Israelischer Luftangriff tötet Frau und Sohn von Hamas-Führer

Von Patrick Martin
22. August 2014

Dienstagnacht führten israelische Kampfflugzeuge einen gezielten Terroranschlag auf das Haus des militärischen Kommandeurs der Hamas, Mohammed Deif durch, bei dem seine 28-jährige Frau Widad und sein acht Monate alter Sohn Ali getötet wurden.

Ein Hamas-Sprecher bestätigte den Tod von Widad Deif, des Babys und eines dritten Opfers, das aus den Trümmern des Hauses in Gaza Stadt gezogen wurde. Palästinensische Quellen erklärten den Medien, das dritte Opfer sei nicht Mohammed Deif, auf den Israel in den letzten zehn Jahren schon mehrere Mordanschläge verübt hatte. Drei weitere Kinder Widads wurden bei dem Angriff verletzt, überlebten jedoch.

Wie Augenzeugen des Angriffs von Dienstagnacht sagten, hatten israelische F-16-Bomber, die aus den USA stammten, fünf Bomben abgeworfen. Diese zerstörten ein dreistöckiges Gebäude, in dem auch die Frau und zwei jugendliche Söhne des Hausbesitzers, Raba al-Dalo, getötet wurden.

Die Zahl der Todesopfer der gnadenlosen israelischen Angriffe auf den Gaza-Streifen ist mittlerweile auf 2.028 angestiegen, darunter mindestens 546 Kinder. Dienstagnacht starben mindestens zwanzig Personen. Das waren die schwersten Verluste in zehn Tagen.

Neben den sechs Getöteten in dem Haus, in dem Deif wohnte, wurden noch sieben Mitglieder der Familie al- Louh in Deir al-Balah ausgelöscht, darunter eine schwangere Frau. Eine von einer Drohne abgefeuerte Rakete tötete im Stadtteil Zeitoun von Gaza-Stadt einen Dreijährigen, während eine andere von einer Drohne abgefeuerte Rakete zwei Männer in einem Auto tötete.

Deit ist der nominelle Führer der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Flügels der Hamas, doch seine tatsächliche operative Rolle ist unklar, seitdem er bei einem israelischen Schlag 2003 schwer verwundet wurde. Er verlor damals ein Auge und erlitt schwere Wirbelsäulenverletzungen.

Hamas rief dazu auf, an der Beerdigung von Deifs Frau und Sohn teilzunehmen. Hunderte kamen am Mittwoch zu einer Prozession im Flüchtlingslager Jabaliya. Israelische Drohnen schwebten über den Köpfen der Teilnehmer, als Widads Vater die Leiche seines kleinen in ein weißes Leichentuch gewickelten Enkels trug.

Vertreter Israels bejubelten den “Erfolg” des Luftschlags gegen die Familie Deif. Jakob Peri, Wissenschafts- und Technologieminister und ehemaliger Chef des Inlandsgeheimdiensts Shin Beth, sagte, der Angriff „beweist unsere Aufklärungsfähigkeiten“.

„Er zeigt, dass trotz allem, was in der Vergangenheit darüber verbreitet wurde, dass wir unfähig seien, die Spitzen der Hamas zu erwischen, unsere Aufklärung doch Fähigkeiten hat“, sagte er in einem Rundfunkinterview. „Ich glaube, das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass kein Chef eines militärischen Flügels oder sonst irgendwer, der auf einer Liste für gezielte Tötungen steht, immun ist.“

Peris Eingeständnis der Verantwortung Israels für die Ermordung von Deifs Frau und Baby bedeutet das Eingeständnis, dass Israel sich bei seinen Angriffen auf Gaza Kriegsverbrechen schuldig macht. In Wirklichkeit brüstet sich Israel sogar damit. Und doch wurde die Tat in den amerikanischen und internationalen Medien oder von politischen Führern in Europa oder Amerika nicht einmal ansatzweise verurteilt.

Man versuche sich einmal den Sturm der Entrüstung vorzustellen, der ausbräche, wenn Hamas die Ehefrau und Kinder von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu oder Verteidigungsminister Moshe Ya’alon auf eine Todesliste setzte, geschweige denn solche Morde tatsächlich beginge.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem verurteilt die Praxis, Frauen, Kinder und andere Familienmitglieder von Hamas-Führern ins Visier zu nehmen, als Verletzung internationalen Rechts. Die Wohnungen von Hamas-Führern werden in der israelischen Propaganda grundsätzlich als Kommandozentralen bezeichnet, und die westlichen Medien plappern dies kritiklos nach.

Der Führer der Hamas-Delegation bei den Gesprächen in Kairo über einen Waffenstillstand verurteilte den Mord an Deifs Frau und Kind als politische Provokation. „Das war ein Vorwand, ein hohes Hamas-Mitglied ins Visier zu nehmen und die Delegation zurückzuziehen und den Waffenstillstand zu beenden“, sagte Musa Abu Marzook. Er nannte den Mordanschlag „ein Kriegsverbrechen“.

Der Chefunterhändler der PLO, Saeb Erekat, sagte im Radio Voice of Palestine: „Ich glaube, das Schlimmste kommt erst noch. Netanjahu sabotiert wie immer alle Bemühungen.“