IWF-Bericht deutet auf Gefahr einer Weltrezession

Von Nick Beams
12. Oktober 2013

Der Internationale Währungsfond hat seinen Weltwirtschaftsausblick (WEO) veröffentlicht: Wie er aufzeigt, bestehen fünf Jahre nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise vom September 2008 kaum Aussichten, dass wirtschaftliche Verhältnisse wie vor der Krise wieder einkehren könnten.

Der Bericht war für das Jahrestreffen des IWF und der Weltbank am Wochenende vorbereitet worden. Im Zentrum der Diskussionen wird vermutlich die Gefahr eines amerikanischen Staatsbankrotts stehen. Es wird davor gewarnt, dass ein solches Ereignis eine noch schwerere, weltweite Finanzkrise verursachen könnte, als es die Pleite von Lehman Brothers war. Diese hatte schon ausgereicht, um die amerikanische und die Weltwirtschaft in die Rezession zu stürzen.

Selbst wenn der Staatsbankrott abgewendet werden kann, weist der Bericht des IWF auf eine fortdauernde Krise der Weltwirtschaft hin. Er warnt vor einem weltweit schwachen Wachstum. Die aufstrebenden Märkte geraten in Schwierigkeiten, sobald die Zinsen in den USA steigen. Die Weltwirtschaft als Ganze müsse sich möglicherweise mit einem, wie es euphemistisch heißt, „gehemmten mittelfristigen Wachstum“ begnügen.

Es ist bezeichnend für den Zustand der Weltwirtschaft, wenn es in dem Bericht heißt: „Der Impuls für weltweites Wachstum wird voraussichtlich hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten kommen.“ Aber die Wachstumsvorhersage für die USA beträgt nur 1,9 Prozent für 2013, das ist 0,2 Prozent weniger als bei früheren Schätzungen. Im Jahr 2014 soll das Wachstum auf 2,7 Prozent steigen. Das ist weniger als die drei Prozent, die als notwendig erachtet werden, um zu verhindern, dass die Arbeitslosigkeit steigt.

Das Wichtigste an der Analyse des IWF ist der deutliche Rückgang der Wachstumsprognosen für die sogenannten aufstrebenden Märkte.

Diese haben in den letzten fünf Jahren drei Viertel des Gesamtwachstums beigesteuert. Deshalb wird immer wieder behauptet, diese Regionen seien in der Lage, eine neue Grundlage zur Stützung der Weltwirtschaft zu schaffen.

Der Bericht widerlegt solche Behauptungen. Der IWF sagt voraus, dass das Wachstum in den aufstrebenden Märkten und aufsteigenden Wirtschaftsmächten in diesem Jahr bei 4,5 Prozent, und 2014 bei 5,1 Prozent liegen werde. Vor drei Monaten lagen die Vorhersagen noch 0,5 bzw. 0,4 Prozent höher.

Ein Bericht, den die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) letzten Monat veröffentlichte, weist auf die langfristigen, unterschwellig wirkenden Faktoren hin. Das Wachstum der aufstrebenden Wirtschaften war von einer Expansion der Exporte abhängig. Aber laut dem Bericht der UNCTAD ist der internationale Handel noch nicht zu den Wachstumsraten von vor 2008 zurückgekehrt, und das Wachstum wird vermutlich noch jahrelang gehemmt bleiben.

Er warnte, das schnelle Wachstum der Exporte vor der Krise habe auf „unhaltbaren weltweiten Nachfrage- und Finanzierungsmustern“ beruht, und jetzt gebe es eine „strukturelle Wende in der Weltwirtschaft“, die die früheren Optionen nicht mehr ermöglicht.

Der Charakter dieser strukturellen Wende zeigt sich an den langfristigeren Trends im Welthandel. Während der Nachkriegszeit ist der Welthandel etwa doppelt so stark gewachsen wie das internationale Bruttoinlandsprodukt (BIP). Seit 2008 ist der Welthandel jedoch etwas langsamer gewachsen als das BIP. Daran zeigt sich, vor welchen Herausforderungen die aufstrebenden Wirtschaften stehen, wenn sie durch Export wachsen wollen.

Die Wachstumsvorhersagen des IWF unterstreichen diese Tendenzen. In den führenden Wirtschaften wird mit einem Wachstum von nur 1,2 Prozent in diesem Jahr und zwei Prozent im Jahr 2014 gerechnet. Die Eurozone wird 2014 voraussichtlich um nur ein Prozent wachsen, 0,4 Prozent weniger als dieses Jahr.

Laut der Vorhersage des IWF wird das weltweite Wachstum im Jahr 2013 2,9 Prozent betragen, der niedrigste Stand seit vier Jahren.

Dies geht größtenteils auf den Rückgang bei den aufstrebenden Märkten und den Wachstumsraten der aufsteigenden Wirtschaften zurück, die im Vergleich zu 2010 um drei Prozentpunkte gesunken sind. China, Indien und Brasilien machen etwa zwei Drittel dieses Rückgangs aus. Es wird damit gerechnet, dass diese Wirtschaften im Jahr 2016 um acht bis vierzehn Prozent weniger gewachsen sein werden, als vor zwei Jahren vorhergesagt wurde.

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard behauptete zwar, es gäbe „Gründe für Optimismus“. Die Tatsache, dass der IWF seine internationale Vorhersage wieder revidiert hat und damit den Trend der letzten Jahre fortsetzt, zeigt jedoch eine wachsende Tendenz zur Rezession in der Weltwirtschaft.

Wie der Bericht des IWF bestätigt, bleibt das „internationale Wachstum auf niedrigem Niveau“, daher könnte ein „plausibles Abschwungsszenario“ aus den folgenden Elementen bestehen: andauernd schwache Investitionen in Europa, ein weiterer Rückgang des Wachstums aufstrebender Märkte und Chinas, das Scheitern der Geldpolitik, mit der die Abe-Regierung die japanische Wirtschaft ankurbeln will, und eine Verschlechterung der finanziellen Umgebung in den USA, wenn die Federal Reserve beginnt, den Aufkauf von Wertpapieren zurückzufahren.

Die möglichen weltweiten Auswirkungen einer Entscheidung der Fed, den Aufkauf von Staatsanleihen zu reduzieren, war Thema einer finanzpolitischen Schrift des IWF, die am Montag erschien. Unter dem Programm der „quantitativen Lockerung“ nutzen Finanzspekulanten billiges Geld aus den USA, um in aufstrebende Märkte zu investieren und höhere Erträge zu sichern. Aber ein Zurückfahren dieses Programms wird die Zinssätze in den USA steigen lassen und könnte zum Abzug von Kapital aus diesen Fonds führen. „Eine Preissteigerung von Risiken könnte zur Kapitalflucht von Investoren führen, die spekulative Papiere halten, vor allem wenn sei mit kurzfristigen Finanzierungen gedeckt sind“, warnte die Schrift.

Das könnte wiederum zu einem starken Kapitalabfluss und einer Finanzkrise führen, die sich schnell weltweit ausdehnen würde.

In dem WEO war von „nachteiligen Einflüssen“ die Rede, vor allem in Volkswirtschaften, die für ihr Kredit gestütztes Wachstum stark von externer Finanzierung abhängig sind. Als der Vorsitzende der Fed, Ben Bernanke, im Mai und im Juni laut über eine Zinserhöhung nachdachte, stiegen die Zinsen in Indonesien um 4,3 Prozentpunkte, in der Türkei um 2,2 und in Brasilien um 1,2 Prozentpunkte. Diese Zahlen zeigen, dass das Wachstum keine stabile Grundlage für die Weltwirtschaft geschaffen hat. Es ist größtenteils von volatilen Geldströmen am internationalen Finanzmarkt abhängig.

Der Bericht verdeutlicht, dass die herrschenden Eliten und ihr Anhang aus Finanzexperten, Zentralbankern und Myriaden von Wirtschaftsberatern keine wirtschaftliche Lösung für den Zusammenbruch des Profitsystems haben.

Sie haben nur ein Programm, das sie weltweit immer gnadenloser in die Tat umsetzen: immer heftigere Angriffe auf Arbeitsplätze und soziale Bedingungen – kurz, eine soziale Konterrevolution.

Die internationale Arbeiterklasse muss mit ihrer eigenen Strategie reagieren: Sie muss im Kampf für den internationalen Sozialismus mit der Enteignung der Banken und Großkonzerne beginnen und die Weltwirtschaft auf Grundlage menschlicher Bedürfnisse neu aufbauen.