Mehring Verlag mit zwei neuen Kunstbänden auf der Leipziger Buchmesse

Von Wolfgang Weber
16. März 2012

Mit zwei prächtigen Neuerscheinungen setzt der Mehring Verlag seine Reihe inhaltlich anspruchsvoller und qualitativ hochwertiger Kunstbände fort: „Baumeister der Revolution“ zur Architektur in der frühen Sowjetunion und „Revolutionäre Plakate“ von David King. Vor zwei Jahren hatte der Verlag die Publikation von Kunstbänden mit „Roter Stern über Russland: Eine visuelle Geschichte der Sowjetunion von 1917 bis zum Tode Stalins“ von David King begonnen.

„Baumeister der Revolution“ ist eine opulent ausgestattete Fotodokumentation zur Architektur in der Sowjetunion der Jahre 1922 bis 1935. „Russische revolutionäre Plakate“ von David King dokumentiert die Plakatkunst in der ehemaligen Sowjetunion der Jahre 1917 bis zum Tode Stalins. Beide Bücher werden vom Verlag auf der „Leipziger Buchmesse 2012“ diese Woche vorgestellt.

„Baumeister der Revolution“

Baumeister der Revolution Baumeister der Revolution

Dieser Fotodokumentationsband dient als offizieller Katalog der gleichnamigen Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, vom 4. April bis zum 9. Juli diesen Jahres, ist aber auch unabhängig davon im Buchhandel erhältlich. Von der Medienagentur „Literaturtest“ hat der Verlag einen ansprechenden und informativen Trailer anfertigen lassen, der im Internet von MehringMedia heruntergeladen werden kann. Außerdem ging folgende Pressemitteilung an Architektur- und Kunstzeitschriften, Radio-, Fernseh- und Zeitungsredaktionen:

„Die Aufbaujahre der jungen Sowjetunion nach Beendigung des Bürgerkriegs ab 1922 waren eine kurze, fiebrig-kreative Zeit, und sie zählt zu den spannendsten Kapiteln der Architekturgeschichte: Von 1922 bis 1935 entwickelte eine Avantgarde mit kühnem Design und außergewöhnlichen Konstruktionen eine neue Form der Architektur. Sie hatte ein großes Ziel: Sie wollte die Energie des gerade gegründeten sowjetischen Staates architektonisch widerspiegeln. Zu ihr gehörten u. a. Konstantin Melnikow, Moisej Ginsburg oder die Wesnin-Brüder. Und ihre Einflüsse reichen bis in die Gegenwart – etwa zu einem der Stars der heutigen Architekturszene, Zaha Hadid, die sich auf die russischen Avantgardisten als eine ihrer wichtigsten Inspirationsquellen beruft.

Baumeister der Revolution

Der Architekturfotograf Richard Pare hat sich in den vergangenen fünfzehn Jahren auf die Suche nach den Meisterwerken dieser Epoche begeben und ihren heutigen Zustand in großformatigen Bildern dokumentiert, die nun in dem Band „Baumeister der Revolution“ vom Mehring Verlag vorliegen.

Das Buch begleitet die Ausstellung „Baumeister der Revolution“, die von 5. April bis 9. Juli 2012 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist. Pares spektakuläre Arbeiten spüren der Schönheit der Gebäude und dem Erfindungsreichtum ihrer Erbauer nach und zeigen zugleich die Spuren des Verfalls. Seinen Aufnahmen stehen in dem Band historische Fotografien sowie Skizzen oder Gemälde von Größen wie Malewitsch, Tatlin, Popowa oder El Lissitzky gegenüber.

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Revolutionär waren nicht nur Formensprache und Entwürfe dieser Avantgarde, sondern auch die Bauaufgaben, derer sie sich annahm: Mit der neuen Gesellschaft entstanden Arbeiterclubs, Gewerkschaftshäuser, kollektive Wohnanlagen, Großkaufhäuser, Partei- und Verwaltungsbauten ebenso wie Kraftwerke und Industrieanlagen. Und noch etwas dokumentieren insbesondere die historischen Fotografien: Die neuen Bauten verkörperten nicht nur typologisch, sondern auch in ihren Dimensionen eine neue Zeit. Sie überragten die alten urbanen Strukturen und wurden so zum Symbol des bevorstehenden Modernisierungsschubs.

Herausragendes Beispiel dieser Avantgarde und zugleich der erste wichtige Bau nach der Revolution war der Schabolowka-Radioturm von Wladimir Schuchow. Er wurde von 1919-22 aus sechs übereinander montierten Hyperboloiden errichtet und war mit 150 Metern zu jener Zeit der höchste Turm in dieser Bauweise. Seine elegante, filigrane Struktur wurde zum Symbol der Überwindung des Alten und Schweren. Rodtschenkos Fotos des Radioturmes – heute Ikonen der Avantgardefotografie – betonen die Dynamik von unten nach oben. Pares Aufnahmen des Turmes zielen stärker auf die Details und rücken damit die Bauweise jener Zeit ins Blickfeld.“

Die spektakulären großformatigen Fotografien Richard Pares neben den meisterhaften Fotografien, zeitgenössischen Periodika und zahlreichen Entwürfen und Gemälden von Künstlern des Konstruktivismus machen das Buch zur unverzichtbaren Lektüre für alle, die Architektur studieren oder als Kunstliebhaber an der Geschichte der Architektur im zwanzigsten Jahrhundert, am Konstruktivismus und an dem noch von Sowjets geprägten Russland interessiert sind.

„Russische revolutionäre Plakate“

Russische revolutionäre Plakate

Dieser Dokumentationsband ist von David King, einem berühmten Sammler und Archivar von Foto- und Kunstdokumenten der ehemaligen Sowjetunion, für den Mehring Verlag zusammengestellt worden. Er zeigt die Entwicklung der sowjetischen Plakatkunst von der revolutionären Periode bis zum Tode Stalins. Zu sehen ist, wie gewaltige Veränderungen in der Sowjetunion zu einem dramatischen Wechsel in Kunst und Gestaltung führten.

© David King 2012, David-King-Sammlung, London. »Ukrainer und Russen haben einen gemeinsamen Schlachtruf – Pan wird nicht Herrscher über die Arbeiter sein!« Wladimir Majakowskis »Rosta«-Plakat von 1920, eine satirische Attacke auf die Großgrundbesitzer Polens zur Zeit des russisch-polnischen Kriegs.© David King 2012, David-King-Sammlung, London.

Das Buch ist chronologisch angelegt. Bildunterschriften erläutern den historischen und künstlerischen Hintergrund zu jedem Plakat. Konstruktivistische Plakate, sozialistische Werbung, Filmplakate der 1920er-Jahre, klassische Fotomontagen, wie auch die heroischen Plakate aus der Kriegszeit mit dem Personenkult um Stalin sind in diesem Buch zusammengetragen.

© David King 2012, David-King-Sammlung, London. »Bürger! Lasst euch gegen Cholera impfen. Nur gegen eine Impfung ist der Tod machtlos«, von Sergei Iwanow, Staatsverlag, Petrograd 1921. Der jahrelange Krieg und die Revolution, die das Leben von Millionen Russen erschütterten, begünstigten die Verbreitung von Krankheiten, die zuvor nur aus wärmeren Regionen bekannt waren, bis Nordsibirien. Von den Cholera-Infizierten überlebten 65 Prozent die Krankheit nicht. Der Gegensatz zwischen Simakows idealisierendem Bild bäuerlichen Lebens und der furchteinflößenden Gestalt der »Cholera« auf Iwanows Plakat könnte größer kaum sein. © David King 2012, David-King-Sammlung, London.

David King ist Verfasser von „Roter Stern über Russland“ (2010 ebenfalls im Mehring Verlag erschienen), „Stalins Retuschen“ und „The Victims of Stalin“ (2003) sowie zahlreicher weiterer Bücher über die Sowjetunion. Er war Leiter des Kunstressorts bei der Sunday Times von 1965 bis 1975 und besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen russischer revolutionärer Kunst.

Beide Bücher können direkt beim Mehring Verlag bestellt werden.