David Edward Hyland: 7. März 1947 – 8. Dezember 2013

Von Chris Marsden
12. Dezember 2013

In tiefer Trauer informiert die World Socialist Web Site ihre Leser über den Tod von Genossen Dave Hyland, der nur 66 Jahre alt wurde. Dave führte in den Jahren 1985 und 1986 die Fraktion in der britischen Workers Revolutionary Party (WRP), die das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) verteidigte und sich den Versuchen der zentralen Parteiführung unter Gerry Healy, Cliff Slaughter und Mike Banda widersetzte, die trotzkistische Bewegung in Großbritannien und weltweit zu liquidieren. Darin besteht sein bleibendes politisches Erbe.

Dave Hyland

Dave Hyland wurde nationaler Sekretär der International Communist Party und ihrer Nachfolgeorganisation, der Socialist Equality Party, bevor er sich kurz nach deren Gründung aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste.

Dave kam in Stretford bei Manchester zur Welt. Seine Mutter Freda war Krankenschwester, sein Vater Jack ein Seemann aus Liverpool, der später bei der Bahn arbeitete. Er wurde stark von seinem Vater beeinflusst, der dem linken Flügel der Labour Party angehörte und ein aktiver Gewerkschafter war. Im Oktober 1959 war er am landesweiten inoffiziellen Streik der Speisewagenarbeiter beteiligt.

Als Dave elf Jahre alt war, zog seine Familie nach West Harrow in London. Kurz vor seinem fünfzehnten Geburtstag verließ er die Schule und begann bei Associated Electrical Industries zu arbeiten. Im selben Jahr lernte er Eileen kennen, die für den Rest seines Lebens seine Ehefrau und Partnerin werden sollte. Bald darauf heirateten sie.

Er arbeitete in zahlreichen Jobs, als Schaffner in Bussen, bei IBM und ab 1971 bei Kodak. Als militanter Arbeiter führte er einen Streik bei IBM, einem nicht gewerkschaftlich organisierten Unternehmen. Bei Kodak wurde er Vertrauensmann für die Technikergewerkschaft Association of Cinematograph Television and Allied Technicians (ACTT) sowie Delegierter in deren Generalrat.

Hier kam Dave erstmals in Kontakt mit Mitgliedern der Socialist Labour League, der Vorgängerin der WRP. Die SLL erlangte bedeutenden Einfluss innerhalb der ACTT, doch es war ihre Analyse des Stalinismus, die den größten Einfluss auf Dave ausübte. Endlich war er in der Lage, seine früheren Konflikte mit Gewerkschaftsvertretern in einem historischen und internationalen Kontext zu sehen.

Im Jahr 1972 trat Dave der Socialist Labour League bei und wurde bald Sekretär der Ortsgruppe bei Kodak und Gebietssekretär der SLL von Nordwestlondon. Auf der Arbeit führte er einen Kampf gegen die Kodak-Betriebsgewerkschaft und baute dort eine Betriebsgruppe der WRP auf. 1976 wurde er wegen seiner politischen und Gewerkschaftsaktivitäten schikaniert und entlassen.

In den nachfolgenden Jahren gab es mehrere politische Konflikte mit der WRP-Führung, doch die Ursache dieser Auseinandersetzungen konnte niemals geklärt werden. 1983 wurde er, inzwischen Mitglied des Zentralkomitees, als Regionalsekretär nach Yorkshire entsandt. Dort beteiligte er sich maßgeblich am Bergarbeiterstreik 1984-85 und baute eine bedeutende Basis für die Partei unter Arbeitern und Jugendlichen auf.

Ohne dass die WRP-Mitgliedschaft dies wusste, hatten die ausgeprägten opportunistischen Neigungen der Partei zu wachsenden Meinungsverschiedenheiten mit der Workers League in den Vereinigten Staaten geführt. 1982 hatte David North, der Nationale Sekretär der Workers League, versucht, eine Diskussion innerhalb des Internationalen Komitees einzuleiten. Er hatte eine detaillierte Kritik von Healys Studien über den Dialektischen Materialismus und das damit verbundene Abweichen der Partei von ihrer trotzkistischen Linie vorgelegt.

Norths Dokumente wurden von der WRP-Führung unterdrückt. Diese drohte, die Workers League aus dem IKVI auszuschließen. Doch nach der Niederlage des Bergarbeiterstreiks brach in der WRP-Führung ein prinzipienloser Fraktionskampf aus, der es den Sektionen des Internationalen Komitees ermöglichte, Norths Kritik zu lesen und politisch einzugreifen.

Die bedeutsamste Reaktion auf die politische Kritik von North und die Intervention des IKVI in die Krise der WRP kam von Dave Hyland.

Dave Hyland mit IKVI-Genossen im September 1986

Während des Fraktionskampfs innerhalb der WRP hatte Dave erfahren, dass Healy seine politische Autorität schwer missbraucht hatte. Er ergriff die Initiative und forderte eine Untersuchung durch die Kontrollkommission der Partei. Und er suchte nach einer politischen Erklärung, warum dieser Missbrauch stattgefunden hatte. 

Mitte September 1985 erhielt er eine Kopie von Norths Kritik. Nachdem er sie studiert hatte, wurde ihm erstmals klar, dass innerhalb des IKVI eine prinzipielle Opposition gegen die politische Degeneration der WRP entstanden war und dass der notwendige Kampf für eine politische Umorientierung der WRP nur auf internationaler Grundlage geführt werden konnte. Dave entschloss sich am 9. Oktober, Kontakt mit der Workers League aufzunehmen.

Als Folge bildeten „Hyland und zwei andere Mitglieder des Zentralkomitees eine Minderheitstendenz auf der Grundlage der Anerkennung der politischen Autorität des Internationalen Komitees, die WRP (Internationalists). Sie wurde am 9. November 1985 als Fraktion anerkannt“, heißt es dazu in den Historischen und internationalen Grundlagen der Socialist Equality Party in Großbritannien. „Die Unterstützung, die die WRP (I) in der Mitgliedschaft der WRP gewann, bestätigte, dass North Recht hatte, als er sich 1982 und 1984 von der Healy/Banda/Slaughter-Gruppe nicht einer voreiligen Spaltung drängen ließ. Ungeachtet der Jahre zentristischen Abgleitens gab es innerhalb der WRP noch eine beträchtliche Gefolgschaft für den Trotzkismus.“

Daves Entscheidung, North anzurufen, ermöglichte es, einen wesentlichen Teil der britischen Mitgliedschaft als bewusste Internationalisten neu zu orientieren. In den darauffolgenden Monaten arbeitete er entschlossen daran, die WRP-Kader aufzuklären, zu erziehen und zu überzeugen. Die WRP (I) gewann eine klare Mehrheit der WRP-Mitgliedschaft, besonders unter Arbeitern und in den Young Socialists.

Als das IKVI am 23. Oktober 1985 in London zusammentrat, betonte es, dass die Krise der WRP ihre Ursache in der langfristigen Abwendung vom Programm und den Perspektiven des Trotzkismus habe. Es verlangte eine Rückkehr zum prinzipiellen Kampf, den die WRP-Führung gegen den pablistischen Revisionismus geführt hatte. Am 25. Oktober verabschiedeten die Delegierten des IKVI eine Entschließung, die Healy aus der Weltbewegung ausschloss. Healy reagierte, indem er am nächten Tag mit Unterstützung der griechischen und spanischen Sektionen eine Spaltung organisierte.

Die Delegierten widersetzten sich den Versuchen der WRP-Führer, die internationale Bewegung für ihre eigenen opportunistischen und fraktionellen Zwecke zu missbrauchen. In einer zweiten Entschließung stellte das IKVI fest, dass das wichtigste Merkmal der Degeneration der WRP ihre Weigerung sei, sich der Disziplin der internationalen Bewegung unterzuordnen. Es bestand auf einer „Neuregistrierung der Mitgliedschaft der WRP auf der Grundlage einer ausdrücklichen Anerkennung der politischen Autorität des IKVI und der Unterordnung der britischen Sektion unter seine Beschlüsse“.

Am 16. Dezember 1985 veröffentlichte die Internationale Kontrollkommission, die die Krise in der WRP untersuchte, einen Zwischenbericht. Er gelangte zum Schluss, „dass die WRP einen historischen Verrat am IKVI und der internationalen Arbeiterklasse begangen“ hatte, indem sie die Theorie der permanenten Revolution vollständig preisgab, und dass die politische Verantwortung dafür „bei der gesamten Führung der WRP“ lag.

Das IKVI suspendierte die WRP als britische Sektion bis zu einem IK-Kongress. Es rief die Führer der WRP auf, loyal mit dem Internationalen Komitee zusammenzuarbeiten, „um die bestehenden Probleme so schnell wie möglich zu  überwinden, die ein Erbe der nationalistischen Degeneration der WRP unter Healy sind, um die grundlegenden Prinzipien des Internationalismus in der WRP wieder zu festigen, und auf dieser Grundlage ihre volle Mitgliedschaft im Internationalen Komitee der Vierten Internationale wiederherzustellen“.

Am Treffen des IKVI in London nahmen vier Delegierte der WRP teil. Drei von ihnen – Cliff Slaughter, Tom Kemp, and Simon Pirani – lehnten die Resolution aufgrund völlig opportunistischer und nationalistischer Standpunkte ab. Sie waren nicht bereit, sich in ihrer Neuorientierung auf stalinistische und pablistische Organisationen durch die internationale trotzkistische Bewegung einschränken zu lassen.

Dave Hyland stimmte als einziger Delegierter der WRP für die Resolution. Er bestand darauf, dass die Verteidigung des Trotzkismus in Großbritannien eine Zurückweisung des nationalen Opportunismus und die Anerkennung der politischen Autorität des Internationalen Komitees voraussetzte.

Der von Slaughter geführte Flügel der WRP reagierte hysterisch auf das prinzipientreue Vorgehen des IKVI. Dieser Kampagne gegen das IKVI trat Dave entgegen, dessen internationalistische Fraktion an Einfluss gewann – besonders im Kader der WRP im Arbeitergebiet von Yorkshire. 

Als sie merkte, dass sie nicht die Mehrheit der Organisation kontrollierte, hinderte die WRP-Führung die Mitglieder der WRP (Internationalists) am 8. Februar 1986 daran, am Parteikongress teilzunehmen, und rief die Polizei, um diese Entscheidung durchzusetzen. Im folgenden Monat wurde die International Communist Party als neue britische Sektion des IKVI gegründet.

In den zwölf folgenden Jahren arbeitete Dave unter politisch bewegten und oft sehr schwierigen Bedingungen daran, eine trotzkistische Tendenz in der britischen und internationalen Arbeiterklasse aufzubauen. Er war stets tief überzeugt, dass das historisch entwickelte Programm des IKVI richtig sei.

Indessen verschlechterte sich Daves Gesundheitszustand erheblich. Mit 40 Jahren wurde bei ihm rheumatoide Arthritis diagnostiziert. Die Krankheit war außergewöhnlich aggressiv und führte in Kombination mit anderen Komplikationen, die teils aus medizinischer Vernachlässigung resultierten, zu gravierenden und lähmenden Gesundheitsproblemen. Er zog sich für einige Jahre aus der aktiven Politik zurück, aber schwankte niemals in seiner Unterstützung für die Partei und die Internationale.

Keiner seiner britischen Genossen wird Daves Entschlossenheit vergessen, im Oktober 2010 am Gründungsparteitag der britischen Socialist Equality Party teilzunehmen. Er wurde von einem Krankenwagen gebracht, saß im Rollstuhl und wurde mit Sauerstoff versorgt. Sie werden auch nicht vergessen, wie er unter solchen Einschränkungen weiter Artikel verfasste und den Erwartungen der Mediziner trotzte, die vorausgesagt hatten, dass er bereits viele Jahre früher sterben werde.

Unser Beileid richten wir an Eileen und ihre Kinder Julie, Tony, Claire und Paula. Dave vertrat das Beste und Edelste in der britischen Arbeiterklasse. Er war ein Mann von unbeugsamem Mut und tief verankerten Grundsätzen, der im Kampf für den Sozialismus bereit war, alles zu geben, während er für sich selbst nichts erwartete. Wir werden ihn mit Stolz und Respekt in Erinnerung behalten.