Syrien:

Reportage beweist Verantwortung der Opposition für sektiererische Bluttat

Von Alex Lantier
15. Oktober 2013

Am Freitag erschien eine Reportage von Human Rights Watch (HRW), die religiös motivierte Massaker an hunderten von Zivilisten durch die von den USA unterstützten sunnitischen Oppositionskräfte enthüllt. Das Massaker fand während einer Offensive Anfang August in der mehrheitlich von Alawiten bewohnten Region um die Küstenstadt Lattakia statt.

HRW fand auf Grundlage von umfassenden Bildbeweisen und Interviews mit Überlebenden heraus, dass die Oppositionskräfte mindestens 190 alawitische Zivilisten getötet und weitere 200 als Geiseln genommen hatten. Unter den Toten befanden sich mindestens 57 Frauen, achtzehn Kinder und vierzehn alte Männer.

Der amtierende Nahostdirektor von HRW, Joe Stork, erklärte, die Massaker seien nicht die Tat von „abtrünnigen Kämpfern... Diese Operation war ein koordinierter, geplanter Angriff auf die Zivilbevölkerung dieser alawitischen Dörfer.“

Die Ereignisse werfen ein schlechtes Licht auf Washington, seine europäischen Verbündeten und die Mainstream-Medien, die allesamt die mit Al Qaida verbündeten oppositionellen Milizen in Syrien unterstützen. Die Medien stellen diese Opposition zu Unrecht als Kämpfer für Demokratie dar und haben die USA gedrängt zu ihrer Unterstützung zu intervenieren. Zwei Wochen nach den Massakern in Lattakia begann Washington eine Hetzkampagne für einen Krieg gegen Syrien; die Grundlage dafür waren Lügen über einen Chemiewaffenangriff in Ghuta. Nur der massive Widerstand der amerikanischen und europäischen Arbeiter zwang sie unmittelbar vor dem Beginn des Krieges zu einem Rückzieher.

Die Massaker bei Lattakia fanden im Rahmen einer Offensive statt, die am 4. August begann, dem Tag des Fastenbrechens zum Ende des heiligen Monats Ramadan. Scheinbar haben die Oppositionskräfte dieses Datum bewusst gewählt, um ihre Opfer zu terrorisieren und ihnen zu zeigen, dass sie nicht einmal an den heiligsten Feiertagen ihre Mordlust zügeln. In ähnlicher Weise hatte die Nixon-Regierung im Vietnamkrieg Hanoi am Weihnachtstag bombardiert.

Sie kamen mit tausenden von Soldaten, bewaffnet mit schweren Maschinengewehren, mehrläufigen Raketenwerfern, gepanzerten Flugabwehrkanonen und ein paar erbeuteten Panzern. Die syrische Armee konnte das Gebiet erst am 19. August wieder zurückerobern.

Alawitische Zivilisten, die der Opposition in die Hände fielen, wurden brutal massakriert. HRW zitiert Arztberichte: „Todesursache bei mehreren [Leichen] waren mehrere Schusswunden über die Körper verteilt, dazu kamen Stichwunden von scharfen Gegenständen, die meisten Leichen waren enthauptet.“

Vertreter der Opposition setzten sich zu Beginn der Offensive, als scheinbar die meisten Morde stattfanden, mit HRW in Verbindung. Der Bericht erwähnt einen „Aktivisten der Opposition“, der sich am 5. August brüstete: „Wir haben 150 Frauen und 40 Kinder gefangen genommen und sie alle getötet.“

Der Bericht beschreibt Dutzende von Fällen, in denen wehrlose Zivilisten abgeschlachtet wurden. In dem Dorf Barouda töteten Oppositionskämpfer zwei Zivilisten, die nicht fliehen konnten: Safwan Hassan Shebli, einen gelähmten Veteranen der syrischen Armee und seine Mutter Shamieh Ali Darwish, die nur mit Krücken laufen konnte.

In dem Dorf Sleibeh al-Hamboushieh ermordeten sie eine blinde 80-jährige Frau namens Nassiba Salem Sleim und mehrere Verwandte.

Weitere Zivilisten wurden getötet, als sie versuchten, den Milizen der Opposition zu entkommen. Ghazi Ibrahim Badour, der mit seiner Frau und zehn Kindern flüchtete, sagte: „Sie blockierten die Straße, also versuchten wir durch die Bäume zu entkommen, aber sie schossen auf uns. Zwei meiner Töchter sind gestorben. Meine Frau und eine weitere Tochter wurden verwundet. Meine Tochter Sefah Badour, eine Expertin für arabische Literatur, und meine Tochter Sara, die einen Abschluss in Philosophie hat, wurden getötet.“

Laut HRW kamen die Oppositionskämpfer, die die Massaker verübten, hauptsächlich von fünf mit Al Qaida verbündeten Milizen: der Al Nusra-Front, dem Islamischen Staat Irak und die Levante (ISIL), Ahrar al-Sham, Suqour al-Izz, und Jaish al-Muhajireen wal-Ansar. Die ersten beiden davon sind die bekanntesten mit Al Qaida verbündeten Oppositionsmilizen in Syrien. Jaish al-Muhajireen ist eine mit ISIL verbündete Gruppe von ausländischen Kämpfern aus mehreren Ländern, darunter Tschetschenien, der Türkei, Tadschikistan, Pakistan, Frankreich, Ägypten und Marokko.

Die Offensive wurde von Kräften getragen, die direkt von Washington unterstützt werden, wie General Salem Idriss vom Obersten Militärrat der Freien Syrischen Armee (FSA). Er war am 11. August in die Region gekommen, um seine Solidarität mit den Al Qaida-Verbündeten zu erklären: „Unser Stabschef kooperiert vollständig mit der Küstenfrontkommando des Militärs bei seinen militärischen Aktivitäten. Wir ziehen uns, entgegen falscher Behauptungen, nicht zurück, sondern kooperieren umfassend bei dieser Operation.“

Aus der Reportage des HRW wird auch klar, wie die Operation schon seit April von Geldgebern aus den Scheichtümern am Persischen Golf, vor allem aus Kuwait, geplant und finanziert worden war. Zu ihnen gehören Scheich Hajjej al-Ajami und Shafi al-Ajami aus Kuwait, sowie der sunnitische Prediger Scheich Adnan al-Arour, der angeblich 140.000 und später 4,8 Millionen Dollar gespendet hat.

Al-Arour wurde berüchtigt für seine Drohung, die syrischen Alawiten „durch den Fleischwolf“ zu drehen.

Die Bluttaten bei Lattakia entlarven auch die verräterische Rolle der Mainstream-Medien, die sich durch ihre Unterstützung für die syrische Opposition mitschuldig gemacht haben. Sie haben offen gelogen und einen Haufen Halsabschneider und Gangster, die im Rahmen eines imperialistischen Krieges gegen Syrien mobilisiert wurden und zu den schlimmsten Verbrechen fähig sind, als Kämpfer für Demokratie dargestellt.

Diese Lügen über die Opposition, die das Material von HRW entlarvt hat, haben eine Schlüsselrolle bei den Versuchen der USA und ihrer europäischen Verbündeten gespielt, einen Krieg zu beginnen, der erst in letzter Minute von massivem Widerstand der Bevölkerung aufgehalten wurde. Die Medien gaben dem syrischen Regime die Schuld an mehreren Verbrechen, die von syrischen Oppositionskräften begangen wurden – wie das Massaker von Hula im Mai 2012 oder der Chemiewaffenangriff in Khan al-Assal ein Jahr später. Diese Lügen wurden benutzt, um die weitere Bewaffnung der Opposition gegen das Regime und die Eskalation des Krieges zu rechtfertigen.

Bei den Kämpfen um Lattakia, wo die alawitischen Todesopfer nur von der sunnitischen Opposition und nicht vom alawitischen Regime ermordet sein konnten, wäre es schwer gewesen, die Massaker dem Regime anzulasten. Die Medien reagierten darauf, indem sie die ganze Offensive herunterspielten.

Vor allem die New York Times, das führende Blatt des amerikanischen Liberalismus, verheimlichte daher die Massaker bei Lattakia, obwohl sie gut über die dortigen Ereignisse informiert war. Sie stand regelmäßig mit dem Vertreter der Opposition Ammar Hassan in Verbindung. Dieser erklärte, er sei „in engem Kontakt“ mit Rebellen in der Nähe von Lattakia. Die Times veröffentlichte aber nur einige kurze Meldungen über die Offensive. Diese befanden sich zum größten Teil in Artikeln über andere Themen. Das wenige, was die Times jedoch schrieb, verheimlichte das Massaker und versuchte, den Alawiten die Schuld an der religiös motivierten Gewalt zu geben.

Am 5. August, einen Tag nach dem ersten Massaker der Opposition an alawitischen Zivilisten, schrieb sie: „Die Alawiten fürchten seit langem, dass ihnen Rachemorde der hauptsächlich sunnitischen Aufständischen drohen. Den alawitischen Milizen auf Seiten der Regierung wurde vorgeworfen, in der Region sunnitische Zivilisten ermordet zu haben. Einige Alawiten blieben in ihren Dörfern, als die Rebellen vorrückten, einige verwundete Alawiten wurden in improvisierten Krankenhäusern der Rebellen behandelt, sagte Hassan und fügte hinzu: ‚Die meisten sind natürlich in die Stadt geflohen’.“

Die Berichterstattung der Times über die Offensive der Opposition im August und über den Bericht von HRW orientiert sicch vor allem an den Bedürfnissen des amerikanischen Staates und seiner Außenpolitik. Nachdem die USA den Krieg gegen Syrien aufgeschoben haben, wachsen innerhalb der syrischen Opposition die Spannungen und Washington versucht, mit Al Qaida verbündete Gruppen wie ISIL zu isolieren. Die Times stellte den Bericht von HRW als Beweis hin, dass die Oppositionskräfte, die Washington näher stehen, humaner sind.

Trotz aller Beweise im Bericht von HRW wird behauptet, dass Idriss und der Oberste Militärrat der FSA nicht für die Massaker verantwortlich seien: „Keiner der als Hauptteilnehmer genannten schien unter der Kontrolle des vom Westen unterstützten Obersten Militärrates zu stehen. Dieser hat zeigen versucht, dass er den Extremisten am Boden die Initiative aus der Hand nehmen kann.“