Entlassungen bei Osram: IG Metall plädiert für „konstruktiven Dialog“

Von unseren Reportern
24. September 2014

Am Montag organisierte die IG Metall eine Reihe von Demonstrationen und Kundgebungen, zeitgleich mit einer Sitzung des Aufsichtsrats von Osram in Augsburg.

Osram, der weltweit zweitgrößte Hersteller von Lampen und Beleuchtungstechnik, plant bis zum Jahr 2017 weltweit 7.800 Arbeitsplätze zu vernichten, davon 1.700 in Deutschland. In Berlin, wo das Unternehmen ursprünglich vor über hundert Jahren gegründet wurde, sollen mindestens 300 der aktuell 1.290 Arbeitsplätze wegfallen. Seit 2009 hat Osram bereits 400 Arbeitsplätze in Berlin und 1.100 im ganzen Land abgebaut.

Zudem plant das Unternehmen, seine Belegschaft in Eichstätt auf rund 350 zu halbieren, 400 der 1.200 Arbeitsplätze im Werk Augsburg zu vernichten und bis zu 300 Arbeitsplätze in der Zentrale in München abzubauen. Weitere 80 Arbeitsplätze sollen jeweils in Schwabmünchen und Wipperfürth wegfallen.

Die aktuelle Runde der Entlassungen ist eine direkte Folge des im Jahr 2011 eingeleiteten Restrukturierungsprogramms. Der Plan mit dem Namen „Push-II“ soll dem Unternehmen 260 Millionen Euro einsparen und sicher stellen, dass die aktuelle Gewinnspanne von acht Prozent unter allen Umständen aufrecht erhalten bleibt.

Die Unternehmensleitung hat bereits deutlich gemacht, dass die aktuelle Runde des Stellenabbaus weitere Entlassungen und Werksschließungen in naher Zukunft nicht ausschließt. In den Worten von Osram-Chef Wolfgang Dehen: „Wir werden weitere Anpassungen über die zweite Welle der Einsparungen machen, aber wir können noch nicht ihr Ausmaß vorhersehen.“

In Augsburg beteiligten sich über 1.000 Arbeiter an einem Protestmarsch. Im zentralen Werk des Unternehmens in Berlin Siemensstadt nahmen dagegen nur etwa 150 an der Kundgebung teil. Es gab offenbar sehr geringes Interesse, weil die Osram-Arbeiter schmerzhafte Erfahrungen mit der IG Metall gemacht haben. Bisher haben die Gewerkschaftsvertreter jede Entlassung im Unternehmen mit unterzeichnet. Ihr eigener Arbeitsplatz blieb dagegen sicher und sie haben fette Prämien für die Zusammenarbeit mit dem Management im Aufsichtsrat kassiert.

Damit die IG-Metall-Funktionäre nicht auf einem leeren Platzt sprachen, wurde die Kundgebung durch Delegationen aus anderen Betrieben aufgefüllt: durch Betriebsräte von BMW und von Siemens, die ein Plakat mit der Aufschrift „Ohne Menschen keine Marge“ trugen, sowie durch Delegierte von der Branchentagung der IG Metall in Potsdam.

Auf der Berliner Kundgebung appellierten die Vertreter der IG Metall direkt an den Vorstand von Osram, die Gewerkschaft noch stärker in die Pläne zur Reorganisation des Unternehmens zu integrieren. Sie riefen zur Verteidigung des „Standorts Berlin“ auf und boten sich an, eine aktivere Rolle bei der Umstrukturierung des Unternehmens zu spielen, damit die Dividende stimmt.

Der erste Redner auf der Berliner Kundgebung war Andreas Felgendreher, der Vorsitzende des Osram-Betriebsrates in Berlin. Vor einem Plakat mit der Aufschrift: „Am Ende fällt auch die Dividende“ verlangte er einen alternativen Business-Plan mit mehr Investitionen in neue Technologien. Ohne solche Investitionen, warnte Felgendreher würden „die wirtschaftlichen Aussichten für das Unternehmen auf lange Sicht gefährdet sein“. Er überging stillschweigend die Rolle, die die Gewerkschaft in den letzten Jahren beim Abbau von über 400 Arbeitsplätze in Berlin gespielt hatte, und erklärte: „Osram hatte einen guten Ruf vor 2011.“

Andreas Felgendreher - Betriebsratsvorsitzender Osram Berlin

Das Plädoyer für einen alternativen Geschäftsplan für den Standort Berlin zu Lasten der anderen Fabriken von Osram wurde vom Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Berlin, Klaus Abel, bekräftigt. Er erklärte, das Werk Berlin sei der modernste Betrieb im Unternehmen, mit Zugang zu Forschungseinrichtungen und Investitionen. Apel rief insbesondere den Berliner Senat auf, den Plan der Gewerkschaft zu unterstützen.

Dilek Kolat, die Berliner Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration, griff Abels Plädoyer für mehr Investitionen für den Berliner Betrieb auf. Sie lobte die enge Zusammenarbeit zwischen der Gewerkschaft und dem Senat, der in den vergangenen 25 Jahren die Industriearbeitsplätze in Berlin dezimiert hat. Die Zahl der Betriebe im verarbeitenden Gewerbe Berlins hat sich seit 1991 fast halbiert. Die Zahl der Beschäftigten in dieser Branche sank um 65 Prozent von 263.000 auf 92,000.

Der nächste Sprecher, Olaf Bolduan, Betriebsrat und Aufsichtsratsmitglied bei Siemens, richtete seine Rede direkt an die Aktionäre. Im Jahre 2013 hatte Siemens seine Tochter Osram an die Börse gebracht. Bolduan erinnerte die Kundgebungsteilnehmer daran, dass Siemens noch zwanzig Prozent der Anteile an Osram hält.

Er kritisierte das Osram-Management für das Fehlen eines „zukunftsweisenden Konzepts“ und verlangte von den Siemens-Aktionären, „auf das Osram-Management einzuwirken, denn es ist doch auch aus der Sicht eines Anteilseigners am Ende viel besser, wenn Osram gut dasteht und stabil dasteht, als immer wieder nur mit Personalabbau und ohne Strategie zu glänzen.“

Die Kundgebung in Berlin bestätigte den Bankrott der gewerkschaftlichen Perspektive und machte deutlich, dass die IG Metall nicht die geringste Absicht hat, die Arbeitsplätze in Berlin oder anderswo prinzipiell zu verteidigen. Stattdessen stellt sie sich mit der „Standortpolitik“ auf den gleichen Boden der kapitalistischen Rationalität wie die Aktionäre der Firma und verlangt vom Vorstand eine noch engere Zusammenarbeit bei der nächsten Runde des Stellenabbaus.

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