Ein großer Fortschritt für die pakistanische und internationale Arbeiterklasse

27. Januar 2011

Die World Socialist Web Site beginnt heute mit der Veröffentlichung einer Erklärung von Marxist Voice (Marxistische Stimme), einer pakistanischen Gruppe, die ihre politische Übereinstimmung mit den Perspektiven des Internationalen Komitees der Vierten Internationale erklärt hat und das IKVI als Weltpartei der sozialistischen Revolution aufbauen will.

Wir begrüßen diese Erklärung sehr. Sie ist ein wichtiger Fortschritt in der Ausarbeitung einer revolutionären Perspektive und weist auf eine politische Entwicklung in der Arbeiterklasse in Pakistan hin.

Die bürgerliche Herrschaft hat völlig versagt, die demokratischen und sozialen Hoffnungen der Arbeiter und Unterdrückten Südasiens zu erfüllen. Vor sechzig Jahren haben sich die aufstrebenden Bourgeoisien Indiens und Pakistans mit dem britischen Imperialismus zusammengetan, um die antiimperialistische Revolution zu unterdrücken und den Subkontinent nach kommunalistischen Gesichtspunkten aufzuteilen. Heute, sechzig Jahre danach, weist die Bevölkerung Südasiens den weltweit höchsten Anteil an unterernährten und verarmten Menschen auf.

Die gegenwärtige Regierung unter Führung der Pakistan Peoples Party (PPP) setzt im Auftrag des Internationalen Währungsfonds brutale Sparmaßnahmen gegen die Bevölkerung durch. Darin unterscheidet sie sich nicht von ihrer Vorgängerin, der Militärdiktatur unter General Pervez Musharraf. Der hoch gelobte Aufstieg Indiens, die Entstehung indischer transnationaler Unternehmen und einer kleinen Gruppe indischer Milliardäre gehen auf Kosten der Verelendung großer Teile der Landbevölkerung und der brutalen Ausbeutung der Arbeiterklasse.

Weil die indische und die pakistanische Bourgeoisie unfähig sind, eine progressive Lösung für die Probleme der Massen zu bieten, versuchen sie, von den sozialen Spannungen abzulenken, indem sie reaktionäre, staatliche Rivalität anheizen und religiös-kommunalistische, national-ethnische und Kastenspaltungen schüren.

Islamabad und Neu Delhi bemühen sich beide um die Gunst Washingtons.

Alle Teile der pakistanischen Bourgeoisie – von den islamisch fundamentalistischen Parteien bis hin zur Pakistan Peoples Party – arbeiten sklavisch mit dem US-Imperialismus bei seinem Krieg in Afghanistan zusammen. Sie billigen sogar die Drohnen-Angriffe in Pakistan, die schon Hunderte Zivilisten getötet haben, und den Einsatz des pakistanischen Militärs zur Unterdrückung von Taliban-freundlichen Milizen in dem paschtunischen Stammesgürtel. Demokratische Rechte und das Leben von Zivilisten spielen dabei keine Rolle.

Inzwischen passt sich Indien, der frühere Hauptvertreter der Blockfreiheit, immer stärker an Washingtons Pläne an, China einzudämmen, und akzeptiert bei seinem Aufstieg zur Weltmacht die Unterstützung der USA.

Die Erklärung von Marxist Voice bezeugt, dass die klassenbewusstesten Arbeiter und sozialistischen Jugendlichen und Intellektuellen in Asien die Notwendigkeit erkennen, eine marxistische Perspektive durch die Hinwendung zum Trotzkismus wiederzubeleben.

Seit Jahrzehnten wurde die Arbeiterklasse Südasiens von stalinistischen Parteien politisch unterdrückt. Die Stalinisten haben die Arbeiterklasse systematisch dem einen oder anderen Teil der nationalen Bourgeoisie untergeordnet. Sie haben das damit begründet, dass die ungelösten Probleme der demokratischen Revolution nur durch eine, von der Bourgeoisie geführte, „nationale" Revolution gelöst werden könnten: Diese ungelösten Probleme sind die Abschaffung des Großgrundbesitzes, das Kastenwesen und die Schaffung wirklicher Gleichheit unter den zahllosen Völkern des Subkontinents.

Auf der Grundlage eines Studiums der wichtigsten strategischen Erfahrungen der Arbeiterklasse Südasiens und der Lehren der politischen Kämpfe des IKVI zeigt die Erklärung von Marxist Voice, dass pakistanische Arbeiter ihre Kämpfe auf die Strategie der permanenten Revolution stützen müssen.

"Die Aufgaben der demokratischen Revolution", erklärt Marxist Voice, „werden in Pakistan und Südasien nicht von der Bourgeoisie erfüllt, auch nicht im Bündnis mit ihr oder mit Teilen von ihr, sondern nur im revolutionären Kämpf gegen die Bourgeoisie und die kapitalistische Ordnung. Die Arbeiterklasse wird nur dann als Befreier der unterdrückten Massen auftreten und ein revolutionäres Bündnis der Arbeiter und Bauern führen können, wenn sie unablässig dafür kämpft, die Massen vom politischen Einfluss der Bourgeoisie zu befreien. Sie muss die Unterordnung der Bourgeoisie unter den Imperialismus entlarven. Sie muss ihre Gleichgültigkeit gegenüber den sozialen und demokratischen Bestrebungen der Massen aufzeigen und ihr korruptes Streben nach den eigenen Klasseninteressen entlarven. Eine Arbeiter- und Bauernregierung wird revolutionäre demokratische Maßnahmen, vor allem eine radikale Umgestaltung der Klassenbeziehungen auf dem Land, mit der Enteignung der Wirtschaft und anderen sozialistischen Maßnahmen verbinden. Ins Zentrum ihrer Strategie wird sie den Kampf für die Mobilisierung der Weltarbeiterklasse zur Abschaffung des Kapitalismus stellen."

Die Erklärung von Marxist Voice weist alle Formen von Nationalismus und nationalistischer und kommunalistischer Politik zurück, so auch die reaktionäre kommunalistische Ideologie, die der Spaltung Indiens und der Existenz der rivalisierenden Staaten Indien und Pakistan zu Grunde liegt. Auch die Kräfte, die Pakistan nach nationalen und ethnischen Gesichtspunkten aufspalten wollen, weist sie entschieden zurück.

Sie verurteilt Islamismus und die reaktionäre Politik des Terrorismus, und sie bezeichnet als eine zentrale Aufgabe die unabhängige politische Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen den AfPak-Krieg und für die Zerschlagung der militärisch-strategischen Allianz zwischen Islamabad und Washington.

Nicht zuletzt betont Marxist Voice in ihrer Erklärung die hohe Bedeutung des unversöhnlichen Kampfs des IKVI gegen den pablistischen Opportunismus, auf den sich der Aufbau einer revolutionären Partei in Pakistan stützen muss. Sie gibt einen kurzen aber lehrreichen Überblick über den politischen Schaden, den die Gruppe The Struggle (von der International Marxist Tendency), die Labour Party of Pakistan (die mit der französischen Neuen Antikapitalistischen Partei verbündet ist) und andere pablistische Gruppen angerichtet haben. Diese Gruppen bewegen sich alle mehr oder weniger im Dunstkreis der bürgerlichen Pakistan Peoples Party, verschiedener ethnisch-nationalistischer Bewegungen, der Gewerkschaften und von NGOs, die dem Weltsozialforum angeschlossen sind.

Die WSWS appelliert an unsere Leser in Pakistan, Südasien und in aller Welt, die Erklärung von Marxist Voice sorgfältig zu studieren und an einer Diskussion über die Perspektiven und das Programm teilzunehmen, die den Aufbau einer revolutionären sozialistischen Partei der pakistanischen Arbeiterklasse anleiten werden.

Keith Jones

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