Grußbotschaft an kämpfende manroland-Arbeiter:

„Arbeiter müssen sich international zusammenschließen“

Von Gustav Kemper
9. Dezember 2011

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Zu eurem Treffen heute Abend, wo ihr den weiteren Kampf für die Erhaltung der Arbeitsplätze bei Manroland besprecht, sende ich euch solidarische Grüsse.

Als Mitarbeiter der Firma Goss International, die ebenfalls Druckmaschinen herstellt, bin ich von der gleichen Krise betroffen wie ihr. In unserer Fabrik in Montataire, nahe Paris, wurden im Januar 2011 die Hälfte der Belegschaft entlassen, in Durham, nahe Boston (USA), wurden ebenfalls Hunderte entlassen, während gleichzeitig eine Fertigungsstätte in Schanghai ausgebaut wurde.

Wie ihr wisst, wurden bei KBA und Heidelberg ebenfalls Massenentlassungen durchgeführt.

Anders als vor Jahren, als die Schreibmaschinen von Computern, der Bleisatz vom Fotosatz, der Buchdruck vom Offsetdruck abgelöst wurden, geht es heute nicht nur um die Ablösung einer Technologie durch eine andere. Damals entstanden durch die allgemein wachsende Wirtschaft noch neue Arbeitsplätze in anderen Bereichen. Dies ist in der heutigen Krise nicht mehr der Fall.

Aus dem sogenannten "gesunden" Wettbewerb wird in der heutigen Krise ein Vernichtungskampf. Die Politik der Sozialpartnerschaft, der Mitbestimmung in den Aufsichtsräten usw. zeigt sich heute mit ihrem wahren Gesicht: Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung sind die Art, wie die Kapitaleigner die relative Ruhe in der Arbeitswelt sichern konnten, um ihre Profite zu maximieren. Weit entfernt von einer wirklichen Mitbestimmung über den Einsatz des Kapitals war es die Bestimmung und Kontrolle über die Belegschaften, die in Deutschland tatsächlich festgeschrieben wurde.

Das "Recht auf Eigentum", das die Kapitalbesitzer für sich beanspruchen, ist das Recht, Arbeitsplätze zu vernichten. Es ist nicht vereinbar mit dem Recht der Arbeiter auf einen Arbeitsplatz mit guter Bezahlung.

Den Kampf zur Verteidigung unserer Arbeitsplätze und unserer Lebensgrundlage können wir daher nur gewinnen, wenn wir verstehen, dass es sich um eine Krise des kapitalistischen Systems handelt, eines Systems, das uns schon zwei Weltkriege beschert hat und dabei ist, weitere Weltkriege zu produzieren.

Nur die Arbeiterklasse ist in der Lage, sich solidarisch international zusammenzuschließen und eine lebensfähige Zukunft herzustellen, wobei sich die Produktion an den Bedürfnissen, nicht am Profit, orientieren muss. Mit dieser Perspektive müssen wir uns zusammenschließen und mit dem Ziel kämpfen, die Kontrolle über die Betriebe und die Banken zu übernehmen.

Dazu ist es notwendig, neue Betriebskomitees aufzubauen, die unabhängig von den Organen der Sozialpartnerschaft und Mitbestimmung arbeiten und statt reformistische Politik eine sozialistische Zielsetzung verfolgen, um eine Arbeiterregierung auf internationaler Ebene herzustellen.

Es gibt noch viel mehr zu sagen, was den Umfang dieser Grußadresse sprengen würde. In jedem Falle bin ich zu eurer Unterstützung bereit und werde an meinem Arbeitsplatz für diese Ziele kämpfen.

Mit solidarischen Grüssen,

Gustav Kemper