Siemens streicht im Industriesektor 4.000 Arbeitsplätze

Von Elisabeth Zimmermann
16. April 2013

Siemens will im Industriesektor weltweit 4.000 Arbeitsplätze streichen, um bis 2014 1,1 Milliarden Euro einzusparen und die Rendite auf 14 Prozent zu steigern. Das gab der für den Industriebereich zuständige Vorstand Siegfried Russwurm letzten Donnerstag am Rande der Hannover Messe vor Analysten bekannt.

Die Pläne konkretisieren das von Siemens-Vorstandschef Peter Löscher im November letzten Jahres angekündigte Sparprogramm, das für den gesamten Konzern Einsparungen von 6 Milliarden Euro vorsieht. Der Siemens-Vorstand reagiert damit auf den Rückgang beim Auftragseingang um zehn Prozent und beim Gewinn um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit 78,3 Milliarden Euro Umsatz und einem Gewinn von 5,2 Milliarden Euro hat Siemens allerdings trotzdem das zweitbeste Betriebsergebnis der Firmengeschichte erzielt.

Mit dem Rückgang beim Auftragseingang spürt Deutschlands größter, international operierender Elektronikkonzern die Auswirkungen der sich verschärfenden weltweiten Rezession und der von der EU diktierten Sparmaßnahmen. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Monaten verschärft. (Siehe auch: „Siemens kündigt hartes Sparprogramm an“)

Im November 2012 hatte Siemens-Chef Löscher noch keine Einzelheiten zum Sparprogramm genannt. Jetzt sind die Ankündigungen von Industrievorstand Siegfried Russwurm für den Industriebereich um einiges konkreter. So sollen 1.700 Arbeitsplätze im Vertrieb, 500 bei der Zentralverwaltung und 500 im Getriebegeschäft wegfallen. Letztere umfassen auch viele Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen.

In Indien und Pakistan will Siemens durch Werksschließungen 300 Arbeitsplätze einsparen. 200 Arbeitsplätze in der Standardmotoren-Produktion sollen von Bad Neustadt in die Motorenwerke in der Tschechischen Republik verlagert werden. Von der Aufgabe weiterer Geschäftsfelder wie Solartechnik und Wassertechnik, die nicht die von Löscher vorgegebene Rendite von 12 Prozent erreichen, sind weitere 1.000 Arbeitsplätze betroffen.

Im Industriesektor waren von Siemens waren bereits zwischen 2009 und 2012 8.300 Arbeitsplätze vernichtet worden.

Russwurm erklärte, mit den Einsparungen solle die Kostenstruktur nachhaltig gestärkt und die Ergebnismarge im Geschäftsjahr 2014 von zuletzt 12 auf 14 Prozent gesteigert werden. Die Maßnahmen zur Kostensenkung seien notwenig, um die Wettbewerbsfähigkeit entsprechend zu erhöhen.

Über die Hälfte der von Vorstandschef Löscher vorgegebenen Einsparungen von sechs Milliarden Euro soll mit 3,2 Milliarden der Energiesektor beitragen. Rechnet man den Arbeitsplatzabbau im Industriesektor entsprechend hoch, wären mehr als 10.000 Arbeitsplätze von der Umsetzung des Sparprogramms „Siemens 2014“ betroffen. Auch aus den Bereichen Healthcare (Medizintechnik) und Infrastructure & Cities sind noch keine Einzelheiten über die Auswirkungen der Sparmaßnahmen bekannt.

Bezeichnend ist die Reaktion von IG Metall und Betriebsräten auf den von Russwurm angekündigten Arbeitsplatzabbau. Auf der Internetseite Siemens Dialog der IG Metall vom 12. April heißt es, bei den dargestellten Plänen handle es sich „um Maßnahmen, die intern schon seit längerem bekannt sind. Diese Maßnahmen sind, beziehungsweise waren bereits Gegenstand von Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite, wie beispielsweise Drive Technologies in Bocholt mit 500 Stellen“.

Während die Nachricht vom Abbau von 4.000 Stellen im Industriebereich für die meisten Siemens-Beschäftigen neu ist und Sorge und Unsicherheit auslöst, wissen die Funktionäre von IG Metall und Betriebsrat offenbar seit längerem von den Plänen des Vorstands und arbeiten aktiv an der Umsetzung der Abbau- und Einsparpläne mit.

Vor den Betroffenen halten die Gewerkschafts- und Betriebsratsfunktionäre diese Pläne so lange wie möglich geheim, weil sie angesichts des rücksichtslosen Arbeitsplatzabbaus und Gewinnstrebens Widerstand befürchten.

Keine Einschränkungen oder Einsparungen gibt es bei der Ausschüttung der Dividenden für die Siemens-Aktionäre. Laut Handelsblatt will Siemens eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie bezahlen, obwohl der Gewinn 2011/12 sank und der Konzern sparen muss. Das entspreche einer Ausschüttungssumme von rund 2,5 Milliarden Euro oder 56 Prozent des Gewinns nach Steuern.

Zusätzlich erhalten die Siemensaktionäre 80 Prozent der Aktien der Leuchtmitteltochter Osram geschenkt, in die Siemens nicht mehr investieren will. Osram sollte ursprünglich an die Börse gebracht werden, was aber im letzten Jahr nicht gelang. Auch bei Osram, einem der größten Leuchtmittelhersteller, sollen weltweit bis zu 8.000 von 39.000 Stellen abgebaut und mehrere Produktionsstandorte geschlossen werden.

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