„Wir brauchen die Hilfe der europäischen Arbeiter“, sagt griechische Demonstrantin

Von unseren Reportern
20. Oktober 2011

Streikende Arbeiter sagten der World Socialist Web Site am Mittwoch in Athen, dass sie zornig seien und bereit, gegen die brutalen Kürzungen der PASOK-Regierung zu kämpfen.

Irene Irene (Dritte von rechts)

Irene arbeitet seit 28 Jahren beim Finanzamt und wohnt in Athen. Sie sagte: „Wir wissen nicht, ob für unsere Rente überhaupt noch Geld da sein wird. Sie haben sie uns schon gestohlen. Wir sind Versuchskaninchen. Was jetzt kommt, passiert zum ersten Mal in einem europäischen Land. Solche Angriffe hat es schon in lateinamerikanischen und asiatischen Ländern gegeben, aber jetzt wird das Experiment zum ersten Mal in Europa durchgeführt.

Die griechische Wirtschaft und die griechische Bevölkerung werden ruiniert. Alle werden arbeitslos. Viele von uns haben Kredite bei den Banken laufen und wir können sie nicht mehr zurückzahlen. Die Leute verlieren alles, was sie besitzen. Es ist klar, dass wir nicht mehr bezahlen können. Die Politik, immer mehr von uns zu verlangen, führt nur dazu, die Bevölkerung zu ruinieren.

Ich habe einen Kredit bei der Bank aufgenommen. Die Zinsen sind schon um 40 Prozent gestiegen. In der neuen Situation werden sie um 70 Prozent steigen. Ich kann sie nicht mehr zahlen. Ich werde mein Haus verlieren. Wir zahlen mehr Zinsen und Steuern, als wir Geld zum leben haben. Ungefähr 60.000 Menschen bezahlen Kredite für ihre Häuser ab und können sie nicht mehr bezahlen. Die meisten verlieren ihr Eigentum.

Diese Regierung will nicht, dass die Reichen bezahlen. Sie sagt, dass nur die armen Leute bezahlen sollen.

Wir braucehn die Hilfe der europäischen Arbeiter. Die einfachen Leute in Europa müssen wissen, dass sie sich auf unsere Seite stellen müssen. Sie haben auch Probleme wie wir. Selbst deutsche Arbeiter haben Probleme. Das griechische Volk ist nicht gegen die deutschen Arbeiter. Die deutschen Arbeiter müssen schon seit zehn Jahren Lohnsenkungen hinnehmen. Ich glaube, die deutschen Arbeiter waren die ersten Opfer der Politik von Frau Merkel.

Wir müssen zusammen mit den deutschen Arbeitern für eine globale Umverteilung des Reichtums kämpfen. Wenn die deutschen Arbeiter für höhere Löhne kämpfen, dann haben wir auch eine Chance, etwas zu erreichen. Ich glaube wir brauchen überall auf der Welt eine grundlegende Umverteilung des Reichtums. Daran muss ich und will ich glauben, weil es keinen anderen Weg gibt.“

Ioanna, 27, sagte: “Diese Demonstration richtet sich nicht nur gegen die Regierung, sondern gegen diese gesamte internationale Entwicklung. Die europäische Elite nutzt Griechenland als Experiment, um zu sehen, wie weit sie mit ihren Angriffen auf die Bevölkerung gehen kann.“

Ioannas Eltern arbeiten in einem Krankenhaus und leiden unter starken Lohnkürzungen. „Wir leben am Rande der Existenz“, sagte sie. Sie traut den Gewerkschaften und den angeblichen „Linkskoalitionen“ SYRIZA und Antarsya nicht. „Das ist keine Demokratie hier“, sagte sie. „Wenn Antarsya an der Regierung wäre, würden sie das gleiche tun, wie PASOK. Es würde sich gar nichts ändern.“

Konstantinos Konstantinos

Konstantinos brachte sein eigenes Transparent zu der Demonstration mit. Darauf stand „47 Jahre, seit zwei Jahren ohne Job… Welche Optionen habe ich? Ich kann stehlen oder Selbstmord machen. Oder ich kann für einen Arbeitsplatz und meine Rechte kämpfen. Das tue ich jetzt.“

Nachdem er vor zwei Jahren bei einer Telefongesellschaft entlassen worden war, musste Konstantinos wieder bei seiner Mutter einziehen. Drei Erwachsene und ein Kind leben jetzt von der Rente seiner Mutter von 524 Euro im Monat.

Die Telefongesellschaft, bei der er gearbeitet hatte, entließ 2009 2.500 von 4.800 Beschäftigten. Er hatte 23 Jahre bei der Firma gearbeitet. Er beschrieb seine gegenwärtige Situation als „die schlimmste Lage meines Lebens. Ich will arbeiten, aber es gibt keine Arbeitsplätze.“

Konstantinos sagte, er habe kein Vertrauen in die Gewerkschaften und auch in keine Partei. „Die GSEE und ADEDY sorgen nur für sich selbst und ich glaube auch nicht an SYRIZA oder Antarsya“, sagte er.

Vangelis Vangelis

Vangelis, ein 22-jähriger Student, sagte, er sei überzeugt, dass die Regierung bald stürze. „Aber niemand weiß, was danach kommen soll. Ich versuche nicht in die Zukunft zu schauen, weil sie so schwarz ist.“

Er sagte, viele seiner Freunde hätten ihre Arbeit verloren oder müssten weniger Stunden arbeiten. „Einige verdienen nur 300 Euro im Monat“, sagte er.

Er misstraut den Gewerkschaften: “Sie arbeiten nur für sich selbst, nicht für die Arbeiter. Der Präsident der GSSE mit einem Einkommen von 250.000 Euro hat andere Interessen, als die Arbeiter.“

Lamprimi, Journalistin beim lokalen Radiosender von Athen, sagte: „Die Regierung versucht uns in den Staatsdienst einzugliedern, damit sie bestimmen kann, was wir tun. Im Moment sind wir nicht privat, aber wir unterstehen auch nicht der Regierung. Sie wollen die Pressefreiheit angreifen und unsere Löhne um zwanzig bis vierzig Prozent senken.

In Thessaloniki streiken Zeitungsjournalisten, weil sie Entlassungen oder dreißig bis vierzig Prozent Lohnsenkung hinnehmen sollen, wenn sie ihre Arbeitsplätze behalten wollen.

Niemand ist dafür zur Verantwortung gezogen worden, das Land in diese Krise manövriert zu haben. Dies ist ein korruptes Parlament und eine korrupte Regierung aber wir müssen für alles blechen. Deswegen sind die Leute so zornig. Ich glaube, die Regierung wird bald stürzen.“

Sie sagte der WSWS: “Ich muss mich jetzt sehr einschränken. Ich lebe in den westlichen Vororten von Athen, wo ich aufgewachsen bin. Es ist ein Arbeitergebiet. Wir haben von schlimmen Dingen gehört, die im Bürgerkrieg geschehen sind, aber wir haben sie selbst nicht erlebt. Jetzt erleben wir sie selber.

Ich sehe, dass Leute nicht von 400 Euro im Monat leben können. Manche Leute haben kein Geld für ihre Medizin, die sie benötigen. Es leben Menschen in meiner Nähe, die nicht genug zu essen haben. Eine ältere Dame, die wir kennen, musste Reis essen, in dem schwarze Käfer herumkrabbelten..

Ich habe auch von Kindern gehört, die in der Schule Schwächeanfälle hatten, weil sie nicht genug zu essen hatten. Sie schämten sich zu sagen, dass ihre Familie zu Hause nicht genug zu essen hatte. So etwas hat es in Griechenland noch nie gegeben. Ich bin 47 und habe so etwas noch nie erlebt.“

Doris Doris

Doris ist an der Athener Kunstschule beschäftigt. Sie sagte: „Die Regierung hat unsere Gehälter schon gekürzt. Wir werden jetzt wahrscheinlich mehrere Monate lang kein Geld bekommen und sie werden viele entlassen.

Im vergangenen Monat haben wir 200 Euro weniger bekommen. In den nächsten Monaten sollen wir vierhundert Euro weniger bekommen, sodass wir am Ende im Monat 600 Euro weniger verdienen. Gleichzeitig wird alles teurer.

Die Regierung befolgt die Anweisungen der ‘Troika’. Sie sagt der Regierung, was sie tun muss. Seit vielen Jahren wird dieses Land von zwei Familien regiert und seitdem wird das Volk von ihnen bestohlen. Die Arbeiter bezahlen die Rechnung, nicht die Reichen. Was wir auch tun, die Regierung wird nicht auf uns hören.

Als wir das letzte Mal protestierten, war die Polizei schon da und beschoss uns mit Tränengas. Ich geriet in das Tränengas. Seitdem bin ich immer vorsichtig und trage meine Maske bei mir. Die Polizei hat den Befehl, uns zu schlagen. Deswegen nehmen sie keine Rücksicht.“

Nick, 50, lehrt Soziologie und Ökonomie an einer Schule in Athen. In den letzten Wochen waren hunderte Schulen in Griechenland von den Schülern besetzt. Seine Schule war nicht besetzt, aber er hegt starke Sympathien mit Schülern, die das tun.

Zu den Gewerkschaften GSEE und ADEDY sagte Nick, sie verträten nicht die Mehrheit der Arbeiter. Die Leute nehmen an dieser Demonstration nicht wegen der Gewerkschaften teil, sondern trotz ihnen“, sagte er.

Helena, eine 19-jährige Studentin, sagte: “Die Regierung hat Bedingungen geschaffen, unter denen ich nicht wirklich studieren kann.”

Ihr Onkel hat seine Arbeit verloren und ihre Großmutter musste eine fünfzigprozentige Lohnsenkung hinnehmen. „Es war eine klare Entscheidung der Regierung, die Banken zu unterstützen und nicht die Menschen“, sagte sie.

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