Arthur Ransome und die bolschewistische Revolution

Teil 2

Von Dave Hyland
15. Juli 2011

Als Ransome 1913 nach Russland aufbrach, war er bereits ein vielversprechender Literaturkritiker und hatte zahlreiche Essays sowie drei Bücher publiziert. Die beiden zuletzt erschienenen, über Edgar Allan Poe und Oscar Wilde, wurden ins Französische und Russische übersetzt.

Gemäß einem seiner Biographen erhielt das Buch über Poe „bessere Kritiken als es nach Meinung seines Autors verdiente“ (Brogan, 1984, S. 69).

Der einzige bescheidene Anspruch hinsichtlich des Buches, den er selbst formulierte, war: „Ich hatte zumindest einige Theorien und seine bewusst gewählte Schreibtechnik in den Geschichten untersucht…es lieferte erstmals eine detaillierte Darstellung der seltsamen Stellung, die Poe in Frankreich gewonnen hatte und die beinahe der eines französischen Autors gleichkam.“ (ebd.)

Ransome hatte beabsichtigt, in seinem nächsten Buch Hazlitt zu behandeln, da er etwas Besonderes zu schreiben wünschte, allerdings hielt sein Verleger, Methuen, dies nicht für einen kommerziell lohnenden Vorschlag. Stattdessen schrieb er als nächstes Buch einen kritischen Essay über Oscar Wilde.

Sobald das Buch im Jahr 1913 erschienen war, wurde Ransome in Streitigkeiten hineingezogen – zunächst über Beanstandungen von Freunden der Ehefrau Wildes über die Darstellung derselben. Dann wurde er von Lord Alfred Douglas, Wildes früherem Liebhaber, wegen Verleumdung verklagt. Die Lesungen vor Gericht von Teilen aus Wildes De Profundis, die eine verheerende Bloßstellung des Charakters des jüngeren Mannes waren, haben Douglas‘ Klage vollständig vernichtet.

Doch trotz des Sieges vor Gericht bestand Ransome darauf, dass die Herausgeber die beleidigenden Passagen aus dem Buch nahmen. Obwohl das Buch wiederum wärmste Aufnahme bei den Rezensenten fand, hinterließ die gesamte Angelegenheit bei Ransome Verletzungen und eine tiefe Abneigung gegenüber öffentlichen Streitigkeiten und damit verbundener Aufmerksamkeit. Auch seine Gesundheitsprobleme wurden durch diese Angelegenheit verstärkt. Er beabsichtigte sein viertes Werk über Robert Louis Stevenson zu schreiben, aber es wurde niemals verwirklicht.

Die Verleumdungsklage um das Wilde-Buch erwies sich als reinigend in dem Sinne, dass sie die Angelegenheit mit Ivy auf die Spitze trieb. In seinen eigenen Worten „entfloh“ Ransome nach St. Petersburg, wo er seine Arbeit fortsetzen konnte und russische Kindermärchen übersetzte, seine umgangssprachlichen Russischkenntnisse weiterentwickelte und seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Angeln, nachging.

Ransome kehrte noch zweimal nach Russland zurück um Old Peter’s Russian Tales, The Elixir of Life und einen Auftrag zu einem Reiseführer für Moskau fertig zu stellen. Über zwei Monate lang genoss er den Blick auf die schönen Baulichkeiten der Stadt und das Wiedersehen mit alten Freunden sowie Bekanntschaften mit neuen.

Unter diesen war auch die Familie Tyrkow, deren Oberhaupt Arkadi Wladimirowitsch Tyrkow der Schwager eines Londoner Freundes von Ransome war. Als junger Student war er im Jahr 1881 Mitglied einer revolutionären Gruppe, die die Ermordung des Zaren Alexander II. plante und ausführte. Verhaftet und nach Sibirien verbannt, wo er heiratete, wurde Arkadi nach 20 Jahren freigelassen und kehrte heim.

Erfahrungen wie diese verhalfen Ransome zu seiner Russophilie und sie müssen ihren Teil dazu beigetragen haben, seine teilnehmende Haltung gegenüber Russland zu entwickeln.

Im August 1914 wurde dieses angenehme Zwischenspiel durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Unter den Millionen, die einen grausamen Tod sterben mussten, waren auch Ransomes Bruder Geoffrey und einer seiner besten Freunde, Thomas Edwards, einer der führenden „Kriegsdichter“. Massenstreiks der sich in Erwerbslosigkeit wiederfindenden Arbeiter folgten dem Waffenstillstand von 1918. Auch diese müssen Ransomes Standpunkt zu den Entwicklungen in Russland geprägt haben, vielleicht waren sie sogar das ausschlaggebende Element in seinem entschiedenen Willen, die Entstehung des ersten Arbeiterstaats der Welt zu verstehen.

Chambers versucht die Tatsache herunterzuspielen, dass Ransome bereits eine seriöse und angesehene literarische Persönlichkeit war, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Da er aufgrund verschiedener körperlicher Gebrechen nicht eingezogen wurde, hielt Ransome Ausschau nach Möglichkeiten, die britischen Kriegsanstrengungen zu unterstützen. Im Jahr 1915 erkrankte der Petrograder Korrespondent der Daily News an locomotor ataxia (Verlust der Kontrolle über die Körperbewegungen). Nachdem er ihn eine Weile vertreten hatte, wurde Ransome – als klar wurde, dass der Reporter nicht wieder arbeiten könnte – gefragt, ob er die Stelle dauerhaft übernehmen wolle. Er nahm an unter der Bedingung, dass er mindestens einmal pro Jahr nach Hause fahren könnte (Ransome, 1976, S. 185).

Er war niemals Journalist, sondern Romanautor, Essayist und ein wunderbarer Briefschreiber. Aber er konnte jetzt Russisch verstehen und sprechen, hatte aufgrund früherer Forschungsarbeit für seine Bücher Kontakte im Lande und Cousins in der gehobenen britischen Beamtenschaft. Es muss für die Daily News so etwas wie ein Coup und für ihre Leser aufregend gewesen sein, den berühmten Autor der Wilde-Biographie als russischen Korrespondenten zu haben.

Es gibt kaum Zweifel daran, dass Ransome, als er im Oktober 1915 England verließ und nach St. Petersburg aufbrach, die Absicht hatte, sein Bestes im „nationalen Interesse“ zu leisten. Das große Problem für die ranghohen Bürokraten im Londoner Regierungsviertel Whitehall und dem Britischen Geheimdienst war, dass er ebenso entschlossen war, über die Ereignisse, die er beobachtete, vollkommen ehrlich zu berichten.

Ransome war von 1914 bis 1918 längere Zeit in Russland. In dieser Zeit erlitt das Land zahlreiche militärische Rückschläge und er sah die Romanow-Dynastie stürzen. Er beobachtete die Februarrevolution 1917 sowie die wachsende Opposition zu Premierminister Alexander Kerenski und der Provisorischen Regierung, zu welcher er ebenfalls eine kritische Haltung entwickelte. Als die Oktoberrevolution unter Führung der Bolschewiki ausbrach, war er nach Großbritannien zurückgekehrt, doch er fuhr sobald er konnte – am 25. Dezember 1917 – wieder nach St. Petersburg, das inzwischen Petrograd hieß.

Die ganze Zeit über versuchte das britische Außenministerium verzweifelt zu erfahren, was in Russland vorging und wie diese Vorgänge die englischen Kriegspläne beeinflussten.

Indessen wurden Ransomes Zeitungsartikel und seine offiziellen Berichte in wachsendem Maße wohlwollend gegenüber den Zielen der Sowjetrevolution und er ging daran, enge persönliche Freundschaften zu verschiedenen bolschewistischen Führern, im besonderen mit Karl Radek und Wazlaw Worowski, aufzubauen. Als er ein Interview mit Leo Trotzki, neben Lenin Kopf der Russischen Revolution und Führer der Roten Armee, vorbereitete, lernte Ransome Trotzkis Sekretärin Ewgenja Schelepina kennen. Schelepina, eine Estin und frühere Menschewikin, wurde 1924 Ransomes Ehefrau und blieb bis zu seinem Tod im Alter von 83 Jahren an seiner Seite.

Ransome hatte am 12. Februar 1917 über die Verhaftung von elf Mitgliedern des zentralen Petrograder Komitees der mobilisierten Industrie berichtet, die angeklagt wurden, revolutionären Parteien anzugehören. Infolge dieser Begebenheit erhielt er einen Pass für ein Treffen der Deputierten des Arbeiter- und Soldatensowjets vom 19. März.

Später notierte er: “Glückliche Umstände brachten mich in den Sowjet der Arbeiter- und Bauerndeputierten, lange bevor andere Korrespondenten diese Körperschaft für beobachtenswert hielten. Vom ersten Tag ihres Zusammenkommens wurde offenbar, welch eine Macht sie darstellten und dass die Duma nur ein kraftloses Überbleibsel war. Die Geschichte, die das Jahre 1917 schrieb, ist die Veranschaulichung dieser hochwichtigen Tatsache“ (Ransome, 1976, S. 217).

Es überrascht nicht, dass Ransome bald nach dieser Begebenheit, als er zurück in England war, von Außenminister Arthur Balfore ins Auswärtige Amt bestellt wurde. Er wurde aufgefordert, alle Informationen zu liefern, deren er habhaft werden konnte. Er war kein bezahlter Agent, aber er wurde aufgefordert, über das MI5 in Kontakt zu bleiben. Um sicherzustellen, dass er wieder zurück ins Land konnte, gaben sie ihm eine Diplomatentasche, die in Stockholm abgeliefert werden sollte.

Einige Tage später erhielt er in London einen Brief von F. Rothstein, einem als Übersetzer im Innenministerium arbeitenden russischen Revolutionär, der ihn als „den einzigen Korrespondenten, der die englische Öffentlichkeit ehrlich über die Ereignisse in Russland informiert,“ empfahl (Brogan, 1984, S. 148).

Ransome begann als williges Instrument der imperialistischen Politik Großbritanniens in Russland. Er wurde darauf angesetzt, die Pläne der bolschewistischen Führer herauszufinden. Bald jedoch wurde er zu einem großen Bewunderer des revolutionären Kampfes der russischen Arbeiterklasse und der intellektuellen Energie ihrer Führerschaft.

Er wandte alle seine literarische Fähigkeit dafür auf, seinen Lesern, und sich selbst, zu erklären, was vor seinen erstaunten Augen geschah. Seine Artikel, in denen er die Bolschewiki verteidigte, erschienen nicht nur in den Daily News in Großbritannien, sondern in Zeitungen auf der ganzen Welt, die New York Times eingeschlossen. Das führte dazu, dass er von der britischen Obrigkeit für seine Sympathien mit den Bolschewiki mit Gefängnis bedroht wurde und dass er wiederholt gegen ihre Zensurversuche kämpfen musste. Einmal wurde sogar im Parlament gefordert, ihn auf der Grundlage des Landesverteidigungsgesetzes (Defence of the Realm Act) wegen Verrats zu verhaften.

Trotz alledem veröffentlichte er im Sommer 1918 den Text Die Wahrheit über Russland, mit dem er alle von imperialistischen Agenten ausgestreute Lügen über Zahlungen deutscher Imperialisten an die Bolschewiki als Lohn für das Sabotieren von Kerenskis Provisorischer Regierung widerlegte. Schon früher bekannte er seinen „Fanatismus bei der Wahrheitssuche und ihrer Veröffentlichung, was immer mir dies bringen mag.“ Er verfasste Die Wahrheit über Russland in enger Zusammenarbeit mit Radek. Mit diesem Werk glaubte er in Hazlitts Fußstapfen zu treten.

Die Schrift entstand in einer kritischen Zeit. Anti-Bolschewistische Stimmungen wurden in den Vereinigten Staaten von Edgar Sisson, dem Chef des US-amerikanischen Propagandaapparats und Spion, geschürt. Filme und gefälschte Briefe wurden benutzt, um falsche Behauptungen zu stützen, die Bolschewiki hätten Geldmittel direkt aus Berlin erhalten.

Geschrieben unter dem Druck einer engen 36-Stunden-Terminfrist und unter schwierigen persönlichen Umständen, gelangte das Werk nach Amerika durch einen Unterstützer, Colonel Robins, wo es in Umlauf gebracht werden sollte. Zu dieser Zeit kamen Ransomes Artikel den Amerikanern noch vertraut vor, sie erinnerten sie an ihre eigene revolutionäre Geschichte. Die Tatsache, dass sowohl Autor als auch Herausgeber weltanschaulich und politisch bürgerliche Liberale waren, bedeutete, dass ihre Worte auf breiteren Anklang trafen und noch größere Resonanz und Autorität hatten.

Die Schrift wurde im Juli 1918 von der New Republic publiziert und für drei Cent das Stück verkauft. Im September erschien sie in Russland mit einem Vorwort von Karl Radek, der Ransome als einen Menschen beschrieb, der normalerweise kein Interesse für Politik entwickelte, der aber in diesem Falle von seiner „Warmherzigkeit“, seinem Fehlen „bürgerlicher Vorurteile“ und – was das wichtigste war – seiner „Liebe zu den Massen“ zum Einspruch sich getrieben sah.

In seinem späteren Werk Sechs Wochen in Russland schrieb Ransome: “Ich sollte erklären, worin für Menschen wie Colonel Robins und mich selbst, beide durch Herkunft und Erziehung von der revolutionären und sozialistischen Bewegung in unseren eigenen Ländern weit entfernt, die Anziehungskraft der Revolution bestand. Selbstverständlich konnte niemand, der wie wir in der Lage war, die Menschen der Revolution aus engster Nähe zu beobachten, selbst für einen Moment glauben, dass sie nur bezahlte Agenten gerade der Macht sein sollten, die mehr als alle anderen das Bollwerk repräsentierte, das zu zerstören sie sich vorgenommen hatten. Die Kenntnis über die Ungerechtigkeit, die diesen Menschen angetan wurde, drängte uns zur Verteidigung ihrer Sache. Aber es erschöpfte sich nicht allein darin. Es gab ein Gefühl der schöpferischen Anstrengung der Revolution, dem wir nicht entkommen konnten.

Es gab diese Sache, welche die kreativen von den anderen Künstlern unterscheidet, den lebenden, anregenden Ausdruck von etwas bisher im Bewusstsein der Menschheit Verborgenem. Insofern das Buch eine genaue Wiedergabe meiner eigenen Eindrücke, aller Strapazen, Klatsch, Streitigkeiten, Argumente, Ereignisse und Erfahrungen beinhaltet, so müssen diese vor dem Hintergrund der außerordentlichen Vitalität betrachtet werden, die hartnäckig in Moskau andauert, selbst in diesen dunklen Tagen der Entbehrung, Ernüchterung, Seuche, des Hungers und des ungewollten Kriegs,“ (Six Weeks in Russia, 1919, engl. Nachdruck 2010, S. 57f).

Vom marxistischen Standpunkt betrachtet, ist das, was Ransome als “schöpferische Anstrengung“, die sich in Russland entfachte und „bisher im Bewusstsein der Menschheit verborgen“ blieb, richtig erkannte, erst möglich geworden durch das wissenschaftliche Bewusstsein, welches sich unter den am weitesten fortgeschrittenen Teilen der Arbeiter in der Bolschewistischen Partei entwickelt hatte. Das Erscheinen eines Proletariats, sich seiner selbst als Klasse bewusst, in und für sich selbst, bildete den Hintergrund für die „außerordentliche Vitalität, die hartnäckig in Moskau andauert.“

Niemals zuvor wurde eine proletarische sozialistische Revolution ausgeführt und Russland war ein rückständiges Land, das ein Sechstel der Erdoberfläche bedeckte. Ransome zog es vor, auszulassen was er für zweitrangig hielt, und sich auf kritische Fragen zu konzentrieren – solche, wie die Stahlknappheit, die angesichts der Notwendigkeit, Bahngleise für den Lebensmitteltransport nach Moskau zu bauen, fühlbar wurde, oder wie bei Papiermangel der Geist der Revolution mit notwendigem Lesestoff genährt werden kann. Dies betraf nicht allein die offen revolutionären Publikationen, sondern ebenso die großen bürgerlichen Klassiker.

Ransome muss eine etwas aus dem Rahmen fallende Gestalt abgegeben haben als er durch Moskau hastete, um sich überall und über alles Notizen zu machen: dieser etwas exzentrisch wirkende Engländer, über eins achtzig groß in einem knöcheltiefen Mantel, mit langem roten Schnauzbart, einem Zwicker auf der Nasenspitze, einer Pelzmütze der Roten Armee auf dem Kopf, der häufig beim Führen eines Schlittens gesehen wurde.

Obwohl er niemals seinen Skeptizismus in den Sieg der Revolution vollständig überwinden konnte, sah er Russland als ein heldenhaftes erstes Experiment in einem langen historischen Kampf. Ransome schalt seine englischen Landsleute dafür, nicht nach Russland zu fahren, um es näher zu studieren:

„Ich liebe das echte England, aber ich hasse, mehr als alles andere auf der Welt – ausgenommen Feigheit vor der Wahrheit – , die intellektuelle Faulheit, die rohe geistige Trägheit, die die Engländer daran hindert, die Anstrengung auf sich zu nehmen, sich vorzustellen und einzusehen, wie beschämend ihre Stellung in der Geschichte ausfallen wird, wenn die Erzählung dieses letzten Jahres in der Biographie der Demokratie verzeichnet sein wird… Schändlich töricht und tränenvoll tragisch, denn der Zoll wird mit englischem Blut entrichtet werden. Die englische Jugend wird sterben, nicht einer oder zwei, sondern hunderttausende, weil ihre Eltern auf Männer hören, die kleinlich denken und von kleinlichen Dingen sprechen, die so schrecklich einfach herzusagen sind“ (Six Weeks, S. 28).

Ransome wohnte einer Sitzung des Moskauer Sowjets bei und hörte eine Diskussion zwischen den Bolschewiken Maxim Litwinow und Lew Kamenew, die die internationale Situation und notwendige Maßnahmen in Russland betraf. Nach der Versammlung sprach er mit einem Herrn Kuni, der ihm sagte, er wäre Vorsitzender eines chinesischen Sowjets. Da es ungefähr Tausend Chinesen in Moskau gab, hatten sie das Recht auf Repräsentation in der Regierung der Stadt. Kuni informierte Ransome auch darüber, dass zwischen zwei bis drei tausend Chinesen in der Roten Armee Dienst leisteten.

Ransome ging von Kommissar zu Kommissar und führte kurze Interviews mit Lenin und auch mit Trotzki, der jetzt Führer der Roten Armee war. Lebendig beschrieb er die fröhlichen und unbändigen Szenen, die die Ankündigung der Gründung der Dritten (Kommunistischen) Internationale im März 1919 willkommen hießen.

Er befürchtete, die Sechs Wochen würden sich als “zu trocken“ erweisen, doch dies war unbegründet. Die Schrift ist ein faszinierender Bericht über die turbulente Geschichtsperiode, in der Männer und Frauen der arbeitenden Klassen, allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz, sich daran machten, ihre Revolution zu verteidigen.

Es gibt einen amüsanten Absatz in Ransomes Biographie, der überliefert, was Lenin selbst über das Werk dachte:

“Ich hatte ein Gespräch mit Lenin, der mir sagte, er wäre nahe daran gewesen, meine Sechs Wochen zu missbilligen, bis er Radek, der im Berliner Moabit-Gefängnis einsaß und das Buch gerade wegen der Charakterisierungen lobte, die Lenin für überflüssig hielt, sagen hörte, dass es das erste Werk war, welches die Bolschewiki als normale lebende Menschen darstellte und diese mit ihren Gesprächen ihm in seine Zelle gebracht hatte. Nichtsdestoweniger kam das Buch erst 1924 in russischer Übersetzung mit einem Vorwort Radeks heraus, nachdem es zuvor in ein Dutzend Sprachen übersetzt worden war. Wir hatten kein Urheberrechtsübereinkommen mit Russland, aber das Staatliche Verlagshaus überreichte mir Lenins Komplette Werke statt eines Honorars. (Dies war bei weitem nicht so lustig oder praktisch, wie die staatliche Bezahlung, die Schaljapin für seinen Operngesang erhielt. Man gab ihm einen Sack Mehl)“ (Ransome, 1976, p. 279).

Es ist denkbar, dass Lenin darüber besorgt war, die Sechs Wochen könnten einige Reibungen oder Eifersucht innerhalb der Bolschewistischen Partei verursachen. Es bleibt auffällig, dass der Name Stalins an keiner Stelle erwähnt wird.

Wird fortgesetzt

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