George Eliot:

Zum 150. Jahrestag der Veröffentlichung ihres Romans Adam Bede

Zweiter Teil

Von David Walsh
7. April 2010

Der erste Teil der Besprechung ist am 3. April erschienen.

George Eliot George Eliot

Bestimmte Abschnitte in George Eliots Adam Bede (1859) und die Art und Weise ihrer Gestaltung durch die Autorin sind besonders bemerkenswert. Der Roman besticht in den ersten zwei Dritteln durch die Darstellung des ländlichen Lebens, die ausgeprägten Charaktere, wie beispielsweise der Mrs. Poysers; die Entwicklung der Beziehung zwischen Arthur und Adam; die Abfolge der Predigten Dinahs und Weiteres. Mancher Leser mag aber erschrocken innehalten, wenn er das Kapitel 35, Die verborgene Furcht, liest, in dem sich die Tragödie Hettys entfaltet.

Der Roman nimmt hier unvermittelt einen anderen Verlauf, wird schärfer und verstörender, wendet sich den schmerzvollen Seiten des Lebens zu, die vielen Schriftstellern jener Zeit nicht in den Sinn kamen oder denen sie sich nicht stellten. Die Metaphorik verändert sich gleichermaßen. Wir sind nicht länger in diesem "freundlichen Hochland", dessen natürliche Schönheit, seine "schwellenden Hügel...eingebettet in Heckenzäune und hohes Wiesengras und dichtes Korn" Eliot zuvor beschreibt, wo der Reisende "an jeder Biegung einen schönen alten Landsitz findet, der sich ins Tal schmiegte oder einen Hang krönte." [1]

Plötzlich sehen wir Hetty an einem "dunklen umwachsenen Teich" unter einer alten Eiche. "Sie hat oft an diesen Teich gedacht in den Nächten des Monats, der gerade vergangen ist, und jetzt endlich ist sie hier, um ihn zu sehen. Sie umfasst mit den Händen ihre Knie und beugt sich vor und betrachtet ihn ernsthaft, als versuche sie zu erraten, was für eine Art Bett er für ihre jungen, runden Glieder abgeben würde." [2] Diese Person, das unbedeutende, schwangere Mädchen vom Lande, eine Milchmagd, die am "dunklen kalten Wasser" sitzt und mit dem Gedanken an Selbstmord spielt, dürfte eine neuartige Figur in der englischen Romanliteratur sein.

Nachdem es ihr nicht gelang, Arthur zu finden, wird die Stimmung im Kapitel 37, "Reise in Verzweiflung", noch düsterer und bedrohlicher. Hetty beschließt "sie würde aus dem Gesichtskreis aller wandern und sich dort ertränken, wo man ihre Leiche nie finden würde, und niemand sollte wissen, was aus ihr geworden war." [3] Sie suchte und fand einen Teich, "schwarz unter dem dunkler werdenden Himmel - keine Bewegung, kein Laut in der Nähe." [4] Es ist bemerkenswert, dass Eliots üblicherweise kunstvoll ausgefeilte, viktorianische Prosa in diesen Passagen schlichter und nüchterner wird.

"Der Teich hatte jetzt seine winterliche Tiefe. Bis er seicht wurde im Sommer, wie sie es von den Teichen in Hayslope wusste, könnte niemand mehr herausfinden, dass es ihre Leiche war. Doch da war noch ihr Korb - sie musste ihn ins Wasser werfen - erst mit Steinen beschweren und dann hineinwerfen. Sie stand auf um nach Steinen zu suchen, brachte bald fünf oder sechs herbei, die sie neben ihren Korb legte und setzte sich dann wieder. Sie brauchte sich nicht zu beeilen - sie hatte die ganze Nacht, um sich zu ertränken."

Theodore Dreiser Theodore Dreiser

Eliots Fähigkeit sich in Hetty hinein zu versetzen, ist in diesen Kapiteln sehr überzeugend. Man fühlt sich erinnert an Theodore Dreisers Darstellung der Vorbereitung des Mordes auf dem See durch seine Romanfigur Clyde Griffith in Eine amerikanische Tragödie. Dreiser selbst gab einmal zu, dass zu den Autoren, aus deren Werken er gelernt habe, auch Eliot gehörte. [5]

Wie Dreiser sechzig Jahre nach ihr in seinem Meisterwerk und Georg Büchner 1837 im aufgrund seines frühen Todes unvollendet gebliebenen Drama Woyzeck, diente Eliot ein tatsächlicher Mordfall als Inspiration für die Darstellung des traurigen Schicksals ihrer Hetty. Die "Anregung zum Adam Bede ", so erklärte Eliot einmal, sei eine Jahrzehnte zuvor von ihrer methodistischen Tante erzählte Geschichte gewesen. Diese berichtete, sie habe eine "verurteilte Verbrecherin - ein sehr unwissendes Mädchen namens Mary Voce", die ihr Kind umgebracht hatte, am Vorabend ihrer Hinrichtung 1802 im Gefängnis besucht. Die Tante verbrachte die ganze Nacht bei diesem Mädchen und begleitete sie danach im Karren auf dem Weg zum Richtplatz. Diese Geschichte, so Eliot, habe sie "zutiefst" berührt und sie habe sie nie vergessen.

Die oben erwähnten Episoden und später die erschütternden Szenen von Hettys Gerichtsverfahren, [6] sind die stärksten des Romans. Kritiker, die in Eliots Haltung gegenüber ihrer Figur Hetty kleinbürgerliches Moralisieren sehen, gehen meines Erachtens gänzlich fehl. Die zitierten Passagen sollen das verdeutlichen. (Der britische Kritiker Terry Eagleton findet zum Beispiel, dass Eliot Hetty gewissermaßen aus dem Roman "entfernt" oder "verbannt" habe. Sie habe ihren unglücklichen Charakter "von oben herab und stiefmütterlich behandelt". Man möchte "die Hände hilflos vor den Augen zusammenschlagen".) Das Gegenteil ist der Fall: Obwohl die Autorin Hettys Selbstbezogenheit und gefühlsmäßige Härte betont, bergen diese Szenen doch eine tiefe Sympathie für das verzweifelte Mädchen.

Eliot konnte ihrer Haut allerdings auch nicht entschlüpfen. Sie war, obwohl unverheiratet, auf dem Weg, mit ihren offensichtlich respektablen, wenn auch liberalen und "humanistischen" politischen Ansichten im viktorianischen England eine prominente Persönlichkeit zu werden. (Die Queen selbst, besonders jedoch ihre Tochter, Prinzessin Louise, bewunderten sie.) Der Focus liegt aber nicht auf Eliots begrenzten gesellschaftlichen Schlussfolgerungen und dem Ende des Romans mit glücklicher Ehe, neuem Leben und weitgehender Aussöhnung aller sozialen Elemente, sondern auf dem Ausmaß, in dem Szenen herausragen wie die am "dunklen Teich" (und vor Gericht) mit ihrem Hintergrund der Klassenausbeutung und der Unterdrückung der Frau in der Darstellung ihrer verunsichernden und psychologisch intensiven Qualität.

Diese Verbindung "objektiver", relativ kühler und unsentimentaler und doch tief bewegender Beschreibung allgemeiner Erfahrung - die auf starken Emotionen beruht - mit einem ausgeprägten Gesellschaftsverständnis führt ein neues oder ganz anderes Element in die englischsprachige Literatur ein. Hettys eigentlicher Name Hester ist wohl eine Bezugnahme auf Hester Prynne in Nathaniel Hawthornes The Scarlet Letter, einer einige Jahre früher veröffentlichten Geschichte um Ehebruch und ungewollte Schwangerschaft.

Man müsste ins elisabethanische Zeitalter, zu Shakespeare, den Volksmärchen und Volksliedern, zu Samuel Coleridge und William Wordsworths Lyrische Balladen, zu Scott’s Das Herz von Midlothian zurückkehren, um eine realistische Bildsprache wie bei Eliot zu finden. (Eines der wenigen literarischen Werke, das in Adam Bede namentlich erwähnt wird ist Wordsworth´ Der Dorn, ein Poem über einen mutmaßlichen Kindsmord. Eliots Roman erscheint ein Jahr nach dieser lyrischen Dichtung. [7] Aber obwohl Eliot die Handlung des Adam Bede 1859 in die Vergangenheit verlegt, behandelt der Roman doch die historisch neu entstandenen sozialen Interessen und Konflikte.

"Deutsche Einflüsse"

Abschließend sollte ein Punkt betrachtet werden, der vor allem das künstlerisch Innovative bei Eliot betrifft, ihre "deutschen Einflüsse". Wie bereits gesagt, hat sie Strauss und Feuerbach übersetzt, half Heine der englischsprachigen Welt zugänglich zu machen, lebte mit einem Mann zusammen, der Goethes Leben erforschte, reiste oft nach Deutschland und verkehrte dort mit führenden intellektuellen Persönlichkeiten. Tatsächlich schrieb sie beträchtliche Teile des Adam Bede während ihres Aufenthaltes in Deutschland, und eine wichtige Szene für ihren Roman, so sagte sie, sei ihr während einer Aufführung von Rossinis Wilhelm Tell in der Münchner Oper eingefallen.

Georg Büchner Georg Büchner

Gelehrte haben der Beziehung Eliots zu Goethe und Schiller etliche Bücher gewidmet. Es fällt aber schwer, die Szenen der Hetty Sorrel "am dunklen Teich" und vor Gericht zu lesen, ohne an einen weiteren bereits erwähnten deutschen Schriftsteller zu denken, der zu den außergewöhnlichsten Vertretern der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts zählt und bereits mit 23 Jahren an Typhus starb, Georg Büchner. Er veröffentlichte 1834 eine revolutionäre Schrift und musste aufgrund dessen aus Deutschland fliehen. Ihm drohte eine Verurteilung wegen Landesverrats. Danach schrieb er drei für den Leser verstörende aber gleichzeitig tiefere Wahrheiten enthüllende Werke, das Drama Dantons Tod, die Novelle Lenz und den Woyzeck.i

Sheila Stern veröffentlichte 2001 einen erstaunlichen Artikel in der Modern Language Review, mit dem Titel Truth so difficult: George Eliot and Georg Büchner, a shared time (Schwierige Wahrheit: George Eliot und Georg Büchner, Zeitgenossen). [8] Darin legt sie dar, dass Eliot Büchners Werk gekannt haben könnte, möglicherweise durch ihre und Lewes Bekanntschaft mit Justus Liebig, dem bekannten deutschen Chemiker und früheren politischen Dissidenten, der zu Georg Büchners Studentenzeit an der Universität Gießen eine Professur innehatte. (Stern hätte ebenfalls erwähnen können, dass Lewes und Eliot auch zu dem aus den Niederlanden stammenden Arzt und Physiologen Jakob Moleschott freundschaftliche Beziehungen unterhielten, dem oft das Etikett "Vulgärmaterialist" angeheftet wurde, der seine naturwissenschaftlichen und philosophischen Ansichten auch mit Georgs jüngerem Bruder Ludwig Büchner teilte.)

J. M. R. Lenz J. M. R. Lenz

Stern bezieht sich, um Eliots mögliche Vertrautheit mit Büchners Werk zu beweisen, auf Passagen seiner brillanten Novelle Lenz von 1836. Der Sturm-und-Drang-Dramatiker Jakob Michael Reinhold Lenz [ Der Hofmeister; Die Soldaten ] lebte von 1751 bis 1792. Büchners Novelle behandelt fiktiv den Aufenthalt von Lenz bei dem als Philanthropen bekannten Pfarrer Johann Friedrich Oberlin im Elsass 1778, wo der Dramatiker dem Wahnsinn verfällt.

In Büchners Novelle leidet Lenz unter religiösen ideologischen Wahnvorstellungen. "Das All war für ihn in Wunden; er fühlte tiefen, unnennbaren Schmerz davon." Nach dem gescheiterten Versuch des kranken Schriftstellers, ein verstorbenes Mädchen mit Gebeten wieder zum Leben zu erwecken, flieht er in die Berge. Büchner schreibt über Lenz "Es war ihm, als könnte er eine ungeheure Faust hinauf in den Himmel ballen und Gott herbeireißen und zwischen seinen Wolken schleifen; als könnte er die Welt mit den Zähnen zermalmen und sie dem Schöpfer ins Gesicht speien; er schwur, er lästerte ... Lenz musste laut lachen, und mit dem Lachen griff der Atheismus in ihn und fasste ihn ganz sicher und ruhig und fest." [9]

Stern verweist besonders auf eine Szene die zum realistischen Credo in Eliots Kapitel 17 des Adam Bede beigetragen haben könnte. In dieser Szene kommt es zu einem Gespräch zwischen Lenz und seinem Freund Kaufmann, der ihn in dem abgeschiedenen Bergdorf besuchen kam. Das Gespräch drehte sich um die Literatur und Lenz wandte sich gegen Idealisierung in der Kunst. " Ich verlange in allem Leben, Möglichkeit des Daseins, und dann ist's gut; wir haben dann nicht zu fragen, ob es schön, ob es hässlich ist. Das Gefühl, dass, das was geschaffen sei, Leben habe, stehe über diesen beiden und sei das einzige Kriterium in Kunstsachen. Übrigens begegne es uns nur selten: In Shakespeare finden wir es, und in den Volksliedern tönt es einem ganz, in Goethe manchmal entgegen; alles Übrige kann man ins Feuer werfen."

Im Verlauf des Gespräches fügte Lenz hinzu: "Man muss die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen alles Existierenden einzudringen; es darf einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann kann man sie verstehen; das unbedeutendste Gesicht macht einen tiefern Eindruck, als die bloße Empfindung des Schönen, und man kann die Gestalten aus sich heraustreten lassen, ohne etwas vom Äußern hineinzukopieren, wo einem kein Leben, keine Muskeln, kein Puls entgegenschwillt und pocht." [10]

Es ist durchaus möglich, dass Eliot auf Büchners Schriften stieß. Aber hätte sie diese gebraucht, um ihren Weg zu gehen? Wie wir bereits sahen, wurde der Gedanke, dass Kunst das Leben so umfassend und wahrhaftig wie möglich widerspiegeln sollte und dass außerdem das Leben der Armen und Unterdrückten ernsthaft behandelt werden müsse, damals von vielen Künstlern und Kritikern befürwortet. In jedem Falle ist Eliots Beeinflussung durch deutsche Schriftsteller und Intellektuelle beträchtlich, die zu jener Zeit die Tradition Shakespeares ernsthafter als irgendjemand sonst in Europa aufnahmen. [11]

Vincent van Gogh Vincent van Gogh

Für die abschließende Bemerkung über Eliot möchte ich einen weiteren wahrhaftigen und über vieles nachdenkenden Künstler des neunzehnten Jahrhunderts zitieren, den Maler Vincent van Gogh.

Van Gogh las Eliot in einer Übersetzung und schrieb daraufhin im März 1884 einem Freund: "Meine größte Sympathie in der Literatur, in der Kunst überhaupt, gehört jenen Künstlern, bei denen ich die lebendige Seele am klarsten erkenne ... was ich sagen will ist, dass Eliot nicht nur handwerklich meisterhaft ist, sondern darüber hinaus eine ganz besondere Begabung, ich würde sagen, dass ihre Bücher den Leser besser machen oder dass sie eine solche Stärke entfalten, dass man aufhorcht... Es gibt nicht viele Schriftsteller die so vollkommen wahrhaftig und gut sind wie Eliot."

Schluss

1. George Eliot: Adam Bede, Stuttgart 1987, S. 23

2. ebd. S. 492

3. ebd. S. 518

4. ebd. S. 521

5. Was den Romancier Thomas Hardy (1840-1928) betrifft, war Eliots Einfluss so offensichtlich, dass viele Kritiker bei der anonymen Publikation seines Erstwerkes Far from the Madding Crowd im Jahr 1874 Eliot als dahinterstehende Autorin zu erkennen glaubten.

6. Im Kapitel 43, "Das Urteil", erscheinen zwei Zeugen bei Hettys Verhandlung. Eliot stellt ihre furchtbaren Aussagen zur Geburt von Hettys Baby in einem Feld und des darauffolgenden Fortgehens der Mutter in mildem, sachlichen Tonfall dar. Die erste Zeugin beginnt mit den Worten: "Mein Name ist Sarah Stone. Ich bin Witwe und führe einen kleinen Laden mit der Lizenz zum Verkauf von Tabak, Schnupftabak und Tee in der Church Lane in Stoniton. Die Angeklagte ist dieselbe junge Frau, die am Samstag den 27. Februar, krank und müde aussehend, mit einem Korb am Arm zu mir und um ein Nachtquartier in meinem Hause bat..." Etwas später schreibt Eliot schlicht: "Die Zeugin sagte dann aus, dass in der Nacht ein Kind geboren wurde und sie identifizierte Säuglingskleidung, dir dann gezeigt wurde, als diejenige, mit der sie selbst das Kind gekleidet habe." (S. 584)

Der zweite Zeuge begann: "Mein Name ist John Olding. Ich bin Arbeiter und wohne in Tedds Hole, zwei Meilen von Stoniton. Letzten Montag gegen ein Uhr mittags ging ich zum Hettoner Gehölz und etwa eine Viertelmeile vor dem Gehölz, sah ich die Angeklagte in einem roten Mantel wie sie unter einem kleinen Heuschober saß, nicht weit vom Zaunübertritt. Sie stand sie auf, wie sie mich sah und schien in anderer Richtung weiterzugehn. Es war ein richtiger Weg durch die Felder und darum war´s nichts Ungewöhnliches, dort eine junge Frau zu sehen, doch sie fiel mir auf, weil sie bleich und verängstigt aussah ...." Und so weiter.

Die künstlerische Behandlung von Hettys Gerichtsverhandlung ist eines Büchners, Brechts oder Döblins Berlin Alexanderplatz).würdig.

7. Aus William Wordsworth’s The Thorn (Der Dorn): "XI ...’Tis now some two and twenty years, Since she (her name is Martha Ray) Gave with a maiden’s true good will Her company to Stephen Hill; And she was blithe and gay, And she was happy, happy still Whene’er she thought of Stephen Hill.

"XII And they had fix’d the wedding-day, The morning that must wed them both; But Stephen to another maid Had sworn another oath; And with this other maid to church Unthinking Stephen went— Poor Martha! on that woful day A cruel, cruel fire, they say, Into her bones was sent: It dried her body like a cinder, And almost turn’d her brain to tinder.

"XIII They say, full six months after this, While yet the summer leaves were green, She to the mountain-top would go, And there was often seen. ’Tis said, a child was in her womb, As now to any eye was plain; She was with child, and she was mad, Yet often she was sober sad From her exceeding pain. Oh me! ten thousand times I’d rather, That he had died, that cruel father!"

Aus der Einleitung zu Lyrical Ballads, von Wordsworth (1770-1850) und Coleridge (1772-1834), veröffentlicht 1798:

"Die hier vorgestellten Poeme sind überwiegend als Versuche anzusehen. Sie wurden hauptsächlich geschrieben, um herauszufinden, inwieweit die Sprache der mittleren und unteren Klassen der Gesellschaft poetisches Vergnügen bereitet. Leser die den Prunk und die fade Phraseologie vieler gegenwärtiger Schriftsteller gewohnt sind und daran festhalten, dieses Buch bis zum Schluss zu lesen, werden wohl häufig mit Gefühlen wie Befremdung und Verlegenheit zurechtkommen müssen: Sie werden die Poesie vermissen und sich veranlasst sehen zu fragen, durch wessen Wohlwollen diese Versuche sich als solche bezeichnen dürfen."

8. Georg Lukács schrieb 1937 zum einhundertsten Todestag Büchners, der Schriftsteller sei ein "plebejischer Revolutionär" gewesen, der begonnen habe die ökonomischen Grundlagen der Befreiung der Arbeiterklasse mit Deutlichkeit zu erkennen. Er sei eine bedeutende Figur in der von Gracchus Babeuf bis Blanqui (im Juniaufstand von 1848) reichenden Linie.

Weiter heißt es: "Mit einer an Shakespeare erinnernden Klarheit und Vehemenz wird dieses Problem gleich in den ersten Szenen des Dramas [ Dantons Tod ] exponiert....Büchner ist also dichterisch durchaus konsequent, wenn er diese Volksszene mit einem grotesk-realistischen an Shakespeare geschulten bitteren Humor gestaltet."

"Daraus entsteht Büchners bedeutender an Shakespeare und Goethe geschulter Realismus. Seine politische Sehnsucht begehrt den bewusst gewordenen, zur politischen Aktivität erwachten "Armen". Als großer Realist gestaltet aber den ausgelieferten, ausgebeuteten, ruhelos hin und her gejagten, von jedem getretenen Woyzeck, die großartigste Gestalt des damaligen "Armen" in Deutschland." (Der faschistisch verfälschte und der wirkliche Büchner, in: Georg Lukács: Literatursoziologie, Neuwied, 1961S. 476ff)

Büchner lässt Woyzeck sagen: "Wir arme Leut ... Sehn Sie Herr Hauptmann: Geld, Geld! Wer kein Geld hat ... Da setz einmal eines seinesgleichen auf die Moral in die Welt! Man hat auch sein Fleisch und Blut. Unsereins ist doch einmal unselig in der und der andern Welt. Ich glaub, wenn wir in Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen."

Woyzeck ist das Werk, welches der Hetty Sorrel im Adam Bede am nächsten steht, wenn er in einer der Schlussszenen "an einem Teich" sitzt und die Mordwaffe, ein blutiges Messer hineinwirft: "Es taucht in das dunkle Wasser wie ein Stein!" Aber Eliot konnte dieses Werk nicht gekannt haben, denn es wurde erst Jahrzehnte nach dem Tod des Autors 1879 veröffentlicht.

9. http://findarticles.com/p/articles/mi_7026/is_1_96/ai_n28124937/?tag=content;col1

10. Georg Büchner: Lenz, in: Gesammelte Werke, München 1960, S.97

11. ebd. S. 90

Aus einer Einführung William E. Yuills zu einer englischsprachigen Ausgabe von Lenz` Der Hofmeister und Die Soldaten (University of Chicago Press, 1972): "Hinsichtlich seines Werks Die Soldaten ging Lenz so weit, sich selbst, eine Formulierung Shakespeares nutzend, als den "stinkenden Atem des Volkes" zu bezeichnen... Sein durchgehendes Streben ist darauf gerichtet, die Übel der Gesellschaft auszumachen, in der er lebt, ‘die sozialen Klassen so darzustellen, wie sie wirklich sind, nicht wie sie den Menschen der höheren Schicht erscheinen, die mitfühlenderen, sensibleren und barmherzigeren und mildtätigeren Herzen in dieser Schicht zu öffnen und so neue Möglichkeiten und Quellen für Menschlichkeit zu erschließen.’... alles in allem hatte Lenz ein grundlegendes Interesse am Leben der armen Klasse und zeigte Anteilnahme an ihren Problemen in einer für die damalige Zeit untypischen Weise. Seine Bewunderung für den Frohsinn, Fleiß und gesunden Menschenverstand der arbeitenden Menschen ist ein Merkmal seines unvollendeten Dramas Die Kleinen Leute."

12. Auch bei Heinrich Heine (1797-1856) gibt es ein derbes, unsentimentales, "shakespearisches" Element beispielsweise in "Ein Weib" - einem Gedicht über eine Prostituierte und einen Dieb. In der letzten Strophe heißt es:

"Um sechse des Morgens ward er gehenkt, Um sieben ward er ins Grab gesenkt; Sie aber schon um achte Trank roten Wein und lachte."

Der deutsche Dramatiker Bertold Brecht setzt diese Tradition in seinen Dramen vielfach fort. Seine frühen Werke, insbesondere Baal, Trommeln in der Nacht und Im Dickicht der Städte, wie auch seine Adaption des Edward II von Christopher Marlowe, belegen diesen Einfluss.

In seinen Bemerkungen Über den Realismus (1940) bezieht sich Brecht auf die "deutschen Realisten der Bühne, Lenz, der junge Schiller, Büchner, der Kleist des Kohlhaas... der junge Gerhart Hauptmann, der Wedekind von Frühlings Erwachen". Bertolt Brecht Gesammelte Werke, Frankfurt 1967, Bd. 19, S. 364).

Und in einer Notiz in seinem Tagebuch heißt es 1950, zu Lenz Der Hofmeister, den er selbst in der DDR am Berliner Ensemble inszeniert hatte, "Der Hofmeister scheint gut gewählt für die Übung der Schauspieler im realistischen und zugleich großen Stil. Das ist der Weg zum Shakespeare, der Rückweg, soviel ist im Deutschen von ihm begriffen worden. Brecht: Arbeitsjournal 1942-1955, Bd. 2 Frankfurt 1974

Brecht behandelte die Kindstötung selbst auf bewegende Weise in Von der Kindesmörderin Marie Farrar (1920). Die Schlusszeilen lauten:

"Marie Farrar, geboren im April

Gestorben im Gefängnishaus zu Meißen

Ledige Kindesmutter, abgeurteilt, will

Euch die Gebrechen aller Kreatur erweisen.

Ihr, die ihr gut gebärt in saubern Wochenbetten

Und nennt "gesegnet" euren schwangeren Schoß

Wollt nicht verdammen die verworfnen Schwachen

Denn ihre Sünd war schwer, doch ihr Leid groß.

Darum, ich bitte euch, wollt nicht in Zorn verfallen

Denn alle Kreatur braucht Hilf von allen."

i Georg Lukács schrieb 1937 zum einhundertsten Todestag Büchners, der Schriftsteller sei ein "plebejischer Revolutionär" gewesen, der begonnen habe die ökonomischen Grundlagen der Befreiung der Arbeiterklasse mit Deutlichkeit zu erkennen. Er sei eine bedeutende Figur in der von Gracchus Babeuf bis Blanqui (im Juniaufstand von 1848) reichenden Linie. Weiter heißt es: "Mit einer an Shakespeare erinnernden Klarheit und Vehemenz wird dieses Problem gleich in den ersten Szenen des Dramas [Dantons Tod] exponiert....Büchner ist also dichterisch durchaus konsequent , wenn er diese Volksszene mit einem grotesk-realistischen an Shakespeare geschulten bitteren Humor gestaltet." "Daraus entsteht Büchners bedeutender an Shakespeare und Goethe geschulter Realismus. Seine politische Sehnsucht begehrt den bewusst gewordenen, zur politischen Aktivität erwachten "Armen". Als großer Realist gestaltet aber den ausgelieferten, ausgebeuteten, ruhelos hin und her gejagten, von jedem getretenen Woyzeck, die großartigste Gestalt des damaligen "Armen" in Deutschland." (Der faschistisch verfälschte und der wirkliche Büchner, in: Georg Lukács: Literatursoziologie, Neuwied, 1961S. 476ff) Büchner lässt Woyzeck sagen: "Wir arme Leut ... Sehn Sie Herr Hauptmann: Geld, Geld! Wer kein Geld hat ... Da setz einmal eines seinesgleichen auf die Moral in die Welt! Man hat auch sein Fleisch und Blut. Unsereins ist doch einmal unselig in der und der andern Welt. Ich glaub, wenn wir in Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen." Woyzeck ist das Werk, welches der Hetty Sorrel im Adam Bede am nächsten steht, wenn er in einer der Schlussszenen "an einem Teich" sitzt und die Mordwaffe, ein blutiges Messer hineinwirft: "Es taucht in das dunkle Wasser wie ein Stein!" Aber Eliot konnte dieses Werk nicht gekannt haben, denn es wurde erst Jahrzehnte nach dem Tod des Autors 1879 veröffentlicht.

Siehe auch:
Heinrich Heine 1797-1856
(24. Februar 2006)

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