USA und Israel versuchen Irans Atomprogramm mit Sabotage und Mord zu vereiteln

Von Keith Jones
18. Dezember 2010

Die Gespräche in der letzten Woche zwischen Teheran und den P5 +1 (Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats plus Deutschland und Europäische Union) begannen damit, dass die iranische Delegation die jüngste Ermordung eines bedeutenden iranischen Atomwissenschaftlers verurteilte – die Teil einer wachsenden verdeckten Kampagne ist, die auf das Atomprogramm des Landes abzielt.

„Heute vor einer Woche nahmen Terroristen zwei iranische Wissenschaftler ins Visier und einer von ihnen starb den Martyrertod“, erklärte Berichten zufolge Saeed Jalili, der Sekretär des Iranischen Nationalen Sicherheitsrats und Chefunterhändler bei den Genfer Gesprächen.

Irans Präsident, Mahmoud Ahmadinedschad, und andere hochrangige iranische Vertreter hatten zuvor den USA, Israel und anderen westlichen Mächten vorgeworfen, die Ermordung von Dr. Majid Shahriari organisiert zu haben. „Diese niederträchtigen Menschen“, erklärte Ali Akbar Salehi, der Leiter des iranischen Atomprogramms, „wollten ihre furchtbare Seite zeigen, was ihre Politik von Zuckerbrot und Peitsche veranschaulicht, die sie im Vorfeld der Atomgespräche verfolgt haben.“

Am Morgen des 29. Novembers wurde Shahriari auf dem Weg zu seiner Arbeitet umgebracht. In einer sehr ausgeklügelten Operation brachten Angreifer auf Motorrädern eine magnetische Bombe an Shahriaris Auto an und brachten sie dann sehr schnell zur Explosion.

Zu fast genau der gleichen Zeit entkam ein zweiter iransicher Wissenschaftler, Fereidoon Abbasi, sehr knapp einem Mordanschlag, der auf die gleiche Weise durchgeführt wurde. Abbasi bemerkte, dass etwas an seinem Auto befestigt worden war, verließ den Fahrersitz und versuchte seine Frau aus dem Auto zu bekommen, als die Bombe explodierte. Das Paar trug nur leichte Verletzungen davon.

Shahriari, Mitglied der Fakultät für Kerntechnik an der Shahid Beheshti-Universität in Teheran, hat zusammen mit Salehi, dem Leiter der Iranischen Atomenergiebehörde (Atomic Energy Organisation, AEOI) zahlreiche Berichte und Artikel in Zeitschriften veröffentlicht. Nach dem Mord wurde Salehi mit der Bemerkung zitiert, dass Shahriari für „eins der größten“AEOI-Projekte verantwortlich war. Laut dem Guardian „stand Shahriari in keiner aktenkundigen Beziehung zu unerlaubter Betätigung im nuklearen Bereich, sondern war hoch angesehen auf seinem Gebiet“ – der Theorie der nuklearen Kettenreaktion.

Abbasi ist ebenfalls an der Shahid Beheshti-Universität beschäftigt. Iranische Behörden haben nach dem Mordanschlag daran erinnert, dass Abbasi in einer Resolution des UN-Sicherheitsrats von 2007 gegen den Iran öffentlich als „Teilnehmer an atomaren oder ballistischen Raketenprojekten“ identifiziert wurde.

Catherine Ashton, die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik antwortete auf die Erklärung der iranischen Delegation, und verurteilte im Namen aller anderen Delegationen in einer Proforma-Erklärung die abgestimmten Angriffe vom 29. November.

Aber sämtliche Teilnehmer an den Gesprächen der letzten Woche sind sich sehr wohl bewusst, dass die USA, Israel, Großbritannien und weitere verbündete westliche Mächte eine Sabotage-Kampagne gegen das Atom-Programm des Iran führen. John Sawers, Chef des britischen MI6, forderte Ende Oktober, dass „geheimdienstliche Operationen“ gegen das iranische Atomprogramm beschleunigt werden müssten.

In der allerersten öffentlichen Rede eines Chefs des britischen Auslands-Spionagedienstes versuchte Sawer ein derartiges Vorgehen zu rechtfertigen und erklärte: „Je länger die internationalen Anstrengungen herauszögern, dass Iran sich Atomwaffentechnologie beschafft, um so mehr Zeit schaffen wir für die Suche nach einer politischen Lösung.“

Shahriari und Abbasi sind keineswegs die ersten iranischen Atomwissenschaftler, die zum Ziel von Mordanschlägen wurden. Im Januar wurde der Atomphysiker Dr. Masoud Ali-Mohammadi bei einem Bombenanschlag in Teheran getötet. Und 2007 starb ein weiterer Atomwissenschaftler, Ardeshir Hosseinpour, laut Meldungen an einer Gasvergiftung. Damals erklärte Stratfor, ein Think Tank mit engen Beziehungen zu amerikanischen Geheimdienstkreisen, der Tod von Hosseinpour trage alle Anzeichen einer Operation des israelischen Geheimdienstes.

Teheran beschuldigt die USA und Israel auch, mehrere verschwundene iranische Wissenschaftler gekidnappt zu haben. Gegner des Regimes in Teheran behaupten, die verschwundenen Wissenschaftler seien übergelaufen.

Diese Sabotage-Kampagne ergänzt die von den USA betriebenen Sanktionen der Vereinigten Staaten und des Westens, die darauf abzielen, Irans Energiesektor von dringend benötigten Investitionen abzuschneiden und sein Bankensystem zu unterminieren sowie den militärischen Druck zu erhöhen. Die USA haben nicht nur eine massive Truppenkonzentration in der Region am Persischen Golf und am Arabischen Meer und in Afghanistan sowie im Irak, die beide an den Iran grenzen, aufgebaut. Die USA und Israel haben auch wiederholt gedroht, einen Krieg zu entfesseln, um Irans nukleare Ambitionen zu vereiteln.

Drei Tage vor dem doppelten Bombenanschlag in Teheran erklärte der Generalstabschef der USA, Admiral Mike Mullen, das Pentagon habe Pläne für Militäraktionen, die den Iran hindern wollen, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen; außerdem habe man sich schon „seit geraumer Zeit“ auf einen Krieg mit Teheran vorbereitet.

Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox schloss sich im Vorfeld der zweitägigen Verhandlungen von letzter Woche in Genf den Drohungen mit militärischen Maßnahmen an. „Wir wollen eine Verhandlungslösung, keine militärische“, erklärte Fox. „Aber Iran muss mit uns zusammenarbeiten, um dieses Ergebnis zu erreichen. Wir werden nicht wegsehen oder nachgeben.“

Der London Telegraph behauptet unverblümt, die Anschläge vom 29. November seien vom israelischen Geheimdienst Mossad organisiert worden.

Am 5. Dezember berichtete der Telegraph, Mitarbeiter im Hauptquartier des Mossad hätten die Nachrichten von den Bombenanschlägen auf die iranischen Atomwissenschaftler gefeiert und sie „den letzten Schlag des Chefs“ genannt – eine Anspielung auf die Tatsache , dass der 29. November der letzte Tag von Meir Dagan als Chef des Mossad war.

Der Mossad ist berüchtigt dafür, ohne Formalitäten vermeintliche Feinde des israelischen Staats hinzurichten. Ein solcher Mord –an dem hohen Hamas-Führer Mahmoud al-Mahbouh – im Februar in Dubai sorgte für einen diplomatischen Skandal, weil das Mordkommando des Mossad eindeutige Spuren hinterlassen hatte, darunter die Verwendung von gefälschten britischen Pässen, um in die Vereinigten Arabischen Emirate ein- und auszureisen.

Aber auch Washington kommt als Organisator der augenblicklichen Mordkampagne in Frage, ob alleine oder in Zusammenarbeit mit dem Mossad und anderen Geheimdiensten.

Unter Barack Obama hat Washington seine Drohnenangriffe auf mutmaßliche al-Qaida- und Taliban-Führer in Pakistan ausgeweitet und nimmt für den Präsidenten das Recht in Anspruch, die Hinrichtung von US-Bürgern anzuordnen, die ohne Gerichtsprozess als Terroristen geführt werden.

In einem Bericht über die Ereignisse vom 29. November lässt die New York Times erkennen, dass das nationale Sicherheits-Establishment der USA die zwei Bombenanschläge gutgeheißen habe. Die Zeitung bestätigt, dass „viele annehmen“, Israel und die USA sabotierten das Atomprogramm des Irans mit verdeckten Methoden. Sie zitiert dann einen nicht namentlich genannten US-Vertreter, der erklärte, die „Ziele dieser Angriffe sind böse Menschen und die Arbeit, die sie machen, ist exakt das, was man braucht, um eine Bombe zu entwickeln“.

Laut der Times berichteten Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde, der Iran habe den Betrieb von Tausenden von Zentrifugen in seiner wichtigsten Uran-Anreicherungs-Anlage unterbrochen. Die Unterbrechung könne das Ergebnis von Sabotage sein. Amerikanische Regierungsvertreter, fügte die Times hinzu, „erklären, die Obama-Regierung habe ein umfassendes verdecktes Programm intensiviert, das sie von der Bush-Regierung übernommen habe, um das Atomprogramm des Irans zu unterminieren.

Im letzten Jahr wurden namentlich nicht genannte US-Geheimagenten in der Times und der Washington Post zitiert, die damit prahlten, dass amerikanische verdeckte Operationen zu Verzögerungen und Störungen des iranischen Atomprogramms geführt hätten. Es wurden zwar keine Details genannt, amerikanische Vertreter behaupten jedoch, dass bei verschiedenen Gelegenheiten Geheimagenten dafür gesorgt hätten, dass Ausrüstung, die Teheran für sein Atomprogramm beschafft hatte, defekt war.

In den letzten Wochen gab es viele Berichte, Irans Atomprogramm sei durch Computerviren gestört worden; die Perfektion der Viren machen es höchst wahrscheinlich, dass sie von einem oder mehreren ausländischen Geheimdiensten entwickelt und eingeschleust wurden.

Der Stuxnet-Virus soll zwei „Sprengköpfe“ enthalten. Der erste sollte heimlich die Kontrolle über die Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage des Iran in Natanz übernehmen. Der zweite hatte die Kontrolle über die Turbine des von Russland gebauten, bald voll funktionsfähigen Atomkraftwerks in Bushehr zum Ziel.

Am 23. November erklärte der Chef der AEOI, Salehi, gegenüber einer iranischen Nachrichtenagentur, das Atomprogramm des Landes sei im letzten Jahr zur Zielscheibe von Internetangriffen geworden; er behauptete allerdings, dass „die jungen Experten des Landes den Virus genau an den Stellen gestoppt haben, an dem die Feinde eindringen wollten“.

Der iranische Präsident Ahmadinedschad erklärte nach den Bombenanschlägen vom 29. November gegenüber Reportern, Saboteure „haben es geschafft, mit einer Software, die sie in elektronischen Teilen installiert hatten, einer begrenzten Anzahl unserer Zentrifugen Probleme zu machen. Sie haben Übles angerichtet. Glücklicherweise haben unsere Experten das entdeckt, und heute können sie das [die Zentrifugen zum Ausfallen bringen] nicht mehr.“

Die amerikanische Kampagne gegen den Iran ist absolut heuchlerisch und reaktionär, voller ernster Gefahren für die Menschen des Nahen Ostens und der gesamten Welt.

Während Washington den Iran als „staatlichen Unterstützer“ des Terrorismus anprangert, weil er die Hamas und die Hisbollah – bürgerliche, nationalistisch-islamistische Bewegungen, die als Reaktion auf die israelische Aggression und Expansion entstanden sind – unterstützt, praktiziert es selber Staatsterrorismus. Die US-Regierung organisiert Morde, Bombenanschläge und Sabotage und maßt sich das Recht an, das in allen Erdteilen tun zu dürfen. Währenddessen agieren die Medien als Komplizen, indem sie diese Verbrechen verschleiern und ihre Opfer verteufeln.

Letzte Woche hat eine überparteiliche Gruppe von US-Senatoren, darunter John McCain, Joseph Lieberman, Jon Kyl, Bob Casey Jr. und Kirsten Gillibrand, einen Brief an Obama geschickt, in dem sie ihn für „das Feuerwerk an Maßnahmen“ beglückwünschen, das seine Regierung gegen den Iran in Gang gesetzt hat. Der Brief beschwört ihn dann, standhaft zu bleiben, und dem Iran das Recht auf ein vollständiges ziviles Atomenergieprogramm zu verweigern – ein Recht das ihm und allen Unterzeichnern des Atomwaffensperrvertrags zusteht.

In ihrer Beziehung zum Iran, wie auf so vielen anderen Gebieten, setzt die Obama-Regierung nicht nur die reaktionäre Politik der Bush-Regierung fort, sondern verschärft sie noch.

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