CIA-Kommandeur für libysche Rebellen

Von Patrick Martin
30. März 2011

Der libysche Nationalrat in Bengasi, der für die Rebellen spricht, die gegen das Gaddafi-Regime kämpfen, hat einen langjährigen Mitarbeiter der CIA an die Spitze seiner militärischen Operationen gestellt. Die Ernennung von Khalifa Hifter, eines ehemaligen Obersten der libyschen Armee, wurde am Donnerstag von der McClatchy-Zeitungsgruppe berichtet. Der neue Militärchef wurde am Sonntagabend von ABC News interviewt.

Der erste Bericht von der Ankunft Hifters in Bengasi fand sich am 14. März auf Al-Dschasira. Ihm folgte am 19. März ein schmeichelhaftes Portrait in dem britischen Boulevardblatt Daily Mail, das den Krieg glühend befürwortet. Die Daily Mail beschrieb Hifter als einen „der beiden militärischen Größen der Revolution“. Er sei „kürzlich aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrt, um den Bodentruppen der Rebellen eine gewisse taktische Geschlossenheit zu geben“. Die Zeitung erwähnte seine CIA-Verbindungen nicht.

Die McClatchy-Gruppe veröffentlichte am Sonntag eine Kurzbiografie Hifters. Unter der Überschrift „Neuer Rebellenführer verbrachte den größten Teil der letzten zwanzig Jahre in einer Gemeinde Virginias“ berichtet der Artikel, dass er früher ein führender Kommandeur des Gaddafi-Regimes gewesen sei, bis zu „einem verheerenden militärischen Abenteuer im Tschad in den späten 1980er Jahren“.

Hifter wechselte dann zur Opposition gegen Gaddafi und emigrierte schließlich in die USA, wo er bis vor zwei Wochen lebte, als er nach Libyen zurückkehrte, um das Kommando in Bengasi zu übernehmen.

Die McClatchy-Kurzbiografie schließt: „Seit seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten in den frühen 1990er Jahren lebte Hifter in einer Gemeinde Virginias vor den Toren von Washington, DC.“ Sie zitiert einen Freund: „[Er] sagte, er wisse eigentlich nicht genau, womit sich Hifter über Wasser gehalten habe. Hifter sei hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, für seine große Familie zu sorgen.“

Wer zwischen den Zeilen lesen kann, erkennt unschwer den kaum verhüllten Hinweis auf Hifters Rolle als CIA-Mitarbeiter. Wie anders konnte ein ehemals hoher libyscher Militärführer Anfang der 1990er Jahre in die Vereinigten Staaten einreisen und sich nahe der amerikanischen Hauptstadt niederlassen, und das wenige Jahre nach dem Lockerbie-Anschlag, wenn nicht mit Erlaubnis und aktiver Unterstützung der amerikanischen Geheimdienste? Hifter lebte genau genommen zwei Jahrzehnte lang in Vienna, Virginia, ungefähr acht Kilometer von der CIA-Zentrale in Langley entfernt.

Der Geheimdienst war über Hifters militärische und politische Arbeit sehr gut informiert. Ein Artikel der Washington Post vom 26. März 1996 berichtet über eine bewaffnete Rebellion gegen Gaddafi in Libyen und nutzt eine abweichende Schreibweise seines Namens. Der Artikel beruft sich auf Augenzeugen der Rebellion, die berichten, dass „ihr Führer Oberst Khalifa Haftar ist, Chef einer Gruppe nach Art der Contras, ansässig in den Vereinigten Staaten, die sich libysche Nationalarmee nennt“.

Der Vergleich bezieht sich auf die terroristischen Kräfte der „Contras“, die in den 1980er Jahren von der amerikanischen Regierung gegen die Regierung der Sandinisten in Nicaragua finanziert und bewaffnet wurden. Teil des Iran-Contra-Skandals, der 1986-87 die Reagan-Regierung erschütterte, war auch die Aufdeckung illegaler amerikanischer Waffenverkäufe an den Iran, mit deren Erlösen die Contras finanziert wurden, unter Missachtung eines Verbots des Kongresses. Die Demokraten im Kongress vertuschten den Skandal, und als Forderungen nach einem Amtsenthebungsverfahren gegen Reagan aufkamen, weil er die offenkundig illegalen Aktivitäten einer Verschwörergruppe ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und Berater des Weißen Hauses unterstützt hatte, wiesen sie sie zurück.

Das von Le Monde diplomatique 2001 veröffentlichte Buch Manipulations africaines verfolgt die CIA-Verbindung sogar noch weiter, bis zum Jahr 1987 zurück. Es berichtet, dass Hifter, damals Oberst in Gaddafis Armee, bei Kämpfen in einer von Libyen unterstützten Rebellion im Tschad gegen die von den USA unterstützte Regierung von Hissène Habré gefangen genommen worden sei. Er lief damals zur Libyschen Nationalen Rettungsfront (Libyan National Salvation Front, LNSF) über, der wichtigsten Anti-Gaddafi-Gruppe, die von der CIA unterstützt wurde. Er organisierte seine eigene Miliz, die im Tschad operierte, bis Habré 1990 von einem von Frankreich unterstützten Rivalen, Idriss Deby, gestürzt wurde.

Diesem Buch zufolge, „löste sich die von der CIA im Tschad geschaffene und finanzierte Haftar-Truppe mit Hilfe der CIA in Luft auf, kurz nachdem die Regierung von Idriss Deby gestürzt worden war“. Das Buch beruft sich auch auf einen Bericht des Forschungsdienstes des Kongresses vom 19. Dezember 1996. Darin heißt es, dass die US-Regierung die LNSF mit Finanzen und militärischer Hilfe unterstützt habe und dass einige LNSF-Mitglieder in die Vereinigten Staaten übersiedelt worden seien.

Diese Informationen stehen jedem zur Verfügung, der auch nur eine flüchtige Internet-Recherche startet. Aber die von den Konzernen gelenkten Medien in den Vereinigten Staaten berichten nicht darüber, außer in der Meldung von McClatchy, die aber jeden Hinweis auf die CIA ausklammert. Keiner der Fernsehkanäle, die sich förmlich überschlagen, die „Freiheitskämpfer“ Ostlibyens zu loben, macht sich die Mühe, zu berichten, dass diese Kräfte jetzt von einem langjährigen Mitarbeiter der amerikanischen Geheimdienste kommandiert werden.

Auch die liberalen und „linken“ Anhänger des amerikanisch-europäischen Eingreifens in Libyen übergehen die Information vollkommen. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, die Obama-Regierung für ihr multilaterales und „konsultatives“ Herangehen an den Krieg zu loben. Dieses hebe sich angeblich so wohltuend von der unilateralen „Cowboy“-Methode der Bush-Regierung im Irak ab. Dass das Resultat das gleiche ist – Tod und Zerstörung, die über die Bevölkerung hereinbrechen, und das Herumtrampeln auf der Souveränität und Unabhängigkeit eines ehemaligen Koloniallandes – bedeutet diesen Verteidigern des Imperialismus nichts.

Die Rolle Hifters, die vor fünfzehn Jahren so passend als die des Führers einer „Contra-ähnlichen Gruppe“ beschrieben wurde, demonstriert die wirklichen Klassenkräfte, die in der libyschen Tragödie wirksam sind. Was immer an authentischer Opposition der Bevölkerung in der anfänglichen Revolte gegen die korrupte Diktatur Gaddafis zum Ausdruck gekommen ist, inzwischen wird die Revolte vom Imperialismus für seine Zwecke benutzt.

Die amerikanische und europäische Intervention in Libyen verfolgt nicht das Ziel, dem Land „Demokratie“ und „Freiheit“ zu bringen, sondern Strohmänner des CIA an die Macht zu bringen. Sie werden genauso brutal herrschen wie Gaddafi, und sie werden den imperialistischen Mächten erlauben, die Ölvorkommen des Landes zu plündern und das Land als Operationsbasis gegen die Volksaufstände zu nutzen, die den Nahen Osten und Nordafrika erfasst haben.

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