Sri Lanka: Plantagenarbeiter kritisieren Gewerkschaften

Von Panini Wjesirwardane und M. Vasanthan
15. Mai 2012

Arbeiter der Teeplantagen in Hatton und Bandarawela aus dem srilankischen Distrikt Central Hill sprachen vor kurzem mit WSWS-Reportern über den Kongress der Plantagenarbeiter am 20. Mai. Der Kongress wird über ein sozialistisches Programm diskutieren und abstimmen, um die demokratischen Rechte, Arbeitsplätze und Lebensbedingungen der Plantagenarbeiter zu verteidigen.

Auf der Plantage Welioya Estate, acht Kilometer außerhalb von Hatton, fand im März ein Streik von 1.200 Teeplantagenarbeitern statt. Sie wehrten sich damit gegen die Entscheidung der Plantagenbesitzer, die Arbeitsleistung von siebzehn Kilogramm zu pflückender Teeblätter auf zwanzig Kilogramm pro Arbeiter zu erhöhen.

Die Arbeiter von Welioya Estate bedankten sich bei der SEP für ihre Unterstützung während des Streiks. Ein Arbeiter sagte: „Ihr seid die einzige Organisation, die ein Programm für unseren Kampf vorgestellt hat. Auch wenn der Streik jetzt vorbei ist, seid ihr noch da. Ihr habt während des Streiks erklärt, dass uns die Gewerkschaften alle verraten würden und für das Management statt für uns arbeiten. Das ist uns jetzt klar.

Der Arbeiter sagte, zwei Führer der National Union of Workers (NUW) seien vom Management belohnt und nach dem Streik auf höhere Positionen befördert worden. Der Chef der NUW ist der Abgeordnete P. Thigambaram, der die amtierende Koalitionsregierung von Präsident Mahinda Rajapakse unterstützt.

„Ihr habt gesagt, wir sollen mit den Gewerkschaften und ihrer Politik brechen“, sagte er, „und jetzt diskutieren wir über diese Fragen.“

Über die Forderungen der SEP nach einer Rebellion gegen die Gewerkschaften und die Gründung unabhängiger Aktionskomitees sagte der Arbeiter vom Welioya Estate: „Ich verstehe euer Programm zu einem gewissen Grad, aber mir ist das mit den Aktionskomitees nicht ganz klar. Was ist der Hauptunterschied zwischen diesen Komitees und den Gewerkschaften? Wie gehen diese Komitees mit dem Management um? Wird das Management diese Komitees akzeptieren? Wir wollen auf dem Kongress über diese Fragen diskutieren, und deshalb nehmen ich und einige Freunde von mir daran teil.“

Ein anderer Plantagenarbeiter wies auf die Rolle hin, die der Ceylon Workers Congress (CWC) gespielt hat. Der CWC ist die größte Plantagenarbeitergewerkschaft, ihr Chef ist Arumugam Thondaman, der Minister für Viehzucht und landwirtschaftliche Entwicklung.

„Ich bin Mitglied des CWC. Sie haben uns gesagt, sie werden an dem Streik nicht teilnehmen und haben alles dafür getan, unseren Kampf zu behindern. Trotz dieser Hemmnisse haben alle Arbeiter dieser Plantage an dem Streik teilgenommen, weil sie die Arbeitslast nicht mehr aushalten, die man uns aufbürden will.“

Er sagte, es gebe keine Unterschiede zwischen dem CWC und den anderen Plantagenarbeitergewerkschaften, die behaupten, sie würden den Streik unterstützen. „Radhakrishnan [der Chef der Upcountry Peoples Front] kam zusammen mit Minister Mahindananda [Aluthgamage] und forderte uns auf, den Streik zu beenden. Sie behaupteten, das Management habe sich bereit erklärt, das Arbeitspensum nicht zu erhöhen, und der Manager solle innerhalb eines Monats versetzt werden.“

Er erzählte weiter, der Streik wurde beendet, aber keines der Versprechen wurde erfüllt. „Das Unternehmen, die Regierung und die Gewerkschaften haben uns gemeinschaftlich betrogen. Es ist wie ihr sagt, wenn wir unsere eigene Bewegung haben, können sie uns nicht betrügen. Ich denke, eine der Aufgaben dieses Kongresses ist es, so eine Bewegung aufzubauen, und deshalb nehme ich daran teil.“

Ein 82-jähriger pensionierter Arbeiter erzählt von seinen Erfahrungen in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren. „Ich war Mitglied der Lanka Sama Samaja Party [LSSP]. Wir haben zusammen mit den Arbeitern aus der Stadt unter Führung der LSSP große Kämpfe geführt“, sagte er.

„Damals haben wir fest an den Sozialismus geglaubt. Aber 1964 beteiligte sich [die LSSP] an der Regierung von Premierministerin Sirima Bandaranaike. Sie unterzeichnete eine Vereinbarung mit Indien, dass ein Teil der Plantagenarbeiter wieder nach Indien ausgewiesen werden sollte, weil sie angeblich keine Bürger dieses Landes waren. Danach schwand unser Glaube an den Sozialismus.“

Ein anderes SEP/ISSE-Kampagnenteam besuchte die Plantage Aislaby Estate in Bandarawela, auf der etwa eintausend Arbeiter beschäftigt sind. Die Arbeitsleistung, die sozioökonomischen Bedingungen und die Erfahrungen mit den Gewerkschaften ähneln denen auf dem Welioya Estate. Schlechte Wohnungen, hohe Jugendarbeitslosigkeit und Unterernährung sind brennende Probleme der Arbeiter vom Aislaby Estate und ihrer Familien.

Nachdem das Management von Aislaby das Arbeitspensum auf zwanzig Kilogramm Teeblätter täglich erhöht hatte, gingen die Arbeiter zu der lokalen CWC-Niederlassung in Bandarawela, um sich mit Gewerkschaftsführern zu treffen und eine Aktion gegen die Maßnahme zu fordern. Die Gewerkschaft tat nichts.

Eine Arbeiterin kritisierte die Reaktion der Gewerkschaft: „Sie haben gesagt, wir sollen uns gedulden. Aber wie können wir uns mit dieser unerträglichen Arbeitslast gedulden?“

„Ich habe beschlossen, alleine zu kämpfen, und mich öffentlich gegen die Steigerung gestellt. Deswegen habe ich für sieben Tage Lohn verloren. Ich merkte, dass es nichts bringt, Mitgliedsbeiträge an diese Gewerkschaften zu zahlen, denn sie dienen den Unternehmen, aber ich fragte mich, wie der Kampf weitergehen soll. Es ist gut, dass ihr da seid.“

Aislaby Estate war immer ein wichtiges Zentrum in dem langen und prinzipientreuen Kampf der SEP und ihrer Vorgängerorganisation, der Revolutionary Communist League (LCR) für die Verteidigung der Plantagenarbeiter.

Sie erinnert sich an diese Kämpfe: „Damals habe ich eure Zeitung Tholilalar Pathai (Pfad der Arbeiter) gelesen. Schon damals habt ihr uns erklärt, welche Rolle die Gewerkschaften spielen und uns gesagt, wir sollen mit ihnen brechen. Aber das haben wir nicht ernst genommen. Jetzt verstehe ich, dass es für die Arbeiter ohne einen Bruch mit den Gewerkschaften nicht vorwärts gehen kann.“

Als die SEP- und ISSE-Vertreter die Aufmerksamkeit auf die wachsende Politisierung der Arbeiter weltweit lenkten, fragte die Arbeiterin, wie die imperialistischen Mächte ihre Kontrolle in Ägypten und Tunesien wiedererlangen konnten, nachdem die Arbeiterklasse die Diktatoren dieser Länder gestürzt hatte. Sie wollte wissen, welche Rolle die Gewerkschaften in diesen Kämpfen spielten.

Ein anderer Plantagenarbeiter beteiligte sich an der Diskussion: „Wenn wir mit euch reden, verstehen wir, dass alle Arbeiter der Welt die gleichen Probleme haben, und dass es ein Weltprogramm geben muss, um diese Probleme zu lösen. Wenn wir andere Politiker, Gewerkschafter und die Medien hören, hören wir nur, dass es kurzfristige, lokale Lösungen geben soll. Aber wenn wir für diese Lösungen kämpfen, verlieren wir. Ich glaube, deshalb sagt ihr uns, wir sollen mit der kurzfristigen Politik brechen.“

Eine andere Plantagenarbeiterin stellte Fragen zum Internationalismus und dem Kampf zur Entwicklung der SEP in Indien: „Es ist sehr interessant, wenn Ihr über die Einigkeit der weltweiten Arbeiterklasse redet. Ja, wir müssen mit den Millionen von Arbeitern in Indien zusammenarbeiten. Ich werde definitiv an eurem Kongress teilnehmen und darüber diskutieren.“

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