Die Deutsche Bank nimmt "die Krise als Chance"

Fünf-Milliarden-Profit für 2009

Von Stefan Steinberg
9. Februar 2010

Deutschlands größte Bank, die Deutsche Bank, hat vergangene Woche die Geschäftszahlen für 2009 veröffentlicht. Die Bank konnte einen riesigen Nettoprofit nach Steuern von fünf Milliarden Euro verzeichnen. Analysten hatten nur mit 4,3 Milliarden Dollar (ca. 3,2 Mrd. Euro) gerechnet. Noch vor einem Jahr musste sie im Gefolge der internationalen Finanzkrise einen Verlust von 3,9 Mrd. Euro ausweisen.

Am Donnerstag prahlte der Vorstandvorsitzende Josef Ackermann, das Jahr 2009 habe großen Banken wie seiner eigenen beispiellose Chancen zum Geldverdienen geboten. "Es wird so schnell keinen derart günstigen Markt für Investmentbanking mehr geben, wie in 2009, als das Umfeld auf vielen Gebieten hohe Umsätze und hohe Profitraten ermöglichte", sagte Ackermann vor Journalisten. 67 Prozent der Profite der Bank kamen 2009 aus dem Investmentbanking.

Die Profite für das kommende Jahr, die um die zehn Milliarden Euro vor Steuern erwartet werden, liegen ungefähr auf der Linie der von Ackermann angestrebten Kapitalrendite von 25 Prozent. Aus Ackermanns Blickwinkel bewegte sich der Fünf-Milliarden-Euro-Gewinn des letzten Jahres eher am unteren Rand, entsprach er doch nur einer Profitrate von fünfzehn Prozent.

Aufgrund des jüngsten Ergebnisses kündigte die Deutsche Bank an, die Boni für ihre Investmentbanker um achtzehn Prozent zu erhöhen, was zu einer Gesamtgehaltssumme von 11,6 Milliarden Euro führen werde.

Die zurück gewonnene Profitabilität der deutschen Bank innerhalb von nur einem Jahr ist ganz und gar den finanziellen Rettungsmaßnahmen der deutschen und anderen Regierungen geschuldet. Die Banken, die für die Krise verantwortlich waren, wurden weltweit mit Billionen von Euro gerettet.

Ackermann beteiligte sich selbst aktiv an der Ausarbeitung des deutschen Bankenrettungsplans. Im September 2008 diktierte Ackermann der Regierung die Bedingungen für die Rettung der Hypo Real Estate (HRE), um den Kollaps des deutschen Bankensystems zu verhindern. Die dramatischen Verhandlungen zwischen Ackermann, anderen führenden Bankiers und Staatssekretär Jörg Asmussen (SPD) fanden ihren Höhepunkt, als Ackermann zu nächtlicher Stunde mit Kanzlerin Merkel telefonierte.

Jörg Asmussen war nach der Bundestagswahl im Herbst der einzige führende Beamte im Finanzministerium, der seinen Posten in der neuen schwarz-gelben Regierung behielt.

Asmussen war auch an der Erstellung des Rettungspakets über 500 Milliarden Euro für die deutschen Banken beteiligt. Er war auch dabei, als weitere Pakete über Hunderte Milliarden Euro geschnürt und der Finanzwirtschaft im Rahmen des "Bad Bank"-Programms versprochen wurden.

Regierungen und ihr Personal kommen und gehen, aber der Einfluss der führenden deutschen Banken und ihrer Lobbyisten auf die Regierungspolitik nimmt weiter zu.

Heute erntet die Deutsche Bank die Profite des Rettungspakets, das sie mit ausgearbeitet hat, und verschiedener anderer Konjunkturpakete der Regierung. Im Ergebnis wird, in den Worten eines Finanzanalysten, die Krise für die Deutsche Bank zur "guten Krise ... Sie verdienen bestens daran".

Großbanken wie die Deutsche Bank profitieren von der Krise in mehrfacher Weise.

Erstens werden die Bail Out Pakete der deutschen Regierung und andere Konjunkturstützen für die Wirtschaft durch Regierungskredite finanziert, die an den Kapitalmärkten aufgenommen werden. Ein wichtiger Vermittler solcher Anleihen war gerade die deutsche Bank, die dabei erkleckliche Gebühren einstreichen konnte.

Zweitens kann die Bank von den extrem niedrigen Zinsen profitieren, die von den Zentralbanken verlangt werden, um den Finanzsektor zu revitalisieren. Die deutsche Bank kann sich von Institutionen wie der Europäischen Zentralbank Geld zu nur einem Prozent Zinsen leihen und ihren eigenen Kreditkunden deutlich höhere Zinsen abverlangen.

Und schließlich kann die Deutsche Bank die Tatsache ausnutzen, dass die Finanzkrise zum Zusammenbruch mehrerer großer Rivalen geführt, oder sie in eine tiefe Krise gestürzt hat, wie die Commerzbank, an der sich der Staat in großem Umfang beteiligt hat. Es überrascht daher nicht, dass Ackermann mit andern führenden Bankiers dafür kämpfte, dass der Status und Einfluss jener Banken gerettet werden müsse, die "zu groß zum Scheitern" waren.

Ackermann sieht die Chance, den Einfluss und die Gewinne seiner Bank deutlich zu steigern. Die Financial Times Deutschland schrieb kürzlich, die Bank hoffe, dass der amerikanische Versuch, die Banken in gewisser Weise zu regulieren, ihr einen Einbruch in die Geschäftsfelder ihrer größten amerikanischen Rivalen ermöglichen werde. Ein solcher Rivale ist Goldman Sachs, die größte amerikanische Investment Bank. Goldman Sachs konnte allein im vierten Quartal 2009 fast fünf Milliarden Dollar Profit einsacken.

Die FTD schreibt: "Das Investmentbanking bleibt der profitabelste Bereich der Deutschen Bank.... Die Tatsache, dass die Profite im vierten Quartal deutlich langsamer flossen als bei Wettbewerbern wie Goldman Sachs, ist für Ackermann gewiss ein Ärgernis. Aber er wird wohl aufholen können, wenn die amerikanische Regierung ihre Pläne durchsetzt, amerikanischen Banken die Hedge Fonds oder den Eigenhandel zu verbieten."

Der politische Einfluss der Deutschen Bank war auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos deutlich erkennbar. Auf diesem Gipfeltreffen der führenden Banker und Politiker mahnte Ackermann demonstrativ an, die "Schuldzuweisungen" einzustellen. Damit meinte er, man solle endlich aufhören, die Banker für ihr Verhalten verantwortlich zu machen. Später traf er sich mit Kollegen, Wirtschaftskapitänen und Finanzministern. Nach einem Treffen hinter verschlossenen Türen lobte Ackermann den Geist der Kooperation und erklärte: "Der Dialog zwischen Wirtschaftsführern, Politikern und den Leitern von Aufsichtsbehörden war besser denn je."

Zwei Tage nach dem Davoser Forum hob die deutsche Bankenaufsicht Bafin das Verbot von Leerverkäufen an der Börse auf. Diese besondere Form der Spekulation wurde im September 2008 nach dem Ausbruch der internationalen Finanzkrise von den deutschen Aufsichtsbehörden verboten.

Der Journalist Lucas Zeise kommentierte die Macht und den Einfluss der Bankiers in der neuesten Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik :

"Zweieinhalb Jahre liegt der Ausbruch der großen Immobilien- und Finanzkrise inzwischen zurück. Und dennoch hat die Regulierung der Banken und des Finanzsektors keine Fortschritte gemacht. Mehr noch: Sie wurde nicht einmal ernsthaft begonnen. Diese Diagnose gilt nicht nur für Deutschland. Sie trifft genauso auch auf die USA, die Europäische Union und die internationale Regulierungsebene zu. ... Bis auf einige Minikorrekturen und Vorschläge zur Erhöhung des regulatorischen Eigenkapitals der Banken, die in wer weiß wie vielen Jahren vielleicht verwirklicht werden sollen, ist nichts, einfach gar nichts an ernsthafter Regulierung geschehen."

Siehe auch:
Perspektiven und Aufgaben der Socialist Equality Party im Jahre 2010
(6. Februar 2010)