Richard Holbrooke: Jahrzehntelanger Agent des US-Imperialismus

Von Patrick Martin
24. Dezember 2010

Es gibt keinen Grund, sich hinsichtlich Richard L. Holbrooke zurückzuhalten, dem langjährigen US-Diplomaten, der Montagnacht in Washington verstarb. Er war ein Bluthund und ein Lügner im Dienste der habgierigsten und kriegerischsten Macht der Welt, ein Mann, der bis über beide Ohren verstrickt war in die Anordnung und Verschleierung blutiger Verbrechen. Er widmete sein Leben der Aufgabe, die Interessen der amerikanischen Konzerne und Banken zu verteidigen und wurde dabei selber zu einem wohlhabenden Mann.

Die obligatorischen Ehrerbietungen des US-Politik-Establishments – von Präsident Obama, Außenministerin Hillary Clinton, dem ehemaligen Präsidenten Bill Clinton, der Frontseite der Washington Post und unzähligen Politikern und Experten – kommen einer Selbstanklage des Charakters und der „Moral“ dieser Herrschaften gleich. Was die Blumensträuße ausländischer Führer angeht – vom britischen Premier David Cameron bis zum afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, so darf man daran erinnern, dass es eine Mafia-Tradition ist, Blumen zur Beerdigung zu schicken.

Was das Pressecorps der Washington Post angeht, so war Holbrookes Tod eine Familienangelegenheit. Der Washington-Post-Kolumnist Richard Cohen berichtete in seinem Blog von einem Treffen mit diesem „außergewöhnlichen Mann“ im letzten Sommer in seinem Strandhaus. Judy Woodruff von der PBS und Al Hunt von Bloomberg besuchten den sterbenden Sondergesandten im Krankenhaus.

Der Überschwang der Presse enthüllt eine wichtige Seite des politischen Lebens in Amerika – die inzestuöse Beziehung zwischen der Wall Street, der Machtstruktur Washingtons und den führenden Kreisen in den Medien, fest zementiert durch riesige Geldsummen. Holbrooke personifizierte diese Beziehung, indem er zwischen Investmentbanking und Außenministerium hin und her pendelte, Diane Sawyer durch Manhattan begleitete und Kati Morton, Ex-Frau des ABC-Anchorman Peter Jennings, heiratete.

Die Nachrufe auf Holbrooke hoben seine Rolle in der Balkankrise der 1990er Jahre hervor, als er die Dayton-Vereinbarung aushandelte, die den offenen Krieg in Bosnien beendete. Doch dies war nur eine von vielen Episoden in einer Karriere, die fast 50 Jahre umspannte und von Vietnam bis nach Afghanistan reichte.

Als junger Beamter im Außenministerium in der Anfangsphase des Vietnamkrieges stieg Holbrooke schnell in führende Positionen auf und diente seit John F. Kennedy in jeder demokratischen Administration. Er hatte auch enge Beziehungen zum außenpolitischen Establishment der Republikaner, einschließlich Henry Kissinger und Holbrookes Kollegen aus Vietnam, John Negroponte, der unter George W. Bush US-Botschafter bei den Vereinten Nationen war.

1941 als Sohn jüdischer Eltern geboren, die in den 1930ern aus Deutschland und Polen emigriert waren, war Holbrooke ein Mitschüler und Freund von David Rusk, dem Sohn von Kennedys Außenminister, dem Falken Dean Rusk. Diese Bekanntschaft brachte ihn dazu, sich nach dem Abschluss an der Brown University dem Auswärtigen Dienst zuzuwenden. Er nahm ein Jahr Sprachunterricht und ging dann nach Vietnam.

Massenmord in Vietnam

Holbrooke war als 22jähriger Verbindungsoffizier im Mekong-Delta stationiert und für eine ganze Provinz mit einer Bevölkerung von 600.000 Menschen zuständig. Er gehörte zu der verschworenen Gemeinschaft junger, energiegeladener und skrupelloser Agenten, die der Autor David Halberstam, ein glühender Vertreter der amerikanischen Mission in Vietnam, als „Die Klügsten und die Besten“ bezeichnete.

Holbrooke begann als Stabsoffizier für die US-Agentur für Internationale Entwicklung, die amerikanische Beamte als Aufseher in vietnamesischen Städten und Dörfern einsetzte, um die Aktionen der regierenden Handlanger in Südvietnam zu beaufsichtigten. Die USA hatten diese Marionettenregierung mit dem Ziel installiert, der nationalistischen vietnamesischen Bewegung, die die französischen Kolonialherren im ersten Vietnamkrieg zwischen 1946 und 1954 besiegt hatte, Widerstand entgegen zu setzen.

1959 hatten nationalistische Guerillas im Süden die Nationale Befreiungsfront (NLF) gegründet, um die von den USA gestützte Diktatur Ngo Dinh Diems zu stürzen und das Land unter der Führung der Viet Minh, die die nördliche Hälfte des Landes regierten, wiederzuvereinigen.

Holbrooke bemühte sich angestrengt, die Verbindung zwischen den Aufständischen und der Bauernschaft zu kappen. Diverse Programme schlugen sämtlich fehl: die Versuche, US-Vertreter in Dörfern zu platzieren (das Befriedungsprogramm), die Bevölkerung aus ihren Dörfern in größere Ansiedlungen umzusiedeln („strategische Dörfer“) und verdächtige NLF-Kader systematisch umzubringen (das Phoenix-Programm).

Mehr als 20.000 Vietnamesen wurden in der zuletzt genannten Kampagne gefoltert und hingerichtet, die man nur als eines der großen ungestraften Kriegsverbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnen kann. Die Namen derer, die in dieser Schule des Massenmordes lernten, lesen sich wie ein Who is Who späterer US-Diplomaten. Die meisten von ihnen standen später in Diensten demokratischer Regierungen. Zu ihnen gehören Holbrooke, Negroponte, Clintons früherer nationaler Sicherheitsberater Anthony Lake, der spätere Clinton-Verteidigungsminister Les Aspin, Frank Wisner, ein späterer hoher Beamter im Außenministerium sowohl der Carter- als auch der Clinton-Administration, und Peter Tarnoff, Clintons Vize-Außenminister.

Holbrooke schaffte einen schnellen Aufstieg vom Stabsoffizier über einen leitenden Posten in der US-Botschaft in Saigon, bis zu seiner 1966 erfolgten Berufung in Präsident Lyndon Johnsons Stab im Weißen Haus, in dem er für Robert Komer arbeitete, der wegen seiner Rolle als Chef des Phoenix-Programms auch als „Bob, der Lötbrenner“ bekannt war. Später zog Holbrooke weiter ins Außenministerium, wo er als Teil des Teams arbeitete, das die Pentagon-Papiere verfasste, die Geheimgeschichte der amerikanisch-vietnamesischen Beziehungen, die Daniel Ellsberg der Presse zuspielte.

Nachdem der Republikaner Richard Nixon 1968 die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, diente Holbrooke kurzzeitig in der Delegation des Außenministeriums bei den Pariser Friedensgesprächen, danach als Chef der Peace-Corps in Marokko, bevor er schließlich eine zweite Karriere im Investmentbanking begann. Er arbeitete für die Crédit Suisse, deren Vizepräsident er schließlich wurde. Von da an pendelte er zwischen dem Außenministerium und der Wall Street hin und her, je nach den Wahlergebnissen der Demokratischen Partei.

Holbrooke and Pol Pot

Die Nachrufe der Presse übergehen die nächste Phase in Holbrookes diplomatischer Karriere, nämlich seine vier Jahre in der Carter-Regierung als stellvertretender Außenminister für asiatische Angelegenheiten von 1977 – 1981. In dieser Funktion war er der Weichensteller für die US-Außenpolitik in einer Region in Aufruhr nach der vernichtenden Niederlage der USA in Vietnam, die die pro-amerikanischen Diktaturen in Südkorea, auf den Philippinen, auf Taiwan und in Indonesien geschwächt hatte.

In jedem dieser Länder verfolgte die Carter-Administration eine Politik der Stärkung dieser Regimes bei gleichzeitigen Konzessionen an die Öffentlichkeit, um so weitere Revolten abzuwehren. Bei der Durchsetzung dieser Politik förderte Washington „Dissidenten“ innerhalb der herrschenden Cliquen, wie Benigno Aquino auf den Philippinen und Kim Dae Jung in Südkorea, und schritten in einigen Fällen ein, um ihre Hinrichtung zu verhindern. Die Früchte dieser Politik waren z.B. die von Holbrooke ausgehandelte fünfjährige Verlängerung der Stationierungsrechte der USA auf den Philippinen und die Fortsetzung der amerikanischen Hilfe für das indonesische Militär trotz der Gräueltaten in Osttimor.

Carter setzte die von Nixon und Kissinger begonnene Annäherung an das stalinistische Regime in Beijing fort, widerrief 1978 die offizielle Anerkennung des Kuomintang-Regimes in Taiwan und erkannte 1979 die Volksrepublik an. Dies gipfelte in der stillschweigenden Unterstützung Chinas bei seinem reaktionären Aggressionskrieg gegen Vietnam gegen Ende 1979.

Holbrooke spielte in dieser Zeit eine Schlüsselrolle in einer der schmutzigsten politischen Episoden der Außenpolitik Washingtons – der Unterstützung des Massenmord-Regimes von Pol Pot in Kambodscha, das mehr als eine Million Menschen, etwa zwanzig Prozent der Bevölkerung des Landes, umgebracht hatte. Die amerikanische Unterstützung wurde publik, als die Vietnamesen nach Kambodscha eindrangen und die Roten Khmer im Dezember 1978 besiegten. Die Autorin Elisabeth Becker beschrieb die amerikanische Politik in ihrem Buch „Als der Krieg vorbei war – Kambodscha und die Khmer Rouge“:

“Zu allererst musste die vietnamesische Besetzung bestraft werden. Von den USA und China angetrieben, wurden wegen der Besetzung Kambodschas die bis dahin härtesten internationalen Sanktionen gegen Vietnam erlassen. Im Sommer 1979 begann die Carter-Administration eine erfolgreiche Kampagne, um andere Länder, Wohlfahrtsorganisationen, internationale Hilfsorganisationen, den Internationalen Währungsfond und die Weltbank zu überzeugen, alle Hilfe für Vietnam und für Kambodscha einzustellen. Holbrooke und sein Stellvertreter Robert B. Oakley führten den Kampf an.

Die Presseberichte und offiziellen Verlautbarungen, die Holbrooke dafür loben, auf dem Balkan „Leben gerettet“ zu haben, erwähnen mit keinem Wort die Rolle, die er bei der Verteidigung des massenmörderischen Regimes der Khmer Rouge gespielt hat.

Nach der Niederlegung seiner Regierungsämter 1981 kehrte Holbrooke 1981 zur Wall Street zurück, und das mit großen Erfolg. Er gründete eine Investmentberatungsfirma mit dem Namen Public Strategies und verkaufte sie schließlich für Millionen an Lehmann Brothers, wo er zum geschäftsführenden Direktor ernannt wurde.

Er nahm sich von dieser Tätigkeit eine Auszeit, um wenigstens ein letztes Mal in einen diplomatischen Konflikt einzugreifen. In der Zeitschrift „Foreign Policy“ war ein Artikel erschienen, der die Bilanz seines guten Freundes John Negroponte zaghaft kritisierte, der zu der Zeit Botschafter in Honduras gewesen war, als die Reagan-Administration das Land benutzte, um den Krieg der „Contra“-Terroristen in Nicaragua vorzubereiten. Holbrooke schrieb einen wütenden Brief an die Zeitschrift und verteidigte Negroponte als einen „Beamten des Auswärtigen Dienstes, der seit Dean Rusk unter jedem Außenminister vorbildlich gedient hat“.

Der jugoslawische Bürgerkrieg

Ein Großteil der Lobhudelei um Holbrooke dreht sich um seine Rolle auf dem Balkan in den 1990er Jahren. Nach der Wahl Bill Clintons 1992 wurden Holbrookes Hoffnungen auf ein hohes Amt enttäuscht, als ihm nur ein Posten als US-Botschafter im wiedervereinigten Deutschland angeboten wurde. 1994 kehrte er als stellvertretender Außenminister für europäische Angelegenheiten nach Washington zurück und konzentrierte seine Aktivitäten auf den Bürgerkrieg, der im früheren Jugoslawien ausbrach.

Der Krieg selber war das Nebenprodukt imperialistischer Intrigen auf dem Balkan. Deutschland ließ seine Muskeln nach der Wiedervereinigung spielen und erkannte sowohl Slowenien, als auch Kroatien an, sobald sie aus der Bundesrepublik Jugoslawien ausscherten. Beide Länder waren früher im österreichisch-ungarischen Reich unter deutscher Vorherrschaft und Kroatien war während des zweiten Weltkrieges ein verbündeter Vasallenstaat der Nazis gewesen.

Nachdem sie zunächst die Bundesregierung in Belgrad unterstützt hatten, suchten die USA in Bosnien Einfluss zu gewinnen, das sich als nächste Republik loslösen wollte. Die bosnischen Serben, die über Nacht zur Minderheit in dem neuen Land geworden waren, griffen zu den Waffen. Es folgte eine Serie von Gräueltaten, die als „ethnische Säuberungen“ bekannt wurden und in denen Serben, Moslems und kroatische Nationalisten um die Kontrolle über umstrittene Gebiete kämpften.

Die Clinton-Administration intervenierte 1995 mit Bombenangriffen gegen die Serben und zwang die Führer Kroatiens, Bosniens und die Regierung Restjugoslawiens, die noch den Rumpf Serbiens, das Kosovo und Montenegro repräsentierte, an Verhandlungen auf einem Luftwaffenstützpunkt außerhalb von Dayton, Ohio, teilzunehmen. Holbrooke führte die US-Delegation an und drängte den jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, den kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman und den bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic zu einem „Friedensabkommen“. Das Dayton-Abkommen teilte Bosnien effektiv in zwei Teile, einen muslimisch-kroatischen und einen serbischen, wobei die Serben nur einen Minderheitsstatus erhielten und sich nicht mit dem benachbarten Serbien vereinen durften.

Im Verlauf jener Gespräche drohte Holbrooke unumwunden mit einem erneuten Eingreifen des US-Militärs und auch mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen Serbien. Er sagte später in einem Interview: „Der Balkan ist ein Gebiet von Menschen aus sehr harten Gebirgsstämmen. Entsprechend muss man mit ihnen umgehen.“

Was Holbrooke für “angemessen” hielt, war seinem später erschienen Buch zu entnehmen, in dem er seine eigene Leistung in Dayton feierte und sich mit der amerikanischen Unterstützung für die kroatische Offensive in der Krajina brüstete, die von Serben bewohnt war. Dies führte zur größten „ethnischen Säuberung“ im jugoslawischen Bürgerkrieg, bei der mehr als 250.000 Serben aus ihren Häusern verjagt und über die Grenze nach Bosnien oder Serbien vertrieben wurden.

Die US-Regierung gab öffentlich vor, gegen die Offensive zu sein, aber Holbrooke und der US-Botschafter in Kroatien, Peter Galbraith, vermittelten einen anderen Eindruck, als sie sich mit dem kroatischen Präsidenten Tudjman trafen. Holbrooke schrieb: „Tudjman wollte Klarheit über die amerikanische Position. Er fragte mich unumwunden nach meiner persönlichen Meinung. Ich deutete meine Zustimmung zu der Offensive an, schob aber einen detaillierteren Austausch auf ein zweites Treffen, damit ich mit meinen Kollegen in Washington diskutieren konnte.“

“Galbraith und ich trafen Tudjman am 17. September allein wieder… Ich sagte Tudjman, dass die Offensive einen großen Wert für die Verhandlungen hätte. Es würde wesentlich leichter sein, das am runden Tisch zu bewahren, was auf dem Schlachtfeld gewonnen worden war, als die Serben dazu zu bewegen, Territorium, das sie seit Jahren kontrollierten, aufzugeben.“

Später, als ein anderer US-Beamter offiziell bemängelte, dass dies gegen die Politik der USA verstoße, reichte Holbrookes Spitzenberater Robert Fraser ihm eine Notiz mit dem Wortlaut: „Dick, wir haben diese Leute als unsere Wachhunde ‚angeheuert‘, weil wir verzweifelt waren. Wir müssen versuchen, sie zu ‚kontrollieren‘. Aber es ist nicht die Zeit, zimperlich zu sein.“ Holbrooke ließ diese Notiz in seinen Memoiren als ein gutes Beispiel für amerikanische Härte abdrucken.

Während das Dayton-Abkommen als relativer Erfolg für die amerikanische Diplomatie gilt, geriet Holbrookes Reputation in die öffentliche Kritik und trug ihm den Ruf eines ruppigen Aufschneiders ein. Er verfehlte auch sein persönliches Ziel, 1997 als Nachfolger Warren Christophers zum Außenminister ernannt zu werden, als sich Clinton an seiner Stelle für Madeleine Albright entschied.

Holbrooke kehrte an die Wall Street zurück, wurde aber erneut gerufen, um seine Rolle als US-Vermittler auf dem Balkan wieder aufzunehmen. Er reiste als Sondergesandter des Präsidenten nach Belgrad, um Slobodan Milosevic im März 1999 die letzte Warnung der USA zu überbringen, bevor die Clinton-Regierung ihre zweimonatige Bombardierung Serbiens begann, die das serbische Militär schlussendlich dazu zwang, sich aus dem Kosovo zurückzuziehen.

Clinton ernannte Holbrooke als Nachfolger Bill Richardsons zum US-Botschafter bei den Vereinten Nationen. Es war der höchste Kabinettsposten, den er innehaben sollte. In dieser Funktion war seine erste Amtshandlung die Verlängerung der von den USA unterstützten Sanktionen gegen den Irak, die im Verlauf von 12 Jahren zwischen dem Ende des ersten Golfkrieges (1991) und der von George W. Buch angeordneten Invasion (2003) zum Tode von einer halben Million irakischer Kinder führte.

Von der Wall Street zu Obama

Nach den Wahlen im Jahr 2000 kehrte Holbrooke wieder an die Wall Street zurück, wo er unter anderen lukrativen Positionen die des Direktors des riesigen Finanz- und Versicherungskonglomerates AIG bekleidete. Im Verlauf eines Jahrzehntes wurde AIG zum größten Herausgeber von Derivaten und spielte beim Finanzcrash von 2008 eine gewaltige Rolle. Wie berichtet wurde, erhielt Holbrooke von der Firma Countrywide Financial, dem führenden Hypothekengeldgeber, wiederholt Hypothekenkredite unter den üblichen Marktpreisen und wurde von dem Chef der Firma, Angelo Mozilo, als „Angelos Freund“ bezeichnet.

Holbrooke verließ das Direktorium von AIG im Juli 2008, zwei Monate vor dem Zusammenbruch, um seine Rückkehr in die Regierung angesichts der bevorstehenden demokratischen Administration vorzubereiten. Nachdem er sich als führenden außenpolitischen Berater in Hillary Clintons Wahlkampagne hatte anheuern lassen, erwartete er, von ihr zum Außenminister ernannt zu werden, hatte aber auf das falsche Pferd gesetzt. Als Barack Obama Hillary Clinton dann aber zur Außenministerin machte, bot sie ihm den unbedeutenderen Job als Sondergesandter für Afghanistan und Pakistan an.

Dieser Vorschlag traf intern auf einigen Widerstand. Bob Woodward schreibt in seinem Buch „Obamas Krieg“, Vizepräsident Joe Biden habe zu Obama gesagt: „Er ist der egoistischste Bastard, dem ich je begegnet bin.“ Der afghanische Präsident Karzai geriet mehrmals mit Holbrooke aneinander und weigerte sich einmal sogar, ihn zu treffen. Den meisten Berichten zufolge, betrachtete Holbrooke das amerikanische Unternehmen mit Verbitterung und verglich es in einem Interview mit George Packer vom „The New Yorker“ mit Vietnam.

Trotzdem war er noch immer in der Lage, eine des wesentlichsten Funktionen eines US-Diplomaten zu erfüllen – unverfroren und schamlos zu lügen. Nach diversen Presse- und Augenzeugenberichten über amerikanische Grenzübertritte in die Stammesregionen Pakistans, erklärte er im Juli öffentlich: „Die Leute glauben, die USA hätten Truppen in Pakistan. Nun, wir glauben das nicht.“

Holbrooke starb als reueloser Fürsprecher des amerikanischen Imperialismus. Auf einer Konferenz in Washington am 29. September 2010, die vom Historischen Büro des Außenministeriums gesponsert wurde, verteidigte Holbrooke den Krieg in Vietnam mit seiner charakteristischen Kombination aus Arroganz und Selbstgerechtigkeit: „Nichts war falsch an unserem Anliegen in Vietnam“, sagte er in Beantwortung einer direkten Frage. „Aber manchmal kann selbst die größte Macht der Welt ihr Ziel nicht erreichen. Und auf dieser Grundlage muss man Politik bewerten.“

Das übertriebene Lob für diesen „Staatsmann“ von Obama, Bill und Hillary zeigt die reaktionäre Rolle der Demokratischen Partei. Obama wurde zum großen Teil deswegen gewählt, weil er die Antikriegs-Stimmung des amerikanischen Volkes erfolgreich ansprach, insbesondere in Bezug auf den Krieg im Irak. Aber die Demokratische Partei, wie die Republikanische, ist ein Instrument der US-Finanzaristokratie und somit der Verteidigung des amerikanischen Imperialismus unerschütterlich verpflichtet.

Es gibt auf der World Socialist Web Site Dutzende von Artikeln, die Holbrookes Rolle in der Clinton- und der Obama-Administration wie auch in der Finanzkrise der Wall Street beleuchten.

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