US-Umfragen: Enttäuschung und Unzufriedenheit mit Obama

Von David Walsh
22. Dezember 2009

Zahlreiche neue Meinungsumfragen und öffentliche Stimmungsbarometer zeigen eine wachsende Unzufriedenheit der amerikanischen Bevölkerung mit Barack Obama, dessen Sieg vor nicht viel mehr als einem Jahr mit aufrichtiger Begeisterung begrüßt wurde. Nur selten hat es unter den Wählern eine derartige Veränderung der politischen Stimmung in so kurzer Zeit gegeben.

Die Zustimmungsquote für Obama schwankt von Meinungsumfrage zu Meinungsumfrage, aber die allgemeine Tendenz geht massiv nach unten. Eine Umfrage des Wall Street Journal und von NBC News ergab, dass zum ersten Mal seit Januar 2009 weniger als die Hälfte der US-Bevölkerung der Meinung sind, "dass Präsident Barack Obama seinen Job gut macht". Eine Umfrage von ABC News/ Washington Post als auch von CBS News/ New York Times zeigt, dass 50 Prozent der Befragten die Arbeit des Präsidenten unterstützen, während eine Umfrage der Associated Press-GfK 56 Prozent Zustimmung für Obama ergibt.

Die überparteiliche "Battleground"-Umfrage, die von der George Washington Universität in Washington, DC, unterstützt wird, berichtet, dass die Zustimmung zu Obama auf 49 Prozent gesunken sei. "Welch ein Unterschied in einem Jahr", erklärte Christopher Arterton, der Dekan der Fakultät für politisches Management an der GWU gegenüber der Los Angeles Times.

Obendrein hat das Wall Street Journal in einem Bericht zu seiner eigenen Befragung festgestellt, dass die "öffentliche Unzufriedenheit mit den Demokraten sich nicht direkt in Sympathie für die Republikaner niederschlägt". Nur 28 Prozent der Befragten äußerten sich positiv über die Republikaner und lediglich 5 Prozent hatten eine "sehr positive" Meinung; nur 10 Prozent äußerten sich "sehr positiv" über die Demokraten.

Die "Battleground"-Umfrage ergab 68 Prozent Ablehnung gegenüber dem Kongress, "eine bisherige Rekordhöhe", wobei 77 Prozent der unabhängigen Wähler unzufrieden waren. Die Autoren sind der Meinung, dass die Ergebnisse verhängnisvoll für die Demokraten im Jahr 2010 werden, weil Obamas "leidenschaftlichste Anhänger ... voraussichtlich nicht an den Kongresswahlen im nächsten Jahr teilnehmen werden. Und die wütendsten unter den unabhängigen Wählern ... sind offenbar fest entschlossen gegen die Demokraten zu stimmen."

Die Ergebnisse der verschiedenen Meinungsforschungsinstitute sind nicht einheitlich, noch ist die große Mehrheit der Befragten sich politisch im Klaren, aber das allgemeine Unbehagen und die Unzufriedenheit der Menschen, die sich im Verlauf mehrerer Wahlen außerordentlich angestrengt haben, die Republikaner als Mehrheitspartei im Kongress und im Weißen Haus abzulösen, ist greifbar.

Die Umfragen ergeben, wie zu erwarten, die deutlichsten Meinungen und deshalb die höchsten Ergebnisse in Bezug auf die Erfahrungen der einzelnen mit der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Zum Beispiel erklären 84 Prozent der Befragten bei der neuesten Umfrage des Senders ABC und der Washington Post, dass man in ihrer Stadt kaum Arbeitsplätze finde (ein Anstieg um 36 Punkte in etwas über zwei Jahren), die höchste Prozentzahl seit 1992. Laut derselben Umfrage erklärten 86 Prozent der Bevölkerung, dass aus ihrer Sicht die Rezession nicht vorbei sei.

Eine eigene Untersuchung des ABC News Consumer Comfort Index "fasst zusammen, dass dies das schlimmste Jahr in den 24-jährigen wöchentlichen Unfragen sein wird. Diese Woche erklärten 93 der Amerikaner, dass es der nationalen Wirtschaft schlecht geht" (ABC News, 16. Dezember 2009).

Die verschiedenen Umfragen haben alle ergeben, dass die Mehrheit der Amerikaner glaubt, das Land befinde sich in einer langfristigen Talfahrt. Die Umfragen von Journal /NBC, Battleground und AP-Gfk zeigen, dass 33, 34 respektive 46 Prozent der Befragten denken, die Nation sei auf dem richtigen Weg, das ist eine Verbesserung gegenüber den letzten trostlosen Tagen der Bush-Regierung, aber weniger als in den ersten Wochen der Präsidentschaft Obamas.

Nur ein Drittel der von den Meinungsforschern von Journal /NBC Befragten, glauben dass Obama die richtigen Ziele und Prioritäten verfolgt, um die Wirtschaft zu beleben, und bemerkenswerte zwei Drittel glauben nicht, dass das Leben für die Generation ihrer Kinder besser sein wird als ihr eigenes.

Der demokratische Meinungsforscher Peter D. Hart, der bei der Durchführung der Umfrage des Wall Street Journal und der NBC geholfen hat, erklärte dazu: "All das bedeutet, dass der Optimismus in den Keller gesackt ist."

Die brutale wirtschaftliche Realität und die Weigerung der Regierung, etwas zu unternehmen, um das weit verbreitete Elend zu lindern, zusammen mit Obamas offensichtlicher persönlicher Gleichgültigkeit angesichts der Situation, sind wahrscheinlich die wichtigsten Faktoren, die für den Popularitätsrückgang der neuen Regierung sorgen. Dies wird von den Meinungsforschern nur angedeutet, die sich davor scheuen, die nahe liegenden, aber politisch heiklen Fragen zu stellen; Fragen, die interessant wären, wenn der "Mann auf der Straße" sie beantworten würde, wie z. B.: "Was denken sie von den Billionen von Dollar, die für die Banken bereitgestellt werden, während die arbeitende Bevölkerung unter Entlassungen, Lohnkürzungen, Zwangsvollstreckungen und anderen wirtschaftlichen Nöten leidet?"

Trotz allem fühlte sich das Journal, in dem Artikel, in dem über die Ergebnisse der Umfrage berichtet wird, verpflichtet, die Kommentare von Julie Edwards, einer 52-jährigen Flugzeug-Technikerin aus Mesa, Arizona, zu zitieren, die in den letzten zwei Wahlen für die Demokraten gestimmt hat, "sich aber nicht mehr sicher ist, wen sie das nächste Mal wählt. Sie fragt sich, warum die Wall-Street-Firmen gerettet werden, während der durchschnittliche Amerikaner vergeblich auf Hilfe hoffe.,Wir können die Wall Street retten, aber alle anderen müssen dafür ordentlich leiden’, erklärte sie."

Die neuesten Umfragen sind gespalten, was den Grad an öffentlicher Zustimmung für die Eskalation des Kriegs in Afghanistan angeht. Aber alle weisen darauf hin, dass die Opposition dagegen weit verbreitet ist und hartnäckig bleibt, und das Misstrauen gegen diesen Krieg ist sogar noch verbreiteter.

Gewisse Umfragen deuten an, dass die explosionsartige Werbekampagne der Regierung und der Medien Wirkung zeigt. Die Umfrage von Wall Street Journal /NBC zum Beispiel ergab, dass 55 Prozent für eine Erhöhung der US-Truppenstärke sind, ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber Oktober.

NBC-News bemerken allerdings auf ihrer Internet-Seite: "Die Öffentlichkeit bleibt skeptisch gegenüber dem letztendlichen Ausgang in Afghanistan." Laut der Umfrage von Journal /NBC "glauben 58 Prozent eher nicht, dass der Krieg erfolgreich beendet werden wird", und "nur 39 Prozent glauben, dass die US-Truppen sich ... zu dem von Obama genannten Zeitpunkt im Juli 2011 zurückzuziehen werden." Der republikanische Meinungsforscher Bill McInturff äußerte sich zu den Umfragezahlen in Bezug auf Afghanistan: "Wenn man eine Einschätzung dieser Zahlen geben will, dann muss man das,wachsames Abwarten’ nennen.. Die Menschen warten sozusagen ab, was passieren wird."

Die Umfrage von ABC News/ Washington Post ergab, dass 52 Prozent der Befragten (weniger als die 56 Prozent Ende März, aber mehr als die 44 Prozent Mitte November) der Meinung waren, dass der Krieg in Afghanistan es wert ist, dass man ihn führt, während 44 Prozent nicht dieser Meinung sind, und 35 Prozent äußerten "starke" Opposition dagegen.

Die Umfrage der Associated Press-GfK ergab andererseits auch weiterhin eine beträchtliche Mehrheit, die gegen die Eskalation in Afghanistan ist. Trotz Obamas "Fernseh-Rede zur Hauptsendezeit, in der er erklärte, wie er zu seiner Entscheidung gekommen ist", kommentiert die AP, "gab es keine Veränderung beim Widerstand der Bevölkerung gegen die Eskalation. Nur 42 Prozent befürworten, dass mehr Soldaten entsandt werden, während 56 dagegen sind. Insgesamt glauben die meisten Menschen - und die meisten von Obamas Kollegen bei den Demokraten - nicht, dass Afghanistan ein Konflikt ist, den man führen sollte."

Eine Umfrage der Pew Research, die Anfang Dezember durchgeführt wurde, ergab, dass nur 32 Prozent der Befragten sich für eine Erhöhung der Truppen in Afghanistan aussprechen. Eine Mehrheit der Amerikaner denkt, dass die USA "sich international um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollten". Ein Ergebnis, das die Meinungsforscher vorzogen "isolationistisch" zu nennen. (Interessanterweise ergab die Umfrage von Pew - mit einer Mehrheit von 41 zu 25 Prozent -, dass die Amerikaner meinen, die USA spiele im Weltgeschehen eine weniger wichtige Rolle als vor einem Jahrzehnt, und nur 27 Prozent glauben, dass die USA die größte Wirtschaftsmacht der Welt seien, im Vergleich zu 44 Prozent, die meinen, China habe diese Stellung übernommen.)

Dabei sollte beachtet werden, dass die Art der Fragen, die gestellt werden, nicht belanglos ist. Gewöhnlich lassen die Meinungsforscher des Establishments den Befragten die Wahl zwischen der Position der Regierung und einer noch rechteren Alternative. Oder die Fragen behandeln offizielle Behauptungen, als seien es unwiderlegbare Tatsachen. Zum Beispiel diese Frage in der Umfrage der ABC News/ Washington Post: "Meinen Sie, dass die Vereinigten Staaten den Krieg in Afghanistan gewinnen müssen, damit der umfassendere Krieg gegen den Terrorismus gewonnen wird, oder glauben Sie, man könne den Krieg gegen den Terrorismus gewinnen, ohne dass die Vereinigten Staaten den Krieg in Afghanistan gewinnen?"!

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