Die Liquidierung der BLPI und der große Verrat der LSSP in Sri Lanka

Von Nanda Wickremasinghe und K. Ratnayake
18. Oktober 2014

Dies ist ein Artikel über die politischen Lehren aus dem Verrat der Lanka Sama Samaja Party (LSSP), die im Juni 1964 in die Regierung von Sirima Bandaranaike und der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) eintrat. Es war das erste Mal, dass eine angeblich trotzkistische Partei einer bürgerlichen Regierung beitrat – ein Vorgang, der immer einen offenen Bruch mit den grundlegenden Prinzipien des internationalen Sozialismusbedeutet.

Der Verrat der LSSP war von großer Bedeutung für die internationale trotzkistische Bewegung. Er bestätigte den opportunistischen Charakter der politischen Tendenz, die von Michel Pablo und Ernest Mandel angeführt wurde. Die wahren Trotzkisten hatten 1953 mit dieser Tendenz gebrochen, und das Internationale Komitee der Vierten Internationale gegründet. Die Pablisten begünstigten und unterstützten jeden einzelnen Schritt im politischen Niedergang der LSSP und schufen die Bedingungen, unter denen jene in die Bandaranaike-Regierung eintreten konnte.

Der Artikel beginnt mit der Gründung der Bolschewistisch-Leninistischen Partei Indiens (BLPI) im Jahr 1942 als Sektion der Vierten Internationale und untersucht ihre spätere politische Liquidierung, die schwerwiegende Folgen für die Arbeiterklasse in ganz Asien und weltweit haben sollte.

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Die Gründung der Bolschewistisch-Leninistischen Partei Indiens (BLPI) im Jahr 1942, während des Zweiten Weltkrieges, war ein entscheidender Fortschritt für die Arbeiterklasse des ganzen indischen Subkontinents. Die Führer der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) in Ceylon, die die neue Partei ins Leben gerufen hatten, brachen mit der radikal nationalistischen Perspektive, auf der die LSSP 1935 gegründet worden war, und schlossen die Stalinisten, die der Linie Moskaus folgten, aus den Reihen der LSSP aus. Die Linie Moskaus hätte bedeutet, dass die Arbeiterklasse im Krieg gegen Nazideutschland die sogenannten Demokratien wie Großbritannien hätten unterstützen müssen.

In dem Programmentwurf der BLPI hieß es: "Allein eine solche [revolutionäre] Partei der Vierten Internationale kann die Arbeiterklasse in Indien zum revolutionären Sieg führen“, indem sie „eine revolutionäre Strategie auf der Grundlage der gesammelten Erfahrungen der Geschichte und vor allem der Theorie der permanenten Revolution“ anwende. Die BLPI, in der Trotzkisten aus Ceylon und Indien gemeinsam kämpften, beharrte auf der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterklasse von allen Fraktionen der Bourgeoisie, auch vom Indischen Nationalkongress (der Kongresspartei), der wichtigsten politischen Vertretung der indischen Kapitalistenklasse.

Im Konflikt mit der stalinistischen Kommunistischen Partei Indiens (KPI) führte die BLPI einen unermüdlichen Kampf gegen den imperialistischen Krieg und die britische Kolonialherrschaft. Kurze Zeit nach ihrer Gründung wurde die BLPI im August 1942 mitten in die Quit India-Bewegung geworfen. Diese Bewegung war vom Kongress ins Leben gerufen worden, um Großbritannien Zugeständnisse abzunötigen. Hunderttausende Jugendliche, Arbeiter und Bauern beteiligten sich in ihrem Rahmen an militanten Kämpfen gegen den britischen Kolonialismus. Die Kongresspartei versuchte, die Kämpfe auf zahnlose Proteste in Form von zivilem Ungehorsam zu beschränken. Die KPI verurteilte die Bewegung aufs heftigste, da sie der Kriegswirtschaft Schaden zufüge, und versuchte, Arbeiterstreiks zu unterdrücken. Ihre Mitglieder betätigten sich als Spione und Provokateure für die britischen Kolonialbehörden.

Die BLPI beteiligte sich an diesem Massenkampf, ohne ein einziges politisches Zugeständnis an den Kongress zu machen, und sie verurteilte den Verrat der Stalinisten. Sie rief die Arbeiter und Unterdrückten auf, den imperialistischen Krieg abzulehnen und für die sozialistische Revolution zu kämpfen. In einem Flugblatt der Partei, das am 9. August, dem Tag, an dem der Massenkampf ausbrach, in Bombay verteilt wurde, rief sie zur Intervention der Arbeiterklasse in einem "politischen Massengeneralstreik“ auf, „um die Maschinerie der imperialistischen Regierung zu paralysieren und zum Stillstand zu bringen". Sie forderte die Arbeiterklasse auf, die aufständische Bauernbewegung mit Forderungen anzuführen, die "zur Beschlagnahmung des Landes durch Bauernkomitees" führen würden.

Die britische Kolonialverwaltung reagierte mit brutaler Polizeistaatsunterdrückung. Etwa eintausend Menschen wurden getötet und hunderttausende wurden verhaftet, darunter viele BLPI-Führer. Als die Massenerhebungen nachließen, entstand jedoch in der BLPI eine opportunistische Tendenz. Sie war Vorbote für die Dinge, die noch kommen sollten. N.M. Perera und Philip Gunawardena schlugen aus ihrer Haft heraus einen prinzipienlosen Zusammenschluss mit der Congress Socialist Party (CSP) und mehreren anderen kleinbürgerlichen Gruppen vor und behaupteten, eine "mächtige linke Organisation" werde "der revolutionären Stimmung im Land einen Ansporn geben".

Der Vorschlag bedeutete eine Rückkehr zu der kleinbürgerlich-radikalen Politik, die auch die LSSP und die CSP propagierten. Auf einem BLPI-Kongress im Jahr 1944 wurde eine Resolution verabschiedet, die den Zusammenschluss ablehnte und warnte, er werde zur "Auflösung der einzigen Partei in Indien mit einem klaren revolutionären Programm und – bestenfalls – der Schaffung einer breiten zentristischen Partei führen".

Das Ende des Kriegs führte zu einem weltweiten Ausbruch revolutionärer Kämpfe, auch auf dem indischen Subkontinent, wo sie sich gegen die britische Kolonialherrschaft richteten. Die BLPI gewann eine starke Basis unter Arbeitern in Kalkutta, Madras und Bombay und widerlegte damit die Lügen von Perera und Gunawardena, die revolutionäre Partei habe keinen Zugang zu breiten Teilen der Arbeiterklasse.

Angesichts dieser zunehmenden Klassenkämpfe beeilten sich der Kongress und die Moslemliga, die Partei der indischen muslimischen Eliten, eine Einigung mit den britischen Herrschern auszuhandeln, um der Unabhängigkeitsbewegung den Boden zu entziehen. Die stalinistische KPI unterstützte diese bürgerlichen Parteien, wie auch die Teilung von Britisch-Indien im Jahr 1947 nach kommunalistischen Gesichtspunkten in Indien und Pakistan. Die CSP rückte weiter nach rechts und unterstützte stillschweigend die Verhandlungen des Kongresses mit den Briten durch Enthaltung.

Nur die BLPI lehnte die Nachkriegsordnung ab. Auf einer Konferenz im Mai 1947 charakterisierte sie das Indien, das dadurch entstehen würde, als "eine Halbkolonie, zwar politisch unabhängig, wirtschaftlich jedoch beherrscht von den Interessen des britischen Imperialismus ". Die Resolution warnte, dass den Arbeitern Gefahr drohe, und rief sie dazu auf, die Vereinbarung abzulehnen. Nur wenige Monate später begann mit der Teilung Indiens in ein hinduistisch dominiertes Indien und ein muslimisches Pakistan ein kommunalistisches Blutbad, dem eine Million Menschen zum Opfer fallen sollten.

Im darauffolgenden Jahr erklärte BLPI-Führer Colvin R. de Silva bei einem Treffen bengalischer Studenten: "Die Briten dominieren Indiens Wirtschaftführung nach wie vor, wie auch die Meere vor Indiens Küste. (...) Was in Indien geschieht, ist kein Übergang zur Unabhängigkeit, sondern nur ein Wechsel des Imperialismus von direkten zu indirekten Herrschaftsformen; er stellt sein Bündnis mit der indischen Bourgeoisie neu auf."

In Ceylon setzten Perera und Gunawardena nach ihrer Entlassung aus indischer Gefangenschaft die opportunistische Politik fort, die sie 1943 befürwortet hatten. Sie brachen mit der BLPI, um ihre eigene Partei zu gründen und den Namen LSSP wiederzubeleben. Die BLPI verurteilte ihr Renegatentum und warnte, die Spaltung sei "Ausdruck einer nichtproletarischen Tendenz", die sich rasch zu einer offen opportunistischen Politik entwickeln werde.

Zwischen der Bolschewik Samasamaja Party (BSP, so hieß die BLPI-Sektion in Ceylon) und der neu belebten LSSP tat sich eine politische Kluft auf. Sie wurde offen sichtbar, als Großbritannien dem Land zusammen mit der lokalen Bourgeoisie die "Unabhängigkeit" gewährte. Die BSP lehnte den Einigungsentwurf zur Unabhängigkeit Ceylons von 1947 ab, und BSP-Führer Doric de Souza bezeichnete ihn als "Verschwörung gegen die Bevölkerung". Die BSP boykottierte die formelle Aushändigungszeremonie im Jahr 1948 und mobilisierte zehntausende Arbeiter zum Widerstand gegen die "falsche Unabhängigkeit".

Die LSSP jedoch bezeichnete die britische Machtübergabe als Schritt in die richtige Richtung, enthielt sich bei der Abstimmung über das Unabhängigkeitsgesetz der Stimme und verurteilte die Vorbereitung einer Widerstands-Kundgebung durch die BSP als "Exhibitionismus". Die LSSP war schnell nach rechts gerückt und erklärte sich sogar bereit, einer bürgerlichen Koalitionsregierung mit dem Ceyloner Nationalkongress beizutreten. Letzterer bereitete sich mit der Gründung der United National Party (UNP) darauf vor, die Macht zu übernehmen.

Der undemokratische Charakter der "Unabhängigkeit" zeigte sich bald an einer der ersten Entscheidungen der neuen UNP-Regierung: Sie entzog etwa einer Million tamilischer Teeplantagen-Arbeiter das Wahlrecht und die Staatsbürgerschaft. BSP-Führer Colvin R. de Silva verurteilte diese Entscheidung und wies darauf hin, dass auch der Faschismus die Staatsbürgerschaft von der Rasse abhängig gemacht habe. Er warnte, mit Hilfe solcher kommunalistischer Gesetze wolle die Regierung die Arbeiterklasse spalten und schwächen, um die schwache kapitalistische Herrschaft zu stärken.

Die formelle Unabhängigkeit des indischen Subkontinents, die mit der weltweiten Erholung des Kapitalismus unter der Vorherrschaft des US-Imperialismus einherging, setzte die BLPI unter großen Druck. Der lokalen Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum eröffneten sich neue Möglichkeiten in der Wirtschaft, dem Staatsapparat, in politischen Laufbahnen und der Gewerkschaftsbürokratie.

Dieser Druck äußerte sich schnell in der Entscheidung der BLPI in Indien, in die Socialist Party einzutreten, die 1948 von den Congress Socialists gegründet wurde, die die imperialistische Einigung in Indien nicht direkt abgelehnt hatten. Der BLPI-Kongress vom Oktober 1948 verabschiedete einstimmig eine Resolution, die den Eintritt befürwortete, nachdem die Partei genau das gleiche Vorgehen 1943 noch abgelehnt hatte, als Perera und Gunawardena es vorgeschlagen hatten. Die BLPI ignorierte eine Aufforderung von Michel Pablo im Auftrag des Internationalen Sekretariats der Vierten Internationale, den Eintritt zu verschieben, um eine ernsthafte Diskussion zu ermöglichen.

Die Entscheidung, der Socialist Party beizutreten, hatte nichts mit der Taktik des Entrismus zu tun, die Leo Trotzki in den 1930ern vorgeschlagen hatte. Die Socialist Party war keine nach links rückende Bewegung, wie die Befürworter des Eintritts behaupteten. Vielmehr war sie dabei, schnell nach rechts zu gehen. Die Parteiführung würgte die innere Demokratie ab, und damit die Fähigkeit der BLPI-Mitglieder, für revolutionäre Politik zu kämpfen.

Bald wurde offensichtlich, dass die Wende der BLPI Teil einer allgemeinen Anpassung an den Druck war, der auf der Vierten Internationale lastete, und dem Pablo und Ernest Mandel bald theoretischen Ausdruck verleihen sollten. Die auf den Krieg folgende relative Stabilität übte einen erheblichen Druck aus, und Pablo und Mandel gaben ihm nach. Sie wiesen die Perspektive des internationalen Sozialismus und den Aufbau von revolutionären Parteien zurück und schlugen vor, dass die Parteien der Vierten Internationale stalinistischen oder sozialdemokratischen Parteien und Bündnissen mit bürgerlichen nationalen Organisationen beitreten sollten.

Als im Jahr 1950 ein Flügel der BLPI vorschlug, aus der Socialist Party wieder auszutreten, riet Pablo ihnen, zu bleiben. Auf die Auflösung der BLPI in der Socialist Party of India folgte in Sri Lanka der Zusammenschluss der BSP mit der LSSP auf einem "Einheitskongress", der am 4. Juni 1950 stattfand.

LSSP-Sekretär Leslie Gunawardene schrieb 1960 in seinem historischen Rückblick („A Short History of the Lanka Sama Samaja Party“): "Zwischen den beiden Organisationen gab es absolut keinen prinzipiellen politischen Unterschied." Er enthüllte die tiefer liegende parlamentarische Perspektive, die den Zusammenschluss beseelt hatte, indem er erklärte, die Rivalität zwischen der BSP und der LSSP habe es der rechten UNP ermöglicht, die Nachwahl 1949 in Gampaha zu gewinnen.

Die Behauptung, es habe keine prinzipiellen Unterschiede gegeben, ist allerdings falsch. Die Kluft zwischen der BSP und dem Opportunismus der LSSP war bereits in der Debatte über die Unabhängigkeit und im Widerstand der BSP gegen die Hinwendung der LSSP zu Teilen der UNP-Führung offensichtlich geworden. Die BSP-Führer haben die politischen Streitigkeiten einfach im Namen der Einheit unter den Teppich gekehrt.

Dazu heißt es in den "historischen und internationalen Grundlagen der Socialist Equality Party (Sri Lanka)": "Die 'Fusion' bedeutete eine Rückkehr zum Samasamajismus, d.h. zur nationalen Tradition des srilankischen Radikalismus. Dass über diese Fragen nicht diskutiert wurde, zeigte die wahren Verhältnisse in der neuen Partei: Der rechte Flügel unter N.M. Perera war an der Macht, die ehemaligen BLPI-Führer gaben ihm ‚trotzkistische’ Legitimation. Statt zu intervenieren, eine politische Klarstellung zu fordern und die prinzipienlose Vereinigung zu verhindern, gab das Internationale Sekretariat unter Michel Pablo seinen Segen dazu und akzeptierte die LSSP als srilankische Sektion der Vierten Internationale."

LSSP weist Verteidigung des Trotzkismus durch IKVI zurück

Ein wichtiger Wendepunkt in der Degeneration der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) war ihre Zurückweisung des Offenen Briefs von James P. Cannon, dem Führer der amerikanischen Socialist Workers Party (SWP). Der Offene Brief, der zur Gründung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) führte, repräsentierte die maßgebliche Stimme des orthodoxen Trotzkismus. Sie rief zum unversöhnlichen Kampf gegen den Opportunismus von Michel Pablo und seiner Clique in der Führung der Vierten Internationale auf.

Pablos und Mandels Revisionismus waren Ergebnis des politischen Drucks, den die Stabilisierung des Weltkapitalismus in der Nachkriegszeit unter der Ägide des US-Imperialismus auf die trotzkistische Bewegung ausübte. Pablo und Mandel verwiesen auf die Errichtung stalinistischer Regimes in den sogenannten Pufferstaaten Osteuropas und erklärten, Trotzki habe den Stalinismus zu Unrecht als konterrevolutionäre Kraft in der Arbeiterklasse bezeichnet.

Die Vierte Internationale hatte die osteuropäischen Regimes nach einer erschöpfenden theoretischen Diskussion als "deformierte Arbeiterstaaten" charakterisiert. Diese Definition berücksichtigte die Verstaatlichung von kapitalistischem Eigentum, die dort stattgefunden hatte, unterstrich jedoch den deformierten Charakter dieser Staaten. Im Gegensatz zur Sowjetunion waren diese Staaten nicht aus einer proletarischen Revolution entstanden, sondern waren von der stalinistischen Bürokratie, die die Arbeiterklasse unterdrückte, von oben geschaffen worden. Die Definition wies auf den temporären, übergangsartigen Charakter der Regimes und die Aufgaben der Vierten Internationale hin. Diese bestanden darin, trotzkistische Parteien aufzubauen, die die Arbeiterklasse unabhängig von allen andern Klassen in eine politische Revolution gegen die stalinistischen Apparate führen konnten.

Pablo und Mandel nahmen diese Charakterisierung zum Ausgangspunkt einer umfassenden Revision der Analyse der Vierten Internationale über den Stalinismus. Sie schrieben den "deformierten Arbeiterstaaten" eine historisch fortschrittliche Rolle zu. Cannon erklärte in seinem Offenen Brief gegen diese Position: "Anstatt die Gefahr einer neuen Barbarei herauszustreichen, hält er [Pablo] die Entwicklung zum Sozialismus für ‚unaufhaltsam’, und doch sieht er den Sozialismus nicht für unsere Generation oder eine der nächsten Generationen kommen. Stattdessen vertritt er das Konzept einer ‚alles überflutenden’ Welle von Revolutionen, die nichts als ‚deformierte’ Arbeiterstaaten, d.h, Arbeiterstaaten des stalinistischen Typus, hervorbringen, die dann ‚jahrhundertelang’ weiterbestehen.“

Der offene Brief erläuterte den liquidatorischen Charakter des Pablismus: Dieser erwarte „dass die stalinistische Bürokratie oder ein entscheidender Teil dieser Bürokratie, sich nicht unter dem Druck der Massen dazu bringen lasse, sich zu verändern und die ‚Ideen’ und das ‚Programm’ des Trotzkismus anzunehmen“.

Die pablistische Perspektive lehnte die revolutionäre Rolle der Arbeiterklasse ab, und damit die cheidende Aufgabe der Vierten Internationale, die Krise der Führung der Arbeiterbewegung durch den Aufbau von Sektionen in jedem Land zu lösen. Damit reduzierte sie die Rolle der trotzkistischen Bewegung auf die eines Beraters der konterrevolutionären stalinistischen Bürokratie.

Cannon schrieb: "Wir fassen zusammen: Der Graben zwischen Pablos Revisionismus und dem orthodoxen Trotzkismus ist so tief, dass weder ein politischer noch ein organisatorischer Kompromiss möglich ist."

Pablos Anpassung an den Stalinismus war nur ein Aspekt seines Opportunismus: Im Namen der Integration der Vierten Internationale in bestehende Massenbewegungen ordnete er die Arbeiterklasse in jedem Land den existierenden, verräterischen Führungen unter, ob es sich um Stalinisten, Sozialdemokraten oder, in Ländern wie Sri Lanka, bürgerliche Nationalisten handelte.

Die LSSP wies Cannons Offenen Brief zurück, obwohl sie selbst kurz zuvor eine prostalinistische Tendenz ausgeschlossen hatte. Obwohl die LSSP-Führung Pablos Orientierung kritisch gegenüberstand, weigerte sie sich, in den fundamentalen politischen Fragen, die der Offene Brief aufwarf, Stellung zu beziehen, und warf Cannon vor, er gefährde die Einheit der Vierten Internationale. Sie erklärte, das Vorgehen der SWP sei "für unsere Bewegung als Ganzes katastrophal".

Cannon warnte in einem Brief an die LSSP im Februar 1954: "Ich muss euch offen sagen, dass ich glaube, dass die LSSP einen gefährlichen Weg eingeschlagen hat, als sie die Resolution verabschiedet hat, in der sie die Veröffentlichung des Offenen Briefes verurteilte, noch ehe sie Stellung zu den politischen Fragen im Disput bezogen hat." Er wies auf den Ausschluss der Prostalinisten aus der LSSP hin und betonte, es reiche nicht, an dieser Stelle aufzuhören. "Als Internationalisten müssen wir die gleiche Einstellung zwangsläufig auch zu den offenen oder verdeckten Manifestationen von stalinistischem Versöhnlertum einnehmen, die sich in anderen Parteien und in der ganzen internationalen Bewegung zeigen. Das ist im Grunde der Prüfstein des Internationalismus in der aktuellen Krise", schrieb Cannon.

Cannon sprach eine weitere scharfsinnige Warnung aus: "Die LSSP (mehr als jede andere Partei, wie ich glaube sagen zu können) braucht eine internationale Führung, die eine Quelle der Stärke und Unterstützung für ihre trotzkistische Orthodoxie sein wird – der einzigen Bedingung, die ihr Überleben und ihren künftigen Sieg sichert, – und nicht etwa ein Organisationszentrum des schleichenden Liquidatorentums und der Zerstörung."

Die LSSP nahm sich die Warnung jedoch nicht zu Herzen und verblieb trotz ihrer Kritik an Pablos Perspektive im pablistischen Internationalen Sekretariat (IS) der Vierten Internationale. Die LSSP-Führung war sich bewusst, dass ihre eigene opportunistische Praxis in Sri Lanka untersucht und abgelehnt werden würde, sobald sie sich dem IKVI anschließen würde. Die Pablisten unterstützten und ermutigten den Opportunismus der LSSP nicht nur, sondern gaben ihm auch noch eine trotzkistische Rechtfertigung. Im Gegenzug konnten Pablo und Mandel behaupten, sie hätten in Asien eine trotzkistische Massenpartei.

Die LSSP hatte bereits begonnen, ihren Erfolg an der Zahl ihrer Sitze im Parlament und der Zahl der Mitglieder in den Gewerkschaften zu messen. Ihre parlamentaristische Perspektive zeigte sich schon in der politischen Krise, die im August 1953, nur wenige Monate vor dem Offenen Brief, ausgebrochen war. Damals hatte die LSSP zusammen mit der stalinistischen Kommunistischen Partei und der rechten Abspaltung VLSSP zu einem eintägigen Hartal – einem Generalstreik mit Unternehmensblockade – aufgerufen, um Druck auf die regierende United National Party (UNP) auszuüben, drastische Sparmaßnahmen zurückzunehmen.

Die Reaktion überraschte sie alle: Die militante Protestbewegung wuchs weit über die eintägige Aktion hinaus und ergriff große Teile der Insel. Die Regierung stand am Rande des Zusammenbruchs, und der Premierminister trat zurück. Anstatt zu versuchen, den Kampf auszuweiten und zu vertiefen, taten die LSSP und ihre Verbündeten alles, ihn so schnell wie möglich zu beenden, und ermöglichten so der Regierung, an der Macht zu bleiben. Danach kam die LSSP-Führung zum Schluss, dass es im weiteren Kampf darum gehen müsse, "die UNP-Regierung zum Rücktritt zu zwingen und eine Neuwahl abzuhalten".

Als die militante Hartal-Bewegung abflaute, war die 1951 von S.W.R.D. Bandaranaike gegründete Sri Lanka Freedom Party (SLFP) in der Lage, vor allem unter den ländlichen Massen von der Enttäuschung über die LSSP zu profitieren. Sie verband singhalesischen Populismus mit antiimperialistischer und sozialistischer Demagogie. Aus Schock über das Ausmaß des Hartal unterstützte ein Teil der Bourgeoisie die SLFP, um die große Unzufriedenheit der Bevölkerung aufzufangen. Im Vorfeld der Wahl 1956 appellierte die SLFP an das singhalesische Kleinbürgertum, dem sie versprach, Singhalesisch zur alleinigen Amtssprache zu machen und gleichzeitig die nationalen Minderheiten, vor allem die Tamilen, zu diskriminieren.

Anstatt Bandaranaikes politische Scharlatanerie zu entlarven, übernahm die LSSP in wachsendem Maße die SLFP-Politik der singhalesischen Ausschließlichkeit (Sinhala only). Offiziell lehnte sie zwar die Vorrangigkeit des Singhalesischen ab und warnte vor der Gefahr kommunalistischer Spaltungen, aber sie einigte sich mit der SLFP darauf, bei Wahlen nicht gegen sie anzutreten. Damit verlieh sie deren Anspruch Glaubwürdigkeit, eine fortschrittliche Alternative zur UNP zu sein. Als die SLFP bei der Wahl 1956 einen Erdrutschsieg erzielte, nahm die LSSP eine Haltung der "verantwortungsvollen Zusammenarbeit" mit der neuen Regierung ein und stimmte für ihre ersten beiden Regierungserklärungen, die die Regierungspolitik für das kommende Jahr darlegten. Das pablistische Internationale Sekretariat (IS) erhob keine Einwände gegen diese Politik derLSSP, da sie sich ja in "die echte Massenbewegung" integrierte, – wie es die Pablisten in allen Ländern forderten.

Ab 1960 bekannte sich die LSSP mit voller Unterstützung des IS zum parlamentarischen Weg zur Macht. Bei der Wahl im März erklärte sie, die UNP und die SLFP seien beide in gleichem Maße diskreditiert, und forderte zur Wahl einer "samasamajistischen" Regierung auf. Gleichzeitig verwässerte sie in ihrer Wahlerklärung ihre Ablehnung der "Politik der singhalesischen Ausschließlichkeit“ und schwächte ihre Forderung nach der Staatsbürgerschaft für tamilische Plantagenarbeiter stark ab. Das IS war vom Wahlkampf der LSSP begeistert und erklärte, seine srilankische Sektion führe einen "entscheidenden Kampf um die Macht".

Weit von einem Wahlsieg entfernt, schnitt die LSSP schlechter ab als im Jahr 1956. Als Reaktion darauf rückte sie noch weiter nach rechts. LSSP-Führer N.M. Perera forderte die Partei auf, sich auf den Eintritt in eine kapitalistische Regierung unter Führung der SLFP vorzubereiten, was knapp scheiterte. Bei einer zweiten Wahl im Juli, nach dem Zusammenbruch der brüchigen UNP-Regierung, ging die LSSP wieder ein Abkommen mit der SLFP ein, nicht gegen sie zu kandidieren, und stimmte für ihren ersten Haushaltsplan und die Thronrede nach ihrem Wahlsieg.

Aus Sorge darüber, dass die eigene Glaubwürdigkeit leiden könnte, übte das pablistische IS beschränkte Kritik am Opportunismus der LSSP und schrieb, das Abkommen mit der SLFP könnte "unter der breiten Masse Illusionen in den Charakter der SLFP schüren". Gleichzeitig erklärte das IS jedoch: "Wir akzeptieren, dass es für eine revolutionäre Partei möglich ist, in einem kolonialen oder halbkolonialen Land einer Nicht-Arbeiterregierung wichtige Unterstützung zukommen zu lassen (egal ob sie kleinbürgerlich oder kapitalistisch ist)." Damit ließen die Pablisten der LSSP die Möglichkeit, auf die SLFP-Regierung zuzugehen, und ermöglichten ihren Eintritt ins Kabinett nur vier Jahre später.

LSSP tritt in kapitalistische Koalitionsregierung ein

Am 11. Juni 1964 trat die Lanka Sama Samaja Party (LSSP) einer Regierungskoalition mit der Sri Lanka Freedom Party (SLFP) bei. Diese stand angesichts der wachsenden Militanz der Arbeiterklasse am Rande des Zusammenbruchs. Der Verrat der LSSP kam nicht aus heiterem Himmel, sondern war das Ergebnis einer mehr als zehn Jahre andauernden Anpassung an die singhalesisch-kommunalistische Politik der SLFP. Das pablistische Internationale Sekretariat (IS) unterstützte jeden Schritt dieser Entwicklung.

Bereits 1960 konnte die LSSP-Führung nur knapp einen Vorstoß ihres führenden Mitgliedes N. M. Perera abwenden, der eine Koalition mit der SLFP ermöglicht hätte. Während die politische Krise in Sri Lanka sich verschärfte, basierte die Reaktion der LSSP-Führung auf krassen parlamentarischen Berechnungen und offenem Gewerkschaftssyndikalismus, das heißt auf Opportunismus anstelle eines revolutionären Kampfs für sozialistischen Internationalismus.

Im Jahr 1962 folgte auf einen entschlossenen Dockarbeiterstreik im Januar ein Streik aller Bankbeschäftigten im Juni und Juli. Im Januar 1963 mobilisierte Bandaranaike das Militär, um einen Streik der Busfahrer des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs zu brechen. Im Juni begannen Arbeiter der Wellawatte-Textilwerke einen Arbeitskampf für bessere Bezahlung. Unter der ländlichen Jugend herrschte großer Unmut und Unruhe wegen der chronischen Arbeitslosigkeit und Armut.

Herrschende Kreise übten immer stärkeren Druck auf Bandaranaike aus, entschlossen gegen die Arbeiterklasse vorzugehen. Im Januar 1962 hatte sie bereits einen Putschversuch überstanden, den Militär- und Polizeioffiziere mit Beziehungen zu prowestlichen Eliten anzettelten. Das Streikverbot und der Einsatz des Militärs konnten die wachsende Krise nicht eindämmen, und immer größere Teile der arbeitenden Bevölkerung beteiligten sich an Arbeitskämpfen.

Als Reaktion darauf gründete die LSSP im August 1963 eine Vereinigte Linksfront (ULF) mit der stalinistischen Kommunistischen Partei (KP) und der Mahajana Eksath Peramuna (MEP). Diese Linksfront sollte sich als politisches Sprungbrett zum Eintritt in die Bandaranaike-Regierung kaum ein Jahr später erweisen. Die KP und die MEP drängten von Anfang an auf eine Koalition mit der SLFP. Die Beteiligung der MEP war besonders bedeutsam, denn ihr Parteichef war Philip Gunawardene. Nachdem er die LSSP 1950 verlassen hatte, war er schnell nach rechts gerückt. Er hatte 1956 einen Ministerposten in der SLFP-geführten Regierung erhalten. Das war die selbe Regierung, die eine gegen die Tamilen gerichtete Sprachenpolitik (Sinhala Only Act) durchsetzte.

Die ULF war eine Volksfrontgruppierung, die die wachsende Bewegung der Arbeiterklasse parlamentarischen Manövern unterordnete und ihr eine Perspektive unterschob, mittels Druck auf die Bandaranaike-Regierung Zugeständnisse zu erzwingen. Ihr Sechzehn-Punkte-Programm, das die Verstaatlichung einiger Kautschuk- und Teeplantagen und Zusätze zur Verfassung von 1948 vorsah, bewegte sich vollkommen im Rahmen der kapitalistischen Herrschaft. Darüber hinaus unterstützte sie die Beibehaltung von Singhalesisch als alleiniger Amtssprache auf dem Großteil der Insel und die Rückführung tamilischsprachiger Plantagenarbeiter nach Indien – ein Programm, das sich an die kommunalistische Politik der SLFP anlehnte.

Der siebte Weltkongress der Pablisten im Juni 1963 lobte die Pläne, die die LSSP für ihre ULF vorlegte. Der Kongress erklärte, die LSSP habe "korrekterweise zu einer Vereinigten Linksfront aufgerufen, sowohl um den Rechtsruck zu stoppen, als auch um den Massen zu helfen, zu einer alternativen Linken zu finden". Er ignorierte völlig, dass eine Minderheit in der LSSP die ULF offen als Volksfront bezeichnete.

Diese Meinungsverschiedenheiten drehten sich nicht um Semantik, sondern um die Klassenorientierung. Die ULF hatte nichts mit Trotzkis Taktik der Einheitsfront zu tun. Diese hatte hervorgehoben, dass die politische Unabhängigkeit der revolutionären Partei gewahrt und Programm, Banner und Parolen nicht vermischt werden dürfen. Die ULF war vielmehr eine Neuauflage der stalinistischen Volksfrontpolitik aus den 1930ern, die auf einer gemeinsamen programmatischen Grundlage mit opportunistischen und bürgerlichen Parteien fußte, die Arbeiterklasse an Bourgeoisie, Privateigentum und Staat fesselte und ihre unabhängige revolutionäre Aktivität blockierte.

Der Kongress besiegelte auch die Wiedervereinigung der amerikanischen Socialist Workers Party (SWP) mit dem pablistischen Internationalen Sekretariat. Die SWP hatte 1953 den Offenen Brief veröffentlicht, in dem sie den Opportunismus von Michel Pablo und Ernest Mandel zurückgewiesen hatte, und sie hatte die führende Rolle bei der Gründung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) gespielt, um den orthodoxen Trotzkismus zu verteidigen.

Nach der Spaltung begann sich die SWP jedoch von ihrem prinzipiellen Widerstand gegen den Pablismus zurückzuziehen. Ein wichtiger Wendepunkt war ihre Reaktion auf die kubanische Revolution unter Führung von Fidel Castro 1959. Die SWP bezeichnete das neue Regime, das eine kleinbürgerliche Guerillabewegung geschaffen hatte, in leuchtenden Farben als "Arbeiterstaat".

Im Thesenentwurf der SWP über die kubanische Revolution vom Dezember 1960 heißt es, auf Kuba existierten zwar keine proletarischen Machtorgane wie Sowjets, allerdings habe sich das Land "in eine sozialistische Richtung entwickelt". Weiter heißt es da: "Die kubanischen Revolutionäre haben keine Zeit, um feine Theorien auszutüfteln. Sie sind Praktiker und von Aufgaben überschwemmt."

Diese Formulierung lässt erkennen, dass die SWP dabei war, Trotzkis Theorie der permanenten Revolution aufzugeben. Diese geht von der organischen Unfähigkeit der Bourgeoisie und des Kleinbürgertum aus, in rückständigen kapitalistischen Ländern die demokratischen, geschweige denn sozialistische Aufgaben durchzuführen. Wie Trotzki betonte, kann nur die Machtübernahme der Arbeiterklasse an der Spitze der armen Landbevölkerung die demokratischen Aufgaben durchführen und die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft in Angriff nehmen. Eine proletarische revolutionäre Partei ist notwendig, um diesen Kampf anzuführen.

Die SWP schloss sich auf dem Kongress von 1963 wieder mit den Pablisten zusammen, ohne über die prinzipiellen Unterschiede diskutiert zu haben, die zur Spaltung von 1953 geführt hatten. Der "Einheitskongress" erklärte als Rechtfertigung für die Anpassung an kleinbürgerliche Bewegungen wie in Kuba: "Durch die Schwäche des Feindes in rückständigen Ländern ergibt sich die Möglichkeit, auch mit einem stumpfen Instrument an die Macht zu kommen." Nach der Wiedervereinigung benannte sich die pablistische Internationale in Vereinigtes Sekretariat (VS) um.

Von 1961 bis 1963 führte die Socialist Labour League (SLL), die britische Sektion des IKVI, einen politischen Kampf gegen den Rückzug der SWP und warnte vor seinen Folgen für die trotzkistische Bewegung. Die SLL lehnte die Vorstellung ab, kleinbürgerliche Führungen könnten durch "die Logik der Revolution selbst" gezwungen werden, die Arbeiterklasse an die Macht zu bringen. Wie sie betonte, war die zentrale Aufgabe weiterhin die Lösung der Krise der proletarischen Führung durch den Aufbau von Parteien wie der Bolschewiki.

Die Wiedervereinigung der SWP mit den Pablisten, die die LSSP aktiv unterstützt hatten, stärkte die Position der LSSP-Führer, die sich an die SLFP und ihren singhalesischen Populismus anpassten.

Die Gründung der Vereinigten Linksfront führte zur Gründung des Joint Committee of Trade Unions, das im September 1963 eine Liste von einundzwanzig Forderungen aufstellten. Zum ersten Mal schlossen sich Arbeiter aus dem öffentlichen, dem privaten und dem Plantagensektor über ethnische Grenzen hinweg zusammen. Die Ceylon Mercantile Union (CMU) rief zu einem Hafenarbeiterstreik auf, der 69 Tage lang, bis Januar 1964, dauerte. Die Gewerkschaft ignorierte ein Ultimatum von Bandaranaike, die Arbeit wieder aufzunehmen, und gewann bedeutende Zugeständnisse. Während die Klassenspannungen weiter zunahmen, schickte Bandaranaike im Februar das Parlament in Urlaub.

Inmitten der politischen Krise riefen die Gewerkschaften für den 21. März 1964 zu einer riesigen Kundgebung auf dem Galle Face Green in der Innenstadt von Colombo auf. Während LSSP-Führer Colvin R. de Silva eine Rede über die nächsten Schritte hielt, die vor den Arbeitern stünden, weilte der oberste LSSP-Chef, N.M. Perera, in der offiziellen Regierungsresidenz Temple Trees. Dort erörterte er in einem Geheimtreffen mit der Premierministerin, wie er ihr helfen könne, die Gefahr abzuwenden, die ihr von der Arbeiterklasse drohte.

Noch während der Verrat vorbereitet wurde, lobte das pablistische Vereinigte Sekretariat die LSSP überschwänglich. In einem Brief vom April 1964 befürwortete es die "Vereinigte Linksfront" und erklärte, sie habe "den Massenkampf gestärkt und in die Richtung der Etablierung eigener politischer Macht mit einem wahrhaft sozialistischen Programm gelenkt". In dem Brief hieß es: "Ceylon kann ein weiteres Kuba oder Algerien werden und sich als noch größere Inspiration für revolutionär gesonnene Arbeiter auf der ganzen Welt erweisen."

Als klassenbewusste Vertreterin der Bourgeoisie wusste Bandaranaike nur zu gut, warum ihre Regierung die Unterstützung der LSSP brauchte. Am 10. Mai 1964 erklärte sie in einer Rede: "Einige denken, diese Probleme [Streiks] könnten aus der Welt geschafft werden, indem man eine Diktatur errichtet. Andere sagen, man sollte die Arbeiter mit vorgehaltener Waffe zur Arbeit zwingen. Wieder andere sind der Ansicht, man sollte eine Allparteienregierung gründen, um dieses Problem zu lösen. Ich habe jede dieser Ideen einzeln und im Kontext des Weltgeschehens erwogen. Dabei bin ich zu dem Schluss gekommen, dass uns keine dieser Lösungen ans Ziel bringt. (...) Deshalb, meine Damen und Herren, habe ich beschlossen, Gespräche mit der Führung der Arbeiterklasse aufzunehmen, vor allem mit Philip Gunawardene und N.M. Perera.

Der rechte Flügel der LSSP unter Führung von Perera berief für den 6. und 7. Juni eine Parteikonferenz ein, um den Vorschlag einer Koalition mit der SLFP zu erörtern. Unterstützt wurde er von der "Zentrums"-Fraktion der ehemaligen BLPI-Führer Colvin R. de Silva und Leslie Gunawardene.

Auf der Konferenz rechtfertigte Perera in seiner Resolution die Koalition, indem er behauptete, die SLFP sei keine bürgerliche Partei, und bezeichnete sie fälschlicherweise als Partei, "deren Basis im radikalen Kleinbürgertum und der unteren Mittelschicht liegt". Sie habe "einige ihrer reaktionäreren Elemente" abgelegt und Verstaatlichungen durchgeführt.

Perera missachtete mit seinen Formulierungen sträflich, was Trotzki über solche Organisationen geschrieben hatte. Auch wenn die soziale Basis der SLFP teilweise aus Schichten des städtischen Kleinbürgertums und der Bauernschaft vom Land bestehen mochte, so war die SLFP als Ganzes doch von Teilen der srilankischen Bourgeoisie dominiert, deren Interessen ihr Programm prägten. Allerdings passte die Resolution zu der Bewunderung, die das Vereinigte Sekretariat für Castros Bewegung auf Kuba hegte.

Die "Zentrums"-Fraktion hatte keine grundlegenden Probleme damit, der Bandaranaike-Regierung beizutreten, schlug jedoch vor, dass auch andere ULF-Partner mit einbezogen werden sollten.

Nur die revolutionäre Minderheit unter Führung von Edmund Samarakkody und Bala Tampoe lehnte jede Koalition mit der SLFP eindeutig ab. "Der Eintritt der LSSP-Führer in die SLFP-Regierung wird zu einer offenen Klassenkollaboration, Desorientierung der Massen und Spaltung der Arbeiterklasse führen und wird die Perspektive des Kampfes aufgeben", warnte sie in ihrer Resolution.

Die tiefgreifende politische Degeneration der LSSP zeigte sich an ihrer Abstimmung über die drei Resolutionen. Der rechte Flügel erhielt 501 Stimmen, die "Zentristen" 75 Stimmen, die revolutionäre Minderheit 159 Stimmen. Nach der Abstimmung verließ die Minderheitsfraktion die Konferenz und traf sich an einem anderen Ort, um die Lanka Sama Samaja Party (Revolutionary), (LSSP(R)) zu gründen.

Die Einigung zwischen der LSSP und der SLFP bedeutete eine vollständige Kapitulation vor dem kapitalistischen Programm der SLFP und ihrer singhalesisch-kommunalistischen Politik. Die LSSP stimmte zu, die Politik der "Singhalesischen Ausschließlichkeit" [und Ächtung des Tamilischen] fortzusetzen und die Repatriierung tamilischer Plantagenarbeiter nach Indien zu unterstützen. Im Gegenzug wurde Perera Finanzminister, und die LSSP erhielt zwei weitere Ministerien.

Der Verrat enthüllte auf verheerende Weise die opportunistische Politik der Pablisten, wie auch die weitreichende Bedeutung der Entscheidung der amerikanischen SWP, sich wieder mit ihnen zusammenzuschließen. Das Vereinigte Sekretariat (VS) lehnte in einem verzweifelten Versuch, seine eigene Rolle zu verschleiern, den Eintritt in die Bandaranaike-Regierung ab, forderte jedoch eine Neugründung der Vereinigten Linksfront – also genau der Volksfrontgruppierung, die den Verrat ermöglicht hatte. Perera und die beiden anderen LSSP-Minister wurden aus dem Vereinigten Sekretariat ausgeschlossen, die LSSP-Mitglieder, die für den Eintritt in die Regierung gestimmt hatten, wurden suspendiert. Das VS ließ Monate verstreichen, ehe es gegen die Führung der Zentristen vorging, die in der LSSP blieben.

Bezeichnenderweise lehnte die LSSP(R) zwar den Eintritt in die Bandaranaike-Regierung ab, blieb jedoch im Vereinigten Sekretariat, das ihn überhaupt ermöglich hatte. Nur die britische SLL und das IKVI führten den historischen Verrat der LSSP auf den dafür verantwortlichen pablistischen Opportunismus zurück. SLL-Parteichef Gerry Healy reiste im Auftrag des IKVI nach Colombo, um öffentlich gegen den Verrat der LSSP aufzutreten. Allerdings wurde ihm kein Zugang zur LSSP-Konferenz gewährt, auf der über den Eintritt in die Regierung abgestimmt wurde.

Das IKVI erklärte in einer Stellungnahme vom 5. Juli weitsichtig: "Der Beitritt der LSSP-Mitglieder zu Bandaranaikes Koalition bedeutet das Ende einer ganzen Epoche in der Entwicklung der Vierten Internationale. Der Revisionismus in der trotzkistischen Weltbewegung hat die Form eines direkten Dienstes am Imperialismus und der Vorbereitung einer Niederlage für die Arbeiterklasse angenommen."

Die politischen Folgen des Verrats der LSSP

Der Verrat der LSSP hatte weitreichende politische Folgen. In Sri Lanka löste die LSSP durch ihre völlige Aufgabe des Programms des sozialistischen Internationalismus politische Verwirrung und Desorientierung unter Arbeitern und Jugendlichen aus. Sie war der Wegbereiter für die verheerende kommunalistische Politik, die schließlich zum Ausbruch des langen Bürgerkrieges im Jahr 1983 führte, der im nächsten Vierteljahrhundert hunderttausende Todesopfer forderte.

In der ganzen Region befanden sich die stalinistischen Parteien nach dem Aufstand ostdeutscher Arbeiter im Jahr 1953, der Geheimrede des sowjetischen Premiers Nikita Chruschtschow im Jahr 1956, in der er einige von Stalins Verbrechen enthüllte, und der brutalen Unterdrückung des Arbeiteraufstands in Ungarn im gleichen Jahr in einer beträchtlichen Krise. Die erbitterten Streitigkeiten zwischen der Sowjetbürokratie und der chinesischen Führung unter Mao Zedong Anfang der 1960er Jahre, die zum chinesisch-sowjetischen Zerwürfnis führten, fügten den stalinistischen Parteien weltweit großen Schaden zu.

1953 stellte sich die LSSP auf die Seite von Michel Pablo und Ernest Mandel gegen das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI), das Pablos und Mandels falsche Theorie kritisierte, der Stalinismus könnte unter dem Druck der Massen eine revolutionäre Orientierung entwickeln. Die LSSP wie auch die pablistische Internationale als Ganzes begann alsbald, die Verbrechen des Stalinismus zu vertuschen. 1957 besuchten LSSP-Delegationen Moskau und Peking, ohne die Unterdrückung der ungarischen Arbeiterklasse oder die fortdauernde Inhaftierung von Trotzkisten in China zur Sprache zu bringen.

Die Degeneration der LSSP und ihr Eintritt in die Bandaranaike-Regierung im Juni 1964 verschaffte den stalinistischen Parteien eine Atempause, vor allem in Indien, wo im gleichen Jahr eine verheerende Spaltung innerhalb der Kommunistischen Partei Indiens (KPI) zur Gründung der prochinesischen Kommunistischen Partei Indiens-Marxisten (KPM) geführt hatte. Das Fehlen einer trotzkistischen Opposition half den indischen Stalinisten, die Krise zu überleben und ihre dominante Position in der Arbeiterklasse beizubehalten.

Die maoistische Variante des Stalinismus, die sich zu Unrecht in den Mantel des revolutionären Marxismus-Leninismus hüllte und den "sowjetischen Revisionismus" verurteilte, beinhaltete eine Zurückweisung der Arbeiterklasse und eine Orientierung auf bäuerlichen Guerillakampf. Der chinesische Stalinismus war besonders stark für die kriecherische Unterstützung verantwortlich, die dier Kommunistische Partei Indonesiens (PKI) dem indonesischen Präsidenten Sukarno gab, die die Bedingungen für den blutigen, von der CIA unterstützten Putsch 1965-66 schuf, der eine halbe Million PKI-Mitglieder, Arbeiter und Bauern das Leben kostete.

Der Verrat der LSSP war in nicht unerheblichem Maße verantwortlich dafür, dass der Maoismus in Asien ungehindert aufblühen konnte, sodass in Indien, den Philippinen und Nepal bäuerliche Guerillabewegungen unter Führung maoistischer Parteien entstehen konnten.

Gleichzeitig löste der Eintritt der LSSP in die Bandaranaike-Regierung eine genau gegensätzliche Reaktion aus. Das IKVI betonte als einzige Kraft, dass die Degeneration der LSSP nicht das Ergebnis des Trotzkismus sei, sondern seines Gegenteils - des pablistischen Opportunismus. Wie der Führer der britischen Socialist Labour League (SLL), Gerry Healy, erklärte, saßen die Hauptverantwortlichen für den Verrat der LSSP nicht in Colombo, sondern in Paris - im pablistischen Vereinigten Sekretariat.

Die Taten der LSSP bestätigten nachdrücklich die Richtigkeit des politischen Kampfes gegen die Wiedervereinigung der amerikanischen Socialist Workers Party (SWP), die die Hauptrolle bei der Gründung des IKVI im Jahr 1953 gespielt hatte, mit den Pablisten im Jahr davor. Das Vereinigte Sekretariat versuchte, jede Kritik am Verrat der LSSP aus seinen eigenen Reihen zu unterdrücken. Innerhalb der SWP wurden die Anhänger des IKVI für die Forderung nach einer parteiinternen Diskussion suspendiert. Sie bildeten das Amerikanische Komitee für die Vierten Internationale, aus dem sich 1966 die Workers League entwickelte - die Vorgängerorganisation der Socialist Equality Party in den USA.

Die Intervention der SLL aufseiten des IKVI führte außerdem zu einer Wiederbelebung des Trotzkismus in Sri Lanka und zur Gründung der Revolutionary Communist League (RCL) im Jahr 1968. Während die LSSP (R) nach der Konferenz von 1964, auf der der Verrat abgesegnet wurde, mit der LSSP brach, unterstützte die Partei weiterhin das pablistische Vereinigte Sekretariat und die opportunistische Politik, die zum Eintritt der LSSP in die Bandaranaike-Regierung geführt hatte.

Die Analyse des IKVI fand ihren Weg zu einer Gruppe von Studenten und jungen Arbeitern, die sich als Trotzkisten betrachteten und nicht nur der LSSP zunehmend feindselig gegenüberstanden, sondern auch der LSSP (R). Nachdem sie im Jahr 1966 mit der SLL Kontakt aufgenommen hatte, studierte die Gruppe systematisch die Dokumente des Kampfes des IKVI gegen den Pablismus und begann, die Zeitung Virodhaya herauszugeben.

In der LSSP (R) lehnte Wilfred "Spike" Perera, ein ehemaliges Mitglied der Bolschewistisch-Leninistischen Partei Indiens (BLPI) die politische Orientierung der Parteiführung ab und arbeitete mit der Virodhaya-Gruppe zusammen. Während eines Besuches von Ernest Mandel in Sri Lanka im Jahr 1967 warf Spike dem Vereinigten Sekretariat vor, es sei "direkt für die Degeneration und das Debakel der LSSP" verantwortlich. Schließlich musste er die LSSP (R) nach einer Hetzkampagne verlassen, nachdem er in einer Resolution gefordert hatte, die LSSP (R) solle sich auf die Seite des IKVI stellen.

Die RCL musste von Anfang an gegen den Strom schwimmen. Die 1960er- und 1970er Jahre waren vom Vietnamkriegs und einer wachsenden Bewegung der internationalen Arbeiterklasse geprägt. Der kleinbürgerliche Radikalismus schlug in verschiedenen Formen hohe Wellen, unter anderem auch in Sri Lanka. Mit Unterstützung der Pablisten wurden Persönlichkeiten wie Che Guevara, Mao Zedong und Ho Chi Minh zu populären Ikonen.

Das vorrangige Charakteristikum dieser politischen Tendenzen war ihre Ablehnung der unabhängigen Mobilisierung der Arbeiterklasse und ihre Hinwendung zu anderen Klassenkräften - sei es zur Bauernschaft in den rückständigen kapitalistischen Ländern oder zu Studenten und verschiedenen von Identitätspolitik geprägten Bewegungen in den großen imperialistischen Zentren.

Die RCL führte unter schwierigen Umständen einen konsistenten und entschlossenen Kampf für den Trotzkismus, während die LSSP und die LSSP (R) noch immer bedeutenden Einfluss in der Arbeiterklasse hatten und neue Parteien, deren Grundlage radikale kommunalistische Politik war, scheinbar mehr Erfolg hatten. Unter der Führung des jungen Generalsekretärs Keerthi Balasuriya, der 1968 im Alter von neunzehn Jahren auf seinen Posten gewählt wurde, grenzte sich die RCL von allen ab, die fälschlicherweise behaupteten, den Marxismus zu repräsentieren.

Der Verrat der LSSP schuf die Grundlagen für die Entstehung der Janatha Vimukthi Peramuna (JVP), der Volksbefreiungsfront, im Jahr 1966. Ihre eklektische Mischung aus Maoismus, Castrismus und singhalesischem Populismus gewann Unterstützung unter der unzufriedenen singhalesischen Landjugend im Süden der Insel. Balasuriya schrieb eine umfangreiche Serie von Artikeln über Politik und Klassencharakter von Janatha Vimukthi Peramuna, in der er ihre antimarxistischen Theorien widerlegte, ihre Feindseligkeit gegenüber der Arbeiterklasse entlarvte und warnte, ihre antitamilische Rhetorik zeige, dass sie sich möglicherweise zu einer faschistischen Organisation entwickeln könnte.

Die JVP begann auf der Grundlage ihrer Theorie vom "bewaffneten Kampf" einen abenteuerlichen "Aufstand" gegen die zweite SLFP-Koalitionsregierung mit der LSSP und der stalinistischen Kommunistischen Partei, die 1970 an die Macht kam. Die Regierung ließ die Revolte im April 1971 brutal niederschlagen, 15.000 Jugendliche vom Land wurden getötet und weitere 30.000 verhaftet. Trotz ihrer grundlegenden politischen Differenzen mit der JVP blieb die RCL ihren Prinzipien treu und lehnte die staatliche Unterdrückung ab. Ihre Publikationen wurden verboten, die Partei in den Untergrund gedrängt. Zwei RCL-Mitglieder wurden verhaftet und in Gewahrsam getötet.

Nach der Niederschlagung des JVP-Aufstandes setzte die SLFP-geführte Regierung, in der drei LSSP-Minister in Schlüsselpositionen dienten, diskriminierende Maßnahmen gegen die tamilische Minderheit durch, die ihren Ausdruck in einer neuen kommunalistischen Verfassung fanden, die Singhalesisch zur alleinigen Amtssprache, und den Buddhismus zur Staatsreligion erklärte. Angesichts weit verbreiteter Feindschaft gegenüber der "linken" Regierung und ihren "trotzkistischen" Ministern wandten sich unzufriedene tamilische Jugendliche bewaffneten separatistischen Organisationen wie den Befreiungstigern von Tamil Eelam (LTTE) zu, die ihre Ablehnung des Trotzkismus und des Marxismus mit dem Verrat der LSSP rechtfertigten.

Die von der SLFP geführte Koalition wurde 1977 angesichts weit verbreiteter Wut der arbeitenden Bevölkerung über die soziale und wirtschaftliche Katastrophe unter ihrer Regierung in einer erdrutschartigen Niederlage aus dem Amt gewählt. Die rechte United National Party (UNP)-Regierung war eine der ersten der Welt, die einen marktwirtschaftlichen Strukturwandel in die Wege leitete. Im Jahr 1980 kam es zu einem Generalstreik zur Verteidigung von Arbeitsplätzen und Löhnen. Mit Unterstützung der LSSP, der KP und der LSSP (R) konnte sie der Arbeiterklasse eine verheerende Niederlage beibringen, indem sie 100.000 Beschäftigte des Öffentlichen Diensts entließ. Die JVP lehnte den Streik ab und hinderte ihre Gewerkschaften, daran teilzunehmen.

Die UNP griff auf antitamilische Provokationen zurück, deren Höhepunkt die Pogrome von 1983 waren, bei denen hunderte getötet wurden. Die Insel wurde dadurch in einen langen und verheerenden Bürgerkrieg gestürzt. Die RCL war die einzige Partei, die den Krieg ablehnte, den bedingungslosen Abzug der Truppen aus dem Norden und Osten forderte und die demokratischen Rechte der Tamilen verteidigte, während sie andererseits das separatistische Programm der LTTE und anderer tamilischer Parteien ablehnte.

Fünfzig Jahre nach dem Verrat der LSSP ist es wichtig, eine politische Bilanz zu ziehen. Alle Personen und Parteien, die in den 1960ern und 1970ern als große "Revolutionäre" gefeiert wurden, haben der Arbeiterklasse nur Katastrophen eingebracht.

Die stalinistische Sowjetbürokratie verübte 1991 ihren letzten Verrat, als sie offen den Kapitalismus wieder einführte und die Sowjetunion auflöste, was zu schrecklichen sozialen Rückschritten in den ehemaligen Sowjetrepubliken führte. Die maoistische Führung in China schloss 1972 mit der Annäherung zwischen Nixon und Mao ihren Frieden mit dem Imperialismus und schuf die Bedingungen für die Wiedereinführung kapitalistischer Verhältnisse und die Umwandlung des ganzen Landes in ein riesiges Billiglohnland für die globalen Konzerne.

Während in den Kreisen der kleinbürgerlichen Radikalen eine Welle von allgemeinem Pessimismus herrschte, hielt nur das IKVI an der Position fest, dass der Zusammenbruch der Sowjetunion nicht das Versagen des Sozialismus bedeutete, sondern des Stalinismus. Die Globalisierung der Produktion schwächte alle Parteien, Staaten und Organisationen, deren Grundlage das Programm der nationalen wirtschaftlichen Regulierung und Reformen war. Darüber hinaus warnte das IKVI, das Ende der Sowjetunion werde keine neue Ära des Friedens und Wohlstands einläuten sondern eine Verschärfung der Krise des Weltkapitalismus, wachsender geopolitischer Spannungen und Kriege, und eine Verschärfung der Angriffe auf die soziale Stellung der Arbeiterklasse.

Die Erben Castros und Ho Chi Minhs in Kuba und Vietnam haben den gleichen Weg eingeschlagen wie die Maoisten in China und ihre Wirtschaft für ausländische Investoren geöffnet. Die indische KPM hat in den indischen Bundesstaaten Westbengalen und Kerala die gleiche arbeiterfeindliche Agenda umgesetzt. Die Befürworter des "bewaffneten Kampfes" haben sich, einer nach dem anderen, an den Imperialismus und ihre eigene Bourgeoisie angenähert und ihre Kampfanzüge gegen Maßanzüge und Sitze in den Parlamenten eingetauscht. Auf den Philippinen sind die Maoisten völlig in das politische Establishment integriert, ihre Kollegen in Nepal übernahmen 2008 die Regierungsgewalt.

In Sri Lanka hat sich die politische Landschaft verwandelt. Die LSSP ist ausgepresst wie eine Zitrone und kann der Bourgeoisie keine Dienste mehr leisten. Sie existiert nur als politisches Anhängsel der SLFP, das die kriminelle Politik der Rajapakse-Regierung bedingungslos absegnet. Die LSSP (R) machte in den 1970ern eine Reihe von Spaltungen durch, verlor aufgrund ihrer Weigerung, den Generalstreik von 1980 zu unterstützen, jeden Rückhalt in der Arbeiterklasse und verschwand spurlos.

Die Bündnispolitik und Klassenkollaboration der LSSP wird heute von der Nava Sama Samaja Party (NSSP) und ihrer Abspaltung, der United Socialist Party (USP) fortgeführt, deren Anführer nach dem Verrat von 1964 noch mehr als zehn Jahre in der LSSP geblieben waren. Obwohl die NSSP und die USP die SLFP jahrelang als das "kleinere Übel" im Vergleich zu der rechten UNP dargestellt hatten, befinden sie sich heute in einem de-facto-Bündnis mit der UNP und stellen sie als die "demokratische Alternative" zu der "diktatorischen" SLFP-Regierung dar.

Die JVP spielte Ende der 1980er Jahre eine besonders reaktionäre Rolle, mit der sie Keerthi Balasuriyas Analyse bestätigte. Sie organisierte eine faschistische Kampagne gegen das indisch-srilankische Abkommen, das den Weg für die Entwaffnung der LTTE durch indische "Friedenstruppen" geebnet hatte. JVP-Amokschützen töteten hunderte von politischen Gegnern und Arbeitern, die sich weigerten, ihre "patriotischen" Streiks und Proteste zu unterstützen. Dennoch wurde die JVP in das politische Establishment integriert, nachdem die SLFP 1994 an die Macht kam. Im Jahr 2004 trat sie schließlich einer Regierung unter Führung der SLFP bei.

Die LTTE, die im Auftrag der tamilischen Bourgeoisie agierte, versuchte mehrfach, die Unterstützung des Imperialismus für einen eigenständigen kapitalistischen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel in, gewinnen und ihn in eine neue Quelle billiger Arbeitskräfte zu verwandeln. Aber ihre Appelle stießen auf taube Ohren, da Indien, das von den USA unterstützt wurde, befürchtete, der Plan könnte separatistische Stimmungen im eigenen Land auslösen. Die Niederlage der LTTE im Kampf gegen das srilankische Militär im Jahr 2009 war nicht nur eine militärische, sondern ergab sich auch aus dem Bankrott der bürgerlichen politischen Agenda. Da die LTTE keine Appelle an die tamilischen Arbeiter, geschweige denn an die Arbeiterklasse auf der ganzen Insel, in Indien und weltweit richten konnte, konnte sie nur ohnmächtige Appelle an die USA und andere Mächte richten, die in Wirklichkeit Colombos Krieg unterstützten.

Nur das IKVI und die RCL, die mittlerweile die Socialist Equality Party von Sri Lanka ist, kämpften dafür, die Arbeiterklasse auf der Grundlage des sozialistischen Internationalismus zu vereinen und wiesen alle Formen von Nationalismus und Kommunalismus zurück. Die SEP wurde geleitet von Leo Trotzkis Theorie der permanenten Revolution, die demonstrierte, dass in den rückständigen kapitalistischen Staaten kein Teil der Bourgeoisie in der Lage ist, einen dauerhaften Kampf gegen den Imperialismus zu führen oder die grundlegenden demokratischen und sozialen Aufgaben zu erfüllen. Die Perspektive der SEP ist verkörpert in ihrem Kampf für eine Sozialistische Republik von Sri Lanka und Eelam als Teil des Kampfes für den Sozialismus in Südasien und weltweit.

Dieser Kampf ist heute von besonderer Bedeutung. Der Zusammenbruch des Weltkapitalismus, der mit der Weltfinanzkrise 2008 begann, hat die geopolitischen Spannungen und den Militarismus deutlich verschärft, während die Regierungen der arbeitenden Bevölkerung in allen Ländern Sparkurse aufzwingen. Der US-Imperialismus, der die Region bereits durch seine Kriege in Afghanistan und dem Irak destabilisiert hat, führt einen neuen, noch gefährlicheren Krieg im Nahen Osten, liefert sich eine Konfrontation mit Russland um die Ukraine und betreibt eine aggressive "Konzentration auf Asien," um China politisch zu schwächen und militärisch einzukreisen. Einhundert Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs droht ein dritter globaler Flächenbrand.

Sri Lanka steckt mitten in diesem Strudel geopolitischer Rivalitäten. Wie überall auf der Welt, stellen sich auch hier diverse pseudolinke Parteien, die sich früher als "antiimperialistisch" dargestellt haben, auf die Seite einer Fraktion der Kapitalistenklasse, während sie um die Unterstützung der imperialistischen Mächte werben. Das bemerkenswerteste ist die Anpassung der NSSP und der USP an die UNP, die seit langem für ihre Beziehungen zum US-Imperialismus berüchtigt ist.

Das IKVI ist die einzige Organisation der Welt, die für den Aufbau einer vereinten Antikriegsbewegung der internationalen Arbeiterklasse kämpft, um die Entwicklung zu einem Weltkrieg durch die Abschaffung des Kapitalismus zu verhindern, der die Ursache für Kriege ist. Der lange und schwierige politische Kampf der RCL/SEP gegen die Folgen des Verrats der LSSP beinhaltet wichtige Lehren für die Arbeiterklasse in Sri Lanka, Südasien und der ganzen Welt. Dieser Prozess wurde in Die historischen und internationalen Grundlagen der Socialist Equality Party (Sri Lanka) detailliert beschrieben. Wir rufen Arbeiter und Jugendliche, die einen revolutionären Ausweg aus der Katastrophe suchen, die der Kapitalismus vorbereitet, dazu auf, diese politischen Lehren zu studieren, sich um die Aufnahme im IKVI zu bewerben und es in Asien und weltweit aufzubauen.