Vermehrte Anzeichen einer globalen Rezession

Von Nick Beams
7. August 2012

Die andauernde Eurokrise macht sich immer stärker auch in der globalen Wirtschaft bemerkbar, und vieles deutet auf eine Weltrezession hin, die gerade an Fahrt gewinnt.

Als in den Vereinigten Staaten vor kurzem bekannt wurde, dass die Zahl der Arbeitsplätze im vergangenen Monat um 163.000 zugenommen habe, wurde dies als positives Zeichen gewertet. Aber die Arbeitslosenrate war von 8,2 auf 8,3 gestiegen, obwohl die arbeitsfähige Bevölkerung um 150.000 gesunken war. Selbst wenn die Wirtschaft längerfristig wachsen sollte, wird das Wachstumstempo nicht ausreichen, die Arbeitslosigkeit zu verringern.

In einer kürzlichen Einschätzungen zur amerikanischen Wirtschaft erklärte der Internationale Währungsfonds, sie werde nur „verhalten“ um etwa zwei Prozent wachsen. Die USA erleben gegenwärtig den schlechtesten „Aufschwung“ nach einer Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg und: „Die Aussichten bleiben schwierig“, so der IWF.

Der IWF warnte, den USA drohten “negative Risiken” wegen einer “weiteren Verschlechterung der Euroschuldenkrise“. Diese beeinträchtige die Nachfrage nach Exporten und wirke sich auf die Finanzmärkte aus. Auch eine neue Hängepartie bei der Anhebung der amerikanischen Schuldenobergrenze bleibe nicht ohne Auswirkungen.

Der Leiter der amerikanischen Abteilung des IWF, Gian Maria Milesi-Ferretti, sagte, die amerikanische „Erholung“ sei auf absehbare Zeit von der so genannten „Haushaltskonsolidierung“, d.h. von den Kürzungen bei den Staatsausgaben, und einem Rückgang der Privatkredite beeinträchtigt. Der „amerikanische Beitrag zur globalen Nachfrage wird geringer sein als vor der Finanzkrise“, sagte Milesi-Ferretti.

2008-2009 leistete das andauernde Wachstum der chinesischen Wirtschaft einen wichtigen Beitrag, die Weltwirtschaft aus der Rezession von zu ziehen. Künftig wird sie die gleiche Rolle nicht mehr spielen können.

Jüngste Daten zeigen, dass die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal um 7,6 Prozent gewachsen ist; das ist das geringste Wachstum seit drei Jahren. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Wachstumsrate weiter sinken könnte. Ein Schlüsselfaktor, der die chinesische Wirtschaft nach der Finanzkrise 2008 am Laufen hielt, war das staatliche Konjunkturprogramm von vermutlich über 500 Milliarden Dollar und die gestiegene Kreditvergabe durch die Banken. Beide Aspekte werden sich wohl nicht wiederholen lassen.

Vor der Finanzkrise bestand das größte Ungleichgewicht der chinesischen Wirtschaft in ihrem Handelsüberschuss. Heute beträgt Chinas Handelsbilanzüberschuss nur noch ein Drittel dessen, was er 2007 betrug. Jetzt ist ein neues Ungleichgewicht entstanden. Die Wirtschaft ist heute sehr stark von Investitionen abhängig, die ca. fünfzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, während die Konsumausgaben nur 35 Prozent beitragen.

Die chinesische Wirtschaft (und darüber hinaus alle asiatischen Wirtschaften) sind nicht nur vom langsamen Wachstum in den USA, sondern auch von der Krise in Europa stark betroffen. „Die Probleme, die die Wachstumsschwäche in Asien verursachen, kommen überwiegend von außerhalb der Region“, sagte Rob Subbaraman, Chefökonom der Nomura Bank in Hongkong, gegenüber Reuters. „Europa ist für die meisten asiatischen Länder ein größerer Exportmarkt und ein größerer Investor in der Region als die USA.“

Besonders wegen ihrer geringen Profitraten werden chinesische Firmen, speziell in der Produktion, von den verlangsamten Wachstumsraten hart getroffen. Chinesische Stahlproduzenten haben im ersten Halbjahr einen Profitrückgang um 96 Prozent zu verzeichnen. Dadurch verwandelt sich diese Industrie in den Worten einer Wirtschaftszeitung in eine „Katastrophenzone“. Zhu Jimin, der Vorsitzende des Verbandes der Chinesischen Eisen- und Stahlproduzenten, erklärte, die schwächere Stahlnachfrage habe ihre Ursache in einem „Rückgang im ersten Halbjahr bei den Investitionen in der Bauindustrie, bei Eisenbahnen, Autos und Schiffen“.

Der Abschwung ist in der ganzen verarbeitenden Industrie spürbar. Die Profite in den Staatsunternehmen, die immer noch einen beträchtlichen Faktor in der chinesischen Wirtschaft darstellen, sind in den ersten sechs Monaten des Jahres um fast zwölf Prozent gefallen. Das ist seit dem Ausbruch der Finanzkrise in 2008 das schlechteste Ergebnis.

Der offizielle Einkaufsmanagerindex der Industrie (PMI) fiel von 50,2 Punkten im Juni auf 50,1 Punkte im Juli, den schwächsten Wert seit acht Monaten. Die Zahlen zeigen, dass zwar der Ausstoß noch leicht gestiegen ist (alles über fünfzig Punkte bedeutet Wachstum), Auftragseingänge und Exporte aber gesunken sind.

Der Rückgang der Produktion ist am stärksten in Europa ausgeprägt, wo der Einkaufsmanagerindex Markit im Juli auf 44 fiel, nach 45,1 im Juni. Das ist der geringste Wert seit Juni 2009. Der Rückgang beschränkt sich dabei nicht auf die hochverschuldeten Länder. Chefökonom Chris Williamson von Markit sagte, seit drei Jahren verzeichneten Deutschland und Frankreich einen besonders starken Rückgang.

Großbritannien steckt in der zweiten Rezession seit vier Jahren. Die Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal um 0,7 Prozent, vor allem wegen der Haushaltskürzungen der Regierung und der Probleme in der Eurozone. Die Tatsache, dass der PMI bei Markit für Großbritannien im Juli auf 45,4 Prozent gefallen ist, weist darauf hin, dass die Wirtschaft einen weiteren Rückgang hinnehmen muss.

Markit Ökonom Rob Dobson kommentierte: “Der Binnenmarkt zeigt keine wirklichen Anzeichen für eine Belebung. Hoffnungen darauf, dass der Export uns in ruhigere Fahrwasser bringen könnte, werden von den ständigen Problemen unserer Haupthandelspartner in der Eurozone unterlaufen.“ Mehrere Firmen haben ihre Tätigkeit auf das Niveau vom März 2009 zurückgeschraubt, dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise.

Ein Maß für die globale Gesamtlage ist der Global Manufacturing PMI von JPMorgan. Er fiel von 49,1 im Juni auf 48,4 im Juli. JPMorgan schrieb, weitere Arbeitsplatzverluste könnten die Folge sein. „Die jüngsten Kostensenkungen könnten noch eine Atempause verschaffen, aber das wird langfristig wenig nützen, wenn die Nachfrage nicht anzieht“, warnte ein Sprecher der Bank.

Der Rückgang der Wirtschaftsaktivität, der so stark ist wie seit der Rezession nach dem Ausbruch der Finanzkrise von 2008 nicht mehr, ist schon an sich bedeutsam. Aber was die Lage noch zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass alle Maßnahmen, die seither ergriffen wurden, um wirtschaftliche Anreize zu setzen, einschließlich der Billionen Dollar, die den Banken nachgeworfen wurden, nicht zu einer dauerhaften Lösung beigetragen haben. In keinem einzigen Land haben die Herrschenden eine Vorstellung, wie ein neuer Wirtschaftsaufschwung zu bewerkstelligen sei. Im Gegenteil, sie konzentrieren sich alle lediglich darauf, die Angriffe auf die soziale Position der Arbeiterklasse zu verschärfen.