Spanische Studenten vertreiben ukrainische Faschisten vom Campus

Von Alfie Cook
22. Oktober 2014

Studenten der Madrider Universität Complutense haben faschistische Schläger vertrieben, die eine Veranstaltung zum Angriff am 2. Mai auf das Gewerkschaftshaus in Odessa in der Ukraine zu stören versuchten. Damals waren etwa 42 Menschen umgekommen und 170 verletzt worden. Die ukrainische Botschaft in Madrid war in die Provokation an der Universität verwickelt.

Die Veranstaltung war Teil einer Reihe von Vorträgen, „Runden Tischen“ und Gesprächskreisen, die am 23. Oktober enden soll. Sie befassen sich mit dem Thema „Die humanitäre Krise in der Südostukraine und ihre Folgen für Europa.“ Organisator ist der Fachbereich Politologie und Soziologie in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Antifaschistischen Unterstützungskomitee und der Globalen Plattform gegen Krieg.

Zusätzlich wird die Fotoausstellung “Die Tragödie von Odessa” an der Universität gezeigt, in der Fotografien aus Odessa, Donezk und Lugansk zu sehen sind. Sie wird von der Gruppe „Gedenkt Odessa, Stoppt den Faschismus“ gezeigt. Sie ist schon durch ein Dutzend europäische Länder und Indien gereist.

Ein YouTube-Video zeigt, wie am 8. Oktober Mitglieder der Neonazi-Partei Swoboda (Freiheit) kurz vor Beginn der Veranstaltung den Saal stürmten und ukrainische Fahnen und Spruchbänder schwenkten.. Sie riefen „Stepan Bandera“ (ukrainischer Nationalistenführer, der im Zweiten Weltkrieg mit den Nazis zusammengearbeitet hatte) und attackierten und bedrohten Studenten.

Empörte Studenten brachen in “Faschisten raus!”-Rufe aus und vertrieben sie vom Campus. Sie wurden danach neben einem weißen Van beobachtet, der als Diplomatenfahrzeug gekennzeichnet und auf die ukrainische Botschaft zugelassen war.

In einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti heißt es, die ukrainische Botschaft habe “bestätigt”, dass ein Vertreter der Botschaft die Veranstaltung als Zuhörer besucht habe. El Pais machte bekannt, dass der ukrainische Botschafter Serhyj Pohorelzew dem Rektor der Universität, José Carillo Menéndez, seine „große Besorgnis“ über die Fotoausstellung mitgeteilt und die Universitätsleitung ersucht habe, sie abzusagen, weil sie „russische Propaganda“ und „offensichtlich antiukrainischer Natur“ sei.

News Rin zufolge war dies nicht der erste Versuch “ukrainischer Neonazis”, die Fotoausstellung über das Odessa-Massaker zu stören. Ähnliche Provokationen hat es in Warschau, Brüssel, Wien und Graz gegeben.

Die Studenten in Madrid verdienen Hochachtung dafür, dass sie der gewaltsamen Provokation Widerstand geleistet und die Faschisten vom Campus vertrieben haben. Das Land hat bittere Erfahrungen mit Diktatur und Brutalität unter dem Regime von General Francisco Franco gemacht.

Die Folgen des Massakers und die Rolle der Swoboda-Partei als Sturmtruppen beim Sturz der damaligen ukrainischen Regierung müssen offen diskutiert werden. Mit der Provokation in Odessa und der folgenden militärischen Offensive der ukrainischen Armee im Osten des Landes sollte jede Opposition gegen das Putschregime in Kiew eingeschüchtert werden, das sich verpflichtet hat, die drastischen Sparforderungen des IWF und der Europäischen Union umzusetzen.

Aus diesem Grund haben die Regierungen in Washington und Berlin gemeinsame Sache gemacht mit den mörderischen Kräften, die für die Gräueltat vom 2. Mai in Odessa verantwortlich sind, und sind sogar das Risiko eines militärischen Konflikts mit Russland eingegangen.

Seitdem haben die westlichen Medien und zahlreiche pseudolinke Gruppierungen praktisch eine Nachrichtensperre über die Ereignisse verhängt, um das extrem rechte reaktionäre Regime in Kiew in Schutz zu nehmen und die Verantwortung für das Massaker sogar den prorussischen Kräften, d.h. den Opfern selbst zuzuschieben. Der schwedische Außenminister Carl Bildt, der schon seit langem Verbindungen zu neokonservativen Thinktanks unterhält, postete am Tag des Massakers auf Twitter: „Schrecklich, mindestens 38 Tote in Odessa. Es begann wohl mit dem Versuch prorussischer Kräfte, die Kontrolle über das Gebäude zu erlangen.“

Allerdings darf eine offene Diskussion über das Massaker nicht bedeuten, den Veranstaltern der Fotoausstellung, Sergei Marchel und Oleg Muzyka, politische Unterstützung zu geben und ihnen Glaubwürdigkeit zu attestieren. Beide sind Mitglieder der extrem rechten nationalistischen Partei Rodina (Mutterlandspartei) in Russland.

Am 9. Mai 2011 demonstrierte Rodina gemeinsam mit der Russischen Einheit durch Lwiw in der Ukraine unter Rufen wie „Chochly sind Schmutz, wir werden siegen!“(„Chochly“ ist ein russisches Schimpfwort für Ukrainer), und forderte den Bau eines Denkmals für Kaiserin Katharina die Große. Auf YouTube sind Videos zu finden, auf denen Muzyka auf Rodina-Kundgebungen gegen das „homosexuelle Europa“ hetzt.