Kathryn Davron: 2. März 1950 – 1. Mai 2014

Von Chris Marsden und Julie Hyland
8. Mai 2014

Mit großer Trauer informiert die britische Socialist Equality Party (SEP) die Leser der World Socialist Web Site über den Tod von Genossin Kathryn Davron.

Kathryn Davron

Ihr ganzes Erwachsenenleben über war sie Trotzkistin. Ihrem Tod ging ein vierjähriger Kampf gegen den Krebs voraus, in welchem sie ihre gewohnten Eigenschaften bewies: Mut und Entschlossenheit.

Sie kam als Kathryn Reilly in Salford (Greater Manchester) zur Welt und stammte aus einer irischen Arbeiterfamilie. Als Kath erst neun Jahre alt war, starb ihre Mutter Nora und hinterließ Kaths Vater George mit der Aufgabe, fünf Kinder großzuziehen.

Seit ihrer Teenagerzeit war Kath vom Sozialismus angezogen, insbesondere aufgrund ihrer Bekanntschaft mit Friedrich Engels’ Werk Die Lage der arbeitenden Klasse in England, das ausgiebig von der Region handelt, in der sie aufgewachsen ist.

Als sie ihre eigene politische Entwicklung zu erklären versuchte, sagte Kath einmal, dass sie glaube, der Sozialismus sei in der DNA ihres Elternhauses enthalten. Diese Beobachtung enthält sehr viel Wahres. Sie war hocherfreut, als sie kurz vor ihrem Tod erfuhr, dass unter anderem August Bebel, Karl Liebknecht und James Connolly an einem Ort nahe an den alten Hafenanlagen von Salford, in der Nähe ihres Geburtsortes, Vorträgen gehalten haben.

Schon als 14-jährige las Kath die Soviet Weekly und den Daily Worker.Zum Teil war dies ihrer Bewunderung für die kulturellen Errungenschaften geschuldet, die mit der Russischen Revolution in Verbindung gebracht werden. Sie liebte Ballett und konnte die Namen vieler Tänzer aufzählen. Dasselbe galt auch für die Oper. Doch bereits in diesen frühen Jahren konnte sie sich nicht mit dem Kontrast abfinden, der zwischen den bewundernswerten Elementen der sowjetischen Gesellschaft und der Unterdrückung bestand, die von der stalinistischen Bürokratie ausgeübt wurde und für die sie Feindschaft empfand.

Im Alter von 21 Jahren, als sie die Niederkunft ihres ältesten Sohnes erwartete, begegnete sie einem Mitglied der Socialist Labour League (dem Vorgänger der Workers Revolutionary Party und britischen Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale), der auf der Salforder High Street Wahlkampf führte.

Dies war für Kath die Einführung in den Trotzkismus. Beeindruckt von seiner Hingabe und Geduld, erinnerte sich Kath, dass sie aufmerksam seinen Erläuterungen von Trotzkis Opposition gegen den Stalinismus und dessen Verrat an der Oktoberrevolution sowie von der Bedeutung der Gründung der Vierten Internationale folgte.

Als sie bereits im Krankenhaus lag, erklärte Kath: “Dies war für mich extrem wichtig. Es besagte, dass nicht alles verdorben war. Es gab jene, die unaufhörlich für den Sozialismus innerhalb der Arbeiterklasse kämpften und ein fleckenloses Banner boten.“

Ihre Entscheidung, in den Jahren 1985-1986 das Internationale Komitee der Vierten Internationale in seinem Kampf gegen die Führung der Workers Revolutionary Party zu unterstützen, verwurzelte sie in diesen frühen Erfahrungen. Als sie zu dieser Zeit von einem Unterstützer der Slaughter/ Banda-Fraktion (die Haupttheoretiker beim Verrat der WRP am Trotzkismus) aufgesucht wurde, reagierte sie erzürnt auf deren intrigante Behauptung einer „gleichmäßigen Degeneration“ des IKVI.

Von diesem Moment an wurde Kath eine Unterstützerin der WRP-Internationalisten, der von Dave Hyland begründeten Tendenz zur Verteidigung des IKVI und nach der Abspaltung vom IKVI, die Banda/Slaughter herbeigeführt hatten, zu einem Gründungsmitglied der International Communist Party (ICP), der Vorgängerin der SEP.

Sie sprach mit Rührung und Respekt von den internationalen Genossen, die sie während dieses Kampfes kennen gelernt hatte, insbesondere von David North, Larry Roberts, Keerthi Balasuriya, Uli Rippert und Peter Schwarz. Sie erklärte, die Dankbarkeit nicht in Worte fassen zu können, die sie North gegenüber für seine Führung im Kampf gegen die WRP empfand. „Was sagt man zu einem Chirurgen, der einem das Leben gerettet hat?“, fragte sie.

Über einen längeren Zeitraum arbeitete sie im Zentralkomitee der ICP, bevor sie mit ihrem Mann Francis nach Deutschland zog und gemeinsam mit ihm ihre Mitgliedschaft in der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) fortsetzte.

Kath war kämpferisch, sehr deutlich in ihren Ansichten und ihrer Klasse und Partei gegenüber entschieden treu gesinnt. Nichts könnte dies besser darstellen, als ihr Verhalten in ihren letzten Lebenswochen. Wir besuchten Kath bei mehrfachen Anlässen. Bei einer dieser Unterhaltungen sagte Kath, sie hoffe, nicht zu viele Fehler gemacht zu haben. Als wir antworteten, dass sie in Wirklichkeit immer die richtigen Entscheidungen zu jedem politisch entscheidenden Zeitpunkt getroffen hätte, lachte sie und sagte: „Das ist richtig. Das habe ich gemacht.“

Die persönliche Zufriedenheit, die sie aus den politischen Entscheidungen bezog, welche sie während ihres Lebens getroffen hatte, wurde nur von dem enormen Stolz übertroffen, den sie über ihre drei Kinder – Martyn, Michael und Myriam – empfand und die sie aufs Innigste liebte.

Nachdem sie erfahren hatte, dass medizinisch nichts mehr getan werden konnte, um ihr Leben zu verlängern, blieb Kath immer noch fest entschlossen, im Hospiz die online abgehaltene Maifeiertags-Versammlung des IKVI vom 4. Mai anzuhören. Es sollte nicht mehr dazu kommen. Sie starb am 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit.

Außer ihrem Mann und ihren Kindern hinterlässt Kath ihre Schwester Dot und drei Enkelkinder, Reuben, Annalise und Tallulah.