Antikriegs-Kampagne der IYSSE stößt auf Resonanz unter Arbeitern und Jugendlichen

Von unserem Korrespondenten
22. Oktober 2014

Die Kampagne der Jugendorganisation der Partei für Soziale Gleichheit, der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), gegen die Wiederkehr des deutschen Militarismus stößt auch unter Arbeitern und Lehrlingen auf großes Interesse. Die IYSSE werben für die Berliner Veranstaltung, die an der Humboldt-Universität stattfindet, nicht nur unter Studenten, sondern auch vor Betrieben, Jobcentern und Berufsschulen.

Infostand der IYSSE

Obwohl viele Arbeiter die Jobcenter frustriert verlassen, weil sie keine ausreichende Unterstützung bekommen oder sich hilflos einem bürokratischen Netzwerk ausgeliefert sehen, blieben zahlreiche stehen, als sie von der Kampagne gegen Krieg hörten. Viele kauften die Resolution „Die Rückkehr des deutschen Imperialismus und die Aufgaben der Partei für Soziale Gleichheit„ und wollen zur Veranstaltung kommen.

Nico, der morgens das Jobcenter in Wedding verließ, zog eine Verbindung zwischen der wachsenden Militarisierung und den sozialen Angriffen der Regierung. „Wenn sie jetzt die Bundeswehr aufrüsten, fehlt noch mehr Geld für die Unterstützung von Arbeitslosen oder Ausbildung“, sagte er.

Nico berichtete, er habe vor etwa einem Jahr seine Wohnung verloren, als der neue Besitzer nach einer Renovierung des Vorderhauses auch die Mieten im Hinterhaus erhöhte. Er konnte diese Mieterhöhung mit seinem Einkommen nicht mehr bezahlen. Zuerst kam er bei Freunden unter, als er jedoch seine Arbeit verlor, schrumpfte auch sein Freundeskreis auf eine kleine Gruppe.

„Es ist ein Teufelskreis,“ sagte er. „Ich habe keinen festen Wohnsitz, da ich mich nicht mit einer Adresse des Obdachlosenheims oder einer Freundesadresse anmelden kann. Ohne festen Wohnsitz nimmt mich kein Arbeitgeber. Aber kein Wohnungsbesitzer wird mir einen Mietvertrag geben, wenn ich keine Arbeitsstelle mit festem Einkommen vorweisen kann.“

Auf die Frage, ob ihm nicht das Sozialamt eine Wohnung zuweisen könne, winkte er ab. „Die sagen immer, dass da noch viel bedürftigere Leute sind, die zuerst bedient werden müssten. Langsam gebe ich die Hoffnung auf. Die sollen sich bloß nicht wundern, wenn man ins kriminelle Milieu absinkt. Wenn das passiert, dann schreien sie alle und wundern sich.“

Nico reagierte sehr positiv darauf, dass es eine Jugendorganisation und eine Partei gibt, die sich für ein Grundrecht auf Arbeit und gutes Einkommen einsetzt und die Arbeiter international auf der Grundlage eines sozialistischen Programms zusammenschließen will.

Auch Eva sieht einen Zusammenhang zwischen den Sparmaßnahmen, die in ganz Europa stattfinden, und den Kriegsvorbereitungen. Besonders schockiert ist sie über die einseitige Berichterstattung der Medien etwa im Ukraine-Konflikt.

Das Jobcenter Wedding verließ Eva ohne Hilfe erhalten zu haben. „Ich hatte eine gute Arbeitsstelle in einer Berliner Schule. Es gab eine Stelle zur Unterstützung von lernbehinderten Kindern. Ich hatte auch sehr viel Spaß daran, Kindern zu helfen, besser Lesen und sich deutlicher ausdrücken zu können. Dann ging die Stelle wegen der Sparmaßnahmen des Berliner Senats verloren und ich konnte keine passende Ersatzstelle finden.“

Sie habe auch Schwierigkeiten, sich bei einer neuen Stelle zu bewerben, da die Rektorin ihrer alten Schule krank geschrieben sei und die Vertretung kein Arbeitszeugnis ausstellen wolle, weil sie ihre Leistung nicht kenne. „Es ist frustrierend zu sehen, dass doch viele Kinder eine Lernhilfe brauchen, die ich geben könnte, aber die Schulverwaltung und der Senat die entsprechenden Arbeitsstellen dort streichen, wo man den geringsten Widerstand gegen solche Streichungen erwartet.“

Vor dem Tempelhofer Hafen gingen viele Arbeiter im Einkaufsstress des Samstags zuerst am Informationsstand der IYSSE vorbei, hielten dann aber inne und nahmen interessiert das Flugblatt über die Veranstaltung. Wie viele andere äußerte sich ein Ehepaar sehr entrüstet über die einseitige Berichterstattung der Medien und kaufte die Resolution der PSG. Sie hatten auch gelesen, dass sogar der gemäßigte Fernsehrat die Rechtslastigkeit der Reportagen über die Ukraine gerügt hatte.

An den Berufs- und Berufsfachschulen nahmen zahlreiche interessierte Lehrlinge und Schüler die Flugblätter entgegen. Am Oberstufenzentrum in Neukölln kam Michael, ein Fachoberschüler, auf uns zu und sagte zu seinen Freunden spontan: „Die WSWS ist eine gute Internetzeitung, die ihr mal lesen solltet. Ich lese sie regelmäßig und finde die Analysen zu den politischen Ereignissen sehr gut.“

Zur Debatte über die defekte Bundeswehrausrüstung meinte er: „Als ob sie das erst jetzt festgestellt hätten! Das wissen die doch schon lange. Aber heute brauchen sie die Debatte, um die Bevölkerung auf wachsende Militärausgaben einzustimmen. Vor allem die Berichte über die humanitäre Krise in Kobane werden benutzt, um den Export von Waffen und ein militärisches Eingreifen im Ausland zu rechtfertigen.“

Er fand die Veranstaltung der IYSSE gegen den Militarismus sehr wichtig, da man gegen diese Entwicklung Stellung beziehen müsse.