Die New York Times bejubelt den Bombenterror in Damaskus

Von Alex Lantier
24. Juli 2012

Die New York Times hat den Bombenterror in Damaskus vom 18. Juli, bei dem mehrere syrische Sicherheitschefs getötet wurden, mit unverhülltem Enthusiasmus begrüßt.

Ihr Leitartikel vom 19. Juli trug die Überschrift „Bomben in Damaskus töten wichtige Vertraute Assads und versetzen ihm einen mächtigen Schlag beim Kampf um Syrien.“ Der Leitartikel „Meuchelmord in Damaskus“ verurteilte Präsident Baschar al-Assad und verlangte von Russland, der UNO die Verhängung von Sanktionen gegen Assad zu gestatten, „wenn er den Friedensplan weiter durchkreuzt.“

Die Reaktion der New York Times versinnbildlicht den Orwell’schen Charakter der Bemühungen der US-Medien, den syrischen Krieg als Teil des Kampfes der USA für die Demokratie darzustellen. Aus einer Reihe von grotesken Euphemismen zusammengesetzt, gründen sich die Berichte der Times deutlich auf die Annahme, dass niemand die Widersprüche in ihrer Haltung bemerken oder auch nur versuchen wird, zu verstehen, was die Zeitung wirklich meint.

Was die Times als „mächtigen Schlag“ bejubelt, ist nichts anderes als ein terroristischer Bombenanschlag, der von US-gestützten syrischen Islamisten ausgeführt wurde und das Ziel hatte, führende Regimevertreter in Damaskus zu ermorden.

Was den „Kampf um Syrien“ angeht, so handelt es sich dabei um eine nie dagewesene logistische Operation der USA, Großbritanniens und Frankreichs zur Koordination finanzieller und militärischer Hilfe durch die Scheichtümer am Persischen Golf und die islamistische Regierung der Türkei zugunsten rechtsgerichteter syrischer Kräfte, die Assad feindlich gesonnen sind.

Während sie positiv über diesen „Kampf“ berichtete, enthielt dieselbe Ausgabe der Times auf der zweiten Seite einen Artikel, der sich mit dem zunehmenden Bombenterror der Aufständischen in Syrien und der Ausbildung im Bombenbauen durch islamistische Gruppen in der Türkei beschäftigte. Der Artikel trug die Überschrift: „Rebellen verfeinern ihre Fertigkeit im Umgang mit Bomben, um Chancengleichheit herzustellen.“

Diese wundersame Darstellung einer terroristischen Destabilisierungskampagne durch die US-Regierung und ihre Verbündeten gegen das Assad-Regime dient einer entscheidenden politischen Funktion. Sie versetzt die Times in die Lage, US-Kriegsziele zum Teil hinter dem Vorwand zu verstecken, die USA führten einen Kampf für Demokratie und Frieden in Syrien – obwohl die US-Regierung nicht beabsichtigt, sich mit einem „Friedensplan“ für Assad zu begnügen.

Dieser Vorwand widerspricht der Wirklichkeit so eklatant, dass der Versuch der Times, ihn zu vertreten, schnell ins Absurde abgleitet. Während sie sich redlich bemüht, die Politik der USA in Syrien als Unterstützung für eine wahrhaft demokratische Bewegung darzustellen, bejubelt die Times die Straßenbomben der syrischen Opposition überschwänglich als Symbole der Volksbefreiung.

Sie schreibt: „Die Waffe, die in der Vorstellung des Volkes und in der öffentlichen Diskussion von Untergrundkämpfern als Mittel zur Vertreibung ausländischer Besatzer hoch gehalten wurde – ob von Russen in Tschetschenien oder Amerikanern im Irak oder Afghanistan – wendet sich jetzt durch das eigene Volk gegen ein stehendes arabisches Heer.“

Selbst in einer Zeit, in der die Verlogenheit weit verbreitet ist, ist diese lyrische Präsentation islamistischer Bombenleger durch die Times wahrlich verblüffend.

Washington hat den Irak und Afghanistan besetzt – was das Leben von mehr als 1,2 Millionen Irakern, hunderttausenden Afghanen und tausenden von US- und Nato-Soldaten gekostet hat – und behauptet, es müsse einen „Krieg gegen den Terror“ gegen islamistische Kräfte führen. Es setzt im Nahen Osten, in Zentralasien und Afrika routinemäßig Drohnen ein, um Menschen ohne Prozess zu töten, nur weil es sie verdächtigt, Verbindung zu solchen Gruppen zu haben.

Dennoch zollen die US-Medien den Terrormethoden der syrischen Islamisten ohne Hintergedanken Beifall, die – zumindest derzeit – mit Washington zusammenarbeiten.

Was wäre passiert, wenn eine Bombe im Hauptquartier des syrischen Nationalrates, der führenden von den USA gestützten syrischen Oppositionsgruppe, explodiert wäre? Washington hätte die Tat zweifellos als terroristische Grausamkeit gebrandmarkt und als Druckmittel für einen Regimewechsel in Syrien eingesetzt.

Dies war im Wesentlichen die Situation, als die Bush-Regierung 2005 ohne Beweise behauptete, syrische Kräfte im Libanon seien für den Mord am libanesischen Premierminister Rafik Hariri schuld. Die USA erzwangen damals den Rücktritt der libanesischen Regierung und den Abzug syrischer Truppen aus dem Libanon.

Damals sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan: „Wir verurteilen diesen brutalen Angriff aufs Schärfste. Er nannte Hariris Tod „eine schreckliche Erinnerung daran, dass das libanesische Volk in der Lage sein muss, seine Hoffnungen und seine politische Zukunft frei von Gewalt und ohne syrische Besatzung zu gestalten.“

Nichts dergleichen ist heute von führenden Regierungsvertretern der USA zu hören, denn schließlich sehen sie die Bomben als politisches Instrument in ihrem Syrien-Feldzug. In der Tat schrieb die Times, dass Analysten sich nach den Bomben von Damaskus fragten, „ob andere Militäreinheiten und Schlüsselfiguren der militärischen Führung möglicherweise stärker geneigt sein könnten, die Seiten zu wechseln“ und die US-gestützten „Rebellen“ zu unterstützen.

Die größeren geopolitischen Ziele, die der US-Kampagne zur Beseitigung Assads zugrunde liegen, wurden am 20. Juli in einem Artikel der Times dargelegt. Darin wurde klargestellt, dass es sich bei dem Krieg um einen Kampf zur Reintegration Syriens und des gesamten Nahen Ostens in Washingtons Einflusszone handelt. Die USA spekulieren darauf, dass die Einsetzung eines Marionettenregimes in Syrien ihnen erlauben wird, alle Opposition im Nahen Osten auszuradieren und den Iran zu isolieren.

Die Times schrieb: „Der Sturz der Assad-Regierung würde den letzten und wertvollsten Partner des schiitischen Iran in der arabischen Welt und seinen Zugang zum Mittelmeer beseitigen. Er würde das Ziel Saudi-Arabiens und anderer sunnitischer arabischer Staaten erfüllen, den iranischen Einfluss in der Region einzudämmen und das Bündnis zwischen Teheran und Damaskus, das jahrzehntelang bestanden hat, endgültig zu brechen...

Die militante palästinensische Hamas, die lange von Syrien und dem Iran abhängig war, hat sich bereits hinter die Syrer gestellt, die auf die Straße gehen und Assads Sturz betreiben. Aus Teherans Sicht könnten sich die Dinge noch schlimmer entwickeln. Der letzte Verbündete des Iran und Syriens, die Hisbollah im Libanon, würde eine ihrer Hauptquellen finanzieller Unterstützung verlieren.

Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah reagierte auf die Nachrichten von den Bombenanschlägen vom 18. Juli mit einer Rede, in der er die Rolle betonte, die das Assad-Regime bei der Bewaffnung der Hisbollah gegen den israelischen Angriff von 2006 spielte: „Die wertvollsten Waffen in unserem Besitz kamen aus Syrien.

Die Raketen, die wir im zweiten Libanon-Krieg einsetzten, waren in Syrien hergestellt. Und das gilt nicht nur für den Libanon, sondern auch für Gaza. Wo kamen diese Raketen her? Vom saudischen Regime? Vom ägyptischen Regime? Diese Raketen kamen aus Syrien.“

Die Bomben von Damaskus haben die soziale Physiognomie der syrischen Opposition und die Ziele des Imperialismus, der ihr den Rücken stärkt, enthüllt. Die Behauptung, diese Kräfte führten eine Revolution gegen Assad durch, dienen nur dazu, den öffentlichen Widerstand gegen den Krieg zu verwirren und den Schichten kleinbürgerlicher „linker“ Gruppen – wie der International Socialist Organisation in den USA, der britischen Socialist Workers Party und der Neuen Antikapitalistischen Partei in Frankreich – einen Vorwand zu liefern, sich hinter die imperialistische Kriegstreiberei zu stellen.

Die Bomben von Damaskus haben die politischen Kräfte, die die syrische Opposition als angeblich revolutionäre Kraft unterstützen, als Instrumente der islamistischen Reaktion, des US-Imperialismus und des europäischen Imperialismus entlarvt.