Resolution des Parteitags der Socialist Equality Party (USA)

70. Jahrestag des Mords an Leo Trotzki

25. August 2010

Vom 11.-15. August 2010 fand der erste ordentliche Parteitag der Socialist Equality Party (USA) in Ann Arbor (Michigan) statt. Die World Socialist Web Site wird in den kommenden Wochen Resolutionen und Berichte vom Parteitag veröffentlichen. Im Folgenden die Resolution, die am ersten Tag des Parteitages einstimmig verabschiedet wurde: „Zum 70. Jahrestag des Mords an Leo Trotzki".

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Am 21. August 1940 starb Leo Trotzki, ein Führer der Oktoberrevolution und Gründer der Vierten Internationale, an den Verletzungen, die ihm ein Agent des sowjetischen stalinistischen Regimes zugefügt hatte. Dieser Mord war der Höhepunkt des politischen Völkermords, den die stalinistische Bürokratie an einer ganzen Generation sozialistischer Arbeiter und Intellektueller beging, welche die Oktoberrevolution vorbereitet und angeführt und die Grundlagen des ersten Arbeiterstaates geschaffen hatten. Stalins Terror zählt zu den größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts.

Auch siebzig Jahre nach seinem Tod wird sein Leben immer noch systematisch verfälscht und seine Person verleumdet. Angesehene Buchverlage bringen einen Titel nach dem anderen heraus, um Trotzki zu diskreditieren. Die Scharlatane der akademischen Welt wetteifern darin, wer das übelste Machwerk zustande bringt, und kennen keinerlei intellektuelle oder moralische Skrupel. Doch ihre gesamten Lügen und Entstellungen können der herausragenden Bedeutung Trotzkis in der Weltgeschichte nichts anhaben. Er bleibt eine überragende Gestalt. Der Gang der geschichtlichen Entwicklung seit 1940 hat die Ideen und Prinzipien bestätigt, für die sich Trotzki einsetzte, und denen er letztlich sein Leben opferte.

Mit Gründung der Linken Opposition 1923 nahm Trotzki den Kampf gegen die wachsende Sowjetbürokratie und ihre Usurpation der Macht auf. Er verteidigte die Prinzipien und die Strategie des marxistischen Internationalismus gegen das reaktionäre stalinistische Programm des Sozialismus in einem Land. Trotzki sah voraus, welche katastrophalen Konsequenzen die stalinistische Politik für die sowjetische und internationale Arbeiterklasse haben würde. In den Jahren 1923-1933 versuchte die Linke Opposition, die Kommunistische Partei der Sowjetunion und die Dritte Internationale auf den Kurs des authentischen Bolschewismus zurückzuführen, auf den sich die Oktoberrevolution gegründet hatte. Doch nach dem Sieg des Faschismus in Deutschland, den der verheerende Stalinismus begünstigt hatte, rief Trotzki zum Aufbau der Vierten Internationale auf. Nur ein Sturz des stalinistischen Regimes durch eine politische Revolution der Arbeiterklasse, warnte Trotzki, könne die Sowjetunion vor dem Untergang retten. Die Sowjetbürokratie, so Trotzki, würde der Wiedereinführung des Kapitalismus Vorschub leisten. Seine Warnungen bestätigten sich.

Ausgangspunkt für Trotzkis Kampf gegen den Stalinismus war die Strategie der sozialistischen Weltrevolution. Die Gründung der Vierten Internationale im September 1938 war Ausdruck dieser Strategie. In der programmatischen Erklärung, die Trotzki für den Gründungskongress schrieb, erklärte er: Außerhalb des Kaders der Vierten Internationale „gibt es auf unserem Planeten keine einzige revolutionäre Tendenz, die dieses Namens würdig wäre". Diese Feststellung brachte die zahlreichen zentristischen und opportunistischen Tendenzen in Rage. In Trotzkis Aussage erblickten sie eine Weigerung, politischen Organisationen und Bewegungen, die Einfluss auf die Massen hatten, ein revolutionäres Zeugnis auszustellen. Auch in diesem Punkt wurde Trotzki bestätigt. Was ist aus all jenen Tendenzen und Bewegungen geworden, welche die Opportunisten in den Himmel hoben?

Nach Stalins Tod 1953 sahen Pablo, Mandel und ihre Anhänger ausgezeichnete Chancen für eine Renaissance des Marxismus durch die Kreml-Bürokratie. Sie errichteten ein regelrechtes Theoriegebäude zugunsten der Auffassung, Stalins Nachfolger könnten den Anstoß für eine neue Welle sozialistischer Revolutionen geben. Bis zum allerletzten Tag der UdSSR hofften die Pablisten darauf, dass ein vom Kreml anerkannter politischer Messias auftauche. Sie fanden ihn schließlich in Gorbatschow (wie Ernest Mandel) und in Boris Jelzin (wie Tariq Ali). Diese „Heilsbringer" brachten jedoch nicht den Sozialismus, sondern die verheerenden Folgen der kapitalistischen Restauration.

Ersatz für den Trotzkismus fanden die Pablisten und andere linke Intellektuelle auch in den Bewegungen, an deren Spitze Mao Dse Dong, Tito, Nasser, Ben Bella, Castro, die Sandinistas und der Afrikanische Nationalkongress (ANC) standen, sowie in zahllosen weiteren nationalistischen Formationen, die mal länger, mal kürzer eine nennenswerte Rolle in der Weltpolitik spielten. Politisch haben sie alle ausgedient. Sie erwiesen sich nicht nur ausnahmslos als unzulänglich, sondern als wahre Komplizen der Weltbourgeoisie bei der Unterdrückung revolutionärer Massenkämpfe.

Die Socialist Equality Party (USA) ist mit Recht stolz auf ihre Rolle in den 1970er und 1980er Jahren, als sie mit ihrer Untersuchung ’Sicherheit und die Vierte Internationale’ entscheidende und unbekannte Aspekte der stalinistischen Verschwörung zum Mord an Leo Trotzki aufdeckte. Besonders bedeutsam war dabei, dass sie die Rolle entlarvte, die stalinistische Agenten innerhalb der amerikanischen Socialist Workers Party beim Anschlag auf Trotzkis Leben spielten. Die pablistischen Organisationen, die sich politisch an den stalinistischen Organisationen ausrichteten, wehrten sich wutschnaubend gegen diese Untersuchung. Aber viele Dokumente, die im Laufe der Untersuchung ’Sicherheit und die Vierte Internationale’ und später, nach der Auflösung der Sowjetunion, entdeckt wurden, bestätigten die Haltung des Internationalen Komitees.

Die SEP ist auch stolz darauf, dass sie zusammen mit ihren Genossen im Internationalen Komitee der Vierten Internationale die theoretischen Auffassungen und programmatischen Prinzipien, für die Trotzki eintrat, über viele Jahre verteidigt hat. Wir erachten es für besonders angebracht, dass unsere Partei zu diesem 70. Jahrestag das Buch In Defense of Leon Trotsky herausbringt. Genosse David North entlarvt und widerlegt darin in einer Reihe von Vortragsreden und Essays die Lügen der Geschichtsfälscher.

Während die kapitalistische Krise sich zuspitzt und der Klassenkampf wiederauflebt, verpflichtet sich die SEP, Arbeiter und Jugendliche mit den Ideen des bedeutendsten Strategen der sozialistischen Weltrevolution, L. D. Trotzki, bekannt zu machen.

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