„Natürlich war Trotzki eine Alternative zu Stalin“

Ein Gespräch mit Professor Mario Kessler über die Trotzki-Biographie von Robert Service

Von Wolfgang Weber
16. Mai 2012

Seit die Trotzki-Biografie des britischen Professors Robert Service vor drei Jahren auf Englisch bei Harvard University Press erschien, ist sie von Historikern einer vernichtenden Kritik unterzogen worden. David North veröffentlichte das Buch „Verteidigung Leo Trotzkis“, in dem er zahllose faktische Fehler, Irrtümer, Verdrehungen und die direkte Fälschung von Quellen nachwies. Vierzehn Historiker, Sozial- und Politikwissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilten diese Kritik und erhoben in einem zunächst privaten Brief [1] an die Leitung des Suhrkamp Verlages schwere Bedenken gegen das Vorhaben, das Buch dort auf Deutsch herauszubringen.

Ungeachtet dieser Bedenken und Kritik hält der Suhrkamp Verlag an seinem Vorhaben fest. Auf den Internetseiten des Verlages wird das Buch für den 2. Juli 2012 angekündigt. Für die World Socialist Web Site sprach Wolfgang Weber mit Professor Mario Kessler über diese Entscheidung.

Professor Mario Kessler Professor Mario Kessler

Professor Mario Kessler, ein Mitunterzeichner des Briefs an den Suhrkamp Verlag, hat sich seit den Anfängen seiner Laufbahn als Historiker mit der Thematik „Antisemitismus und Arbeiterbewegung“ auseinandergesetzt. Er studierte in Jena und Leipzig, wurde 1982 promoviert und habilitierte sich 1990 noch an der Akademie der Wissenschaften der DDR. Seit 1996 arbeitet er am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, wo er auch an der Universität lehrt. Er war Gastprofessor an der Yeshiva University in New York, der University of Massachusetts (Amherst), der Columbus State University in Georgia und der Hebräischen Universität in Jerusalem. Forschungsaufenthalte führten ihn u. a. an die Johns Hopkins University (Baltimore), das King’s College (London) und zuletzt an die Harvard University.

Mario Kessler publizierte über zwei Dutzend Bücher zur Geschichte des Antisemitismus, der europäischen Arbeiterbewegung, zur Historiographie-Geschichte und zur Exilforschung in deutscher und englischer Sprache. Derzeit schließt er auf Deutsch eine Biographie der kommunistischen Politikerin und späteren zeitweiligen Antikommunistin Ruth Fischer ab, auf Englisch ist er an der Herausgabe eines Buches über die „Abwicklung“ der DDR-Geschichtswissenschaft nach 1990 beteiligt.

WSWS: Es sind nun mehr als neun Monate vergangen, seitdem Sie zusammen mit anderen Wissenschaftlern in einem zunächst privaten Brief an die Leiterin des Suhrkamp Verlages, Frau Ulla Unseld-Berkéwicz, sich nachdrücklich gegen eine Veröffentlichung der bereits 2009 auf Englisch erschienenen Trotzki-Biographie von Robert Service gewandt haben. Bisher gab es keine Antwort des Verlages auf diesen Brief. Stattdessen berichtete Ulrich M. Schmid am 21. Februar 2012 in einem Feuilleton-Artikel der Neuen Zürcher Zeitung zu der internationalen Auseinandersetzung über das Buch von Robert Service unter Berufung auf Informationen des Suhrkamp Verlags, dass dieser ungeachtet aller Bedenken von Historikern an seinem Vorhaben festhalten und eine korrigierte Version „ohne tiefgreifende Eingriffe in die Textgestalt“ herausgeben wird.

Ulrich M. Schmid, Professor für Russische Geschichte und Kultur an der Universität St. Gallen, begrüßte diese Entscheidung ausdrücklich und erklärte die zahllosen faktischen Fehler, Irrtümer und Verdrehungen in dem Buch von Service für „monita“, d. h. Fehler, die nur Erbsenzählern aufstoßen, aber beim Übersetzen leicht zu korrigieren seien. Auf den Vorwurf der Quellenfälschung ging er gar nicht erst ein.

Mario Kessler: Ich habe schon gestaunt, dass der Suhrkamp-Verlag, dessen Leiterin Ulla Unseld-Berkéwicz ich kennen gelernt habe und schätze, ein Buch publizieren möchte, das ich, nachdem ich es 2010 gelesen hatte, nicht gerade als Höhepunkt historischen Schaffens ansah. Von Robert Service war ich bis dahin durchaus Besseres gewohnt. Auch dass Ulrich Schmid, ansonsten ein Mann des Qualitätsstandards, sich so vehement für das Buch einsetzt, muss verwundern. Über die vielen Sach- und Flüchtigkeitsfehler des Buches ist genug gesagt worden; sie fielen mir natürlich auch auf. Aber wer Bücher in den USA publiziert (und bei England dürfte es ähnlich sein), weiß, dass sich auch Großverlage wie Harvard University Press kein ordentliches Lektorat mehr leisten. Das hat zunächst kaum etwas mit Trotzki, wohl aber mit der Logik des kapitalistischen Büchermarktes viel zu tun.

WSWS: Die Veröffentlichung des Buchs von Robert Service hat natürlich auch Harvard University Press diskreditiert. Dennoch: Eine so unglaublich hohe Zahl von Fehlern findet sich in anderen Büchern von Harvard University Press nicht und weist doch wohl sehr stark auf mangelnde Kompetenz des Autors selbst hin.

Mario Kessler: Dazu möchte ich nur so viel sagen: Robert Service gibt im Literaturverzeichnis zahlreiche Titel an, ohne der Leserschaft klarzumachen, dass er sie für sein Buch gar nicht herangezogen hat. Hätte er sie tatsächlich herangezogen, wäre ihm eine Menge an Fehlern und Unterlassungssünden nicht passiert – sollte man meinen.

WSWS: Robert Service hat bei der Vorstellung seines Buches 2009 in London laut Presseberichten offen bekannt, dass es ihm bei seiner Biographie darum gegangen sei, „Trotzki restlos zu erledigen“ und damit das zu erreichen, was der Mörder Trotzkis 1940 nicht geschafft habe, nämlich Trotzki als Persönlichkeit der Weltgeschichte und Mensch samt seiner politischen und moralischen Autorität zu vernichten. Dieses politische Ziel des Buches und nicht neue Forschungsergebnisse oder andere wissenschaftliche Qualitäten sind ja auch der einzige Grund, weshalb der Rezensent Prof. Ulrich Schmid die Veröffentlichung bei Suhrkamp nachdrücklich unterstützt. Dr. Lorenz Jäger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sieht es ähnlich und verteidigt sogar die These des Oxforder Professors, laut der Stalin ein „besonnenerer Staatsmann“ als Trotzki gewesen sei. „Wäre Trotzki an der Stelle Stalins der überragende Führer der Sowjetunion geworden“, zitiert er zustimmend Robert Service, „dann hätten sich die Risiken eines Blutbades in Europa drastisch erhöht.“

Mario Kessler: Das Muster, Trotzki neben Stalin zu stellen und glauben zu machen, er sei lediglich ein verhinderter Massenmörder gewesen, ist ja so neu nicht. Diese Lesart findet sich auch in der Literatur emigrierter Menschewiki der Zwischenkriegszeit. Ihre Verfasser konnten sich nicht über die Tatsache erheben, dass sie selbst einstmals Trotzki im Bürgerkrieg unterlegen waren und nun im Exil seine Deutung der Revolutionsgeschichte ertragen mussten. Aber diesen Autoren gegenüber kann der nachgeborene Historiker ruhig einmal nachsichtige Großzügigkeit walten lassen. Für heutige Wissenschaftler kann dies jedoch nicht gelten. Hier muss eine andere Messlatte der Kritik angelegt werden. Für Service war Trotzki schlicht und einfach keine Alternative zu Stalin, und das widerspricht den historischen Fakten und den in einem Dreivierteljahrhundert akkumulierten Erkenntnissen der Forschung.

Natürlich war Trotzki eine Alternative zu Stalin, wenngleich er – erlauben Sie mir die Ironie – kein so „lupenreiner Demokrat“ war wie Wladimir Putin im Urteil des früheren deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Natürlich griff Trotzki, als es um Sein oder Nichtsein der jungen Sowjetrepublik ging, zu Gewalt, was Service und Schmid beklagen. Wie aber anders hätten sich die Bolschewiki behaupten können? Die Alternative zu ihnen war, was man nie vergessen darf, nicht der bürgerliche Rechtsstaat, sondern die weiße Konterrevolution, waren die Schwarzhunderter im Riesenformat, die nicht nur den Marxismus, sondern gerade auch die Juden ausrotten wollten. Das bewiesen sie im Bürgerkrieg in den blutigsten Pogromen der Vor-Auschwitz-Zeit.

Ohne Trotzki zur Heldengestalt zu stilisieren, meine ich, dass es einen entscheidenden Unterschied zu Stalin und den Seinen gab: Für die Stalinisten war das Konstrukt einer allumfassenden Verschwörung das konstitutive Merkmal ihrer Politik, während keiner ihrer kommunistischen Gegner den Hauptfeind in den eigenen Reihen sah. Damit ist noch nichts über das Verhältnis von Kommunisten zur Demokratie gesagt, obwohl Trotzki hier einen Lernprozess durchlief, dessen Analyse ich bei Service gleichfalls vermisse.

Wer sonst, auch unter bürgerlichen Gegnern Hitlers, hatte dessen Aufstieg mit so scharfsichtigen Analysen und Warnungen begleitet? Wer sonst unter Kommunisten (außer der KPD-Opposition und dem Leninbund, die hier auch zu nennen sind) beschwor deshalb, die demokratischen Einrichtungen und Rechte der Weimarer Republik trotz aller Kritik am Klassenstaat entschieden zu verteidigen? Wer sonst, außer Trotzki, sah schon 1938 voraus, dass Hitlers Programm im Holocaust münden würde? In einem Brief vom 22. November 1938 an amerikanische Genossen schrieb er: „Es ist ohne Schwierigkeiten möglich, sich vorzustellen, was die Juden beim bloßen Ausbruch des künftigen Weltkrieges erwartet. Aber sogar ohne Krieg wird gewiss die nächste Entwicklung der Weltreaktion die physische Ausrottung der Juden bedeuten.“ [2] Kann man das ohne Bewegung lesen? Hätte das Zitat nicht in Services Buch hinein gehört?

Auch sonst unterschlägt oder verzerrt Service in einem sehr kurzen Kapitel über „Trotzki und die Juden“ unglaublich viele Dinge, die in einer wahrheitsgemäßen Darstellung zum Thema unerlässlich sind, so Trotzkis Analyse des russischen und rumänischen Antisemitismus am Beispiel des Beilis-Prozesses bzw. der Judenverfolgungen im Kontext der Balkankriege. Trotzkis meisterhafte Schilderung der Schwarzhunderter („Die Zarenmeute am Werk“) in der russischen Revolution von 1905 fehlt ebenso wie die eingehende Wiedergabe seiner Beobachtungen zum Antisemitismus der Nazipartei in den letzten Jahren der Weimarer Republik – und vieles mehr wäre zu nennen. Stattdessen wird Karl Kautsky bei Robert Service zum Juden erklärt, was er nicht war.

Gewiss: Dem jungen Trotzki unterlief in Bezug auf den Zionismus wie den Jüdischen Arbeiterbund ein Fehlurteil, das Service wiedergibt, ohne aber den historischen Kontext genügend zu erläutern. Worum ging es: Am 1. Januar 1904 schrieb Trotzki in der Iskra, Theodor Herzl habe den Juden Uganda als zeitweilige Heimstatt empfohlen. Doch könne er Uganda den Juden zwar versprechen, es ihnen aber nicht geben. Dieser Streit, ob Palästina oder Uganda zur jüdischen Heimstatt werden solle, werde die zionistische Bewegung spalten und ruinieren. Die jüdischen Nationalisten würden sich danach wohl oder übel beim Jüdischen Arbeiterbund einfinden.

Damit irrte Trotzki: Der Bund blieb ein scharfer Kritiker des Zionismus, auch des linken Arbeiterzionismus. Bereits 1905 warnten Mitglieder des Jüdischen Arbeiterbundes, wohl als erste, vor einem drohenden Konflikt zwischen Juden und Arabern in Palästina, der den Nahen Osten auf Jahrzehnte hinaus in eine Kriegszone verwandeln könne – eine hellsichtige Warnung.

Der Arbeiterzionist Marc Jarblum und der frühere Sozialrevolutionär Moshe Novomeisky, inzwischen ein Zionist, berichteten, Trotzki habe den 6. Zionistenkongress in Basel 1903 als journalistischer Beobachter besucht.[3] Das war der letzte Kongress, an dem Theodor Herzl teilnahm. Es ging dort unter anderem um die Frage Palästina oder Ostafrika. Herzl betonte, die „Uganda-Lösung“ sei nur ein Provisorium, der jüdische Staat in Palästina bleibe das Ziel. Dennoch verließen fast alle russischen Zionisten den Kongress.

Die durch den Auszug der russischen Zionisten für Herzl mögliche Mehrheit der verbleibenden Kongressteilnehmer stimmte für die Entsendung eines Komitees nach Ostafrika, um dort jüdische Ansiedlungsmöglichkeiten zu prüfen. Bekanntlich wurde daraus nichts. Trotzkis Annahme, der Zionismus werde sich alsbald überleben, erwies sich zwar als falsch, schien aber damals nicht ganz aus der Luft gegriffen. Es ist schade, doch wohl bezeichnend, dass man diese keineswegs unwichtigen Dinge in Services Trotzki-Biographie nicht nachlesen kann. Es gibt ja zum Thema „Trotzki und die Juden“ eine Reihe von Untersuchungen, deren Verfasser aus politisch sehr unterschiedlichen Lagern kommen: Yechiel Harari, Baruch Knei-Paz, Joseph Nedava, Edmund Silberner und Enzo Traverso. Robert Service hat die Arbeiten von Nedava und Knei-Paz zwar in seiner Bibliographie genannt, ihre Ergebnisse aber nicht verwertet.

Erst in seinen letzten Lebensjahren milderte Trotzki seine Gegnerschaft zum Zionismus deutlich ab, wenngleich er ihn, wie jeden Nationalismus, weiterhin kritisch beurteilte. Auch Ende der 1930er Jahre sah er das damals vom Bürgerkrieg erschütterte Palästina als eine „tödliche Falle“ für die Juden, da der britische Kolonialismus Juden und Araber als Schachfiguren behandeln wolle und sie jederzeit aufeinander hetzen könne. Eine solche Sicht zeugt nicht gerade von einer Ignoranz des brennenden Problems.

Service nennt, wenn auch nur sehr kurz, diese Tatsache, macht sich aber sofort anschließend daran über Trotzki lustig, der befürchtet hatte, in den USA könne es zu einem Anwachsen der antisemitischen Welle kommen, die die Gleichberechtigung der Juden wie in Nazideutschland beseitigen werde. Anstatt zu spotten, hätte Service auf den Ku-Klux-Klan, eine wahre Massenorganisation des amerikanischen Faschismus, und auf die einwanderer- und judenfeindlichen Bünde eingehen können, die in den USA jener Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen. Auch wenn Trotzkis Besorgnis von der Geschichte hier nicht bestätigt wurde: War es abwegig, solche Gefahren in Rechnung zu stellen, auch angesichts der Tatsache, dass die aus Deutschland vertriebenen Juden nirgendwo willkommen geheißen wurden, auch nicht in den USA, wie David Wyman in einer Reihe von Arbeiten gezeigt hat?

Im Hinblick auf eine kritische, doch faire Gesamtbeurteilung Leo Trotzkis noch ein Buchtipp von mir: Kürzlich ist eine konzise, gut geschriebene Biographie Trotzkis von Joshua Rubenstein in Englisch erschienen, die sich auch mit Service in der gebotenen Sachlichkeit auseinandersetzt und einige seiner Behauptungen und Mutmaßungen wieder vom Kopf auf die Füße stellt. Diese Biographie spart keineswegs mit Kritik an Trotzki, ist manchmal auch hart im Urteil, aber niemals unfair oder gar hämisch.[4] Sie verdiente viel mehr Aufmerksamkeit als Services Buch und eine Übersetzung ins Deutsche.

WSWS: Mit zahlreichen Formulierungen und Passagen, sogar dem Abdruck einer Trotzki-Karikatur aus einer Hetzschrift des Nazi-Ideologen und NSDAP-Mitbegründers Dietrich Eckart ohne Quellenangabe und distanzierendem Kommentar, bediene Robert Service antisemitische Vorurteile einschlägiger Kreise, auch wenn er selbst kein Antisemit sei – so lautet einer der zentralen Vorwürfe von David North. Dieser Vorwurf wird auch von dem Historiker-Brief an den Suhrkamp Verlag unterstützt, der eine ganze Reihe entsprechender Textstellen des Buches auflistet und dann auf deren „befremdlichen Klang“ hinweist.

Ulrich M. Schmid in der NZZ wie auch ein weiterer Verteidiger von Robert Service, Lorenz Jäger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 06.03.2012, streiten die Berechtigung dieses Vorwurfs energisch ab und erklären, es sei völlig legitim für einen Historiker, „Stimmungen im Volk“ der betreffenden Zeit wiederzugeben, auch wenn es sich um antisemitische Stimmungen oder Vorurteile handelte.

Mario Kessler: Der Brief der vierzehn Historiker, den ich unterschrieben habe, hat ja einige durchaus charakteristische Zitate zu diesem Thema gebracht. Mir fiel weniger ein unverblümter Antisemitismus ins Auge – auch ich halte Robert Service nicht für einen Antisemiten – als vielmehr ein blühendes Halbwissen statt wirklicher Kenntnisse zum Thema. Wie kann er ernsthaft behaupten: „Wie im übrigen Europa, konnten Juden [im zaristischen Russland; M.K.] in den freien Berufen und Künsten ihren Weg gehen [‚could establish themselves’ im englischen Original]. Eine beträchtliche Anzahl der führenden Ärzte und Rechtsanwälte des Russischen Reiches entstammte dem Ansiedlungsrayon.“

Wenn es nur so gewesen wäre! In Wahrheit wurden den Juden die Karrierewege systematisch versperrt, zumeist konnten sie nur im Ausland studieren, und vor der Niederlassung als Arzt oder Anwalt standen hohe bürokratische Hürden. Erst die Februarrevolution beseitigte diese formellen Diskriminierungen, ohne aber die antisemitische Agitation verhindern zu können – nachzulesen übrigens auch in Trotzkis „Geschichte der russischen Revolution“.[5]

Was aber mir, und offenbar nicht nur mir, auffiel, ist das bisweilen geradezu genüssliche Zitieren antisemitischer Angriffe auf Trotzki …

WSWS: … wobei es sich streng genommen nicht um Zitate handelt, denn Service vermeidet es meist, konkret die Autoren der angeführten antisemischen Angriffe anzuführen oder genaue Umstände oder Quellen dazu anzugeben. Dort, wo er ausnahmsweise einmal die Träger antisemitischer Vorurteile gegen Trotzki und andere bolschewistische Führer benennt, nämlich die deutsche Delegation bei den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk, erweisen sich seine Angaben bei genauerer Nachprüfung als haltlos: Weder in den Verhandlungsprotokollen noch in den Memoiren oder Briefen des Generals Max Hofmann oder des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt bzw. Reichsaußenministers Richard von Kühlmann finden sich irgendwelche Hinweise dafür, dass die Delegierten, wie Robert Service behauptet, die Bolschewiki als Abschaum betrachteten, weil sie so viele Juden in ihrer Führung aufwiesen.

Mario Kessler: Dem stimme ich zu. Besonders Kühlmanns Memoiren sind eine auch heute noch lesenswerte, wichtige Quelle. – Auf jeden Fall hätte Robert Service gut daran getan, bei all den von ihm angeführten antisemitischen Stimmungen und Angriffen Ross und Reiter zu nennen und in den historischen Zusammenhang zu stellen, in den sie gehören.

Konkret: Im russischen Bürgerkrieg 1918-21 gingen Antibolschewismus und Antisemitismus eine derart grausame wie auch leider wirkungsmächtige Allianz ein, dass auch ursprüngliche Gegner der Oktoberrevolution unter den Juden des Russischen Reiches sich schließlich den Bolschewiki anschlossen, da diese sie vor den „weißen“ Pogromisten schützten. Dies, und nicht die von Service betonten Karriere-Motive brachte viele Juden dazu, sich in der bolschewistischen Partei zu engagieren.

Zum Verständnis des Problems hätte Service durchaus das Dekret der Volkskommissare zur Bekämpfung des Antisemitismus vom 27. Juli 1918 [6] und dessen in der Tat rigorose Umsetzung erwähnen können, ja müssen. Das wäre besser gewesen, als über die „lauten Stimmen und scharfen Federn“ der jüdischen Bolschewiki nachzusinnen. Die Leserschaft hat schließlich ein Recht darauf, etwas über den komplizierten historischen Kontext zu erfahren.

WSWS: Auch nach dem Bürgerkrieg gab es in der Sowjetunion bei bestimmten Schichten noch antisemitische Stimmungen und Vorurteile …

Mario Kessler: … auch hierzu muss Genaueres gesagt werden, als es bei Service nachzulesen ist, zumal Trotzki in seinem, zu seinen Lebzeiten leider unpubliziert gebliebenen Aufsatz „Thermidor und Antisemitismus“ darauf einging.

Die aus der Zarenzeit herrührenden antijüdischen Vorurteile, wie konnte es anders sein, hatten Revolution und Bürgerkrieg zum großen Teil überdauert. Viele Gegner der Revolution versuchten diese als das Werk der Juden, verkörpert durch Trotzki, darzustellen. Da sich unter dem in der Neuen Ökonomischen Politik[7] entstandenen Kleinhändlertum zahlreiche Juden befanden, flossen Konkurrenzneid und Antisemitismus gegen sie oft zusammen. Auch innerhalb der Partei gab es Vorurteile gegen jüdische Funktionäre, von denen die allermeisten erst nach 1917 Bolschewiki geworden waren. Zuvor hatten sie meistens den sozialistischen Gruppierungen angehört, die mit der Partei Lenins verfeindet waren.

Die bolschewistische Partei hatte in den zwanziger Jahren die antisemitischen Erscheinungen zunächst mit einer Vielzahl von Aktivitäten bekämpft. Bemerkenswerterweise waren es oft nichtjüdische Kommunisten, die sich dabei hervortaten: Kalinin, Bucharin, Preobrashenski, Lunatscharski, Rjutin. Natürlich waren auch jüdische Bolschewiki an der Bekämpfung des Antisemitismus beteiligt. Sie publizierten eine Reihe von aufklärenden wie analytischen Schriften, unter denen Juri Larins Buch „Die Juden und der Antisemitismus in der UdSSR“ (1929) hervorragt.

Larin schrieb darin über das Anwachsen des Antisemitismus „unter dem rückständigen, mit der Bauernschaft verbundenen Teil der Arbeiter und unter den Frauen“, und fuhr fort: „Man hört oft Arbeiter antisemitische Bemerkungen machen, die die konterrevolutionäre Bedeutung des Antisemitismus nicht erkennen. Viele Tatsachen verweisen auf die Anwesenheit von Komsomolzen und Parteimitgliedern unter den Antisemiten.“ [8] Auch Trotzki listete in seinen „Fragen des Alltagslebens“ eine Reihe antisemitischer Äußerungen und Verhaltensweisen unter Arbeitern auf.

Der Antisemitismus unter Arbeitern wurde von antisemitischen Einstellungen unter einem Teil der russischen Intellektuellen begleitet. Dieser speiste sich auch aus einem (grundlosen!) Minderwertigkeitsgefühl gegenüber den oft international orientierten und entsprechend gebildeten Juden. Politische Aktivisten, die vor der Revolution dem Jüdischen Arbeiterbund oder der Poalei Zion angehört hatten, gelangten im Zuge des Radikalisierungs- und dann Auflösungsprozesses dieser beiden wichtigsten jüdisch-sozialistischen Parteien in den Parteiapparat der Bolschewiki. Damit entstand der Typ des jüdischen „Neophyten“, der seine antibolschewistische Vergangenheit durch ein Übermaß an Linientreue zu kaschieren suchte. Natürlich traf dies nicht auf alle jüdischen Parteimitglieder zu, auch nicht auf all jene, deren Eintrittsdatum nach der Oktoberrevolution und dem Bürgerkrieg lag. Dennoch bestimmten „neubekehrte“ jüdische Bolschewiki durch ihre lautstarken Aktionen in bedenklichem Maße das Bild, das sich der nichtjüdische Sowjetbürger vom jüdischen Parteifunktionär machte.

Hierzu gehören manche administrative Maßnahmen der Jüdischen Sektion der KP, der Jewsekzija. Ihre Funktionäre sabotierten mit teilweise rabiaten Mitteln die Ausübung des religiösen Kultus, den ihre jüdischen Mitbürger oftmals pflegten. Sie prangerten auch das Hebräische als angeblich zionistisches Idiom an und propagierten die offizielle Ideologie in oft recht plumper Manier. Wohl ungewollt schwächten sie mit ihrem Kampf gegen die „jüdisch-religiösen Überbleibsel“ auch die Existenzgrundlagen ihres Volkes, denn mangels eines geschlossenen Territoriums (sieht man vom Birobidshan-Projekt ab) standen bei den Juden Religion und Ethnizität in einem engeren Zusammenhang als bei anderen Nationalitäten.

Die Präsenz von Juden in der Kampagne zur Zwangskollektivierung am Beginn der dreißiger Jahre, in erster Linie die brutale Durchführung dieser Kampagne durch Kaganowitsch, einen Juden, in der Ukraine, trug entscheidend zum Wachstum des bäuerlichen Antisemitismus bei. Dennoch dürfte feststehen, dass die Stalinisierung der Sowjetunion zwar zum Anwachsen des Antisemitismus führte, dass auch die Stalin-Fraktion geschickt antijüdische Ressentiments ausnutzte, dass aber all dies ohne eine manifeste vorrevolutionäre Beeinflussung der Massen nicht möglich gewesen wäre. Die Stalinisten nutzten somit einerseits antisemitische Stimmungen geschickt in ihrem Sinne, erzeugten andererseits oft einen Antisemitismus unter der Oberfläche. Sie wirkten dem Antisemitismus keineswegs in der Weise entgegen, wie es nötig und möglich gewesen wäre.

Zur Entfremdung zwischen Juden und Nichtjuden trug auch das seit 1928 bestehende Verbot der Auswanderung aus der UdSSR bei. Obwohl dies alle Bürger betraf, kam es durch den Abbruch der zionistischen Auswanderung nach Palästina bei den Juden zu einem spezifischen „Emigrationsstau“ (als das Verbot dann in den 1970er Jahren allmählich weniger restriktiv ausgelegt wurde, erschienen die Juden mitsamt ihren Emigrationswellen wiederum als gegenüber den anderen Sowjetbürgern privilegiert).

Im Vorfeld des Paktes mit Deutschland wurde 1939 eine Reihe von Juden aus dem diplomatischen Dienst entfernt, darunter Außenminister Litwinow. Dies scheint vor allem damit zusammenzuhängen, dass jüdische Diplomaten besonders engagiert Litwinows Politik der kollektiven Sicherheit und damit ein Bündnis mit dem Westen gegen Hitler verfochten. Doch die schwersten Verluste hatten die Juden durch die Schließung vieler kultureller Einrichtungen, die Auflösung einer Reihe von Organisationen und die Hinrichtung zahlreicher Partei- und Staatsfunktionäre im Jüdischen Autonomen Gebiet Birobidshan im Fernen Osten zu erleiden. Wo hätte ein Trotzki, der bei Service seinem Gegner Stalin so ähnlich ist, diese Dinge geduldet, geschweige denn in die Wege geleitet?

WSWS: Das Schüren von Antisemitismus spielte ja auch im Kampf der von Stalin geführten Bürokratie gegen Trotzki und die Linke Opposition eine Rolle. Welche Form nahm das an?

Mario Kessler: Etwa ab 1926/27 begann die Stalin-Fraktion im Kampf um die Macht gegen die rivalisierende Vereinigte Opposition sich der antisemitischen Vorurteile zu bedienen, die, wie bereits erläutert, noch aus der Zarenzeit herrührten und in bäuerlichen oder auch im Bauerntum noch stark verwurzelten Arbeiterschichten schlummerten.

Damals ließ Stalin, Trotzki zufolge, halböffentlich verbreiten, an der Spitze der Opposition stünden drei unzufriedene Juden: Trotzki, Kamenew und Sinowjew. In der untergründig geführten Kampagne dürfte das Wort „Jude“ nur selten gefallen sein. Doch in Stalins Versicherung, man bekämpfe die oppositionelle Troika nicht deshalb, weil ihre Mitglieder Juden, sondern weil sie Parteifeinde seien, lag indirekt der konstruierte Antagonismus Russen-Juden beschlossen. Die Identifizierung von Juden mit der Opposition dürfte aber auch ohne direkte Anleitung funktioniert haben. Stalin und seine Fraktion nutzten antisemitische Ressentiments aus, schufen sie aber nicht.

Die Moskauer Schauprozesse der dreißiger Jahre erbrachten jedoch eine neue „Qualität“. Eine nur schlecht als „Sowjetpatriotismus“ getarnte antisemitische Propaganda gegen die angeblichen „volksfremden“ Angeklagten begleitete die Terrorprozesse. Dabei nutzte Stalin ein Dilemma, mit dem sich seit Ende der zwanziger Jahre alle internationalistisch orientierten Bolschewiki konfrontiert sahen: „… die Bolschewiki jüdischer Herkunft waren am wenigsten von allen geneigt, das bäuerliche Russland in seiner Primitivität und Barbarei zu idealisieren und den einheimischen Bauernkarren im ‘Schneckentempo’ hinter sich herzuziehen“, schrieb Isaac Deutscher. „Das Ideal des ‘Sozialismus in einem einzelnen Land’ war nicht für sie bestimmt.“ [9]

Zwar musste der neue Sowjetpatriotismus nicht zwangsläufig eine antijüdische Komponente haben. Im Gegenteil: Der Antisemitismus wurde offiziell als überwunden deklariert, der prinzipielle Antagonismus zum Nazismus betont. Doch die antisemitischen Untertöne der Schauprozesse heizten das Klima ebenso an wie in scheinbar entgegen gesetzter Weise die relativ hohe Präsenz von Juden in den Macht- und Repressionsorganen.

WSWS: In welcher Form waren diese antisemitischen Untertöne bei den Schauprozessen zu beobachten? Wurden da nicht gezielt existierende oder unter der Oberfläche schlummernde antisemitische Vorurteile geweckt oder bedient, indem die jüdischen Angeklagten nicht mit ihren Parteinamen, sondern mit ihren jüdischen Geburtsnamen angesprochen wurden?

Mario Kessler: Natürlich. Trotzki selbst hat, und dies mit Recht, darauf aufmerksam gemacht. „Um ihre Herrschaft zu stärken“, erklärte er im Januar 1937 in einem Interview in Mexiko, „scheut die Bürokratie nicht davor zurück, auf kaum verschleierte Weise sogar zu chauvinistischen, vor allem antisemitischen Tendenzen Zuflucht zu nehmen. Der letzte Prozess [gegen Sinowjew, Kamenew und vierzehn weitere Bolschewiki] zum Beispiel wurde mit der kaum verhüllten Absicht aufgezogen, die Internationalisten als Juden ohne Treu und Glauben hinzustellen, die imstande sind, sich an die Gestapo zu verkaufen. Seit 1925, und besonders seit 1936, geht eine verschleierte, unangreifbare antisemitische Demagogie Hand in Hand mit symbolischen Prozessen gegen wirkliche Pogromisten. [...] Die Führer bedienen sich geschickter Methoden, um die Missstimmung, die gegen die Bürokratie gerichtet ist, zu kanalisieren und besonders gegen die Juden zu richten.“ [10]

Angesichts des bösartigen Antisemitismus, von dem Stalin in seinen letzten Lebensjahren besessen war, liest sich diese Erklärung leider noch weit überzeugender, als sie vielen Zeitgenossen Trotzkis erscheinen konnte. Spätere Forschungsergebnisse etwa von Salomon Schwarz, Zvi Gitelman oder in jüngerer Zeit von Matthias Vetter – alles Autoren, die dem Trotzkismus fern standen oder stehen – haben Trotzkis Aussagen empirisch erhärtet. Warum wohl ignoriert Service all dies?

WSWS: Die ersten vier Kapitel seines Buches will Robert Service seine Leser glauben machen, Leo Trotzki habe in seiner Kindheit und Jugend nicht „Lew“ geheißen, sondern den Namen „Leiba“ getragen. Erst im Alter von 18 Jahren habe er sich entschieden, den Vornamen zu wechseln, was Trotzki in seiner Autobiografie „Mein Leben“ verheimlicht habe. Service will damit belegen, dass Trotzki ein unzuverlässiger, ja unglaubwürdiger Autor sei. Fast in jedem Absatz spricht Service Trotzki immer wieder nur mit diesem Vornamen „Leiba“ an, wohl um den Leser so lange zu bearbeiten, bis er es auch ohne und entgegen aller Belege glaubt.

Mario Kessler: Wäre Trotzki in einer jiddisch-sprachigen Umgebung aufgewachsen, dann hätte er durchaus „Lejba“ heißen können. Das war aber nicht der Fall. Er hieß Lew, und so soll er wohl auch in der deutschen Ausgabe des Buches heißen, wenn man der Programmankündigung von Suhrkamp im Internet vertrauen darf. Einmal mehr drängt sich der Eindruck auf: Wo Trotzki in irgendeiner Weise in eine dubiose Ecke gedrängt werden kann, tut Service dies, auch wenn die historischen Tatsachen dabei unter die Räder geraten.

WSWS: Wie ist es zu verstehen, dass Robert Service diese aus der Zeit der Stalinschen Verfolgung bekannten Vorgehensmuster jetzt wiederbelebt? Was ist der Kontext?

Mario Kessler: Ich sehe zwei Ursachen. Die eine Ursache hat mit der Atmosphäre speziell in Teilen der angelsächsischen Intelligenzija zu tun, in der nach meiner Beobachtung derzeit manche einschlägigen Vorurteile gedeihen. Es geht um eine, ich muss es so sagen, vulgär-materialistische Sicht auf den Nahost-Konflikt und auf Israel. Die notwendige und prinzipielle Kritik am israelischen Okkupationsregime in der Westbank und im Gaza-Streifen wird verwechselt, und dies wohl mit Absicht, mit abenteuerlichen Ideen, das „zionistische Projekt“, und zwar unter Einschluss der israelischen Linken und Linksliberalen, zu „boykottieren“, um es zu beenden.

Konkret: In England wurde vor einigen Jahren der Linguist Gideon Toury, dessen Vater ein aus dem Nazireich vertriebener fortschrittlicher Historiker war, aus dem Beirat einer wissenschaftlichen Zeitschrift verbannt, und zwar keineswegs aufgrund seiner politischen Haltung, sondern schlicht aufgrund der Tatsache, dass er Israeli ist. Die britische „linke und liberale Öffentlichkeit“ hielt es, soweit ich das verfolgen konnte, im Unterschied zum Nationalen Studentenverband oder auch zur amerikanischen Philosophin Judith Butler, nicht für nötig, mit Toury Solidarität zu üben oder sich von den Herausgebern der Zeitschrift zu distanzieren. [11]

Ist das die Politik der „Solidarität mit Palästina“, wenn sie zu einem unterschiedslosen Boykott israelischer Wissenschaftler aufruft, ganz gleich, wie deren politische Positionen sind? Ist das nicht eine Pauschalverurteilung der Israelis? Wie weit aber ist eine solche Haltung von antisemitischen Ressentiments noch entfernt? Bereitet sie solchen Ressentiments nicht zumindest den Boden? Ist das der Weg hin zu einem Antisemitismus in vorgeblich aufklärerischem Gewand?

Ich gehe nicht zu weit, wenn ich befürchten muss, dass eine „Dosis“ an Spott über Trotzki, den Revolutionär, Theoretiker und – den Juden, recht gut in eine Atmosphäre passt, in der frühere „Salonlinke“ alles, was sie an Klassenanalyse einst gelernt hatten, zugunsten der Pflege alter und neuer Vorurteile aufgegeben haben – mögen diese Vorurteile im Gewand eines falschen „Antitrotzkismus“ oder eines echten, wenngleich dosierten Antisemitismus daherkommen.

Die zweite, mehr allgemeine Ursache ist: In der ganzen Welt wurden rechtsgerichtete Kreise, aber auch reaktionäre, sich jedoch liberal gebende Teile der kapitalistischen „Eliten“ und ihrer intellektuellen Stichwortgeber von einer großen Furcht vor einer Renaissance sozialistischer Ideen erfasst. Um ihr entgegenzuwirken, muss jede sozialistische Alternative zu Stalin mit dem Odium der Gewalt und des Terrors belastet werden. Was liegt näher, als gerade Trotzki, den klügsten und mutigsten Gegner Stalins, dessen Schriften auch heute noch Anlass zum Nachdenken über den Sozialismus geben, als im Prinzip von Stalin kaum unterscheidbar hinzustellen?

WSWS: Vielen Dank für das Gespräch!


[1] Veröffentlicht am 19. November 2011 in der World Socialist Web Site; dokumentiert auf www.trotzki.de.

[2] Leon Trotsky, On the Jewish Question, New York 1970, S. 29

[3] Siehe Joseph Nedava, Trotsky and the Jews, Philadelphia 1972, S. 272

[4] Joshua Rubenstein, Leon Trotsky. A Revolutionary’s Life, New Haven/London 2011

[5] Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, Bd. 2, Frankfurt a. M. 1982, S. 723

[6] abgedruckt in: Dekrety sovetskoj vlasti, Bd. 3, Moskau 1964, S. 93

[7] Die Neue Ökonomische Politik (auf Russisch abgekürzt NEP) wurde in der Sowjetunion 1921 nach dem siegreichen Ende des Bürgerkrieges beschlossen. Zur Verbesserung der Versorgung mit Lebensmitteln und der Industrieproduktion nach der Periode der Kriegswirtschaft führte sie in bestimmten Grenzen wieder Märkte und Marktmechanismen ein.

[8] Ju. O. Larin, Evrei i antisemitizm v SSSR, Moskau/Leningrad 1929, S. 239

[9] Isaac Deutscher, Trotzki, Bd. II: Der unbewaffnete Prophet, Stuttgart 1972, S. 254

[10] Die Passage findet sich auf Deutsch bei John Bunzl, Klassenkampf in der Diaspora. Zur Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung, Wien 1975, S. 150.

[11] Zur Haltung der WSWS zum Fall Gideon Toury siehe:

Against the boycott of Israeli academics - Statement by the World Socialist Web Site - 12 July 2002“,

A letter on the boycott of Israeli academics and an answer by David North and Bill Vann – 17 July 2002”,

WSWS replies to letters on boycott of Israeli academics—30 July 2002

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