Die bleibende Bedeutung von Leben und Werk des Genossen Keerthi Balasuriya

19. Dezember 2012

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) und die World Socialist Web Site gedenken ihres Genossen Keerthi Balasuriya an seinem 25-jährigen Todestag. Er war Generalsekretär der damaligen Revolutionary Communist League (RCL), des Vorläufers der heutigen Socialist Equality Party in Sri Lanka.

Genosse Keerthi war ein hervorragender Vertreter des Trotzkismus in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein Tod am Morgen des 18. Dezember 1987 kam plötzlich und viel zu früh. Er wurde kurz nach seinem 39. Geburtstag von einem Herzinfarkt dahingerafft.

Keerthi Balasuriya ging aus der reichen trotzkistischen Tradition in Sri Lanka hervor. Als Jugendlicher schloss er sich jenen an, die 1964 gegen den Eintritt der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) in die bürgerliche Koalitionsregierung unter Führung der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) kämpften. Die LSSP gehörte dem Internationalen Sekretariat von Michel Pablo und Ernest Mandel an.

Damals führte eine Intervention der britischen Trotzkisten in Sri Lanka zu diesem Wendepunkt in Genossen Keerthis Leben. Er erkannte, worum es bei dem Verrat der LSSP ging, – dies war das erste Mal, dass eine angeblich trotzkistische Partei in eine bürgerliche Regierung eintrat, – und dass dabei mehr im Spiel war als die Tatsache, dass sich die LSSP in den vorhergehenden zehn Jahren an Syndikalismus, Parlamentarismus und singhalesischen Populismus angepasst hatte. Der „große Verrat von 1964“ ging auf das Konto von Pablo und Mandel.

Er war Ausdruck einer akuten opportunistischen Tendenz, die sich in der Vierten Internationale entwickelt hatte. Diese Tendenz versuchte, den Trotzkismus in ein Anhängsel der konterrevolutionären stalinistischen und sozialdemokratischen Bürokratien, sowie der nationalen Bourgeoisie in den kolonialen Ländern, zu verwandeln. Um dieses pablistische Liquidatorentum zu bekämpfen, war 1953 das IKVI gegründet worden. Es war die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als der Kapitalismus dabei war, sich zu stabilisieren.

Um gegen den Verrat der LSSP vorzugehen und eine revolutionäre Partei der Arbeiterklasse auf der Grundlage des Programms der Permanenten Revolution aufzubauen, war es notwendig, die Lehren aus dem Kampf des IKVIs aufzuarbeiten.

1968 wurde Keerthi im Alter von neunzehn Jahren auf dem Gründungsparteitag der RCL zu ihrem Generalsekretär gewählt. Die RCL bemühte sich sofort um Aufnahme in das IKVI.

Noch entscheidender war Genosse Keerthis spätere Rolle in der Spaltung mit der britischen Workers Revolutionary Party (WRP) von 1985-86. Damals ging es darum, die Kontrolle der Trotzkisten im IKVI wiederherzustellen.

David North, Chefredakteur der WSWS, erklärt in einer ausführlichen Würdigung von Genossen Keerthis Leben, (die wir heute erneut publizieren), wie wichtig damals der Beitrag des RCL-Führers war. Das IKVI zeichnete damals detailliert das Abgleiten der WRP in den Opportunismus nach, und Keerthi steuerte seine enormen Kenntnisse der strategischen Erfahrungen der Arbeiterklasse und der Geschichte der marxistischen Bewegung bei.

Genosse Keerthis gesamtes politisches Leben fand in einer Periode statt, als die Arbeiterklasse und die unterdrückten Massen das IKVI noch nicht als ihre Führung akzeptierten. Das hatte komplexe Ursachen, die mit den Verrätereien des Stalinismus und der Sozialdemokratie und der vorübergehenden Restabilisierung des Weltkapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenhingen.

Genosse Keerthi stützte sich auf die wissenschaftliche Perspektive, die von den marxistischen Klassikern und der Vierten Internationale entwickelt worden war. Er wehrte sich entschieden gegen all jene, welche die stalinistische Bürokratie als Ersatz für die Arbeiterklasse betrachteten, oder die sich vom scheinbaren Erfolg von Maos auf die Bauern gestütztem „Volkskrieg“ blenden ließen.

Keerthi war überzeugt, dass nur die internationale Arbeiterklasse den Kampf für den Sozialismus tragen könne, und dass die zentrale Aufgabe revolutionärer Marxisten darin bestehe, für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse zu kämpfen und diese mit sozialistischem Bewusstsein zu durchdringen (um Lenins bekannten Ausdruck zu benutzen).

Bei Keerthis Begräbnis sagte ein Vertreter des IKVI voraus, in kommenden Zeiten werde Keerthi Balasuriya der Lehrer der revolutionären Arbeiter und Jugendlichen sein, und nicht etwa die diversen stalinistischen und bürgerlich-nationalistischen Führer, die Maos, Ho Chi Minhs, Nehrus und Castros.

Vor einem Vierteljahrhundert muss diese Prognose den allermeisten Beobachtern nicht nur als kühn, sondern geradezu als anmaßend erschienen sein. Aber die Geschichte hat sie mehr als bestätigt.

Keine fünf Jahre nach Keerthis Tod waren die UdSSR und die stalinistischen Regimes in Osteuropa verschwunden, und die stalinistische Bürokratie führte den Kapitalismus wieder ein.

Die Volksrepublik China und die Sozialistische Republik Vietnam bestehen dem Namen nach noch. Aber in beiden Ländern hat die stalinistische Bürokratie den Kapitalismus wiederhergestellt und beutet die Arbeiterklasse brutal aus. Sie tut dies im Namen und Auftrag der amerikanischen, europäischen, japanischen und taiwanesischen transnationalen Konzerne, sowie einer neuen Klasse einheimischer kapitalistischer Parvenus.

Und was ist mit den bürgerlich-nationalistischen Führern, die sich einst als Gegner des Imperialismus gerierten und sozialistische Phrasen droschen?

Ohne die Patronage der sowjetischen stalinistischen Bürokratie öffnet das Castro-Regime europäischen, kanadischen und lateinamerikanischen Investitionen die Tore und führt immer stärkere soziale Ungleichheit und Armut ein. Derweil lässt es die freie Verbreitung des amerikanischen Dollars zu und schließt erhebliche Teile der Staatswirtschaft.

Die PLO und die Palästinensische Autonomiebehörde betätigen sich als Polizisten der USA und Israels.

Die indische Kongresspartei hat eine staatlich gelenkte Wirtschaftsentwicklung, die sie einst als Kongress-Sozialismus bezeichnet hatte, um die Massen zu täuschen, schon vor langer Zeit aufgegeben. Sie verwandelt Indien in ein Billiglohnreservoir für den Weltimperialismus. Außenpolitisch hat die indische Bourgeoisie eine strategische Allianz mit dem US-Imperialismus an die Stelle der Blockfreiheit gesetzt, und sie baut ihre eigene Militärmacht auf.

Die stalinistischen parlamentarischen Massenparteien Indiens unterstützen offen die “neue Wirtschaftspolitik” der Bourgeoisie und stützen von der Kongresspartei geführte Regierungen. In den Bundesstaaten, die sie selbst regieren, betreiben sie nach eigenem Eingeständnis eine „investitionsfreundliche“ Politik.

In Sri Lanka ist das historische Verdikt eines Vierteljahrhunderts nicht weniger klar. Die kleinbürgerlichen Organisationen, die an Einfluss gewannen, als die Arbeiterklasse von der LSSP und der stalinistischen Kommunistischen Partei an bürgerliche Regierungen gefesselt war, haben sich als Sackgasse erwiesen.

Die JVP (Volksbefreiungsfront) unterstützt im Parlament die konservative Partei Sri Lankas, die UPFA, an der Regierung. Den kommunalistischen Krieg der singhalesischen Bourgeoisie gegen die tamilische Minderheit hat sie enthusiastisch unterstützt.

Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) lehnen die einzige gesellschaftliche Kraft ab, welche die demokratischen Rechte des tamilischen Volkes sichern könnte: die singhalesische und internationale Arbeiterklasse. Stattdessen haben sie im Norden und Osten versucht, einen kapitalistischen Ministaat zu errichten, und erbaten dazu die Unterstützung Indiens und der imperialistischen Mächte.

Die Perspektive der RCL-SEP hat sich als die einzige realistische Methode erwiesen, die demokratischen und sozialen Bestrebungen der Massen zu befriedigen. Diese Perspektive ist die revolutionäre Mobilisierung der singhalesischen und tamilischen Arbeiter und Unterdrückten unter Führung der Arbeiterklasse im Kampf für die Vereinigten Sozialistischen Staaten von Tamil Eelam und Sri Lanka.

Die Pablisten, die zynisch den Namen Trotzkis in Anspruch nahmen, haben sich in diverse Staatsparteien integriert, von der deutschen Partei Die Linke bis zu Rifondazione Communista in Italien. Diese Parteien setzen kapitalistische Sparpolitik durch und unterstützen imperialistische Kriege.

Die NSSP, die Gruppe in Sri Lanka, die gegenwärtig Mandels “Internationale” repräsentiert, ist im Namen von “Demokratie” mit der United National Party (UNP) verbündet, der traditionell rechten Partei der srilankischen Bourgeoisie. Die UNP begann 1977 mit Marktreformen und nahm 1983 den Krieg gegen die Tamilen auf.

Wer kann Zweifel hegen, dass das IKVI, das sich auf die politische Ausbildung und Mobilisierung der Arbeiterklasse konzentriert, die authentische Stimme des Trotzkismus und des klassischen Marxismus ist? Mit der World Socialist Web Site kämpft das IKVI dafür, die Arbeiterklasse mit einer internationalen sozialistischen Perspektive zu bewaffnen. Tag für Tag arbeitet es den unabhängigen Standpunkt der Arbeiterklasse zu allen großen gesellschaftlichen und historischen Fragen heraus.

Im Lichte eines Vierteljahrhunderts hat sich die Bedeutung des Lebens und Kampfs von Genosse Keerthi nicht vermindert, sondern erhöht.

Unter den Bedingungen der tiefsten Krise des Weltkapitalismus seit der großen Depression und des Weltkriegs werden Arbeiter und Jugendliche immer stärker in Kämpfe gegen den Kapitalismus geworfen. Die politische Biographie von Genosse Keerthi Balasuriya wird ihnen ein inspirierendes Beispiel für mutigen und prinzipienfesten Kampf sein. Noch wichtiger ist, dass sie in den marxistischen Konzepten, die er entwickelt hat, die theoretischen und politischen Werkzeuge finden, um den Kampf für die politische Unabhängigkeit und die revolutionäre Mobilisierung der internationalen Arbeiterklasse zu führen.

* * *

Im kommenden Jahr wird die World Socialist Web Site Genosse Keerthis Schriften einem internationalen Publikum zugänglich machen. So wird seine wichtige und prophetische Entlarvung der kleinbürgerlichen JVP veröffentlicht, die 1970 unter dem Titel The Class Nature and Politics of the JVP erschienen ist.

Internationales Komitee der Vierten Internationale

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