt sehr deutlich, dass der Kopenhagener Gipfel ein Etikettenschwindel ist. Aber nichtsdestoweniger schürt er die Erwartung, dass ein brauchbares Regime etabliert werden könnte, das die physikalische Temperatur reduziert und einen internationalen Umweltgerichtshof einsetzt, der Maßnahmen gegen solche Nationen ergreift, die sich weigern wirkliche und scharfe Reduzierungen vorzunehmen. Dazu müsste nur die Protestbewegung mit ihren Forderungen groß und scharf genug werden und die politische Temperatur ausreichend ansteigen.

Auf die Gefahr hin zu hart zu klingen: eine solche Perspektive, die darauf abzielt, die kapitalistischen Regierungen durch Druck zum Handeln zu zwingen, ist ein Märchen. Lasst uns die grundlegenden Strukturen des globalen kapitalistischen Systems untersuchen, um deutlich zu machen, warum das so ist.

Der Klimawandel und die Widersprüche des globalen Kapitalismus

Sobald wir anfangen, den Klimawandel zu untersuchen, werden zwei Dinge deutlich. Das erste ist, dass das Problem seinem Wesen nach einen globalen Charakter hat und keine nationale Lösung möglich ist. Das zweite besteht darin, dass die produktive Tätigkeit der Menschheit, also die Entwicklung des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, nicht außerhalb der Beziehung des Menschen zur Natur betrachtet werden kann. Oder um es anders auszudrücken, es gibt keine Trennung zwischen den Tätigkeiten des Menschen, der selbst ein Teil und Produkt der Natur ist, und dem Rest der Natur, von der der Mensch abhängt. Die produktive Tätigkeit des Menschen darf nicht unabhängig von, sondern muss in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Natur stattfinden. Wenn wir jedoch diese Frage durchdenken, stoßen wir geradewegs mit den ureigensten Grundlagen der kapitalistischen Weltordnung zusammen.

Betrachten wir das Thema Nationalstaatensystem. Marxisten haben schon vor langer Zeit auf den Widerspruch zwischen der Entwicklung der globalen Wirtschaft im Kapitalismus und der Teilung der Welt in miteinander konkurrierende Nationalstaaten hingewiesen. Dieser Widerspruch explodierte vor fast 100 Jahren in Form des Ersten Weltkriegs. Die Expansion der Weltwirtschaft in den vorangegangenen vier Jahrzehnten hatte Konflikte zwischen den größten kapitalistischen Mächten hervorgerufen, bei denen es um Märkte, Profite und Ressourcen ging.

Dieselben Widersprüche sind als Folge der internationalen Finanzkrise wieder auf der Bildfläche erschienen. Als Antwort auf die Krise, die vor einem Jahr ausgebrochen ist, ergriffen die kapitalistischen Mächte einzelne Maßnahmen, mit denen sie den Schutz ihrer jeweils eigenen Wirtschaft und ihrer Finanzsysteme über alles andere stellten. Nun hat sich auf dem Kopenhagener Gipfel einmal mehr herausgestellt, dass jede Großmacht versucht, die Kosten des globalen Klimawandels auf ihre Rivalen abzuwälzen, ihre eigenen Kosten zu minimieren und sich den maximalen Nutzen aus dem System, das für den Emissionshandel eingerichtet werden könnte, zu sichern.

In seinem Buch Commonwealth, Economics for a Crowded Planet wies der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs auf die Bedeutung dieser Frage für das Überleben der Zivilisation hin. "Die bestimmende Herausforderung für das einundzwanzigste Jahrhundert", schrieb er, "wird sein, der Realität ins Auge zu sehen, dass die Menschheit auf einem überfüllten Planeten ein gemeinsames Schicksal teilt. Dieses gemeinsame Schicksal erfordert neue Formen globaler Zusammenarbeit. Das ist ein grundlegender Punkt von bestechender Einfachheit, den viele Staats- und Regierungschefs erst noch verstehen oder verinnerlichen müssen. ...Im einundzwanzigsten Jahrhundert wird unsere globale Gesellschaft aufblühen oder untergehen, je nach dem ob wir fähig sind, gemeinsame Zielvorgaben und die praktischen Mittel zu ihrer Verwirklichung für die ganze Welt zu finden."

Sachs warnte, dass aus den wachsenden Spannungen, die durch knappe Energieressourcen, wirtschaftliche Ungleichheit und Umweltprobleme angeheizt werden, ein " Zusammenstoß der Kulturen" erwachsen könnte, der "unser letzter und absolut verheerender Zusammenstoß sein könnte." Er fuhr fort: "Das Paradox einer einheitlichen globalen Wirtschaft und einer gespaltenen globalen Gesellschaft stellt die größte Bedrohung für diesen Planeten dar, weil es die Zusammenarbeit unmöglich macht, die nötig wäre, um den weiterhin bestehenden Herausforderungen zu begegnen. Ein Zusammenstoß der Kulturen, wenn wir ihn überleben, würde alles, was die Menschheit erschaffen hat, rückgängig machen und einen Schatten auf zukünftige Generationen werfen." Sachs, ein entschiedener Gegner des Marxismus, ist nichtsdestotrotz gezwungen zu erkennen, dass der zentrale Widerspruch des weltweiten kapitalistischen Systems, wie er von Marxisten herausgearbeitet wurde, die Existenz der gesamten Menschheit bedroht.

Aber welche Lösung schlägt Sachs vor, nachdem er auf das Problem hingewiesen hat? Kaum mehr als die vage Hoffnung, es könne ein neuer John F. Kennedy erscheinen und eine neue Ära internationaler Zusammenarbeit einläuten wie jene, die den Atomwaffensperrvertrag von 1963 begleitete. Der Versuch, einen großen Führer herbeizureden - Sachs hatte eindeutig Obama im Sinn, als er 2008 dieses Buch schrieb -, der die ganze Welt zur Zusammenarbeit inspirieren würde, ignoriert schlicht und einfach die Tatsache, dass das Nationalstaatensystem keine Schlangenhaut darstellt, die sich einfach abstreifen ließe. Es liefert vielmehr die strukturelle Grundlage für die kapitalistische politische Ökonomie.

Die so genannten "Führer der Welt", die sich in Kopenhagen trafen, repräsentierten die Interessen ihrer "eigenen" Nationalstaaten und der Kapitalistenklasse, deren Interessen diese Staaten dienen. Diese Interessen geraten in Konflikt und kollidieren mit den anderen kapitalistischen Großmächten. Wie Obama bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreises unterstrich, repräsentiert er den amerikanischen Nationalstaat und handelt in seinem Interesse. Das Nationalstaatensystem kann nicht mehr umgestaltet oder modernisiert werden, um den Anforderungen einer globalen Menschheit zu genügen, sowenig wie das Feudalsystem an das Wachstum der Produktivkräfte, das beim Aufkommen des Kapitalismus stattfand, angepasst werden konnte. Das Feudalsystem musste von der Bourgeoisie gestürzt werden. Nun muss die internationale Arbeiterklasse das kapitalistische Nationalstaatensystem stürzen, damit die Menschheit die Probleme, vor denen sie steht, bewältigen und ihren historischen Fortschritt fortsetzen kann.

Aber wenn die Probleme, die von den Nationalstaaten verursacht werden, erkannt worden sind, ist es dann nicht möglich, sie durch eine Art globalen Marktmechanismus zu überwinden, der die verschiedenen Nationen dazu zwingt, im Sinne des Allgemeinwohls zu handeln? Durch den Markt, so wird argumentiert, könnten wir zu einer "Ökologisierung des Kapitalismus" kommen. Radikale Lösungen, wie sie von den Sozialisten vorgeschlagen werden, seien daher nicht notwendig. Lasst uns diese Behauptungen überdenken.

In seinem Bericht von 2006 über den Klimawandel räumte der ehemalige Wirtschaftsexperte der Weltbank, Nicholas Stern, ein, dass die globale Erderwärmung und die mit ihr verbundenen Gefahren das Ergebnis des größten Marktversagens der Geschichte seien. Aber die "Lösungen", die von den Regierungen und ihren Beratungsgremien befürwortet werden, sehen vor, den Markt zu nutzen, um genau das Problem zu lösen, das er geschaffen hat. Niemand stellt die nahe liegende Frage: Wenn der Markt dieses Desaster hat entstehen lassen, welche anderen Katastrophen hat er noch auf Lager? Die so genannten Experten waren still, doch der Markt selber sprach laut und deutlich. Kaum mehr als ein Jahr nach dem Bericht von Stern führte der Marktmechanismus des globalen Finanzsystems zum größten Finanzkrach innerhalb eines dreiviertel Jahrhunderts. Das machte deutlich, dass heute weltweit mehrere Milliarden Menschen in einem System leben und arbeiten, über das sie keinerlei Kontrolle haben und das jederzeit droht, sie ohne Vorwarnung in Armut zu stürzen. Wie wir sehen werden, hat die Finanzkrise dieselbe Struktur wie die Krise der globalen Erderwärmung. Die große Mehrheit der Menschen wird von den Ergebnissen ihrer eigenen wirtschaftlichen Tätigkeit bedroht, über die sie jedoch im Rahmen der gegenwärtigen sozi-ökonomischen Ordnung keine Kontrolle hat.

Marx und die Beziehung der Menschen zur Natur

Vertreter der so genannten "grünen" politischen Tendenzen argumentieren häufig, dass der Marxismus keine Antwort auf das Problem des Klimawandels habe, auch wenn es einen offensichtlichen Zusammenhang zwischen der Funktionsweise des kapitalistischen Systems und den Umweltproblemen gebe. Denn die Umweltprobleme seien untrennbar mit der Entwicklung der Produktivkräfte verbunden, die die Ursache des Problems sei. Solche Argumente dienen einem bestimmten politischen Zweck. Sie sollen verhindern, dass all jene, insbesondere jungen, Menschen, sich einer sozialistischen Perspektive zuwenden, die angefangen haben, sich Sorgen über die Funktionsweise des kapitalistischen Systems zu machen. Stattdessen sollen sie zurück in die Arme der Bourgeoisie und ihrer Parteien gelenkt oder auf die Suche nach einer individualistischen Lösung verwiesen werden. Ein Beispiel für letzteres Genre ist ein kürzlich veröffentlichtes Buch von Raj Patel mit dem Titel Der Wert des Nichts. Begeistert begrüßt von der Autorin Naomi Klein, fordert das Buch eine "Neuausrichtung" der Marktgesellschaft. Wie soll ein solches Ziel erreicht werden? Wenn man Patel folgt, dann liegt das Problem in Wirklichkeit in uns selbst. Wir müssen uns auf das "Herausreißen der Begierde aus unseren Herzen" konzentrieren, indem wir einen Mittelweg entwickeln, der auf einer "buddhistischen Theorie des Werts" beruht. Patel möchte nicht mit der Propagierung irgendeines Lifestyle Kults in Verbindung gebracht werden und behauptet deshalb, dass der Buddhismus Einsicht in die Veränderungen der Welt gewähre. Patel zufolge habe der Dalai Lama für das von ihm bevorzugte Wirtschaftssystem Stellung bezogen und sich selbst einen "marxistischen Mönch" und einen "buddhistischen Marxisten" bezeichnet. Ich bringe dieses Beispiel, um deutlich zu machen, wohin die Ablehnung des politischen und sozialen Kampfes gegen den Kapitalismus unweigerlich führen muss... zurück zu Mystik und Religion, während gleichzeitig die Schuld für die Krise auf unsere eigene "Begierde" zurückgeführt wird.

Eine Untersuchung des Werkes von Marx zeigt, dass der große Revolutionär - weit davon entfernt, veraltet zu sein, wie von den "Grünen" und ihren Ideologen behauptet wird - ein grundlegendes, methodisches Rahmenwerk und eine Analyse entwickelt hat, ohne das die Krise nicht verstanden, und noch viel weniger gelöst werden kann. Marx hat sich natürlich nicht direkt mit dem Problem des Klimawandels befasst. Aber er hat sich mit den sozialen Beziehungen im Kapitalismus und ihren Auswirkungen auf das Verhältnis des Menschen zur Natur befasst, aus dem die Krise entstanden ist.

Zu Beginn des fünften Kapitels im Band I des "Kapitals" liefert Marx eine wichtige Analyse des Arbeitsprozesses: "Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigne Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber." Arbeit, erklärt Marx, ist eine naturgegebene Notwendigkeit. Die Frage ist nicht, ob sich der Mensch durch Arbeit, in produktiver Tätigkeit engagiert. Er muss es, es ist eine Notwendigkeit. Die Frage ist, wie findet dieser Prozess statt? Der Mensch" vollzieht den Stoffwechsel zwischen sich und der Natur" durch Arbeit. Zentral an diesem Konzept des Stoffwechsels ist die Idee, dass er die Basis ist, auf der eine komplexe Reihe von Wechselwirkungen erfolgt, die Leben und Wachstum ermöglichen.

Zwar gab es das Problem des Klimawandels noch nicht, als Marx dies schrieb, aber die Auswirkungen des Kapitalismus auf die natürliche Umwelt waren offensichtlich, was größere Probleme auf dem Gebiet der Landwirtschaft entstehen ließ, Probleme, die bis zum heutigen Tag andauern.

Die sozialen Beziehungen des Kapitalismus beruhen letztlich auf dem Kauf und Verkauf von Arbeitskraft - d.h. der Fähigkeit zu arbeiten - auf dem Markt. Märkte gab es schon lange vor dem Kapitalismus. Historisch betrachtet jedoch war der Markt und die Produktion von Gebrauchsgütern solange nicht zur beherrschenden Form wirtschaftlicher Organisation geworden, bis die Produktion auf der Basis von Lohnarbeit ausgeführt wurde, das heißt, bis die Arbeitskraft auf den Markt kam.

Wie ist dieses soziale System entstanden? Wie ist Lohnarbeit aufgekommen? Ganz offenbar ist sie nicht Produkt der Natur, sondern der historischen Entwicklung. Lohnarbeit entstand, als die unmittelbaren Produzenten von den Produktionsmitteln getrennt wurden - zuallererst vom Land und der Natur - und keine Mittel hatten, ihre Bedürfnisse anders als durch den Verkauf ihrer Arbeitskraft an die Besitzer der Produktionsmittel und des Landes zu stillen. Es ist diese Trennung von Mensch und Natur, ein Bruch im Stoffwechsel, die den Ursprung für die Krise des Klimawandels bildet.

Dieser Stoffwechsel trat erstmals in der Sphäre der Landwirtschaft in Erscheinung. Als Schlussfolgerung des 13. Kapitels von Band I des Kapitals schrieb Marx: "Mit dem stets wachsenden Übergewicht der städtischen Bevölkerung, die sie in großen Zentren zusammenhäuft, häuft die kapitalistische Produktion einerseits die geschichtliche Bewegungskraft der Gesellschaft, stört sie andererseits den Stoffwechsel zwischen Mensch und Erde, d.h. die Rückkehr der von Menschen in der Form von Nahrungs- und Kleidungsmitteln vernutzten Bodenbestandteile zum Boden, also die ewige Naturbedingung dauernder Bodenfruchtbarkeit. Sie zerstört damit zugleich die physische Gesundheit der Stadtarbeiter und das geistige Leben der Landarbeiter." [1] Die Abfallprodukte der großen Städte wurden dem Land nicht wieder zugeführt, sondern verstreut, was zu Abnahme der Bodenfruchtbarkeit führte, die mit anderen Mitteln wieder hergestellt werden musste. Heutzutage wird dies durch künstlich hergestellte Stickstoffdünger erreicht, was zu einer Reihe von neuen Problemen in Form von Abfluss ins Grundwasser führt.

Die globale Erwärmung, das Ergebnis der Abgabe von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen an die Atmosphäre mit einer höheren Geschwindigkeit, als sie wieder abgebaut werden können, ist eine weitere Entwicklung der Prozesse, die Marx im Zusammenhang mit der kapitalistische Landwirtschaft beschrieben hat. Was ist die Lösung? Marx wies auf sie wie folgt hin: "Die Zerreißung des ursprünglichen Familienbandes von Agrikultur und Manufaktur, welches die kindlich unentwickelte Gestalt beider umschlang, wird durch die kapitalistische Produktionsweise vollendet. Sie schafft aber zugleich die materiellen Voraussetzungen einer neuen, höheren Synthese, des Vereins von Agrikultur und Industrie, auf Grundlage ihrer gegensätzlich ausgearbeiteten Gestalten." [2] Die Lösung der Krise liegt nicht in einer Rückkehr in die Vergangenheit, das ist auf jeden Fall unmöglich, sondern in der Errichtung einer höheren sozialen und wirtschaftlichen Ordnung.

Eine solche Synthese kann nur durch den Sturz der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse erreicht werden, die auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln und dem Nationalstaatensystem beruhen, und durch die kollektive und demokratische Kontrolle der Produktivkräfte durch die Gesellschaft als Ganzes. In Band III des Kapitals stellt Marx das Problem wie folgt: "Die Freiheit ... kann nur darin bestehn, daß der vergesellschaftete Mensch, die assoziierten Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur rationell regeln, unter ihre gemeinschaftliche Kontrolle bringen, statt von ihm als von einer blinden Macht beherrscht zu werden; ihn mit dem geringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur würdigsten und adäquatesten Bedingungen vollziehn." [3] In früheren Zeiten wären solche Passagen von Marx vielleicht als eine fantastische Version der Zukunft übergangen worden. Das war einmal. Die hier umrissene Perspektive muss zur Grundlage für die Bewältigung und Lösung der immer größer werdenden Probleme gemacht werden, die durch die Kluft zwischen Mensch und Natur, die der Kapitalismus geschaffen hat, entstanden sind. Marx ist weit davon entfernt, überholt zu sein. Die Welt hat so zu sagen zu Marx aufgeschlossen.

Alle "Lösungen", die von den "grünen" Gegnern des Marxismus vorgeschlagen werden, haben eines gemeinsam. Sie wenden sich gegen den Sturz des kapitalistischen Systems durch die sozialistische Revolution als Schlüssel zur Lösung der Probleme der globalen Erwärmung. Sie bezeichnen sie entweder als "unrealistisch", oder als nicht schnell genug wirkend. Oder sie unterstellen dem Sozialismus eine Feindschaft gegenüber der Natur. Sie schlagen demgegenüber eine Perspektive vor, die letztlich für die Beschränkung der Produktivkräfte und vor allem der Bevölkerung selbst ist. Mit anderen Worten, indem sie den Marxismus und sein Programm für die Schaffung von neuen und höher entwickelten sozialen Beziehungen zurückweisen, stellen sie sich selber auf eine Ebene mit dem reaktionären Pfaffen und Apologeten des Kapitalismus, Thomas Malthus. Dieser versuchte zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die Aussicht auf einen Fortschritt für die Menschheit mit der Begründung auszuschließen, dass die Bevölkerung schneller wachse als die der Gesellschaft zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Unsere Untersuchung der Marxschen Analyse erklärt, warum alle so genannten Marktlösungen, die Krise, anstatt sie zu lösen, nur verschlimmern können. Natürlich sind diese Maßnahmen auf den ersten Blick absurd. Sie behaupten, dass die Umweltverschmutzung durch die Schaffung eines Marktes für Rechte und Genehmigungen für die Verschmutzung überwunden werden können. Selbst wenn wie durch ein Wunder, das es nie zuvor in einem anderen Markt gegeben hat, die falschen Berechnungsarten und korrupten Methoden vom CO2 Markt eliminiert würden, das grundlegende Problem bliebe bestehen. Das System der marktwirtschaftlichen Beziehungen basiert auf der Trennung der Produzenten von den Mitteln der Produktion, und es ist genau diese Trennung im Stoffwechsel - die Kluft zwischen Mensch und Natur, die die Ursache für die Krise ist.

Wissenschaft, Technologie und Kapitalismus

Eine Analyse der strukturellen Grundlagen des globalen Kapitalismus macht auch klar, warum im Rahmen der Profitsystems keine technologische Lösung möglich ist. Damit soll nicht gesagt werden, dass es die wissenschaftlichen Möglichkeiten und den Einfallsreichtum der Menschheit übersteige, neue Technologien zu entwickeln, mit denen dieses Problem in Angriff genommen und der Weg für eine Lösung frei gelegt werden könnte. Aber solche Maßnahmen erfordern eine internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern, Forschern, Behörden und der Bevölkerung als Ganzes auf einer Ebene, die innerhalb der gegebenen sozialen Ordnung unmöglich ist. Eine kurze Betrachtung zeigt, warum das so ist. Neue Technologien in diesem Bereich sind die Quelle für enorme Profite. Das ist der Grund dafür, dass die Forschungsergebnisse und jeder technologische Durchbruch eifersüchtig abgeschirmt werden. Aber ein Regime, das dem freien Fluss von Informationen und Forschungsergebnissen Barrieren in den Weg legt, ist schädlich für die Entwicklung der Wissenschaft. Wenn Hochschulen und wissenschaftliche Einrichtungen sich auf die Förderung durch Unternehmen verlassen müssen, können Informationen nicht zwanglos geteilt werden. Genauso wenig kann Forschungsergebnissen vollständig getraut werden, da man nicht sicher sein kann, wer genau für die Ergebnisse zahlt. Isaac Newton sagte einmal: "Wenn ich weiter sehen konnte, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Giganten stand." Heute unterliegt die wissenschaftliche Forschung dem Prinzip "der Benutzer zahlt".

Die Überwindung der Gefahren für die menschliche Zivilisation, die durch die globale Erwärmung entsteht, ist untrennbar mit dem Kampf für internationalen Sozialismus verbunden, das heißt, für ein Programm, das auf dem Sturz des Systems des Privateigentums und der Nationalstaaten basiert. Die Weltwirtschaft muss unter die demokratische Kontrolle der assoziierten Produzenten gebracht werden, mit anderen Worten, der internationalen Arbeiterklasse - Fabrikarbeiter, Angestellte, Fachkräfte, Ungelernte. Nur dann kann sie kontrolliert und reguliert werden, um menschlichen Bedürfnissen zu dienen, einschließlich der Notwendigkeit einer nachhaltigen Umwelt.

Wenn sie mit dieser Perspektive konfrontiert werden, gehen die Verteidiger der gegenwärtigen Ordnung auf die Barrikaden. In der Vergangenheit hätten sie sich auf Gott berufen. Das funktioniert nicht mehr, deshalb behaupten sie, dass die bewusste Kontrolle und Regulierung der Wirtschaft einfach nicht möglich sei.

Martin Wolf, der Wirtschaftskommentator der Financial Times, ist so ein Verteidiger. Er leugnet nicht den Klimawandel, und er ist auch kein unkritischer Verteidiger des kapitalistischen Systems, das, wie er betont, einer bestimmten Kontrolle unterworfen werden muss. Trotzdem behauptet er, dass kein anderes Wirtschaftssystem möglich sei. In seinem Artikel vom 10. November, dem zwanzigsten Jahrestag des Falls der Berliner Mauer, bestand er darauf, dass dieses Ereignis "der Illusion von einer rational geplanten Wirtschaft ein Ende gesetzt hat". Abgesehen von der Frage des stalinistischen Wirtschaftssystems in der Sowjetunion, das, wie wir erklärt haben, weder sozialistisch noch rational geplant wurde, wirft Wolfs Bemerkung eine viel generellere Frage auf.

Betrachten wir die Implikationen von dem, was er sagt. Die Menschheit ist in der Lage, die entferntesten Winkel des Universums zu erforschen, die fast bis in die Zeit des Urknalls zurück reichen. Auf der Mikroebene ist die Menschheit bis zur Struktur des Lebens vorgedrungen, indem sie die genetische Struktur der menschlichen Rasse an sich kartografierte. Die Wissenschaft der Quantenmechanik hat große Fortschritte in der Computer- und Informationstechnik möglich gemacht, indem sie die Vorraussetzungen für einen Austausch von Informationen im globalen Maßstab fast in Echtzeit schuf, von der Musik, Literatur und dem Film ganz zu schweigen. Die Menschheit ist in der Lage, all dies zu tun, aber sie kann ihre eigene Wirtschaft und soziale Organisation nicht einer bewussten Kontrolle und Regulierung unterstellen, um sie den Bedürfnissen der Menschheit dienstbar zu machen? Wolfs These, dass die Gesetze der Vernunft in jedem Bereich menschlichen Bemühens angewandt werden können, und tatsächlich sogar angewandt werden müssen, außer bei der Organisation des wirtschaftlichen und sozialen Lebens ist schlichtweg ein Unding.

Vernünftige demokratische Kontrolle der Wirtschaft, die der Vorherrschaft des blinden Wirkens des Marktes ein Ende setzen würde, ist nicht nur eine Frage des Geschmacks. Es ist eine Notwendigkeit. Ich erwähnte bereits die Ähnlichkeit zwischen der globalen Finanzkrise und der Krise des Klimawandels. Ich werde jetzt auf diese Thematik zurückkommen.

In den Jahren 2007-2008 stürzten die Finanzmärkte die Welt in die tiefste Krise seit der Großen Depression. Plötzlich wurde das Leben von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt bedroht. Und die Krise ist noch lange nicht vorbei. Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür, dass weitere Finanzstürme, potentiell sogar noch zerstörerischere, im Entstehen begriffen sind. Gleichzeitig sind die Regierungen überall dabei, massive Einschnitte bei den öffentlichen Ausgaben vorzubereiten, um die Arbeiterklasse und die einfachen Leute für die hunderte Milliarden Dollar zahlen zu lassen, die sie den Banken in der ersten Rettungsrunde ausgehändigt haben.

Wie konnte es zu diesem Desaster kommen? Keiner wollte es, niemand hat es organisiert - auch nicht diejenigen, die davon profitiert haben. Es ist einfach aus der Funktionsweise des Marktes heraus entstanden. Aber was ist der Markt? Er ist nicht einfach eine Art böser Weltgeist, der in regelmäßigen Abständen der Menschheit eine Katastrophe zufügt, so als ob jemand die Menschheit für ihre Sünden bestrafen wollte. Der Markt ist das Ergebnis des kollektiven wirtschaftlichen Handelns der Menschheit als Ganzes. Aber er herrscht über die Gesellschaft, außerhalb des Bewusstseins von Einzelnen. Unsere Ausdrucksformen spiegeln das wider. Wir sagen der Markt tut dies und das und beziehen uns regelmäßig auf Wetteranalogien - Wolken ziehen am wirtschaftlichen Horizont herauf, Stürme brauen sich zusammen und so weiter.

Die Form der Klimakrise ist die gleiche. Die Menschheit wird durch die Ergebnisse ihres eigenen wirtschaftlichen Handelns bedroht, über die sie keine Kontrolle hat. Lasst uns einmal annehmen, dass die so genannten Führer dieser Welt, die sich heute auf dem Kopenhagener Klimagipfel zusammensetzen, ehrlich eine Vereinbarung zur Reduzierung der Treibhausgase erreichen wollen. Sie sind dazu aufgrund der Struktur der Wirtschaftssysteme, denen sie vorstehen, nicht in der Lage. Das Debakel von Kopenhagen ist nur ein weiteres Indiz dafür, dass dieses System zur größten Gefahr für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation geworden ist und gestürzt werden muss.

Aber dann stoßen wir mit dem Argument derjenigen zusammen, die sagen, dass sie mit uns in der generellen Analyse der Notwendigkeit für den Sozialismus übereinstimmen, aber betonen, dass dies zu lange dauert und "jetzt sofort" etwas passieren muss. Sozialismus mag als generelles Ziel gut und schön sein, aber der Kampf für eine sozialistische Perspektive kann sich nicht mit solchen Problemen wie dem Klimawandel befassen, die sofort gelöst werden müssen. Solche Argumente werden in der Regel unter dem Banner des Realismus entwickelt. In Wahrheit sind sie die unrealistischste Perspektive von allen. Der Kopenhagener Gipfel wird zweifelsohne erklären, dass der Klimawandel eine große Gefahr darstellt, dass er ein äußerst wichtiges Thema ist, dass etwas getan werden muss. Er ist tatsächlich so besorgniserregend, dass nächstes Jahr eine weitere Konferenz in Mexiko einberufen wird - um erneut über ihn zu diskutieren!

Der Sturz des Kapitalismus und die soziale Umgestaltung der Gesellschaft werden nicht einfach sein. Sie werden viele Drehungen und Wendungen mit sich bringen. Beide werden Opfer und Engagement verlangen, weil sie die bisher schwierigste und komplexeste Aufgabe in der Geschichte der Menschheit darstellen. Aber sie werden von den mächtigen Widersprüchen im Zentrum des kapitalistischen Systems vorwärts getrieben, einem System, das einst eine entscheidende Rolle im Fortschritt der menschlichen Zivilisation gespielt hat, und sie heute buchstäblich mit der Vernichtung bedroht. Realismus! Am unrealistischsten ist es zu glauben, das kapitalistische System könne durch Druck so reformiert werden, dass es den nächsten Generationen und allen nachfolgenden eine Zukunft bietet.

Lasst mich mit Marx’ Zusammenfassung zu diesem Thema schließen: "Vom Standpunkt einer höhern ökonomischen Gesellschaftsformation wird das Privateigentum einzelner Individuen am Erdball ganz so abgeschmackt erscheinen wie das Privateigentum eines Menschen an einem andern Menschen. Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias [gute Familienväter] nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen." [4] Solch eine Perspektive ist nur möglich auf der Basis des Programms, für das unsere Partei, das Internationale Komitee der Vierten Internationale und die Partei für Soziale Gleichheit, kämpfen. Ich fordere euch auf, euch ihr anzuschließen.

Zitate:

1. Das Kapital, Band I, S. 528

2. Ebenda, S. 528

3. Das Kapital, Band III, S. 828

4. Ebenda, S. 784. 784.

Siehe auch:
Die Großmächte opfern das Klima dem Profit
(19. Dezember 2009)

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