14 Tote bei Brand in Behindertenwerkstatt

In Titisee-Neustadt im Schwarzwald (Baden-Württemberg) starben am Montag vierzehn Menschen, als in einer Behindertenwerkstatt der Caritas ein Großbrand ausbrach. Das Unglück ist eine der schwersten Brandkatastrophen der letzten Jahre.

Das Feuer brach in einem Großraum im ersten Obergeschoss aus, in dem sich zahlreiche Menschen aufhielten. Aus einem mobilen, mit Gas betriebenen Heizofen oder der daran angeschlossenen Gasflasche strömte unkontrolliert Gas aus und erzeugte eine Explosion. Rasch breitete sich der lebensgefährliche Rauch aus. Dreizehn behinderte Menschen (zehn Frauen und drei Männer) und eine Betreuerin starben infolge Rauchvergiftung.

Andere schafften es zu den Fenstern, von wo sie mit Hilfe der Feuerwehrleute gerettet werden konnten. Als die Feuerwehr kam, standen zahlreiche Menschen an den Fenstern und schrien um Hilfe. Der Weg über das Treppenhaus war abgeschnitten, außerdem waren viele von ihnen gehbehindert oder Rollstuhlfahrer. Vierzehn Menschen konnten nur verletzt geborgen werden, neun davon schwer.

Insgesamt hielten sich hundertelf Menschen in dem Gebäude auf. Sie arbeiteten in der Metall- und Holzverarbeitung, Elektromontage und Verpackung, zum Teil für die Automobilindustrie.

Während die Bundeskanzlerin Angela Merkel und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), wie auch Papst Benedikt XVI sich betroffen zeigten und von „Entsetzen, Verzweiflung und tiefer Traurigkeit“ (Kretschmann) sprachen, erklärten sämtliche Politiker und Vertreter der Behörden unisono, es seien alle Sicherheitsmaßnahmen beachtet worden, und der Brandschutz sei vollkommen ausreichend gewesen.

Dennoch gab es zum Beispiel keine Löschanlage, d.h. keine Sprinklerdüsen, die den Rauch sofort mit Wasser hätten niederschlagen können. „Diese waren aber auch nicht vorgeschrieben“, erklärte Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall (SPD). Offenbar sehen die Bauvorschriften eine Sprinkleranlage, wie sie in Flughäfen oder in Messehallen selbstverständlich ist, für Einrichtungen gar nicht vor, in denen Behinderte oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität leben und arbeiten.

Das Gebäude, in dem das Feuer ausbrach, war ein Neubau von 2006. Die Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt stammt aus dem Jahr 1979, wurde aber vor sechs Jahren grundsaniert. Damals wurde auch der neue Flügel gebaut. Warum in einem solchen Neubau ein riskanter, mobiler Heizofen mit Gasflasche betrieben wurde, ist völlig unklar.

Das Geld für sichere Anlagen würde der Betreiberin der Werkstätten, der Caritas, keineswegs fehlen. Die Caritas, die zur römisch-katholischen Kirche gehört, ist der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Sie beschäftigt bundesweit über eine halbe Million hauptamtliche Mitarbeiter und noch einmal so viele ehrenamtliche, bzw. freiwillige Helfer. Sie betreibt etwa fünfundzwanzigtausend Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Altenheime, Beratungsstellen und Behindertenwerkstätten.

Die so genannten „Wohlfahrtsträger“, die Caritas und die (evangelische) Diakonie, genießen zahlreiche Privilegien. Sie unterliegen praktisch keiner Kontrolle, sind steuerbegünstigt und untersagen ihren Mitarbeitern eine gewerkschaftliche Organisation. Vor kurzem kommentierte die Wirtschaftswoche: „Unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit haben sie ein expansives Perpetuum mobile konstruiert: Sie erfinden sich selbst immer neue Aufgaben, der Staat gibt das Geld.“

Erst vor wenigen Wochen mussten sich Mitarbeiter, die an einem Streik teilgenommen hatten, vor Gericht gegen ihre Kündigung durch die Caritas wehren.

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