Managergehälter und Gewinne sind 2010 rasant angestiegen

Von Elisabeth Zimmermann
13. April 2011

Die Vorstandsgehälter in den 30 größten deutschen Konzernen sind 2010 um 18 Prozent gestiegen. Durchschnittlich erhielten die Vorstandsmitglieder der Dax-Konzerne 2,7 Millionen Euro Jahresgehalt.

Spitzenverdiener sind die Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank mit durchschnittlich 4,92 Millionen Euro, gefolgt von den Topmanagern von Siemens mit 4,89, VW mit 4,58 und Daimler mit 4,39 Millionen Euro Jahresgehalt. Diese Zahlen gehen aus einer Untersuchung der Welt am Sonntag von Anfang April hervor.

Bereits Mitte März hatte die Frankfurter Rundschau eine Rangordnung der bestbezahlten Vorstandschefs der Dax-Konzerne veröffentlicht. Sie wird von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn angeführt. Er erhielt 2010 ein Jahresgehalt von 9,3 Millionen Euro, 41 Prozent mehr als 2009.

Ihm folgen Siemens-Chef Peter Löscher und Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann mit jeweils 9 Millionen Euro, Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 8,8 Millionen, RWE-Chef Jürgen Grossmann mit 8,7 Millionen und Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit 8 Millionen Euro. Den höchsten Einkommenszuwachs erzielte Daimler-Chef Zetsche, dessen Gehalt sich mit 105 Prozent mehr als verdoppelte.

Auch die Vorstandsvorsitzenden des Chemiekonzerns BASF, des Sportartikelherstellers Adidas und des Autokonzerns BMW erzielten Jahreseinkommen zwischen 4,3 und 5,4 Millionen Euro und Zuwächse um die 60 Prozent.

Im Vergleich dazu gehören die Vorstandsmitglieder von Beiersdorf mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 864.000 Euro und die Vorstände der Commerzbank, deren Gehälter wegen der Teilverstaatlichung 500.000 Euro nicht übersteigen durften, zu den Niedrigverdienern. Der Vorstand der Commerzbank will aber die Deckelung seiner Gehälter in Kürze wieder aufheben, indem er die staatlichen Einlagen in Milliardenhöhe zur Rettung der Bank schneller als geplant zurück zahlt.

Bei anderen Unternehmen wie Lufthansa, Infineon und ThyssenKrupp, die 2009 von der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise besonders schwer betroffenen waren, haben sich die Bezüge der Vorstandsmitglieder im Durchschnitt mehr als verdoppelt, bei dem Maschinenbaukonzern MAN sogar verdreifacht.

Erwähnenswert ist auch das Jahreseinkommen von Mathias Döpfner, des Vorstandschefs des Axel-Springer-Konzerns, der im M-Dax gelistet ist. Seine Bezüge für 2010 werden auf gut 10 Millionen Euro geschätzt.

Auch die meisten Aktionäre der Dax-Konzerne dürfen sich über einen wahren Geldregen freuen. Die Dividendenauszahlungen wurden kräftig erhöht. Die Gesamtsumme erreicht fast Vorkrisen-Niveau. Insgesamt zahlen die Dax-Konzerne für das vergangene Geschäftsjahr 25,6 Milliarden Euro an Dividende aus. Laut Berechnung des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young ist das eine Steigerung um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Löhne und Gehälter von Arbeitern und Angestellten stagnieren dagegen seit mehreren Jahren und sinken sogar teilweise. Wenn es überhaupt Lohnerhöhungen gibt, gleichen sie meistens nicht einmal die gestiegenen Lebenshaltungskosten aus. Jugendliche Schul- und Universitätsabgänger müssen sich meist mit prekären Arbeitsverhältnissen begnügen, die zum Leben kaum ausreichen. Und trotz des rasanten Anstiegs der Gewinne werden in etlichen Dax-Konzernen Arbeitsplätze abgebaut und weitere Umstrukturierungen vorbereitet.

Dieselbe Entwicklung findet im internationalen Maßstab statt. Seit Jahren werden Einkommen und Vermögen von unten nach oben umverteilt. Die schwerste Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft seit den 1930er Jahren hat diesen Prozess extrem beschleunigt. Nachdem die Regierungen die Banken weltweit mit Hunderten Milliarden Steuergeldern vor dem Zusammenbruch gerettet haben, wird dieses Geld jetzt durch massive Kürzungsprogramme und Angriffe auf die Arbeiterklasse wieder hereingeholt.

Die Hauptverantwortung für diese Entwicklung tragen die Gewerkschaften, die die Angriffe auf die Arbeiterklasse mit organisiert und jeden systematischen Widerstand dagegen unterdrückt haben.

In Deutschland wurden die Lohnabschlüsse in den letzten zehn Jahren mit aktiver Unterstützung der Gewerkschaften niedrig gehalten. Verbunden mit längeren Laufzeiten glichen sie oft nicht einmal die Inflationsrate aus. Die gleichen Gewerkschaftsführer, die den Arbeitern Lohnverzicht und Mäßigung verordneten, stimmten in den Aufsichtsratsgremien der großen Konzerne den gigantischen Einkommenssteigerungen für die Vorstände zu, von denen sie als Mitglieder im Aufsichtsrat auch selbst profitieren.

Durch das Krisenjahr 2009 konnten sich viele deutsche Unternehmen dann durch die Entlassung von Leiharbeitern sowie den massiven Einsatz von Kurzarbeit, bezahlt durch Einkommensverluste der Beschäftigten und durch Steuergelder, retten. Beides wurde von den Gewerkschaften unterstützt.

Als die Konjunktur in einigen Teilen der Welt wieder anzog, stiegen die Aufträge teilweise steil an, weil Lager, die vorher leer geräumt worden waren, wieder aufgefüllt werden mussten. Viele Unternehmen profitierten von der hohen Nachfrage in China und anderen Ländern.

So konnte der Münchner Autokonzern BMW seinen Gewinn um das Fünfzehnfache von 210 Millionen auf 3,2 Milliarden Euro steigern. Insgesamt verkaufte er 1,46 Millionen Autos. Das waren 14 Prozent mehr als 2009. Vor allem in China konnte BMW den Absatz um 85 Prozent steigern.

Auch VW, der größte Autokonzern Europas, steigerte seinen Nettogewinn im letzten Jahr auf 7,2 Milliarden Euro, acht Mal so viel wie im Vorjahr, während der Absatz nur um 14 Prozent auf 7,2 Millionen Autos anstieg.

Die hohen Gewinne sind ein Ergebnis der Milliardensummen, die die Bundesregierung in Bankenrettungspakete und Konjunkturprogramme gesteckt hat. Ein Analyst der Investmentbank Macquarie, zitiert von der Berliner Zeitung, gelangt zum Schluss: „Ein Stück weit ist es so, dass Steuergeld in die Gewinne der Unternehmen geleitet wird.“ Doch während die Gewinne in die Taschen der Vorstandsmitglieder und Aktionäre fließen, werden die Löcher in den öffentlichen Kassen auf Kosten der Allgemeinheit gestopft.

Derselbe Artikel der Berliner Zeitung weist darauf hin, dass die Gewinnquote in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen ist, von 27 Prozent im Jahr 1980 auf 34 Prozent im Jahr 2010. Die Gewinnquote drückt aus, wie hoch der Anteil der Unternehmens- und Vermögensgewinne am gesamten Volkseinkommen ist. Der Rest fließt in Löhne und Gehälter.

Die Zeitung gelangt zum Schluss: „Nach den Gewinnschätzungen der Firmen zu urteilen wächst der Teil des Kuchens, den Firmen, deren Besitzer und Führungspersonal sowie Vermögende erhalten, noch weiter an.“

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahrzehnten die Umverteilung des gesellschaftlichen Vermögens von unten nach oben kräftig gefördert. Vor allem die rot-grüne Bundesregierung von Gerhard Schröder und Joschka Fischer (1998 – 2005) leistete in dieser Hinsicht Pionierarbeit. Sie senkte die Steuern für Unternehmen und Vermögende drastisch und griff mit den Hartz-Reformen gleichzeitig die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse an. Sie sorgte dafür, dass ein riesiger Niedriglohnbereich entstand, der auch wachsenden Druck auf die Löhne und Gehälter von fest angestellten Arbeitern und Angestellten ausübt.

Die soziale Ungleichheit hat weltweit dramatische Formen angenommen. Die aktuelle Forbes-Liste führt inzwischen weltweit 1.210 Dollar-Milliardäre auf, so viele wie noch nie zuvor. Ein Dax-Vorstand mit einem Jahreseinkommen von 9 Millionen Euro verdient 300 Mal so viel wie ein Arbeiter mit einem jährlichen Durchschnittseinkommen von 30.000 Euro.

Viele Einkommen für harte und verantwortungsvolle Arbeiten liegen sogar noch weit niedriger. So verdient ein Lokführer bei der Deutschen Bahn AG im Durchschnitt 2.700 Euro brutto im Monat, bei einer Privatbahn sogar nur 1.900 Euro, d.h. weniger als 23.000 Euro im Jahr. Trotzdem wurden die Lokführer der GdL von der Gewerkschaft Verdi und von den Medien heftig angegriffen, als sie für höhere Löhne streikten.

Angestellte Lehrer, die im Rahmen der letzten Tarifrunde für eine Anpassung ihrer Gehälter an die ihrer verbeamteten Kollegen kämpften, erhalten trotz Studiums nur 2.600 Euro Einstiegsgehalt. Sie wurden von den Gewerkschaften Verdi und GEW ausverkauft.

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