Lufthansa: Verdi hintergeht 5.000 LSG-Mitarbeiter

Von Ernst Wolff
7. Mai 2013

Zwei Tage nach dem vorläufigen Tarifabschluss bei der Lufthansa ist bekannt geworden, dass die Gewerkschaft Verdi und die Geschäftsleitung bereits im Februar ein geheimes „Eckpunktepapier“ verabschiedet haben, das eine drastische Lohnsenkung und erhebliche Mehrarbeit für die 5.000 Beschäftigten der Lufthansa-Tochter LSG vorsieht.

Noch vor Aufnahme der Verhandlungen für die 33.000 Beschäftigten des Bodenpersonals hatten sich Verdi und Lufthansa hinter dem Rücken der Beschäftigten auf eine mindestens zehnprozentige Lohnminderung für 5.000 von ihnen geeinigt. Danach werden die Löhne bei der Catering-Tochter LSG um drei Prozent gesenkt, die Wochenarbeitszeit von 37,5 Stunden auf 39 Stunden erhöht und der Urlaubsanspruch um drei Tage gekürzt.

„Bei uns ist die Empörung riesig, hier brennt die Luft“, zitiert die Berliner Zeitung ein namentlich nicht genanntes Belegschaftsmitglied. „Wir fühlen uns verraten und verkauft – von Verdi.

“Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle begründete den Verrat der Gewerkschaft mit der Behauptung, man habe sich „für ein kleineres Übel“ entschieden, denn die LSG habe mit einem Wechsel des Arbeitgeberverbandes gedroht, was noch massivere Einbußen zur Folge gehabt hätte.

Warum aber hat Verdi die Beschäftigten über das„Eckpunktepapier“ mit keinem Wort informiert? Warum hat die Gewerkschaft die Lohnkürzungen bereits Wochen vor dem Arbeitskampf akzeptiert – obwohl die Kampfbereitschaft der Belegschaft groß war? Ende April folgten 14.000 Beschäftigte einem Streikaufruf von Verdi und legten mehr als 97 Prozent des Flugbetriebes für einen Tag lahm.

Nur eine Woche danach unterzeichnete Verdi einen Tarifvertrag Tarifvertrag , der eine Reallohnsenkung, zwei Jahre Friedenspflicht und ein Auseinanderdriften der Löhne in verschiedenen Unternehmensbereichen zum Inhalt hat.

Nun stellt sich heraus, dass dieser Ausverkauf noch viel weiter ging. Mit der Sondervereinbarung für den Catering-Bereich mutet die Gewerkschaft ausgerechnet jenen Beschäftigten, die ohnehin im unteren Einkommensbereich liegen, die stärksten Einkommensverluste zu.

Durch den Geheimabschluss fällt Verdi nicht nur den 5.000 Beschäftigten der LSG in den Rücken, sondern der gesamten Belegschaft und der Arbeiterklasse als Ganzer. Die Gewerkschaft spaltet die Lufthansa-Beschäftigten durch unterschiedliche Tarifabschlüsse für verschiedene Sparten, schwächt ihre Kampffront, indem sie geheime Abmachungen mit dem Gegner trifft, und trägt zur Verschärfung der sozialen Ungleichheit in der Gesellschaft bei.

Die Kompensation für die Lohnkürzungen durch Einmalzahlungen in Höhe von 600 Euro in diesem und 500 Euro im nächsten Jahr und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2020 dienen dabei als reine Kosmetik.

Der wahre Grund für Verdis Verhalten besteht darin, dass die Personalkosten der Wettbewerber um 20 bis 30 Prozent niedriger liegen als die der LSG. Die Geheimabmachung zwischen Verdi und der Lufthansaführung dient dem Zweck, die LSG im Rahmen des „Score“-Sparprogrammes der Konzernführung wettbewerbsfähiger zu machen und die Kosten dafür auf die Beschäftigten abzuwälzen.

Verdis Rolle im Klassenkampf wird angesichts der Krise in der Luftfahrtindustrie immer deutlicher. Die Gewerkschaft arbeitet Hand in Hand mit der Konzernleitung und hilft dieser, sämtliche Sparmaßnahmen gegen den Widerstand der Beschäftigten durchzusetzen. Dass sie sich dabei bereits vor der Aufnahme von Tarifverhandlungen auf Geheimabsprachen einlässt, unterstreicht ihre Rolle als Werkzeug der Unternehmensleitung.