Wikileaks-Gründer zeigt sich nach der Entlassung aus britischer Haft kämpferisch

Von Patrick Martin
21. Dezember 2010

In mehreren Interviews am Donnerstagabend und Freitagmorgen sagte WikiLeaks Gründer Julian Assange, dass seine Organisation nach den Angriffen schwedischer, britischer und US-amerikanischer Behörden gestärkt aus dem Konflikt hervorgegangen sei und dass die Veröffentlichung von geheimen amerikanischen Diplomaten-Depeschen im Internet fortgesetzt werde.

Assange gab seine Erklärungen innerhalb von 24 Stunden nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis Wandsworth in London ab, einem Gefängnis aus dem viktorianischen Zeitalter, wo er neun Tage aufgrund eines Haftbefehls zur Auslieferung nach Schweden festgehalten wurde. In Schweden wird er aufgrund von erdichteten Anschuldigungen wegen sexueller Übergriffe gesucht.

Im Gespräch mit Journalisten in London am Donnerstagabend nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis bezeichnete Assange die schwedische Untersuchung als "eine Verleumdungskampagne."

"Alle Leiter von Organisationen, die Machenschaften von Großmächten aufdecken und auf großen Widerstand stoßen, werden angegriffen und jeder Aspekt ihres Lebens wird genauestens unter die Lupe genommen", sagte er.

"Das soll nicht heißen, dass ursprünglich geplant war, die Organisation anzugreifen. Dafür haben wir keine Beweise, aber als alles im Gange war, wurde es sehr aggressiv dazu verwendet, um die Organisation anzugreifen."

Er verwies auf das "höhnische Lächeln von Verteidigungsminister Gates, als dieser von meiner Verhaftung hörte und dabei sehr selbstzufrieden aussah."

Assange sagte: "Seit meiner Ankunft in Großbritannien befürchten wir, dass das Auslieferungsverfahren nach Schweden, das in einer sehr seltsamen und ungewöhnlichen Art und Weise betrieben wird, eigentlich ein Versuch ist, mich in ein Land zu überstellen, das meine Auslieferung in die Vereinigten Staaten leichter macht. "

Assange erklärte in einem Landhaus im ländlichen Suffolk, wo er praktisch unter Hausarrest steht, gegenüber Reportern, ein Auslieferungsersuchen der Vereinigten Staaten müsse zunehmend ernst genommen werden und werde immer wahrscheinlicher."

Es gab noch andere Formen von Angriffen, sagte er. Gegen WikiLeaks wird offenbar eine illegale Untersuchung geführt... gewisse Leute, die uns vermeintlich nahestehen, werden inhaftiert, observiert und ihre Computer werden beschlagnahmt und so weiter." Er sagte, dass mehr als 85 Prozent der Zeit und der Ressourcen der Organisation zur Abwehr einer Kombination aus technischen und rechtlichen Angriffen aufgewendet werden müssten.

Die öffentlichen Forderungen in den Vereinigten Staaten, die seine Verhaftung und sogar seine Ermordung forderten, seien "sehr ernst zu nehmen", sagte er. "Die Vereinigten Staaten haben in der letzten Zeit bewiesen, dass sie sich nicht mehr an die Rechtsstaatlichkeit halten. Und der Umgang mit einer Supermacht, die sich nicht um Rechtsstaatlichkeit zu kümmern scheint, ist eine ernste Sache."

In Interviews mit zwei US Frühstücks-Fernsehprogrammen, der Today Show auf NBC und Good Morning America auf ABC, beteuerte Assange leidenschaftlich seine Unschuld betreffend den Anschuldigungen in Schweden und wies darauf hin, dass die schwedischen Behörden nie irgendwelche Beweise gegen ihn vorgelegt hätten, weder vor Gericht, noch gegenüber seinen schwedischen Anwälten.

Er warnte, dass der einzige Zweck der Anschuldigungen sei, eine Grundlage für seine Festnahme und seine Auslieferung an die Vereinigten Staaten zu schaffen, wo möglicherweise ein geheimes Gericht bereits eine Anklageschrift gegen ihn mit dem Vorwurf der Spionagetätigkeit erstellt hat.

"Die ganze verdammte Angelegenheit wird geheim gehalten", sagte er in der Today Show. "Irgendetwas stimmt nicht in den Vereinigten Staaten, wenn eine solche Untersuchung gegen mich und dadurch auch gegen meine Organisation ... im Geheimen durchgeführt wird."

Er äußerte auch Besorgnis über die Behandlung von Bradley Manning, des Gefreiten der US-Armee, der wegen des Verdachts festgehalten wird, mindestens einen Teil des Materials WikiLeaks zugespielt zu haben. (Siehe " Einzelhaft für mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning")

Als ABC Interviewer George Stephanopoulos einen Bericht in der New York Times von vergangenem Freitag zitierte, der darauf hindeutet, dass die US-Regierung Assange anklagen könnte, sich mit Manning verschworen zu haben, gemeinsam militärische und diplomatische Dokumente der USA zu stehlen, antwortete Assange: "Ich hatte den Namen Bradley Manning nie gehört, bevor dieser in der Presse veröffentlicht wurde. Die WikiLeaks-Technologie wurde von Anfang an so entworfen um sicherzustellen, dass wir die Identität oder die Namen der Personen, die uns Material zuspielen, nie wissen. "Dass sei der einzige Weg, um unseren Quellen Schutz garantieren zu können“, sagte er.

Auf die Frage von Stephanopoulos, ob die Anschuldigungen in Schweden das Resultat eines Komplottes seien, sagte Assange: "Es gibt abgefangene SMS-Nachrichten zwischen den beiden Frauen, die, wie ich gehört habe, ein abgekartetes Spiel beweisen, aber die schwedische Polizei hat sich geweigert, die Nachrichten freizugeben." Auf die Frage, ob er mit den beiden Frauen gegen ihren Willen Sex gehabt hätte, antwortete er:" Absolut nicht."

Als die Interviewer auf beiden US-Fernsehsendern darauf verwiesen, dass die WikiLeaks-Veröffentlichungen das Leben von Diplomaten gefährden oder den "Frieden sabotieren" könnten, hielt Assange die Freitagsausgabe des Guardian hoch. Der britischen Zeitung war Zugang zu dem gesamten Fundus an diplomatischen Depeschen gewährt worden. Assange hielt die Zeitung hoch und zitierte aus der Titelstory und begann über die systematische Anwendung von Folter durch die indischen Truppen in Kaschmir vorzulesen.

Er machte klar, dass diese Art der Aufdeckung fortgesetzt werde, und er wies ABC darauf hin, dass bisher nur 2.000 der 250.000 geheimen Botschaften auf der Web Site von WikiLeaks veröffentlicht wurden.

Bei einer Anhörung am Donnerstag im Kongress in Washington sagte ein halbes Dutzend Juristen und Bürgerrechtsanwälte, dass eine Anklage Assanges aufgrund der Spionagegesetze sehr unwahrscheinlich sei, da bisher kein Gericht je einen Journalisten oder einen anderen Empfänger von geheimen Informationen aufgrund dieses Gesetzes verurteilt habe.

Der Kongressabgeordnete John Conyers, scheidender Vorsitzender des Justizausschusses des Repräsentantenhauses, der die Anhörung einberufen hatte, bemerkte nebenbei, dass der neu gewählte Kongress sicherlich eine Neuauflage der Spionagegesetzes (Espionage Act) behandeln werde, wobei er darauf hindeutete, dass wahrscheinlich gesetzgeberische Maßnahmen getroffen würden, um eine neue Grundlage für die Kriminalisierung von WikiLeaks zu schaffen.

Am selben Tag sprach sich Daniel Ellsberg, der 1971 der New York Times die Pentagon Papers zugespielt hatte, auf einer Pressekonferenz in der US-Hauptstadt für die Unterstützung von Assange und Bradley Manning aus. Der 79-jährige Ellsberg, nannte Manning einen "Bruder", der, sofern er die Dokumente WikiLeaks zugespielt habe, "eine sehr bewundernswerte Tat" ausgeführt habe.

Er sagte, die Aktionen von Manning und Assange rechtfertigten genauso wenig eine Strafverfolgung, wie das Vorgehen der Times bei der Veröffentlichung der Pentagon Papers oder das Vorgehen der Washington Post bei ihrer Aufdeckung der Watergate-Verschwörung.

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