General Motors:

GM-Arbeiter von Indianapolis stimmen gegen Lohnsenkung

Abfuhr für UAW-Funktionäre

Von Jerry White
28. September 2010
VoteAutoarbeiter von Indianapolis vor dem Gewerkschaftsgebäude

Bei der jüngsten Abstimmung der Belegschaft des GM-Presswerks in Indianapolis stimmte eine überwältigende Mehrheit der Arbeiter am 23. September mit „Nein“. Damit erteilten sie der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) eine Abfuhr. Die Gewerkschaft hatte versucht, gegen den Widerstand der Arbeiter eine fünfzigprozentige Lohnsenkung durchzuboxen.

Wie ein Sprecher des UAW-Ortsverbands 23 sagte, stimmten über 400 der 650 Fabrikarbeiter gegen den Deal. Jeder Stimmzettel wurde per Videokamera aufgenommen, um zu verhindern, dass die UAW die Wahlen fälschen konnte. Die Urnen wurden zur American Arbitration Association geschickt, der Kommission, die den Auftrag hat, die Abstimmung auszuzählen, einschließlich der Stimmen, die per Briefwahl eintreffen. Das offizielle Ergebnis wird für den 28. September erwartet.

IndyArbeiter mit T-Shirt-Aufschrift: “Stimmt Nein, zum Teufel!”

Die Ablehnung der Vereinbarung kommt einer scharfen Zurückweisung der UAW gleich, und das nicht zum ersten Mal. Seit Monaten setzt die Gewerkschaft schmutzige Tricks und Lügen ein, um den Widerstand der Arbeiter zu brechen. Die Arbeiter von Indianapolis weigern sich, die Zugeständnisse der Gewerkschaft zu akzeptieren, die eine Halbierung der Stundenlöhne von 29 Dollar auf ganze vierzehn Dollar beinhalten. Sie kämpfen nicht nur für sich, sondern für alle Arbeiter.

Die Presswerk-Arbeiter haben schon mehrere Versuche verhindert, Armutslöhne in der Fabrik durchzusetzen. Im Mai stimmten sie mit 95 Prozent gegen eine Öffnung des laufenden Vertrags mit GM und hinderten die UAW daran, mit JD Norman zu verhandeln, einem Börsenhai, der das Werk gerne aufkaufen möchte. Am 15. August wurden UAW-Funktionäre aus einer Gewerkschaftsversammlung geworfen, weil sie hinter dem Rücken der Arbeiter eine Vereinbarung getroffen hatten. Die UAW wurde gezwungen, eine für den darauf folgenden Tag geplante Abstimmung abzusagen.

Darauf hetzten der UAW-Vorsitzende Bob King und Regionalleiter Maurice Davison fünf Wochen lang gegen die Arbeiter, die sich der Abstimmung widersetzt hatten, und sagten, dies sei nur eine „lautstarke Minderheit“. GM drohte mit Werkschließung und begann schon, Modellformen aus dem Betrieb abzuholen. Führende Politiker wie z.B. der Gouverneur von Indiana übten gewaltigen Druck auf die örtlichen UAW-Funktionäre aus, eine neue Abstimmung zuzulassen.

Die UAW wusste genau, dass ihr Ausverkauf in einer offenen Mitgliederversammlung niemals durchgehen würde. Deshalb umging sie den Ortsverband und organisierte eine Abstimmung per Email – eine ziemlich ungewöhnliche Prozedur für eine Ratifizierungsabstimmung.

WorkersArbeiter vor dem Gewerkschaftsgebäude

An einer „Solidaritäts-Abstimmung“ des UAW-Ortsverband 23 im Gewerkschaftshaus beteiligten sich schließlich hunderte Arbeiter, um ihren Widerstand deutlich zu machen. „Die Arbeiter haben diesen Deal in Bausch und Bogen abgelehnt“, berichtete ein Arbeiter der World Socialist Web Site. „Viele stehen zu ihrer Nein-Stimme und sind stolz darauf. Es ist übel, was man mit uns macht. Jeder hat seinen Stimmzettel und seine Nummer in die Kamera gehalten. Das haben sie freiwillig gemacht, weil sie ein Zeichen setzen wollten.“

Einer, der kurz vor der Rente steht, überlegte sich zuerst, mit Ja zu stimmen, aber er änderte seine Meinung und sagte: ‘Ich kann nicht alles aufgeben, wofür ich dreißig Jahre lang gearbeitet habe.’ Selbst ein junger Leiharbeiter, dem von Norman eine volle Arbeitsstelle versprochen wurde, hat mit Nein gestimmt. Die Arbeiter sagen, sie können doch nicht ihre Krankenversicherung aus der eignen Tasche bezahlen. Wenn JD Norman das Werk übernimmt, kann er dem Deal zufolge machen was er will. Arbeiter haben dann keine Rechte mehr. Er kann sie entlassen, freisetzen, wie es ihm beliebt. Erst sagte er, die Löhne würden auf 15,50 Dollar sinken, jetzt will er bei Neueinstellungen nur noch vierzehn Dollar zahlen.“

Das Abstimmungsergebnis ist ein herber Rückschlag für die UAW, doch es stellt die Arbeiter von Indianapolis vor die Aufgabe, sich auf den unvermeidlichen Gegenschlag der UAW vorzubereiten. Das bedeutet, dass sie künftig den Abtransport von Maschinen und Werkzeug verhindern und jeden weiteren Schritt zur Werkschließung aufhalten müssen.

Vor der Abstimmung gab das Basiskomitee des GM-Presswerks eine Erklärung heraus, in der es den Arbeitern vorschlug, den nächsten Schritt vorzubereiten: das heißt, den Kampf aufzunehmen, um breite Schichten von Autoarbeitern unabhängig von der UAW zu mobilisieren, sowohl gegen die Lohnkürzungen, als auch gegen die drohende Fabrikschließung.

“Selbst wenn die Abstimmung erneut mit ’Nein’ ausgeht, wird die UAW einen Weg suchen, um es doch durchzusetzen“, heißt es in der Erklärung des Basiskomitees. „Darum ist es wichtig, dass wir Arbeiter uns unabhängig organisieren, damit wir kämpfen können. … Die UAW, die einst eine Organisation zur Verteidigung der Arbeiter war, hat sich vollkommen gegen uns gewendet.

Das Basiskomitee kämpft dafür, die Isolation zu durchbrechen, in die uns die UAW gebracht hat. Wir müssen unsere Brüder und Schwestern in Marion, Flint und anderen GM-Werken erreichen, um den Kampf gemeinsam zu führen. Gleichzeitig appelliert das Komitee an alle Arbeiter in Indianapolis und im ganzen Land, zu uns zu halten und Arbeitsplätze und Lebensstandard zu verteidigen.“

Ein Appell des Basiskomitees löste eine Flut von Solidaritätsbriefen von Arbeitern in ganz Amerika und andern Ländern aus. Briefe kamen schon aus Kanada, Südafrika, Japan und Neuseeland. Arbeiter vom Presswerk in Flint, Michigan, reagierten letzte Woche begeistert auf die Nachricht vom Kampf der Arbeiter von Indianapolis. Sie sagten, UAW und GM planten, bei ihnen bald ähnliche Lohnkürzungen durchzusetzen. Ein Sprecher des Basiskomitees sagte zur WSWS: „Arbeiter auf der ganzen Welt kriegen jetzt mit, dass wir sagen: ‚Genug ist genug’.“

Diese machtvolle Unterstützung muss aktiviert werden, um das Recht jedes Arbeiters auf einen sicheren Arbeitsplatz und vernünftigen Lebensstandard zu verteidigen. Vorbereitungen müssen getroffen werden, um Demonstrationen, Proteste, Werksbesetzungen und Streiks zu organisieren. Die Lohnkürzungen, die UAW und Obama-Regierung vergangenes Jahr verhängten, müssen wieder rückgängig gemacht werden.

Die Führung des Ortsverbands 23 hat nichts von alledem vorgeschlagen. Stattdessen gehen Vertrauenskörperleiter Greg Clark und andere örtliche Funktionäre davon aus, dass ein „Nein“ bei der Abstimmung und juristische Appelle an das National Labor Relations Board (staatliche Schiedsstelle) die UAW-Führung zu einem Rückzug zwingen könnte. Außerdem akzeptieren sie eine Werkschließung mit dem Argument, ältere Arbeiter könnten zu anderen GM-Werke überwechseln. Eine solche Position fällt den Arbeitern von Indianapolis in den Rücken, die alle Arbeiter, ob in Stadt oder Land, dazu auffordern, gegen die hohe Arbeitslosigkeit und für das Recht auf Arbeit zu kämpfen.

Kein noch so starker Druck kann die UAW umstimmen. Daran wird auch ein Spruch des Schiedsstelle nichts ändern, deren Bilanz beweist, dass sie auf der Seite der Konzerne und ihrer Lakaien in den Gewerkschaften steht. Im Gegenteil, die UAW-Führer – die heute einen beträchtlichen Teil der Autokonzerne selbst besitzen – haben ein unmittelbares finanzielles Interesse daran, die Arbeitskosten zu drücken, um den Wert ihrer Aktien zu erhöhen. Sie sind entschlossen, die Lohnkürzungen in Indianapolis durchzusetzen, um einen Präzedenzfall zu schaffen, und die Löhne in der ganzen Autoindustrie permanent niedrig zu halten.

Der Aktienbesitz der UAW schafft keinen “Interessenkonflikt”, weil die UAW gar nicht auf der Seite der Arbeiter steht. Sie steht voll und ganz auf der Seite der Konzerne. UAW-Vorsitzender Bob King ließ daran keinen Zweifel, als er der Zeitung Detroit Free Press am Donnerstag ein Interview gab. „Dies ist eine andere UAW“, sagte er. „Diese UAW versteht die Bedeutung globaler Konkurrenzfähigkeit.“ Auf die Frage, ob die Gewerkschaften für eine wesentliche Lohnerhöhung kämpfen würden, sagte er: „Im allgemeinen wird verstanden, dass wir keine Abkommen aushandeln können, welche die Konzerne auf lange Sicht Konkurrenz-unfähig machen. Wir wollen nicht noch einmal in der Spirale landen, der wir gerade entronnen sind.“

Das deckt sich vollkommen mit der Politik der Obama-Regierung, die Exporte zu verdoppeln, indem die Löhne amerikanischer Arbeiter an die ihrer brutal ausgebeuteten Kollegen in China oder anderen Ländern angeglichen werden.

Die Abfuhr, welche die Arbeiter von Indianapolis der UAW erteilt haben, und die Gründung eines Basiskomitees sind klare Anzeichen, dass größere Klassenschlachten bevorstehen. Arbeiter widersetzen sich den Versuchen der Konzerne und Regierungen, die mithilfe der Gewerkschaften in den USA und weltweit wieder Armutslöhne einführen wollen.

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