Die Spekulationsblase an den Aktienmärkten

Von Andre Damon
2. Februar 2013

Die Aktienkurse an den Börsen der Welt steigen, obwohl sich die Weltwirtschaft seit nunmehr fünf Jahren in der Depression befindet und Anzeichen auf den stärksten Wirtschaftsrückgang seit 2008 hindeuten.

In den USA haben die drei wichtigsten Aktienindizes ihre Rekordwerte von 2007 entweder erreicht oder stehen nur ein paar Prozentpunkte darunter, obwohl die Wirtschaft laut Zahlen, die am Mittwoch veröffentlicht wurden, ins Stocken geraten und erstmalig seit 2009 im ersten Quartal gesunken ist.

Europa befindet sich im Zustand des Zerfalls, in Griechenland und Spanien herrschen Bedingungen, wie es sie seit der Großen Depression nicht mehr gegeben hat, in Deutschland geht die Wirtschaftsleistung stark zurück. In Großbritannien ist die Wirtschaft nur 3,3 Prozent niedriger als zu Beginn des Abschwungs, aber der Leitindex FTSE 250 hat sich verdoppelt. Die Wirtschaften von China, Brasilien und Indien sind durch ein Nachlassen der Exporte weniger stark gewachsen. Dennoch sind die Aktienpreise allein im letzten Jahr um zehn bis zwanzig Prozent gestiegen.

Diese Entwicklungen – steigende Aktienkurse und wirtschaftliche Stagnation – erscheinen widersprüchlich, sind aber eng miteinander verbunden. Dass die Finanzmärkte weiter wachsen, ist kein Anzeichen für ihre Gesundheit, sondern ein Ausdruck des kranken Zustandes des Weltkapitalismus.

Die herrschenden Klassen der Welt haben auf eine historische Produktivitäts- und Investitionskrise reagiert, indem sie die Vermögen der Finanzinstitute – und ihre eigenen Vermögen – durch eine historisch beispiellose Umverteilung gerettet haben.

Vor allem haben die amerikanische Zentralbank Federal Reserve und die Nationalbanken anderer Länder in massivem Umfang Geld in das Finanzsystem gepumpt. Die Fed kauft momentan hypothekengestützte Wertpapiere und Staatsanleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar pro Monat auf und lässt praktisch Geld drucken, um Staatsschulden und faule Einlagen der Banken aufzukaufen. Insgesamt besitzt die Federal Reserve Einlagen im Wert von 3,01 Billionen Dollar, mehr als dreimal soviel wie im Jahr 2008.

Alle großen Zentralbanken der Welt haben es ähnlich gemacht. Im Juli senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf das niedrigste Niveau in der Geschichte des Euro. Der Umfang der Einlagen der sechs größten Zentralbanken der Welt hat sich ebenfalls fast verdreifacht, auf vierzehn Billionen Euro im Jahr 2012.

Die Massenmedien stellen das Vorgehen der Zentralbanken stets als notwendige Maßnahmen im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und andere soziale Übel dar. In Wirklichkeit geht es dabei jedoch darum, nahezu unbeschränkte Geldmengen für Finanzspekulationen zur Verfügung zu stellen.

Dieses Vorgehen ist direkt mit dem weltweiten Frontalangriff auf die Arbeiterklasse verbunden. Die Wirtschafts- und Finanzelite, die selbst im Geld schwimmt, erklärt, Gesundheitsversorgung, Renten und angemessene Löhne seien nicht finanzierbar. Sie ist bereit, jedes Grundrecht aufzuheben, um sicherzustellen, dass weiterhin Geld an die Banken fließt. Die Folge ist, dass Millionen Menschen in Armut, Arbeitslosigkeit und Elend gestürzt wurden.

Die Senkung von Löhnen und Lebensstandards hat außerdem zur Folge, dass sie die im Grunde inflationären Auswirkungen der Politik der Zentralbanken aufheben. Unter anderen Umständen würde das massenhafte Drucken von Geld zu einer starken Inflation führen, aber da Löhne und Investitionen zurückgehen, geht das zusätzliche Geld nicht in den Konsum, sondern in Anlagewerte.

Die Obama-Regierung hat im Jahr 2009 mit ihrer Sanierung der Autoindustrie das Beispiel dafür geliefert, wie man systematisch Löhne senkt. Dies führte zu einem enormen Boom der Unternehmensgewinne, die seit drei Jahren auf Rekordhöhe sind und es wahrscheinlich auch im Jahr 2012 sein werden. Diese Gewinne werden allerdings nicht für Investitionen ausgegeben. Die amerikanischen Konzerne sitzen auf insgesamt zwei Billionen Dollar Kapital, das meiste davon wird in die Finanzmärkte investiert.

Der ganze Prozess ist zutiefst instabil. Die herrschende Klasse stolpert von einer Krise in die nächste, und ihre Reaktion auf eine Krise bildet die Grundlage für die nächste. Die Wirtschaft stagniert, neue Spekulationsblasen drohen zu platzen und könnten einen Finanzkollaps auslösen, der die Krise von 2008 noch weit in den Schatten stellen könnte. Obwohl die herrschende Klasse im Überfluss lebt, scheint sie gleichzeitig ratlos zu sein, ihr Vorgehen wirkt zunehmend improvisiert.

Gleichzeitig untergraben die Geldspritzen in die Weltwirtschaft das System der internationalen Währungskurse und befeuern Währungskriege und Abwertungen aus Konkurrenzgründen. Diesen Monat hatte zuletzt Japan angekündigt, seine Geldmenge zu vergrößern. Dies wurde allgemein als Versuch angesehen, die Exporte zu stärken und den Yen abzuwerten. Der Zusammenbruch des internationalen Währungssystems und der Rückgriff auf Handelskriege waren charakteristisch für die Reaktionen der Regierungen auf die Große Depression. Heute werden die gleichen Maßnahmen wieder angewandt.

Die soziale und historische Katastrophe, vor der die Menschheit steht, ist nicht nur das Ergebnis einer abstrakten Wirtschaftskrise. Diese Krise hat ihren Ursprung in Klasseninteressen, und diese Klasseninteressen drücken sich in einem bestimmten Vorgehen aus. Hinter den Zentralbanken und Regierungen stehen die Interessen einer Finanzelite, deren Beziehung zum Rest der Gesellschaft grundlegend parasitär ist.

Eine Lösung für die Krise muss eine politische sein. Die internationale Arbeiterklasse muss den Interessen der herrschenden Klasse ihr eigenes Programm und ihre eigene Lösung entgegenstellen. Im Zentrum dieses Programmes muss die Erkenntnis stehen, dass der einzige Ausweg die Umgestaltung der Gesellschaft als Ganzes auf neuen Fundamenten ist.

Die einzige Kraft, die in der Lage ist, den politischen Würgegriff dieser Parasiten an der Gesellschaft zu lösen, ist die internationale Arbeiterklasse. Sie muss mit einem sozialistischen Programm bewaffnet werden und dafür kämpfen, die Großkonzerne und Banken unter demokratische Kontrolle zu bringen und die Wirtschaft auf rationaler und egalitärer Grundlage umzugestalten.