Warnstreik bei der Lufthansa

Von Ernst Wolff
23. April 2013

Ein Warnstreik von Technikern und Serviceleuten bei der Lufthansa hat am Montag zu Arbeitsniederlegungen in Frankfurt, Hamburg, München, Stuttgart, Hannover, Düsseldorf und Köln geführt.

Nach dem ersten Warnstreik vor vier Wochen, bei dem von 1.800 Flügen 700 am Boden blieben, konnten diesmal von 1.720 geplanten Linienflügen 1.688 nicht starten.

Der Streik richtete sich gegen das Angebot der Geschäftsleitung in der dritten Runde der laufenden Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft Verdi fordert für die rund 33.000 Beschäftigten für eine Laufzeit von einem Jahr 5,2 Prozent mehr Lohn, sowie Beschäftigungsgarantien und Verbesserungen für die Auszubildenden im Konzern. Die Lufthansa hatte für die nächsten zwölf Monate Gehaltserhöhungen zwischen 0,4 und 0,6 Prozent angeboten.

Hauptgrund für die Ausweitung des Arbeitskampfes ist nicht nur das extrem niedrige Angebot der Arbeitgeber, sondern auch die Furcht der Gewerkschaft Verdi und auch der Konzernleitung vor der Radikalisierung des Personals und der drohenden Zunahme kleinerer Spartengewerkschaften wie Cockpit oder Ufo, die sich in der Vergangenheit wegen der mangelnden Kampfbereitschaft von Verdi gebildet haben. Nur noch 15 Prozent der Lufthansabeschäftigten sind bei Verdi organisiert.

Streikende Lufthansa-Mitarbeiter in Frankfurt

Um zu verhindern, dass es zu einer Verschärfung der Konfrontation und zur Gründung weiterer Spartengewerkschaften kommt, versucht Verdi der zunehmenden Empörung der Beschäftigten durch einen etwas größeren Streik die Spitze zu nehmen, während sie gleichzeitig ihre Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung intensiviert.

Daran ändert auch die Streikrhetorik nichts. Sie soll nur die enge Verbindung der Tarifpartner verbergen. Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle, die seit März als Nachfolgerin von Frank Bsirske im Aufsichtsrat der Lufthansa sitzt, empörte sich lautstark über das „nicht hinnehmbare“ Angebot der Arbeitgeber und warf ihnen ein „Spiel mit den Ängsten der Belegschaft“ vor. Lufthansavorstand Lauer konterte, indem er einen Arbeitskampf als „völlig überzogen“ bezeichnete und rechtliche Konsequenzen androhte.

Gleichzeitig aber sorgten beide Parteien dafür, dass der Streik auf einen Tag (zum Teil, wie in Berlin, nur auf wenige Stunden) begrenzt wurde, die Beschäftigten der hundertprozentigen Lufthansa-Tochter German Wings nicht einbezogen wurden und die Auswirkungen so harmlos wie irgend möglich blieben. So wurden alle Flugausfälle inklusive Ausweichmöglichkeiten bereits am Freitag bis ins Detail bekannt gemacht, „um den Passagieren Unannehmlichkeiten zu ersparen“. Außerdem wurde vereinbart, dass bis zur nächsten Verhandlung am 29./30. April keine weiteren Streikmaßnahmen getroffen werden.

Der so beschränkte und zurechtgestutzte Ausstand findet in einer Situation statt, in der die Lage der Beschäftigten der Lufthansa immer bedrohlicher wird. In der internationalen Luftfahrt herrscht seit Jahren ein gnadenloser Konkurrenzkampf, der bereits zu tausenden von Entlassungen und einer Abwärtsspirale der Einkommen geführt hat. In den USA werden bis zu vierzig Prozent weniger Lohn bezahlt als noch vor zehn Jahren. Europa eilt dieser Entwicklung mit Riesenschritten hinterher. In Deutschland kommt erschwerend die Konkurrenz von Etihad (Abu Dhabi) und Emirates (Vereinigte Arabische Emirate) hinzu, die nicht nur niedrigere Lohnkosten, sondern auch erheblich günstigere Kerosinpreise bezahlen.

Um gegen diese Konkurrenz zu bestehen und ihren Investoren die geforderte Rendite zu liefern, hat die seit 1996 privatisierte Lufthansa 2012 das Sparprogramm SCORE eingeführt. Mit ihm soll das operative Ergebnis der Airline bis 2015 auf 2,3 Milliarden Euro gesteigert werden. Alleine im vergangenen Jahr wurden 740 Millionen Euro eingespart. SCORE sieht die Streichung von 3.500 Arbeitsplätzen und drastische Kostensenkungen im Personalbereich vor.

Die Co-Manager der Gewerkschaft unterstützen wichtige Teile von SCORE. Deshalb versucht Verdi mit dem Streik ihren Einfluss unter den Beschäftigten zu stärken und gleichzeitig den wachsenden Widerstand unter Kontrolle zu halten.

Als gestern, während des Streiks von 2.000 Beschäftigten auf dem Frankfurter Flughafen, das Gerücht aufkam, Verdi-Chef Frank Bsirske sei in der letzten Tarifrunde in der ersten Klasse in die Südsee gejettet, sagte ein Streikender, der seit dreißig Jahren am Flughafen und seit zehn Jahren bei der Lufthansa arbeitet: „Allein, dass einem solchen Gerücht ein realer Inhalt zugetraut wird, lässt tief blicken.“

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