ThyssenKrupp kündigt den Abbau von weiteren 3.000 Arbeitsplätzen an

Von Elisabeth Zimmermann
21. Mai 2013

Letzte Woche kündigte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger den Abbau von weltweit 3.000 Arbeitsplätzen in der Verwaltung des Konzerns an. Bereits im Februar hatte Hiesinger die Streichung von 2.000 Arbeitsplätzen im Stahlbereich sowie den geplanten Verkauf von Unternehmensbereichen mit 1.800 Arbeitsplätzen bekannt gegeben. (Siehe: „ThyssenKrupp streicht 3.800 Arbeitsplätze im Stahlbereich“)

Der Arbeitsplatzabbau ist Bestandteil eines umfangreichen Sparprogramms, mit dem der ThyssenKrupp-Vorstand bis 2014 insgesamt zwei Milliarden Euro an Kosten einsparen will. Insgesamt werden damit rund 4.600 Arbeitsplätze vernichtet. 400 Stellen aus dem Verwaltungsbereich von ThyssenKrupp Steel waren bereits in den 2.000 Arbeitsplätzen enthalten, deren Abbau im Februar angekündigt wurde.

Von den 15.000 Stellen in der Verwaltung des ThyssenKrupp-Konzerns fällt jeder fünfte dem Sparprogramm zum Opfer, 1.600 davon in Deutschland. Die Stellenstreichungen im Verwaltungsbereich sollen 250 Millionen Euro einsparen, die bereits im Februar angekündigten Maßnahmen 500 Millionen Euro.

Von der Stellenstreichung im Verwaltungsbereich wird die Konzernverwaltung, die erst vor wenigen Jahren ein neues Gebäude in Essen bezogen hat, stark betroffen sein. Allein hier sollen 200 von 800 Stellen wegfallen.

Dazu kommen am Standort Essen weitere 470 Arbeitsplätze, die vom Abbau bedroht sind. Laut Informationen der Ruhrgebietszeitung WAZ betrifft dies mehr als jeden dritten Arbeitsplatz bei den Service-Töchtern ThyssenKrupp Business Services und ThyssenKrupp IT Services sowie 170 Arbeitsplätze im Bereich Corporate Services.

Der massive Arbeitsplatzabbau wird von der Konzernleitung mit den Verlusten begründet, die durch die Stahlwerke in Brasilien und USA entstanden sind, sowie dem dramatischen Rückgang bei der Nachfrage nach Stahl aufgrund der internationalen Wirtschaftskrise. In südeuropäischen Ländern, die stark von den von der EU diktierten Sparprogrammen betroffen sind, ist die Nachfrage nach Stahl regelrecht eingebrochen.

Die Stahlwerke in Brasilien und den USA, für die ein Käufer gesucht wird, sollen in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2012/13 mit 683 Millionen Euro zu einem Verlust von 822 Millionen Euro beigetragen haben.

Wie viele andere Unternehmen nutzt ThyssenKrupp die Wirtschaftskrise für einen Frontalangriff auf Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen. Dabei wird das Management von der IG Metall und den Betriebsräten unterstützt. Der Stellenabbau erfolge in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat, teilte ThyssenKrupp mit.

Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath bezeichnete die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung über den jüngsten Personalabbau gegenüber der WAZ als „hart, aber jederzeit fair und konstruktiv“. Beide Seiten betonen, dass der Abbau der 3.000 Arbeitsplätze „sozialverträglich“ und ohne „betriebsbedingte Kündigungen“ abgewickelt werden solle.

In der Praxis bedeutet dies, dass Arbeiter und Angestellte in Einzelgesprächen unter Druck gesetzt werden, damit sie Aufhebungsverträge unterschreiben und gegen eine Abfindung ihren Arbeitsplatz aufgeben, oder mit entsprechenden Kürzungen bei den Renten in den Vorruhestand gedrängt werden. Der Arbeitsdruck auf die verbleibenden Arbeiter und Angestellten wird entsprechend erhöht.

Nach gerade vorgelegten Zahlen beschäftigte ThyssenKrupp in seinen Kerngeschäftsfeldern Ende März dieses Jahres 151.000 Menschen. Das sind 3.300 weniger als im Vorjahr. Ein Ende der Einsparmaßnahmen und des Arbeitsplatzabbaus ist nicht in Sicht.

Auch der nach ThyssenKrupp zweitgrößte deutsche Stahlhersteller Salzgitter hat einen drastischen Arbeitsplatzabbau angekündigt, ohne ihn bis jetzt genau zu beziffern. Das Stahlhandelsunternehmen Klöckner & Co. mit Sitz in Duisburg hat bereits mit dem Abbau von 1.600 Arbeitsstellen begonnen.