Gastvortrag von Prof. Alexander Rabinowitch in Wien

Die Sowjetmacht – Das erste Jahr

27. April 2011

Der amerikanische Historiker Alexander Rabinowitch wird am 6. Juni in Wien sein Buch „Die Sowjetmacht – Das erste Jahr“ vorstellen. Eingeladen haben das Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien in Zusammenarbeit mit der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und dem Mehring Verlag, der die deutsche Ausgabe des Buches herausgebracht hat.

Alexander Rabinowitch gehört zu den weltweit führenden Experten der Geschichte der Russischen Revolution. Einer russischen Emigrantenfamilie entstammend, lernte er in seinem Elternhaus historische Figuren kennen wie den letzten Ministerpräsidenten der Provisorischen Regierung, Alexander Kerenski, und den Führer der Menschewiki, Irakli Zereteli, die beide der Bolschewistischen Partei feindselig gegenüberstanden. Seitdem ging Alexander Rabinowitch der Frage nach: Was war die Russische Revolution wirklich – ein Putsch oder eine siegreiche Massenerhebung? Drei umfangreiche wissenschaftliche Werke widmete er dieser Frage. Sein Klassiker „The Bolsheviks Come to Power“ (1976) ist ein Standardwerk.

„Die Sowjetmacht – Das erste Jahr“ ist das Ergebnis einer sich über mehr als drei Jahrzehnte erstreckenden Forschung, die seit 1991 die Archive der ehemaligen sowjetischen Partei und Regierung und seit 1993 auch die des KGB einschloss.

Vier Themenbereiche stehen im Zentrum:

Wie sein Gesamtwerk zeichnet sich auch diese Arbeit von Alexander Rabinowitch dadurch aus, dass sie eine Fülle von Archivmaterial und anderen Quellen mit größter Sorgfalt erschließt und auswertet. Das macht ihren hohen wissenschaftlichen Wert aus. Hinzu kommt, dass er der leider fast ausgestorbenen Hohen Schule der narrativen Geschichtsschreibung angehört, welche die gewonnenen Erkenntnisse in einem sehr anschaulichen, verständlichen Erzählstil darlegt.

Sein reichhaltiges dokumentarisches Belegmaterial und seine daraus abgeleiteten Thesen untergraben die Interpretationskonzepte, wonach die Oktoberrevolution nichts weiter war als der Putsch einer kleinen Bande revolutionärer Verschwörer unter der Führung von Lenin und Trotzki. Im Vorwort seines jüngsten Buches heißt es:

„Ich kam zu dem Ergebnis, dass die Oktoberrevolution in Petrograd weniger eine militärische Operation war, sondern eher ein allmählicher Prozess auf dem Boden einer in der Bevölkerung tief verwurzelten politischen Kultur sowie einer weit verbreiteten Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Februarrevolution, kombiniert mit der unwiderstehlichen Anziehungskraft der Versprechen der Bolschewiki – sofortiger Friede, Brot, Land für die Bauern und Basisdemokratie durch Mehrparteiensowjets.

Diese Interpretation warf allerdings ebenso viele Fragen auf, wie sie beantwortete. Wenn der Erfolg der bolschewistischen Partei 1917, soviel schien klar, wenigstens zum Teil ihrem offenen, relativ demokratischen und dezentralisierten Charakter und Handeln zu verdanken war, wie war dann zu erklären, dass sich diese Partei so schnell in eine der am stärksten zentralisierten und autoritärsten politischen Organisationen der Neuzeit verwandelte?“

Vortrag und Podiumsdiskussion

Montag 6. Juni 2011, 18:00 – 21:00

Aula am Campus, Spitalgasse 2-4, Hof 1, Eingang 1.11, 1090 Wien

Dem Vortrag schließt sich eine Podiumsdiskussion mit Univ.-Doz. Dr. Finbarr McLoughlin vom Institut für Geschichte und Prof. Rabinowitch an, in der auch Fragen von Zuhörern beantwortet werden.

Dr. McLoughlin ist ein ausgewiesener Kenner der Geschichte der Sowjetunion, bekannt vor allem durch seine Forschungsarbeiten zum stalinistischen Terror der 30er Jahre und dessen Opfer unter den Mitgliedern der Kommunistischen und Sozialdemokratischen Partei Österreichs und anderer Länder Europas.

Im Anschluss gibt es ein kleines Buffet mit Getränken.

Buchpräsentation und Diskussion

Dienstag 7. Juni 2011, 19:00 Uhr – 22:00 Uhr

Lhotzkys Literaturbuffet, Taborstraße 28, Wien. Eingang Rotensterngasse

In Lhotzkys Literaturbuffet ist Gelegenheit, mit Alexander Rabinowitch persönlich zu diskutieren, einige Fragen mit ihm im kleineren Kreis zu vertiefen und seine Bücher signieren zu lassen. Lhotzkys Literaturbuffet hat die Bücher des Mehring Verlags wie zum Beispiel die Trotzki-Bibliothek vorrätig und vertreibt sie in Österreich.

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