Das “liberale” Gesicht des amerikanischen Imperialismus

Von Patrick Martin
28. Dezember 2010

Der Tod des langjährigen US-Diplomaten Richard Holbrooke am 13. Dezember hat eine Flut von Würdigungen offizieller Sprecher und Apologeten des US-Imperialismus ausgelöst. Die Würdigungen kamen insbesondere von denen, die sich, wie Holbrooke selbst, einen Namen als Fürsprecher der amerikanischen Intervention im jugoslawischen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren gemacht haben.

Die Vertreter des amerikanischen Liberalismus begrüßten die US-Interventionen in Bosnien 1995 und dann 1999 im Kosovo als Kriege, die die Rolle der Vereinigten Staaten als „Kraft des Guten“ belegten. Diese Haltung steht im Gegensatz zu ihrer Stellung zum Vietnamkrieg, während dem Holbrooke in den Dienst des amerikanischen Militarismus trat, und auch im Gegensatz zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan

Am letzten Mittwoch beschwor Clintons stellvertretender Außenminister Strobe Talbott in der Washington Post Holbrookes Vermächtnis, der „ persönlich am besten umsetzte, was ein einzelner Amerikaner zur Verbesserung einer gefahrvollen Welt beitragen kann.“

Am Freitag schrieb der Kommentator Roger Cohen in der New York Times, dass bis zu dem Zeitpunkt als “Richard Holbrooke in der Schlangegrube ankam“, es so ausgesehen habe, als ob der Bosnienkrieg nie enden würde. „Einiges kann nicht geregelt werden“, so Cohen weiter. „Das galt aber nur bis Holbrooke sich Bosniens annahm.“

Als „feige Sesselfurzer“ kanzelt Cohen wahrscheinlich all diejenigen ab, denen die Bombardierung kleiner Länder und die Einschüchterung ihrer Regierungen widerstrebt – und er erklärt: „Dieses Ableben zur falschen Zeit ist ein Fanfarenruf an Amerika, alle Kleinlichkeit im Namen von überdauernden Werten hinter sich zu lassen. Holbrooke glaubte leidenschaftlich an das Potential Amerikas zum Guten.“

Am Samstag berichtete die Times über eine private Gedenkveranstaltung in Holbrookes Appartement in Manhattan, der außer Bill und Hillary Clinton und Al Gore auch Medien-Berühmtheiten, wie Charlie Rose von PBS, Christiane Amanpour von ABC sowie die Schauspieler Matt Dillon, Mia Farrow und Alan Alda beiwohnten.

Am Sonntag erreichten die Huldigungen Holbrookes in einem fünfminütigen Filmbeitrag im Interview-Programm Amanpours in der Sendung „This Week“ des Fernsehsenders ABC ihren Höhepunkt. Der Beitrag wurde von Amanpour moderiert und enthielt Bildmaterial aus Bosnien während des Bürgerkriegs, wo die Journalistin als CNN-Korrespondentin die US-Intervention befürwortete.

Der Beitrag portraitierte Holbrooke als Art säkulare Heiligenfigur, als Sohn jüdischer Flüchtlinge, der seine ganze Kraft einsetzte, um einen zweiten Holocaust auf dem Balkan zu verhindern.

Die WSWS veröffentlichte schon in einer früheren Erklärung eine Analyse des Werdegangs von Holbrooke. (Siehe: Richard Holbrooke: Jahrzehntelanger Agent des US-Imperialismus.)

Holbrookes Tod auszunutzen, um Illusionen in die “humanitäre” Funktion des amerikanischen Imperialismus zu schüren, ist eine besonders schmutzige Geschichtsrevision. Die Beteuerungen der Regierung Clinton über angeblich edle Absichten im ehemaligen Jugoslawien waren reinste Heuchelei.

Mit den Vorwänden konnten vielleicht die Liberalen aus Manhattan trefflich eingelullt werden, sie ließen sich das auch gerne gefallen. Sie konnten jedoch die imperialistische Gier kaum kaschieren, die alle ausländischen Mächte antrieb, die zu dem Blutbad beitrugen. Dies gilt für Deutschland und Russland genauso wie für die Vereinigten Staaten.

Die Regierung Clinton unterstützte sogar noch im Sommer 1995 die größte ethnische Säuberungsaktion der Bürgerkriege auf dem Balkan, die Vertreibung von 250.000 Serben aus der Krajina in Kroatien. Holbrooke sicherte dem kroatischen Präsidenten Franko Tudjman dafür persönlich Unterstützung zu.

Ausführlich analysierte die World Socialist Web Site, wie fehl am Patz die Gleichsetzung des nationalsozialistischen Holocaust mit den Verbrechen der nationalistischen Milizen aller am Bürgerkrieg Beteiligten war. Sie haben ab 1991 das ehemalige Jugoslawien zugrunde gerichtet. Die WSWS zeigte weiter die wirklichen wirtschaftlichen und strategischen Motive für die Intervention der USA auf. (Siehe die Erklärung der WSWS-Redaktion vom 26. Mai 1999 “Die Gründe für den Krieg der NATO gegen Jugoslawien? Weltpolitische Macht, Öl und Gold“.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass Holbrookes Tod zeitlich mit der Veröffentlichung eines Berichts des Europäischen Rates zusammenfiel, in welchem der von den USA protegierte Führer des Kosovo, Hashim Thaci, als Kopf einer „mafiaartigen“ albanischen Organisation bezeichnet wird, die den Handel mit Waffen, Drogen und menschlichen Organen in ganz Osteuropa zu verantworten hat.

Der Menschenrechtsbeauftragte des Europarates Dick Marty legte den Mitgliedsstaaten am Donnerstag in Paris seinen Bericht vor. In dem Dokument gibt es Anhaltspunkte, dass zu der Zeit, als die serbischen Truppen durch Bombenangriffe der Nato aus dem Kosovo vertrieben wurden, Thaci und die von ihm geführte Guerillaorganisation UCK (Befreiungsarmee des Kosovo) den bis dahin dominierenden Albanern die Kontrolle über die „meisten illegalen und kriminellen Unternehmungen“ abnahmen.

In dem Bericht wird erklärt: “In vertraulichen Meldungen aus mehr als einem Jahrzehnt und aus mindestens fünf Ländern berichten Organisationen, die im Kampf gegen den Drogenschmuggel engagiert sind, dass Hashim Thaci und weitere Mitglieder seiner Drenica-Gruppe eine aggressive Kontrolle über den Handel mit Heroin und weiteren Drogen ausübten.“

Der Bericht von Marty untermauert in weiten Teilen die Verdachtsmomente, die die frühere Chefanklägerin am Kriegsverbrechertribunal in La Hague, Carla Del Ponte geäußert hatte. Demnach schmuggelte die UCK serbische Gefangene über die Grenze nach Albanien, wo sie in ein Geheimgefängnis in der Nähe der albanischen Hauptstadt Tirana kamen. Von dort aus wurde dann nach interessierten Abnehmern für ihre Nieren gesucht.

Weiter heißt es in dem Bericht: “Sobald die Transplantationschirurgen einsatzbereit waren, wurden die Gefangenen einzeln aus dem ‚sicheren Haus’ gebracht, von einem UCK-Schützen exekutiert und ihre Leichen umgehend in die chirurgische Klinik transportiert.“

In einer Geheimklinik namens Medicus nahe der kosovarischen Hauptstadt Pristina, wo Ärzte üblicherweise verzweifelten russischen, moldawischen, kasachischen und türkischen Spendern Nieren entnahmen und sie reichen Empfängern zu Schwarzmarktpreisen von bis zu 90.000 Euro einpflanzten, fanden parallel ähnliche Operationen statt.

Über die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Nato-Verbündeten schreibt Marty: “Die internationalen Akteure stellten sich blind für die Kriegsverbrechen der UCK. Kurzfristige Stabilität erschien ihnen wesentlich wichtiger.“

Als Richard Holbrooke wenige Tage vor der Bombardierung Serbiens nach Belgrad kam, um dem serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic ein letztes amerikanisches Ultimatum zu überbringen, leistete er in dieser Funktion einen Beitrag zur Vorbereitung der militärischen Offensive, bei der die USA die Führung hatten und durch die die UCK im Kosovo an die Macht gehievt wurde.

Die amerikanische Intervention verhinderte nicht einen “zweiten Holocaust” auf dem Balkan, sondern bereitete den Weg für den Rückfall zu den extrem abscheulichen Praktiken eines Josef Mengele vor. Der Nazi-Mediziner führte in Auschwitz Experimente an Juden durch.

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