Ukrainekrise: Leser protestieren gegen Lügen der Medien

Von Anna Rombach
2. April 2014

Seit dem von Deutschland und den USA unterstützten Putsch in Kiew und dem Anschluss der Krim an Russland entwickeln deutsche Medien eine beispiellose antirussische Propaganda. Große überregionale Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine wie der Spiegel, die Zeit, die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, aber auch angeblich alternative Medien wie die den Grünen nahestehende TAZ fordern militärische Maßnahmen gegen Russland und übertrumpfen sich gegenseitig mit martialischen Attacken auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, den sie als neuen Hitler und Aggressor beschimpfen.

Diese Propagandakampagne, die an die gleichgeschaltete Presse totalitärer Diktaturen erinnert, hat bisher aber kaum Wirkung gezeigt. Viele Menschen fühlen sich abgestoßen und reagieren mit Empörung. Das wiederspiegelt sich auf den Leserbriefseiten und in Online-Kommentaren.

Die Redaktion der Berliner Zeitung musste am 19. März eingestehen: „Die deutschen Zeitungen und Rundfunksender erhalten säckeweise Zuschriften und Leserkommentare, die sich über eine einseitige Berichterstattung beschweren. Russlands Intervention auf der Krim wird großes Verständnis entgegengebracht. Den deutschen Medien wird dagegen vorgeworfen, sie betrieben Russland-Hetze.“

Auch der konservative Berliner Tagesspiegel stellte fest, dass 80 Prozent der 12.000 Leser, die sich an einer Online-Umfrage beteiligten, die Kritik an Moskau für „heuchlerisch“ halten. Nur jeweils 4 Prozent stimmten für eine „militärische Intervention durch die Nato“ beziehungsweise für den G8-Ausschluss Russlands.

Dasselbe Ergebnis ergab eine Blitzumfrage des ARD-Deutschlandtrends, die Anfang März veröffentlicht wurde. 82 Prozent der Befragten sprachen sich gegen den Einsatz militärischer Gewalt gegen Russland aus. Zwei Drittel lehnten wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland ab.

In Leserbriefen und Kommentaren verweisen viele Leser und Radiohörer auf die aktive Rolle der USA, der EU und der deutschen Regierung bei den Ereignissen auf dem Maidan und bei dem Putsch gegen die gewählte Regierung in Kiew.

Ein Leser des Münchener Merkur bemerkt dazu: „Für mich sind die Demonstrationen in Kiew mit der Gallionsfigur Klitschko vom Westen (USA und europäische Mitläufer) logistisch und finanziell gesteuert – der ehemalige US-Finanzminister von Präsident Reagan spricht von 5 Milliarden US-Dollar. Die USA verfolgen schon seit der Wende in Osteuropa das Ziel, Russland zu schwächen, zu isolieren und als Supermacht auszuschalten.“

Und weiter: „Die USA und die EU haben die baltischen Staaten und fast alle Staaten des ehemaligen Ostblocks in Nato und EU geholt. Jetzt sind sie dabei, mit der angestrebten Aufnahme der Ukraine bis an die Westgrenze Russlands vorzurücken und die russische Schwarzmeerflotte zu provozieren.“

In der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Mittwoch meint ein MasterGuGu, jetzt enttarne sich das „ganze Ukraine/Menschenrechts/Sanktionsgeschrei als das, was es in Wahrheit ist“, nämlich ein Ablenkungsmanöver, um Energielieferverträge zu Gunsten der amerikanischen Wirtschaft unter Dach und Fach zu bringen.

Ein anderer Leser kritisiert vor allem die EU, die ein „riesiges geopolitisches ‘Spiel’“ treibe, um die Ukraine „aus ihrer historischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bindung an Russland herauszubrechen“.

Die Behauptung, auf dem Maidan sei es um Demokratie gegangen, und die Verharmlosung der Swoboda-Faschisten stoßen bei vielen auf Abscheu. Berichte und YouTube-Videos im Internet, die das Vorgehen faschistischer Schläger zeigen, lösten Entsetzen aus.

Dem Münchener Merkur schrieb ein Dr. K.H.B. am 10. März: „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit. Es ist Krieg und deshalb glaube ich weder der russischen Mainstreampresse samt Staatsfernsehen noch der unsrigen. Bei Berichten alternativer Journalisten und Videos im Web kann einem nur grausen. Sind diese wahr? Dennoch gibt es Fakten ...“

Ein ehemaliger Sudetendeutscher aus Most empört sich über einen Artikel in der Thüringer Allgemeinen vom 18. März, „Anschluss der Krim erinnert an das Sudetenland“: „Wieder einmal will man in unverschämter Weise damit Putin und Hitler auf eine Stufe heben.“

Ein wütender Hörer schrieb an Deutschlandradio: „Ich muss Ihnen sagen, dass ich keine Lust mehr habe, Halbwahrheiten und tendenziöse Berichterstattungen, die über Ihren Sender verbreitet werden über alles, was mit Russland zu tun hat, anzuhören. Wenn ich richtig informiert bin, ist der Sender Deutschlandradio der direkte Nachfolgesender vom RIAS, der ein Image als Hetzsender hatte. Mir scheint, Sie sind Ihrem Metier treu geblieben“.

E.P. aus Erfurt bezeichnet Behauptungen, Russland sei ein „Aggressor mit Methoden aus dem 18. Jahrhundert“ als „Zweck-Verleumdungen“.

Die Sorge über eine eskalierende Kriegsgefahr ist allseits spürbar. H.M., der noch hofft, dass sich die Nato-Staaten auf verbale Drohgebärden beschränken, schreibt, niemand habe Lust, „für die Interessen der Kiewer Extremisten zu sterben. Auch ein Wirtschaftskrieg mit dem rohstoffreichen Russland hätte für alle Seiten fatale Folgen“.

H.S. mahnt in seinem Brief an die Braunschweiger Zeitung: „Wird ... ein Krieg vom Zaun gebrochen? Dies muss unbedingt vermieden werden!“

Auf den Artikel „Merkel warnt Putin“ in der Badischen Zeitung reagiert U.K. mit den Worten: „Vorsicht! Gerade in Deutschland sollte man wissen: Demütigung in der bilateralen und multilateralen Politik kann schlimmste Folgen haben! Die demütigenden Verträge von Versailles 1919 sind mit ursächlich für den Zweiten Weltkrieg ...“

Wie sehr die im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen noch präsent sind, zeigt der Brief von Dr. G.P. an den Münchener Merkur: „Selbstverständlich darf man nie das tausendfache Unrecht an Deutschen nach dem Krieg vergessen. Aber an erster Stelle auch nicht, dass das damalige Deutschland mit Ausrottung, Völkermord und einer Politik der verbrannten Erde begann, dem neben vielen Millionen Menschen anderer Länder alleine 20 Millionen Sowjetbürger zum Opfer fielen.“

Ähnlich äußern sich Hörer des Deutschlandfunks: „Ich habe den Eindruck, dass Ihr Sender wieder zum Krieg gegen Russland aufruft. Ihr Sender ist wieder zum Größenwahn des Großdeutschen Reiches aufgelaufen.“ Oder: „Wer täglich dem ‘Stahlhelmsender’ lauscht, also der Kampagne des Deutschlandfunk gegen Russland, die die Öffentlichkeit stramm auf NATO-Kurs halten sollen, dann bekommt man schon Angst um unsere Sicherheit und den Frieden in Europa.“

Nur eine kleine Minderheit stimmt in den geballten Chor der Medien gegen Russland ein. Sie kommt hauptsächlich aus Schichten der oberen Zehntausend, denen die Chefredakteure der Medien allesamt angehören, oder aus dem Lager der Grünen und ehemaligen Linken, die einem militärischen Eingreifen unter dem Deckmantel von humanitären Phrasen das Wort reden.

Die Kluft zwischen breiten Bevölkerungsschichten, die angesichts der Gefahren von Krieg und Faschismus besorgt sind, und dem kleinen Prozentsatz an der Spitze der Gesellschaft, der sich von einer Rekolonialisierung Russlands und der ehemaligen Staaten der Sowjetunion Vorteile verspricht, war seit langem nicht mehr so groß wie jetzt.