Jüdischer Dirigent Daniel Barenboim ergreift Partei für die Palästinenser

Von Fred Mazelis
31. Juli 2014

Inmitten der chauvinistischen pro-zionistischen Hysterie von Politik und Medien hat der weltberühmte Dirigent und Pianist Daniel Barenboim seine Stimme gegen das jüngste israelische Massaker in Gaza erhoben, das bereits über 1000 Tote gekostet hat.

Der 71-jährige Israeli und derzeitige Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin hat sich bereits seit längerem gegen die israelische Besatzung der Westbank und des Gaza-Streifens ausgesprochen. Jetzt veröffentlichte er im britischen Guardian vom 24. Juli eine kurze, aber bewegende Erklärung unter dem Titel: "Verlierer in diesem Konflikt sind beide, Israelis und Palästinenser."

Daniel Barenboim bei einer Probe mit dem West-Eastern Divan Orchester in Sevilla, 2005 (Quelle: Wikipedia)

Er beginnt mit dem ungewöhnlichen, doch entscheidenden Satz: "Ich schreibe dies als jemand, der zwei Pässe besitzt - einen israelischen und einen palästinensischen."

Der jüdische Musiker, der in Argentinien geboren wurde und im Alter von zehn Jahren nach Israel kam, fordert mit seinem mutigen Auftreten nicht nur die rechten Zionisten, sondern das ganze zionistische Establishment heraus. Er schreibt, er habe "tiefes Verständnis für die Ängste seiner israelischen Mitbürger in diesen Tagen". Aber, so fügt er hinzu: "... ich habe tiefstes Mitgefühl mit dem Schicksal meiner palästinensischen Mitbürger in Gaza, die täglich Terror erleben und so schreckliche Zerstörung und Verluste erleiden." Es gebe keine militärische Lösung, betont Barenboim.

Wenige Tage später wiederholte er seine Opposition gegen die Angriffe auf Gaza, als er zum Auftakt eines Auftritts des arabisch-israelischen Jugendorchesters West Eastern Divan Orchestra nach Buenos Aires reiste. „Jüdisches Blut fließt durch meinen Körper, aber mein Herz schlägt für die palästinensische Sache“, sagte Barenboim in einem Interview mit dem Magazin FOCUS am 27. Juli. „Wir können aus Israel kein Ghetto machen. Wir müssen den Palästinensern Gerechtigkeit widerfahren lassen.“

Daniel Barenboim bringt die Auffassung vieler Israelis zum Ausdruck, deren Stimmen in der Propagandakampagne für die jüngste Invasion unterdrückt werden. Tausende haben bereits gegen den Krieg protestiert. Vielen ist vor allem nach dem grausamen Racheakt an einem palästinensischen Jugendlichen die Sackgasse klar geworden, in die die Militarisierung der israelischen Gesellschaft geführt hat.

Barenboim zieht mit seinem Mitgefühl für Palästinenser den Hass und sogar Drohungen der reaktionären und faschistischen Elemente auf sich, die in Israel unter dem Schlachtruf "Tod den Arabern" mobilisieren. Die zwei führenden amerikanischen Tageszeitungen New York Times und Washington Post haben seine Stellungnahme vollständig ignoriert. Stattdessen widmete die Times am 27. Juli nahezu eine ganze Seite einer Beschreibung der angeblichen Popularität des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu. Der Bericht behauptet, es gebe eine einstimmige Unterstützung der israelischen Öffentlichkeit für den Krieg.

Die "pro-palästinensischen Demonstrationen auf der ganzen Welt" seien "anti-semitisch gefärbt", erklärt die Times und denunziert damit Millionen Menschen, die die Unterdrückung des palästinensischen Volks ablehnen und wie Barenboim eine Einheit von Israelis und Arabern fordern. Die Times präsentiert keinen Beleg für diese Lüge und geht offensichtlich davon aus, dass ihre Leser eine derartige Gleichsetzung von Protesten mit arabischem Hintergrund und Antisemitismus schlucken werden.

Es ist bemerkenswert, wie dieselben Unterstützer des Zionismus in den Medien im Fall der Ukraine ignorieren, dass faschistische und anti-semitische Elemente den Kiewer Putsch vom Februar angeführt haben und heute an der Spitze der Angriffe auf pro-russische Aufständische in der Ostukraine stehen.

Barenboim ist ein ernsthafter Humanist und steht in der Tradition des berühmten jüdischen Geigers und Dirigenten Yehudi Menuhin ebenso wie von Albert Einstein. Sein weltweit anerkanntes West Eastern Divan Orchestra gründete er 1999 zusammen mit dem inzwischen verstorbenen amerikanisch-palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said, um mit Hilfe von Musik zur Überwindung der Konflikte im Nahen Osten beizutragen. Keiner der jungen Musiker hat den gemeinsamen Auftritt beim Festival in Argentinien aufgrund des Kriegs in der Heimat abgesagt.

Daniel Barenboim verdient für seine mutige Haltung gegen den Krieg und gegen die Unterdrückung der Palästinenser die volle Unterstützung von Arbeitern und Sozialisten auf der ganzen Welt.