Massenentlassung bei Caterpillar in Belgien

Von Christoph Dreier
1. März 2013

Am Donnerstag kündigte die Geschäftsführung des Baumaschinenherstellers Caterpillar in Belgien an, 1.400 der 3.700 Arbeiter des traditionsreichen Werks in Gosselies zu entlassen. Zudem sollen 190 befristete Verträge nicht verlängert werden. In den beiden französischen Werken sollen ferner bis zu 200 Stellen gestrichen werden.

Das Werk in Gosselies hatte 1965 den Betrieb aufgenommen und produziert vor allem hydraulische Bagger und Radlader für den europäischen Markt. Für die Stadt und die ganze Industrieregion Charleroi hätten die Stellenstreichungen verheerende Auswirkungen. Nach der Stilllegung zahlreicher Werke beträgt die Arbeitslosigkeit schon jetzt etwa 20 Prozent.

Die Geschäftsführung begründete die Massenentlassungen mit der schwachen Wirtschaftsentwicklung in Europa. „Grundlegender“ seien jedoch die hohen Kosten der Produktion in Belgien. „Im Moment wäre es für uns billiger, die Maschinen von anderen Betriebsgruppen nach Europa zu importieren, als sie in Gosselies zu produzieren.“

Verantwortlich für die teure Produktion seien neben den hohen Umweltnormen die Personalkosten. „Diese Maßnahmen sind, so schmerzvoll sie sind, unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen“, erklärte der Geschäftsführer von Caterpillar Belgien, Nicolas Polutnik. Nur so könne der Bestand des Werkes über 2015 hinaus gesichert werden.

Caterpillar, das im Jahr 2012 einen Gewinn von 697 Millionen US-Dollar aufwies und rund 125.000 Arbeiter auf der ganzen Welt beschäftigt, hat die Arbeiter bereits in den letzten Jahren brutal angegriffen. Dabei spielte der Konzern die einzelnen Standorte systematisch gegeneinander aus und arbeitete eng mit den jeweiligen Gewerkschaften zusammen.

Im Jahr 2010 entließ das Unternehmen international 22.000 Beschäftigte, davon allein in den beiden französischen Werken in Grenoble und Echirolles 733. Im gleichen Jahr stellte es in dem nun betroffenen Werk Gosselies hunderte neue Arbeiter ein, deren Löhne zu einem großen Teil durch ein Regierungsprogramm finanziert wurden. Laut Gewerkschaftsangaben zahlte die Regierung jeden Monat bis zu 1.100 Euro pro neu eingestelltem Arbeiter, also etwa 90 Prozent des Nettolohns.

2011 schloss Caterpillar ein Werk in Ontario, Kanada, nachdem die Arbeiter die Halbierung der Löhne von 28 auf 14 US-Dollar abgelehnt hatten. Der Konzern verlegte die Produktion dann nach Indiana in den USA, wo er den Arbeitern nicht mehr als 12,50 US-Dollar zahlte. Im letzten Jahr fror Caterpillar in Illinois (USA) in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft trotz des erbitterten Widerstands der Arbeiter die Löhne für sechs Jahre ein.

Auch in Gosselies spielen die Gewerkschaften eine Schlüsselrolle dabei, die Entlassungen gegen die Arbeiter durchzusetzen. Sie sind eng mit dem Management verbunden und unterwerfen sich vollkommen der Standortlogik. Schon in der Vergangenheit waren sie zu Lohnkürzungen und Entlassungen bereit, um ihr Werk gegenüber anderen profitabler zu machen.

Jean-Marie Hoslet von der Konföderation der Christlichen Gewerkschaften (CSC) schlug dem Management in Gosselies vor, sich stärker auf den Export von Baumaschinen zu orientieren und so direkt auf dem Weltmarkt zu konkurrieren. Er meinte, die Geschäftsführung habe die Zahl der Entlassungen vielleicht übertrieben, um stärker in die Verhandlungen zu gehen.

Hillal Sor, ein Sprecher des Allgemeinen Bunds der Belgischen Arbeit (FGTB), der größten Gewerkschaft des Landes, sagte der WSWS, es sei zu früh, über Arbeitskämpfe nachzudenken. Zunächst habe man die Belegschaft informiert. Als nächstes müsse man Alternativen, etwa mit Sozialplänen erarbeiten, und schließlich könne man mit der Regierung und dem Management verhandeln.

Regierungschef Elio Di Rupo von der Sozialistischen Partei (PS) hat die Gewerkschaften für den Donnerstagabend bereits zu einem Gespräch eingeladen.

Zwar haben die Gewerkschaften eine Streikankündigung eingereicht, doch angesichts dieser eindeutigen Kommentare ist abzusehen, dass sie davon höchstens symbolisch Gebrauch machen werden. In den Gewerkschaftszentralen ist längst entschieden, die Entlassungen nach einigen Verhandlungen abzusegnen.

Indem sie die Arbeiter der verschiedenen Werke und Branchen voneinander isolieren, schaffen die Gewerkschaften die Grundlage dafür, Löhne und Arbeitsbedingungen in ganz Europa ins Bodenlose zu drücken.

Die Entlassungen bei Caterpillar sind Teil einer internationalen und insbesondere europäischen Offensive gegen die Arbeitsplätze und Rechte der Arbeiter. In Belgien hat neben Caterpillar auch der Stahlkonzern ArcelorMittal die Entlassung von 1.300 Arbeitern in Liège angekündigt. Ford will in Genk ein ganzes Werk schließen, von dem etwa 10.000 Arbeitsplätze abhängen.

In Deutschland will Opel das Werk in Bochum schließen. Hewlett Packard hat die Schließung des Rüsselsheimer Werks mit 1.100 Arbeitsplätzen angekündigt. Die Commerzbank will bis zu 6.000 Beschäftigte auf die Straße setzen, und der Stahlriese ThyssenKrupp plant in ganz Europa 3.800 Entlassungen. Stellenstreichungen sind auch bei der Lufthansa, bei Air Berlin und zahlreichen weiteren Unternehmen geplant.

Experten gehen davon aus, dass in der europäischen Autoindustrie Produktionskapazitäten für mindestens fünf Millionen Einheiten stillgelegt werden. Das bedeutet die Schließung von bis zu 70 Werken und die Vernichtung von 115.000 Arbeitsplätzen, wie die auf die Autoindustrie spezialisierte Web Site autoline.tv schreibt.

Zudem erleben die Arbeiter in Spanien, Portugal und Griechenland, aber auch in Italien und Frankreich immer neue Sparmaßnahmen von Seiten der Europäischen Union und der Regierung. Schon jetzt ist die offizielle Arbeitslosenquote in der Eurozone auf historisch einmalige 11,7 Prozent gestiegen. In Griechenland erreicht sie mittlerweile 27 Prozent.

Was in Europa stattfindet, ist eine konzertierte und koordinierte Offensive der Banken, Konzerne und Staaten gegen die Lebensbedingungen der Arbeiterklasse. Sie nutzen die Krise, um die Arbeiter um Jahrzehnte zurückzuwerfen und Ausbeutungsbedingungen wie in den 30er Jahren zu schaffen.

Dagegen formiert sich wachsender Widerstand unter Arbeitern. Doch die Angriffe können nur zurückgeschlagen werden, wenn sich die Arbeiter selbst international zusammenschließen. Die Gewerkschaften und ihre Standortlogik sind dabei ihre Gegner.

Nötig ist der Aufbau von Aktionskomitees in Gosselies, Genk und Liège, die völlig unabhängig von der Gewerkschaft arbeiten und Kontakt zu den Kollegen aller anderen betroffenen Werke herstellen. Der Profitlogik der Konzerne müssen sie eine sozialistische Perspektive entgegensetzen.