Drastische Kürzungen bei allen europäischen Fluglinien

Von Jordan Shilton
8. Dezember 2012

Acht Gewerkschaften, welche Beschäftigte der Scandinavian Airlines (SAS) vertreten, haben drastische Vorschläge der Geschäftsleitung zur Kostenreduzierung akzeptiert. Die Maßnahmen, die der Öffentlichkeit am 19. November präsentiert wurden, seien angeblich nötig, um eine Insolvenz der SAS abzuwenden. Die SAS, das Flaggschiff der schwedischen, norwegischen und dänischen Luftfahrt, ist die größte skandinavische Fluglinie.

Der Plan mit dem Namen “4Excellence Next Generation” sieht die Streichung von 6.000 Stellen, das sind vierzig Prozent der 15.000 Beschäftigen, vor. Die Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz behalten, müssen Lohnkürzungen um siebzehn Prozent hinnehmen. Piloten müssen mit Kürzungen von dreißig Prozent rechnen. Die Gewerkschaften, die für die Beschäftigten in drei Ländern zuständig sind, erklärten sich auch mit einer Aussetzung von Tarifgesprächen bis wenigstens 2015 einverstanden, was in den kommenden Jahren mit Sicherheit zu weiteren Lohnsenkungen führen wird. Die SAS plant auch, ihre regionale Tochtergesellschaft Widerøe zu verkaufen und als Teil der Restrukturierung in Schweden die Verwaltung zusammenzulegen.

Die Kürzungen sind Bedingung dafür, dass die größten Aktionäre und Banken der SAS eine Aufstockung der Kredite um 3,5 Milliarden schwedische Kronen (ca. 400 Mio. Euro) bis März 2015 bewilligen. Die Einräumung des Kredits muss noch von den Parlamenten Schwedens und Norwegens bewilligt werden.

Die SAS hat seit 2007 keinen Jahresgewinn mehr eingeflogen. Mehr als die Hälfte der Firma gehört zu gleichen Teilen den Regierungen Norwegens, Schwedens und Dänemarks, während die schwedische Wallenberg-Familie einen bedeutenden Anteil hält. SAS leidet auf vielen traditionellen Routen unter der Konkurrenz von Billigfluglinien wie Ryanair und Norwegian Airlines. Der SAS zufolge wird die Restrukturierung zu jährlichen Einsparungen von drei Milliarden Schwedenkronen führen und weitere drei Milliarden Schwedenkronen infolge Vermögensverkäufen einbringen.

Die Finanzelite feierte die Durchsetzung der Management-Forderungen durch die Gewerkschaften. Der Kurs der SAS-Aktie schnellte am 19. November um 23 Prozent in die Höhe.

Der Angriff auf die Beschäftigten der SAS ist Teil eines weltweiten Angriffs der Fluglinien zur Herabsetzung der Lohnkosten und der Einführung untragbarer Arbeitsbedingungen. Die 2008 ausgebrochene Wirtschaftskrise hat zu einer Verschärfung der finanziellen Probleme einer der größten Fluglinien geführt, da die Passagierzahlen drastisch zurückgegangen sind.

The announcement at SAS came only weeks after a series of strikes across Lufthansa’s operations in Germany, against attempts by the company to hire workers through its subsidiary Germanwings with much lower rates of pay. Lufthansa has already laid off 3,000 administrative workers over the past year and now plans even further cuts.

Die Ankündigung der SAS erfolgte nur wenige Wochen nach einer Reihe von Streiks bei der Lufthansa in Deutschland. Dort hatte die Firmenleitung versucht, die Löhne der Flugbegleiter durch die Einstellung von Leiharbeitern zu senken und die Kampfbereitschaft der Kabinencrews durch Ausweitung der Billigfluglinie GermanWings zu unterlaufen. Die Lufthansa hat im vergangenen Jahr bereits dreitausend Verwaltungsangestellte entlassen und plant weitere Einschnitte.

Wie die Lufthansa diese Woche in einem Brief an ihre Beschäftigten bekanntgab, plant sie, die Kosten auf Langstrecken-Linienflügen im Vergleich zu 2011 bis 2015 um zehn Prozent und bis 2025 um zwanzig Prozent zu senken. Dieser neue Restrukturierungsplan mit dem Namen „Sprint“ setzt voraus, dass die Lufthansa ihre Jahreseinkünfte bis Ende 2014 um 1,5 Milliarden Euro steigert. In einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Montag hieß es, dass die Fluggesellschaft neben der Senkung der Kerosinkosten und der Neuverhandlung teurer Verträge auch „alle möglichen Maßnahmen in Bezug auf Infrastruktur, Crew, Flottenplanung, Kabinenausstattung und Bodenlogistik“ unter die Lupe nehmen werde.

Bei AirFrance/KLM werden im kommenden Jahr zehn Prozent der Arbeitsplätze gestrichen und fünftausend Beschäftigte entlassen. Dieser Maßnahme sind bereits Arbeitsplatzstreichungen und die Flexibilisierung von Arbeitsabläufen vorangegangen, die im dritten Quartal 2012 zu einer Erhöhung des Profits der Firma um 28 Prozent geführt haben.

Die spanische Fluglinie Iberia plant, 4.500 Beschäftigte zu entlassen, ein Viertel aller Mitarbeiter. Die Löhne der Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz behalten, werden um 25 bis 30 Prozent gekürzt. Willie Walsh, Chef der International Airlines Group, zu der Iberia gehört, erklärte am 9. November, die Fluglinie „kämpft ums Überleben“. Er drohte mit weiteren Entlassungen, wenn bis Ende Januar keine Einigung mit den Gewerkschaften erzielt werde.

Zu Beginn dieses Jahres schlug Iberia Gehaltskürzungen von zwanzig Prozent bei den Piloten und die Schaffung einer neuen Billig-Airline mit Namen Iberia Express vor, welche Beschäftigte zu niedrigeren Löhnen einstellen soll.

Dies sind nur die jüngsten Beispiele für einen Prozess der Restrukturierung, der seit Jahren in der ganzen Luftfahrtindustrie stattfindet, und durch den die Fluglinien versuchen, die Last der Wirtschaftskrise auf die Beschäftigten abzuwälzen. Bei British Airways (BA), der Muttergesellschaft der Iberia, wurde 2009 mit einem drastischen Sparprogramm begonnen, das die Streichung von Arbeitsplätzen und die Kürzung von Löhnen umfasst. Die Firmenleitung konnte sich auf die volle Unterstützung der Gewerkschaften verlassen. Der damalige Chef der BA, Willie Walsh, wies in ähnlicher Weise darauf hin, dass die Fluggesellschaft BA „ums Überleben kämpft“.

Die Streichung von Arbeitsplätzen hat es BA erlaubt, in die Offensive zu gehen und am vergangenen Dienstag weitere Stellenstreichungen anzukündigen. Wie BA bekanntgab, sollen vierhundert Arbeitsplätze dienstälterer Flugbegleiter auf Lang- und Kurzstreckenflügen gestrichen werden. Die ersten Mitarbeiter werden im März 2013 gehen müssen.

In allen Fällen stehen die Gewerkschaften der Geschäftsleitung bei der Durchsetzung ihres Diktats gegenüber Piloten, Kabinen- und Bodenpersonal und anderen Beschäftigten fest zur Seite. Kein einziger Versuch ist unternommen worden, die Beschäftigten wirksam gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen und den Abbau von Arbeitsbedingungen zu mobilisieren.

Im Fall der Lufthansa hat die Gewerkschaften UFO im September einige befristete lokale Streiks und einen ganztägigen nationalen Streik ausgerufen, sich jedoch rasch auf eine Vereinbarung mit der Geschäftsleitung eingelassen, die viele der ursprünglichen Forderungen der Lufthansa erfüllt. Dazu gehören Gehaltskürzungen, die Einführung flexiblerer Arbeitsbedingungen und die Schaffung neuer Lohnstrukturen zur Kostensenkung.

Die Gewerkschaften bei der Fluglinie Iberia reagierten vergangenen Donnerstag auf die angekündigte Streichung von 4.500 Stellen, indem sie Streiks für den Dezember ausriefen. Dieser Schachzug zielt eher darauf ab, die Wut der Beschäftigten einzudämmen, als der Geschäftsleitung tatsächlich mit einem prinzipiellen Kampf entgegenzutreten.

Der Gewerkschaftsvertreter der Comisiones Obreras (CC.OO), Jose Carillo, kapitulierte, als Walsh noch schärfere Einschnitte androhte, und erklärte: „Wir sind bereit, über Lohnkürzungen und erhöhte Produktivität zu verhandeln, aber wir wollen keine Entlassungen.“

Bei der SAS präsentieren die Gewerkschaften die Forderungen der Geschäftsleitung als vollendete Tatsachen. Um die Bedingungen ihrer Vereinbarung zu rechtfertigen, hatten die Gewerkschaftsführer keine bessere Ausrede als die drohende Insolvenz, die der SAS keine andere Wahl lasse.

In Wirklichkeit werden die Einschnitte nur den Appetit der Arbeitgeber nach noch schärferen Angriffen auf die Beschäftigten wecken. So sagte der Analyst Kenneth Sivertsen von Arctic Securities der Nachrichtenagentur Reuters: „Obwohl die SAS ihre Kosten um drei Milliarden Schwedenkronen senkt, wird die Firma noch immer ein teurer Betrieb bleiben.“

Die Gewerkschaften haben nichts unternommen, um ihre Mitglieder vor den Vorhaben der Geschäftsleitung zu warnen. Und das trotz der Tatsache, dass sie sich seit Monaten wegen der Einschnitte zu Gesprächen mit Firmenvertretern getroffen hatten. Ein SAS-Vertreter sagte dem Wall Street Journal nach der Veröffentlichung der Vereinbarung: „Dies ist genau, was wir unter dem ‚skandinavischen Modell’ verstehen: Tarifpartner einigen sich über Veränderungen, die notwendig sind, damit ein Betrieb weiterhin funktionieren kann. In der Öffentlichkeit wurde die Sache so dargestellt, als hätten sie [die Gewerkschaften] erst am Montag von einem Ultimatum erfahren, über das sie am Donnerstag sprechen sollten. In Wahrheit haben wir mit den Gewerkschaften seit August darüber gesprochen.“

Der Financial Times zufolge halten die Gewerkschaften drei Sitze im SAS-Verwaltungsrat – ein Übereinkommen, das in vielen Schlüsselindustrien als Eckpfeiler des sogenannten ‚Schwedischen Modells’ der Sozialpartnerschaft gilt. Jacob Wallenberg, Chef des Wallenberg-Familienimperiums und führender Aktionäre der SAS, sagte der Zeitung: „Die Gewerkschaften wurden im Sommer im Detail über die Situation informiert, um mit den Banken zu einer Einigung darüber zu kommen, welche Forderungen man ihnen stellen solle.“

Die Rolle der Gewerkschaftsbürokratie stellt die Beschäftigten der Fluggesellschaften direkt vor die dringende Aufgabe, die Zwangsjacke dieser Organisationen abzustreifen, wenn sie ihre Arbeitsplätze und ihre Arbeitsbedingungen vor den Angriffen der Fluglinien-Direktionen schützen wollen.

Die Beschäftigten bei SAS, British Airways, AirFrance/KLM, Iberia, Lufthansa und anderen Fluggesellschaften, bei denen Arbeitsplätze in Gefahr sind, müssen sich über nationale Grenzen hinaus zusammentun und den Kampf zur Verteidigung ihrer Interessen aufnehmen. Nur durch die Annahme eines sozialistischen Programms, das für die internationale Einheit der Arbeiterklasse kämpft, wird es möglich sein, sich dem Abbau von Arbeitsplätzen, Lohnkürzungen und der Verschlechterung der Arbeitsbedingungen in der Luftfahrtindustrie zu widersetzen.

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