Lufthansa treibt Stellenabbau voran

Von Ernst Wolff
30. Oktober 2012

Die Konzernleitung der Lufthansa hat ihre Angriffe auf das eigene Personal im Oktober erheblich verschärft. Bereits Anfang des Monats hatte sie angekündigt, ab 2013 alle innerdeutschen und Europa-Flüge, die nicht an den beiden Drehkreuzen Frankfurt oder München starten oder landen, an das Tochterunternehmen Germanwings abzugeben. Dessen Piloten und Kabinenpersonal erhalten bis zu 40 Prozent weniger Lohn als ihre Kollegen im Mutterkonzern.

Vergangenen Freitag gab das Unternehmen bekannt, dass sein Regionalpartner Augsburg Airways, der mit seinen fünfzehn Maschinen Strecken von und nach München bedient, nur noch bis zum Ende des Sommerflugplans 2013 fliegen wird. Bereits seit Beginn des aktuellen Flugplans verzichtet Lufthansa auf den ehemaligen Regionalpartner Contactair und fliegt dessen Strecken selbst. Bei Contactair sind 90 Arbeitsplätze, bei Augsburg insgesamt 500 Arbeitsplätze von den Kündigungen betroffen.

Auch in der Verwaltung der Fluglinie wird der Stellenabbau vorangetrieben. Im Mai hatte der Konzern bereits erklärt, in den nächsten Jahren allein in Deutschland 2.500 Verwaltungsjobs und weltweit 3.500 der knapp 17.000 Stellen einsparen zu wollen. Ende letzter Woche gab Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer in der Mitarbeiterzeitung Lufthanseat erste Einzelheiten bekannt.

Es sei geplant, rund 1.100 Arbeitsplätze im kommenden Jahr in Dienstleistungszentren („Global Business Services“) nach Polen, Mexiko und Thailand auszulagern, davon 700 aus Deutschland. Der Plan solle Anfang 2013 dem Vorstand zur Freigabe vorgelegt werden. Bei einer Zustimmung könnten erste Stellen schon im ersten Quartal 2013 abwandern. Finanzchefin Menne ergänzte, dass der Konzern im Zuge der Auslagerungen auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen könne.

In Norderstedt, wo bereits seit einiger Zeit Gerüchte über Entlassungen kursierten, kündigte Reinhard Schäfer, Geschäftsführer des Lufthansa Revenue Services (LRS) seinen 407 Mitarbeitern am vergangenen Montag für die kommenden zwei Jahre „einschneidende Maßnahmen“ an. LRS-Betriebsrat Klaus Kahlcke wurde deutlicher. „Ich schätze, dass es etwa 300 Mitarbeiter treffen könnte“, sagte er dem Hamburger Abendblatt. „Zählt man weitere Firmen dazu, die direkt und indirekt von der Lufthansa abhängig sind und auf unserem Firmengelände arbeiten, dann könnten irgendwann die Türen für alle Mitarbeiter geschlossen werden. Dann würden insgesamt 800 Arbeitnehmer Norderstedt verlassen.“

Die Offensive der Lufthansa-Konzernleitung kommt nicht überraschend. Ende September hatte Konzernchef Christoph Franz über die Medien verbreiten lassen, sein Unternehmen werde noch schärfer sparen als bislang angekündigt. Die Fortschritte des Sparprogramms „Score“, mit dem der Gewinn des Unternehmens bis 2014 um 1,5 Mrd. Euro gesteigert werden soll und das Einsparungen von rund einem Viertel der bisherigen Personalkosten vorsieht, würden in diesem Jahr nicht wie gewünscht „ergebnisverbessernd sichtbar“.

Die Offensive der Lufthansa-Konzernleitung gegen die eigenen Beschäftigten erfolgt nur wenige Wochen nach dem ersten nationalen Streik des Kabinenpersonals seit der Neugründung der Lufthansa im Jahr 1954. Obwohl er mit mehr als tausend Flügen einen großen Teil des Flugverkehrs im Lande lahmgelegt und die Kampfbereitschaft der Streikenden eindrucksvoll demonstriert hatte, war er von der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo zugunsten eines Schlichtungsverfahrens beendet worden.

Dass die Geschäftsleitung jetzt parallel zu diesem Schlichtungsverfahren mit aller Konsequenz ihr Vorhaben, den Konzern auf Kosten der Beschäftigten zu sanieren, vorantreibt, ist eine Provokation und eine bewusste Demonstration der eigenen Macht, die ohne die Beendigung des Streiks durch die Gewerkschaftsführung nicht möglich gewesen wäre.

Wie gut sich der millionenschwere Vorstand der Lufthansa auch in Zukunft auf die Kooperation der Gewerkschaften verlassen kann, zeigt unter anderem die Reaktion der Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Sabine Flechtner aus Kiel. Gegenüber dem NDR sprach sie sich nicht etwa gegen die geplanten Entlassungen in Norderstedt aus, sondern erklärte, man müsse jetzt sehen, ob „es Alternativen... zu der Größenordnung des Personalabbaus“ gebe. Das werde „in den nächsten Tagen und Wochen auszuloten sein.“

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo hat sich zu den Entwicklungen der letzten Wochen mit keinem Wort geäußert. Ein Kommentar ihres Vorsitzenden Nicolay Baublies macht allerdings deutlich, dass auch sie bei den Angriffen auf die Belegschaft mitzuwirken gedenkt. Er forderte die Geschäftsführung der Lufthansa im Rahmen des Schlichtungsverfahren auf, endlich die von Ufo vorgelegten Vorschläge zu prüfen. Diese sehen nicht etwa eine Absicherung von Arbeitsplätzen und Löhnen vor, sondern Ausgabenkürzungen, die dem Konzern acht Prozent oder 72 Millionen Euro pro Jahr ersparen würden, und zwar im Bereich Personalkosten.

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